Samstag, 31. Oktober 2015

Gemeindeland bei den Römern und bei den Germanen.

Ullastret in Katalonien

Zwar kommt auch bei den Germanen der ager publicus, das Gemeindeland vor oder Volksland, im Unterschied von dem Eigenthum des Einzelnen. Er ist Jagdgrund, Weidegrund, Holzungsgrund etc, der Theil des Landes, der nicht getheilt werden kann, wenn er in dieser bestimmten Form als Productionsmittel dienen soll. Indeß erscheint nicht, wie bei den Römern z. B. dieser ager publicus als das besondre ökonomische Dasein des Staats neben den Privateigenthümern, so daß diese eigentlich Privateigenthümer als solche sind, so weit sie ausgeschlos-sen waren, privirt waren, wie die Plebejer [von] der Benutzung des ager publicus. 

Der ager publicus erscheint vielmehr nur als Ergänzung des individuellen Eigenthums bei den Germanen und figurirt als Eigenthum nur, so weit er gegen feindliche Stämme als Gemeinbesitz des einen Stammes verfochten wird. Das Eigenthum des Einzelnen erscheint nicht vermittelt durch die Gemeinde, sondern das Dasein der Gemeinde und des Gemeindeeigenthums als vermittelt d. h. als Beziehung der selbstständigen Subjecte auf einander. Das ökonomische Ganze ist au fond in jedem Einzelnen Hause enthalten, das für sich ein selbststän-diges Centrum der Production bildet (Manufactur rein als häusliche Nebenarbeit der Weiber etc). 

In der antiken Welt ist die Stadt mit ihrer Landmark das ökonomische Ganze; in der germanischen der einzelne Wohnsitz, der selbst nur als Punkt in dem zu ihm gehörigen Land erscheint, keine Concentration vieler Eigen-thümer ist, sondern Familie als selbstständige Einheit. In der asiatischen (wenigstens vorherrschenden) Form, kein Eigenthum, sondern nur Besitz des Einzelnen; die Gemeinde der eigentliche wirkliche Eigenthümer – also Eigenthum nur als gemeinschaftliches Eigenthum an dem Boden.
___________________________________________ 
Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 388 [MEW 42, S. 391f.] 

Nota. - Im Mittelmeerraum bestehen die Gemeinwesen unmittelbar im Zusammenwohnen - synoikismós - in einer befestigten Siedlung: Stadt, polis, Staat, res publica. Bei den Germanen entsteht es unmittelbar immer wieder neu - im Thing und in der Heerschar. War das Leben am Mittelmeer generell kriegerischer? War die Sesshaftig-keit bei den Germanen noch geringer? Waren Landnahme und Urbarmachung am Mittelmeer mühseliger? Usw.
JE


Freitag, 30. Oktober 2015

Germanische Gemeinde und antike Polis.



Bei den Antiken (Römer als das klassischste Beispiel, die Sache in der reinsten, ausgeprägtsten Form) gegen-sätzliche Form von Staatsgrundeigenthum und Privatgrundeigenthum, so daß das leztre durch das erstre ver-mittelt oder das erstre selbst in dieser doppelten Form existirt. Der Privatgrundeigenthümer daher zugleich städtischer Bürger. Oekonomisch löst sich das Staatsbürgerthum in die einfache Form auf, daß der Landmann Bewohner einer Stadt. In der / germanischen Form der Landmann nicht Staatsbürger, d. h. nicht Städtebewoh-ner, sondern Grundlage die isolirte, selbstständige Familienwohnung, garantirt durch den Verband mit andren solchen Familienwohnungen vom selben Stamm und ihr gelegentliches, für Krieg, Religion, Rechtsschlichtung etc Zusammenkommen für solche wechselseitige Bürgschaft. 

Das individuelle Grundeigenthum erscheint hier nicht als gegensätzliche Form des Grundeigenthums der Ge-meinde, noch als durch sie vermittelt, sondern umgekehrt. Die Gemeinde existirt nur in der Beziehung dieser individuellen Grundeigenthümer als solcher auf einander. Das Gemeindeeigenthum als solches erscheint nur als gemeinschaftliches Zubehör zu den individuellen Stammsitzen und Bodenaneignungen. 

