Donnerstag, 19. Juli 2018

Gesellschaftliche Produktivkräfte der Arbeit.

Metropolis

Da die lebendige Arbeit – innerhalb des Produktionsprozesses – dem Kapital bereits einverleibt ist, stellen sich alle gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit als Produktivkräfte, als dem Kapital inhärente Eigenschaften dar, ganz wie im Geld der allgemeine Charakter der Arbeit, soweit sie wertbildend, als Eigenschaft eines Dings erschien. Umsomehr jenes der Fall, als 

1) zwar die Arbeit als Aeusserung des Arbeitsvermögens, als Anstrengung dem einzelnen Arbeiter gehört (es ist das, womit er |78| realiter dem Kapitalisten zahlt, was er ihm gibt), obgleich sie als sich im Produkt vergegenständ- licht, als dem Kapitalisten gehörig, dagegen die gesellschaftliche Kombination, worin die einzelnen Arbeitsvermögen nur als besondre Organe des das Gesamtatelier bildenden Gesamt-Arbeitsvermögens funktionieren, nicht ihnen gehört, sondern ihnen vielmehr als kapitalistisches Arrangement entgegentritt, ihnen angetan wird; 

2) diese gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit oder Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit sich historisch erst mit der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise entwickeln, also als etwas dem Kapitalverhältnis Immanen- tes und von ihm Untrennbares erscheinen; 

3) die Objektiven Arbeitsbedingungen, mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, eine veränderte Gestalt annehmen, durch die Dimension, worin, und die Oekonomie, womit sie angewandt werden (ganz abge- sehn von der Form der Maschinerie etc.). Sie werden entwickelter als konzentrierte Produktionsmittel, gesell- schaftlichen Reichtum darstellend, und was eigentlich das Ganze erschöpft, im Umfang und dem Effekt der Pro- duktionsbedingungen gesellschaftlich kombinierter Arbeit.

Von der Kombination der Arbeit selbst abgesehn, erscheint dieser gesellschaftliche Charakter der Arbeitsbedingungen – wozu unter anderem ihre Form als Maschinerie und capital fixe in jeder Form gehört – als etwas durchaus Selbständiges, vom Arbeiter unabhängig existierendes, als eine Existenzweise des Kapitals und daher auch unab- hängig von den Arbeitern durch die Kapitalisten Arrangiertes. Wie der gesellschaftliche Charakter ihrer eignen Ar- beit, so erscheint noch viel mehr der gesellschaftliche Charakter den die Produktionsbedingungen als gemeinschaftliche Produktionsbedingungen kombinierter Arbeit erhalten, als kapitalistischer, unabhängig von den Arbeitern diesen Produktionsbedingungen als solchen zukommender Charakter. 
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aus Karl Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses, Archiv sozialistischer Literatur 17, Neue Kritik, Frankfurt a.M. 1968, S. 77f.
  



Nota. - Seit sie vom Kapitalisten entlohnt wurde, gehört die Arbeitskraft und alles, was sie leistet, ganz und gar dem Kapital. Dem Blick des Kritikers entgeht nicht, dass die Steigerung der Produktivkraft der Arbeit zwar dem Kapital rechtmäßig 'gehört'; nicht aber von ihm selbst geleistet wird: Es verleibt vielmehr allgemeinen gesell- schaftlichen Reichtum - und zwar nicht als Tauschwert, sondern in seiner Naturalform als Gebrauchswert - dem Produktionsprozess ein. Doch eine Leistung der Arbeiter ist es schon gar nicht. Nur weil das Kapital Kapital ist, kann es den gesellschaftlichen Reichtum produktiv werden lassen. Die Trennung des Arbeiters von seinem Pro- duktionsmittel bleibt in jedem Fall die Voraussetzung.
JE


 

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