Weder ist die Gemeinde die Substanz an der der Einzelne nur als Accident erscheint; noch das Allgemeine, das als solches, sowohl in seiner Vorstellung, wie in der Existenz der Stadt und ihrer städtischen Bedürfnisse im Unterschied von denen des Einzelnen, oder in ihrem städtischen Grund und Boden als ihrem besondren Da-sein im Unterschied von dem besondren ökonomischen Dasein des Gemeindeglieds, eine seiende Einheit ist; sondern einerseits ist die Gemeinde an sich als das Gemeinschaftliche in Sprache, Blut etc dem individuellen Eigenthümer vorausgesezt; als Dasein existirt sie aber nur andrerseits in ihrer wirklichen Versammlung für ge-meinschaftliche Zwecke, und so weit sie besondre ökonomische Existenz hat, in dem gemeinsam benuzten Jagd-, Weideland etc, wird sie so benuzt von Jedem Individuellen Eigenthümer als solchem, nicht als Repräsen-tanten (wie in Rom) des Staats; wirklich gemeinsames Eigenthum der individuellen Eigenthümer, nicht des Vereins dieser Eigenthümer als in der Stadt selbst von sich als einzelnen eine gesonderte Existenz besitzend. 
___________________________________________ 
Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 388f. [MEW 42, S. 393f.]



Donnerstag, 29. Oktober 2015

Was ist der Reichtum anders als... ?


Wir finden bei den Alten nie eine Untersuchung, welche Form des Grundeigenthums etc die productivste, den größten Reichthum schafft? Der Reichthum erscheint nicht als Zweck der Production, obgleich sehr wohl Cato untersuchen kann, welche Bestellung des Feldes die einträglichste, oder gar Brutus sein Geld zu den besten Zinsen ausborgen kann. Die Untersuchung ist immer, welche Weise des Eigenthums die besten Staatsbürger schafft. Als Selbstzweck erscheint der Reichthum nur bei den wenigen Handelsvölkern – Monopolisten des carrying trade –, die in den Poren der alten Welt leben, wie die Juden in der mittelaltrigen Gesellschaft. 

Nun ist der Reichthum einerseits Sache, verwirklicht in Sachen, materiellen Producten, denen der Mensch als Subject gegenübersteht; andrerseits als Werth ist er bloses Commando über fremde Arbeit nicht zum Zweck der Herrschaft, sondern des Privatgenusses etc. In allen Formen erscheint er in dinglicher Gestalt, sei es Sache, sei es Verhältniß vermittelst der Sache, die ausser und zufällig neben dem Individuum liegt. So erscheint die alte Anschauung, wo der Mensch, in welcher bornirten nationalen, religiösen, politischen Bestimmung auch immer als Zweck der Production erscheint, sehr erhaben zu sein gegen die moderne Welt, wo die Production als Zweck des Menschen und der Reichthum als Zweck der Production erscheint. 

In fact aber, wenn die bornirte bürgerliche Form abgestreift wird, was ist der Reichthum anders, als die im universellen Austausch erzeugte Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten, Genüsse, Productivkräfte etc der Individuen? Die volle Entwicklung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte, die der s. g. Natur sowohl, wie seiner eignen Natur? Das absolute Herausarbeiten seiner schöpferischen Anlagen, ohne andre Voraussetzung als die vorhergegangne historische Entwicklung, die diese Totalität der Entwicklung, d. h. der Entwicklung aller menschlichen Kräfte als solcher, nicht gemessen an einem vorhergegebnen Maaßstab, zum Selbstzweck macht? wo er sich nicht reproducirt in einer Bestimmtheit, sondern seine Totalität producirt? Nicht irgend etwas Gewordnes zu bleiben sucht, sondern in der absoluten Bewegung des Werdens ist? 

In der bürgerlichen Oekonomie – und der Productionsepoche der sie entspricht – erscheint diese völlige Herausarbeitung des menschlichen Innern als völlige Entleerung; diese universelle Vergegenständlichung als totale Entfremdung, und die Niederreissung aller bestimmten einseitigen Zwecke als Aufopferung des Selbstzwecks unter einen ganz äusseren Zweck. Daher erscheint einerseits die kindische alte Welt als das Höhere. Andrerseits ist sie es in alle dem, wo geschloßne Gestalt, Form, und gegebne Begrenzung gesucht wird. Sie ist Befriedigung auf einem bornirten Standpunkt; während das Moderne unbefriedigt läßt, oder wo es in sich befriedigt erscheint, gemein ist. 
___________________________________________ 
Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 391f. [MEW 42, S. 395]


Mittwoch, 28. Oktober 2015

Tauschwert im Naturalientausch?


beforeitsnews

In dem barter* ist indeß der Tauschwerth das Product nur an sich; es ist die erste Erscheinungsform desselben; aber das Product ist noch nicht als Tauschwerth gesezt. Erstens greift diese Bestimmung nicht über die ganze Production über, sondern betrifft nur ihren Ueberfluß und ist daher mehr oder minder selbst überflüssig (wie der Austausch selbst); eine zufällige Erweiterung des Kreises der Befriedigungen, Genüsse (Beziehung zu neuen Objekten). 

Er geht daher nur an wenigen Punkten vor (ursprünglich da, wo die naturwüchsigen Gemeinheiten aufhörten, in ihrem Contact mit Fremden), ist auf kleinen Umkreis beschränkt, und bildet ein an der Production Vorüber-gehndes, Beiläufiges; erlischt ebenso zufällig, wie er entsteht. Der Tauschhandel worin der Ueberfluß der eig-nen Production zufällig gegen den der fremden ausgetauscht wird, ist nur das erste Vorkommen des Products als Tauschwerth im Allgemeinen und wird bestimmt durch zufällige Be- dürfnisse, Gelüste etc. 

Sollte er aber fortgesezt werden, ein continuirlicher Akt werden, der in sich selbst die Mittel zu seiner steten Erneurung enthält, so kömmt ebenso äusserlich zufällig nach und nach die Regulation des wechselseitigen Austauschs durch die Regulation der wechselseitigen Production herein und die Productionskosten, die sich schließlich alle in Arbeitszeit auflösen, würden so das Maaß des Austauschs werden. Dieß zeigt uns wie der Austausch wird und der Tauschwerth der Waare. 

Die Umstände unter denen ein Verhältniß zuerst vorkommt, zeigen uns dasselbe aber keineswegs, weder in seiner Reinheit, noch in seiner Totalität. Ein Product als Tauschwerth gesezt ist wesentlich nicht mehr als einfaches bestimmt; es ist in einer von seiner natürlichen Qualität verschiednen gesezt; es ist als Verhältniß gesezt und zwar dieß Verhältniß allgemein, nicht zu einer Waare, / sondern zu jeder Waare, zu jedem mög-lichen Product. Es drückt also ein allgemeines Verhältniß aus; das Product das sich zu sich als der Realisation eines bestimmten Quantums der allgemeinen Arbeit, der gesellschaftlichen Arbeitszeit verhält und insofern das Equivalent für jedes andre Product in dem in seinem Tauschwerth ausgedrückten Verhältniß ist. Der Tausch-werth unterstellt die gesellschaftliche Arbeit als die Substanz aller Producte, ganz abgesehn von ihrer Natür-lichkeit. Es kann nichts ein Verhältniß ausdrücken ohne sich zu Einem zu verhalten; und kein allgemeines Verhältniß ohne sich zu einem Allgemeinen zu verhalten.

Da die Arbeit Bewegung ist, ist die Zeit ihr natürliches Maaß. Der barter in seiner rohsten Form unterstellt die Arbeit als Substanz und die Arbeitszeit als Maaß der Waaren; was dann auch heraustritt, sobald er regularisirt, continuirlich wird, er in sich selbst die wechselseitigen Bedingungen seiner Erneurung enthalten soll. ___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 133f. [MEW 42, S. 134f.]  

*) Austausch von Naturalien

Nota. - Wir sind hier noch in Heft I des Manuskripts. Noch haben die Begriffe ihr Eigenleben: Tauschwert "an sich", er selbst ist es, der als Substanz "heraustritt" aus der Erscheinung. Noch scheint ein Allgemeines 'da' zu sein, bevor ein allgemeines Verhältnis entstehen konnte. 

JE



Dienstag, 27. Oktober 2015

Allseitige Vermittlung ist allgegenseitige Abhängigkeit.



Diese wechselseitige Abhängigkeit ausgedrückt in der beständigen Nothwendigkeit des Austauschs, und in dem Tauschwerth als allseitigem Vermittler. Die Oekonomen drücken das so aus: Jeder verfolgt sein Privatinteresse und nur sein Privatinteresse; und dient dadurch, ohne es zu wollen und zu wissen, den Privatinteressen aller, den allgemeinen Interessen. 

Der Witz besteht nicht darin, daß indem jeder sein Privatinteresse verfolgt, die Gesammtheit der Privatinteres-sen, also das allgemeine Interesse erreicht wird. Vielmehr könnte aus dieser abstrakten Phrase gefolgert werden, daß jeder wechselseitig die Geltendmachung des Interesses der andern hemmt, und statt einer allgemeinen Af-firmation, vielmehr eine allgemeine Negation aus diesem bellum omnium contra omnes resultirt. 

Die Pointe liegt vielmehr darin, daß das Privatinteresse selbst schon ein gesellschaftlich bestimmtes Interesse ist und nur innerhalb der von der Gesellschaft gesezten Bedingungen und mit den von ihr gegebnen Mitteln er-reicht werden kann, also an die Reproduction dieser Bedingungen und Mittel gebunden ist. Es ist das Interesse der Privaten; aber dessen Inhalt, wie Form und Mittel der Verwirklichung durch von allen unabhängige gesell-schaftliche Bedingungen gegeben. / 

Die wechselseitige und allseitige Abhängigkeit der gegen einander gleichgültigen Individuen bildet ihren gesell-schaftlichen Zusammenhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedrückt im Tauschwerth, worin für jedes Individuum seine eigne Thätigkeit oder sein Product erst eine Thätigkeit und ein Product für es wird; es muß ein allgemeines Product produciren – den Tauschwerth oder, diesen für sich isolirt, individualisirt, Geld. Andrerseits die Macht, die jedes Individuum über die Thätigkeit der andren oder über die gesellschaftlichen Reichthümer ausübt, besteht in ihm als dem Eigner von Tauschwerthen, von Geld. Es trägt seine gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der Tasche mit sich. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 89f. [MEW 42, S. 90]  






Montag, 26. Oktober 2015

Die als flüchtig gesetzte Substanz.


Das Geld in seiner lezten, vollendeten Bestimmung erscheint nun nach allen Seiten als ein Widerspruch, der sich selbst auflöst; zu seiner eignen Auflösung treibt. Als allgemeine Form des Reichthums steht ihm die ganze Welt der wirklichen Reichthümer gegenüber. Es ist die reine Abstraction derselben, – daher so festgehalten blose Einbildung. Wo der Reichthum in ganz materieller, handgreiflicher Form als solcher zu existiren scheint, hat er [als Geld] seine Existenz blos in meinem Kopf, ist ein reines Hirngespinst. Midas.

Andrerseits als materieller Repräsentant des allgemeinen Reichthums wird es blos verwirklicht, indem es wieder in Circulation geworfen, gegen die einzelnen besondren Weisen des Reichthums verschwindet. In der Circula-tion bleibt es als Circulationsmittel; aber für das aufhäufende Individuum geht es verloren und dieß Verschwin-den ist die einzig mögliche Weise es als Reichthum zu versichern. 

Die Auflösung des Aufgespeicherten in einzelnen Genüssen ist seine Verwirklichung. Es kann nun wieder von andren Einzelnen aufgespeichert werden, aber dann fängt derselbe Prozeß von neuem an. Ich kann sein Sein für mich nur wirklich setzen, indem ich es als bloses Sein für andre hingebe. Will ich es festhalten, so verdun-stet es unter der Hand in ein bloses Gespenst des wirklichen Reichthums. 

Ferner: Das Vermehren desselben durch seine Aufhäufung, daß seine eigne Quantität das Maaß seines Werths ist, zeigt sich wieder als falsch. Wenn die andren Reichthümer sich nicht aufhäufen, so verliert es selbst seinen Werth in dem Maaß in dem es aufgehäuft wird. Was als seine Vermehrung erscheint, ist in der That seine Abnahme. Seine Selbstständigkeit ist nur Schein; seine Unabhängigkeit von der Circulation besteht nur in Rücksicht auf sie, als Abhängigkeit von ihr. Es giebt vor allgemeine Waare zu sein, aber ihrer Natürlichen Besonderheit wegen, ist es wieder eine besondre Waare, deren Werth sowohl von Nachfrage und Zufuhr abhängt, als er wechselt mit seinen spezifischen Productionskosten. 

Und da es selbst in Gold und Silber sich incarnirt, wird es in jeder wirklichen Form einseitig; so daß wenn das eine als Geld das andre als besondre Waare und vice versa erscheint und so jedes in beiden Bestimmungen erscheint. Als der absolut Sichre, ganz von meiner Individualität unabhängige Reichthum, ist es zugleich als das mir ganz äusserliche, das Absolut Unsichre, das durch jeden Zufall von mir getrennt werden kann. Ebenso die ganz widersprechenden Bestimmungen desselben als Maaß, Circulationsmittel, und Geld als solches. 

Endlich in der lezten Bestimmung widerspricht es sich noch, weil es den Werth als solchen / repräsentiren soll; in der That aber nur ein identisches Quantum von veränderlichem Werth* repräsentirt. Es hebt sich daher auf als vollendeter Tauschwerth. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 157f. [MEW 42, S. 160]


*) nämlich als Edelmetall; aber auch die Papierwährungen wechseln ihren Wert nach Marktlage. Dagegen wird der Reichtum längst nicht mehr als Geld angehäuft, sondern "in Papieren angelegt". Deren Börsenwerte wer-den in Geld angegeben. Es steht nicht für eine Sache ein – den Wert –, sondern für ein Verhältnis: den Wert. Und ein Verhältnis ist veränderlich in dem Maße, wie die sich gegeneinander Verhaltenden ihr Verhalten än-dern.
JE



Sonntag, 25. Oktober 2015

Naturwüchsig oder geschichtlich.



Im Weltmarkt hat sich der Zusammenhang des Einzelnen mit Allen, aber auch zugleich die Unabhängigkeit dieses Zusammenhangs von den Einzelnen selbst zu einer solchen Höhe entwickelt, daß seine Bildung zugleich schon die Uebergangsbedingung aus ihm selbst enthält. Die Vergleichung an der Stelle der wirklichen Gemein-schaftlichkeit und Allgemeinheit. 

Es ist gesagt worden und mag gesagt werden, daß das Schöne und Grosse eben in diesem naturwüchsigen, vom Wissen und Wollen der Individuen unabhängigen, und grade ihre wechselseitige Unabhängigkeit und Gleich-gültigkeit gegen einander voraussetzenden Zusammenhang, materiellen und geistigen Stoffwechsel, beruht. Und sicher ist dieser sachliche Zusammenhang ihrer Zusammenhangslosigkeit vorzuziehn oder einem auf Bluturenge Natur und Herrschafts- und Knechtschafts[verhältnisse] gegründet[en] nur lokalen Zusammenhang. Es ist ebenso sicher, daß die Individuen sich ihre eignen gesellschaftlichen Zusammenhänge nicht unterordnen können, bevor sie dieselben geschaffen haben. 

Aber es ist abgeschmackt jenen nur sachlichen Zusammenhang als den naturwüchsigen, von der Natur der Individualität (im Gegensatz zum Reflectirten Wissen und Wollen) unzertrennlichen, und ihr immanenten aufzufassen. Er ist ihr Product. Er ist ein historisches Product. Er gehört einer bestimmten Phase ihrer Ent-wicklung an. Die Fremdartigkeit und Selbstständigkeit, worin er noch gegen sie existirt, beweist nur, daß sie noch in der Schöpfung der Bedingungen ihres socialen Lebens begriffen sind, statt von diesen Bedingungen aus es begonnen zu haben. Es ist der Zusammenhang, der naturwüchsige, von Individuen innerhalb be-stimmter, bornirter Productionsverhältnisse. 

Die universal entwickelten Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eignen, gemeinschaftlichen Beziehungen auch ihrer eignen gemeinschaftlichen Controlle unterworfen sind, sind kein Product der Natur, sondern der Geschichte. Der Grad und die Universalität der Entwicklung der Vermögen, worin diese Indivi-dualität möglich wird, sezt eben die Production auf der Basis der Tauschwerthe voraus, die mit der Allgemein-heit der Entfremdung des Individuums von sich und von andren, aber auch die Allgemeinheit und Allseitigkeit seiner Beziehungen und Fähigkeiten erst producirt. 

Auf frühren Stufen der Entwicklung erscheint das einzelne Individuum voller, weil es eben die Fülle seiner Beziehungen noch nicht / herausgearbeitet und als von ihm unabhängige gesellschaftliche Mächte und Ver-hältnisse sich gegenübergestellt hat. So lächerlich es ist, sich nach jener ursprünglichen Fülle zurückzusehnen: so lächerlich ist der Glaube bei jener vollen Entleerung stehnbleiben zu müssen. Ueber den Gegensatz gegen jene romantische Ansicht ist die bürgerliche nie herausgekommen und darum wird jene als berechtigter Gegensatz sie bis an ihr seeliges Ende begleiten. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 94f. [MEW 42, S. 95f.]  


Samstag, 24. Oktober 2015

Grundeigentum und industrielles Kapital.


Dieß ist aber kein formeller Unterschied, daß die Form in der er seine Revenu bezieht, sich verändert, oder die Form, worin der Arbeiter bezahlt wird, sondern es unterstellt eine totale Um-/gestaltung der Productionsweise (der Agricultur) selbst; hat daher Voraussetzungen, die auf bestimmter Entwicklung der Industrie, des Handels, und der Wissenschaft, kurz der Productivkräfte beruhn. 

Wie überhaupt die auf dem Capital und der Lohnarbeit beruhende Production nicht nur formell von andren Productionsweisen verschieden ist, sondern ebensosehr eine totale Revolution und Entwicklung der materiellen Production voraussezt. Obgleich das Capital als Handelscapital sich vollständig entwickeln kann (blos nicht so weit quantitativ) ohne diese Umgestaltung des Grundeigenthums, so nicht als Industrielles Capital. 

Selbst die Entwicklung der Manufactur sezt eine beginnende Auflösung der alten ökonomischen Grundeigen-thumsverhältnisse voraus. Andrerseits wird aus dieser punctuellen Auflösung erst die neue Form in ihrer To-talität und Breite, sobald die moderne Industrie sich zu einem hohen Grad der Ausbildung entwickelt hat, die aber selbst stets um so rascher vorangeht, je mehr sich die moderne Agricultur, die ihr entsprechende Eigen-thumsform, die ihr entsprechenden ökonomischen Verhältnisse entwickelt haben. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 200f. [MEW 42, S. 199f.]


Nota. - Der Übergang aus den vorbürgerlichen, agrarischen Gesellschaftsformen zur kapitalistischen Markt-wirtschaft ist kein "Formwechsel", sondern die Sache selbst, die Produktionsweise ändert sich.
JE



Freitag, 23. Oktober 2015

Grundeigentum und Lohnarbeit II.



Es kann also kein Zweifel existiren, daß die Lohnarbeit in ihrer klassischen Form, als die ganze Breite der Gesellschaft durchwadend und sich statt der Erde zu dem Boden machend, worauf sie steht, erst durch das moderne Grundeigenthum geschaffen wird, d.h. durch das Grundeigenthum als vom Capital selbst geschaffter Werth. Daher führt also das Grundeigenthum zurück zur Lohnarbeit. 

Es ist nach einer Seite hin betrachtet nichts als die Uebertragung der Lohnarbeit aus den Städten auf das Land, also die über die ganze Oberfläche der Gesellschaft verbreitete Lohnarbeit. Der alte Grundeigenthümer, wenn er reich ist, braucht keinen Capitalisten, um zu modernem Grundeigenthümer zu werden. Er braucht nur seine Arbeiter in Lohnarbeiter zu verwandeln und für Profit statt für Revenu zu produciren. Dann ist in seiner Person der moderne Pächter und der moderne Grundeigenthümer vorausgesezt. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 200 [MEW 42, S. 202]  





Donnerstag, 22. Oktober 2015

Lohnarbeit und Grundeigentum.

         

Es fragt sich nun, wie ergiebt sich der Uebergang aus dem Grundeigenthum in die Lohnarbeit? (Der Uebergang aus der Lohnarbeit in das Capital ergiebt sich von selbst; da dieses hier in seinen aktiven Grund zurückgegan-gen ist.) 

Historisch ist der Uebergang unstreitig. Er liegt schon darin, daß das Grundeigenthum Product des Capitals ist. Wir finden daher überall daß da, wo durch Reaction des Capitals auf die älteren Formen des Grundeigenthums das leztre sich in Geldrente verwandelt (dasselbe findet in andrer Weise statt, wo der moderne Bauer geschaf-fen wird) und daher gleichzeitig die Agricultur als durch das Capital betrieben sich in industrielle Agronomie verwandelt, nothwendig aus den cottiers, Leibeignen, Frohnbauern, Erbpächtern, Häuslern, etc Taglöhner werden, Lohnarbeiter, also die Lohnarbeit in ihrer Totalität erst geschaffen wird durch Aktion des Capitals auf das Grundeigenthum und dann sobald dieß einmal als Form herausgearbeitet ist, durch den Grundeigenthümer selbst. 

Dieser selbst clears dann, wie Steuart sagt, das Land von seinen überflüssigen Mäulern, reißt die Kinder der Erde los von der Brust, worauf sie gewachsen, und verwandelt so selbst die Erdarbeit, die ihrer Natur nach als unmittelbare Subsistenzquelle erscheint, in vermittelte Subsistenzquelle, von gesellschaftlichen Beziehungen rein abhängige. (Die wechselseitige Abhängigkeit muß erst rein herausgearbeitet sein, eh an wirkliche sociale Gemeinschaftlichkeit gedacht werden kann. Alle Verhältnisse als von der Gesellschaft gesezte, nicht als von der Natur bestimmte.) Dadurch allein die Anwendung der Wissenschaft erst möglich und die volle Productivkraft entwickelt. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 200 [MEW 42, S. 201f.]  






Mittwoch, 21. Oktober 2015

Macht der Verhältnisse, Macht von Personen.



Jedes Individuum besizt [in der bürgerlichen Gesellschaft] die gesellschaftliche Macht unter der Form einer Sache. Raubt der Sache diese gesellschaftliche Macht und ihr müßt sie Personen über die Personen geben. 

Persönliche Abhängigkeitsverhältnisse (zuerst ganz naturwüchsig) sind die ersten Gesellschaftsformen, in denen sich die menschliche Productivität nur / in geringem Umfang und auf isolirten Punkten entwickelt. 

Persönliche Unabhängigkeit auf sachlicher Abhängigkeit gegründet ist die zweite grosse Form, worin sich erst ein System des allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsels, der universalen Beziehungen, allseitiger Bedürf-nisse, und universeller Vermögen bildet. 

Freie Individualität, gegründet auf die universelle Entwicklung der Individuen und die Unterordnung ihrer gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Productivität als ihres gesellschaftlichen Vermögens, ist die 3te Stufe. 

Die 2te schafft die Bedingungen der 3ten. Patriarchalische, wie antike Zustände (ebenso feudale) verfallen daher ebenso sehr mit der Entwicklung des Handels, des Luxus, des Geldes, des Tauschwerths, wie die moderne Gesellschaft in gleichem Schritt mit ihnen emporwächst. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90f. [MEW 42, S. 91]


Nota. – Keine Macht für niemand? – Auch auf der dritten Stufe nicht: Dort haben alle gemeinsam Macht über alle. Sie werden sich darüber verständigen müssen, wie sie ihre Macht gemeinsam ausüben wollen.
JE


Nota II. - Das Foto zeigt einen Rickschafahrer, keinen Sänftenträger. Er wird sich mit Geld bezahlen lassen. Es sind die Verhältnisse, die ihn zu seinem Dienst nötigen, nicht die Herrschaften im Wagen.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Ein Verhältnis ist kein Ding.


W. Mattheuer, Verstrickt

Die wechselseitige und allseitige Abhängigkeit der gegen einander gleichgültigen Individuen bildet ihren gesellschaftlichen Zusammenhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedrückt im Tauschwerth, worin für jedes Individuum seine eigne Thätigkeit oder sein Product erst eine Thätigkeit und ein Product für es wird; es muß ein allgemeines Product produciren – den Tauschwerth oder, diesen für sich isolirt, individualisirt, Geld. Andrerseits die Macht, die jedes Individuum über die Thätigkeit der andren oder über die gesellschaftli-chen Reichthümer ausübt, besteht in ihm als dem Eigner von Tauschwerthen, von Geld. Es trägt seine gesell-schaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der Tasche mit sich.

Die Thätigkeit, welches immer ihre individuelle Erscheinungsform, und das Product der Thätigkeit, welches immer seine besondre Beschaffenheit, ist der Tauschwerth, d. h. ein Allgemeines, worin alle Individualität, Eigenheit negirt und ausgelöscht ist. Dieses ist in der That ein Zustand sehr verschieden von dem, worin das Individuum oder das in Familie und Stamm (später Gemeinwesen) naturwüchsig oder historisch erweiterte Individuum direkt aus der Natur sich reproducirt oder seine productive Thätigkeit und sein Antheil an der Production an eine bestimmte Form der Arbeit und des Products angewiesen ist und sein Verhältniß zu andren eben so bestimmt ist.

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegenüber Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Unterordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen bestehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden, ihr wechselsei-tiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.

Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Vermögen in ein sachliches. Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelba-ren Bedürfnissen der Austauschenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und Zunftwe-sen. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90 [MEW 42, S. 90f.]  



Montag, 19. Oktober 2015

Konkurrenz ist die wesentliche Bestimmung des Kapitals.




Mit Ausnahme seiner eignen Arbeiter, erscheint jedem Capitalisten gegenüber die Gesammtmasse aller andren Arbeiter nicht als Arbeiter, sondern als Consumenten; Besitzer von Tauschwerthen (Salair), Geld, das sie gegen seine Waare austauschen. Sie sind ebensoviel Centren der Circulation von denen der Akt des Austauschs aus-geht und der Tauschwerth des Capitals erhalten wird. Sie bilden einen proportionell sehr grossen Theil – ob-gleich not quite so great as is generally imagined, wenn man die eigentlich industriellen Arbeiter im Auge hält – der Consumenten. 

Je grösser ihre Anzahl – die Anzahl der industriellen Bevölkerung – und die Masse Geld, worüber sie zu verfü-gen haben, desto grösser die Austauschsphäre für das Capital. Wir haben gesehn, daß es die Tendenz des Capi-tals die Masse der industriellen Bevölkerung möglichst zu steigern. / ... 

Eigentlich geht uns hier das Verhältniß des einen Capitalisten zu den Arbeitern der andren Capitalisten noch gar nichts [an]. Es zeigt nur die Illusion jedes Capitalisten, ändert aber nichts am Verhältniß von Capital über-haupt zu Arbeit. Jeder Capitalist weiß von seinem Arbeiter, daß er ihm gegenüber nicht als Producent dem Consumenten [gegenüber] steht und wünscht seinen Consum, i. e. seine Tauschfähigkeit, sein Salair möglichst zu beschränken. Er wünscht sich natürlich die Arbeiter der andren Capitalisten als möglichst grosse Consu-menten seiner Waare. 
___________________________________________ 
Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 330-33 [MEW 42, S. 332f.]    

Nota. – Grob gesagt: Der Kapitalist wünscht, dass seine eignen Arbeiter möglichst wenig und die Arbeiter der andern Kapitalisten möglichst viel verdienen. Denn die Kapitalien konkurrieren. Anders hätte eine Arbeiter-bewegung nicht entstehen können.

Konkurrenz ist keine zufällige, sondern die wesentliche Bestimmung des Kapitals. Wieso muss das Kapital Mehrwert hervorbringen? Um es zu akkumulieren. Warum muss es akkumulieren? Weil der Konkurrent akkumuliert – und, indem er billiger produziert, sich vom gemeinsam erwirtschafteten Mehrwert durch den Ausgleich der Profitrate auf dem Markt einen Extraprofit aneignet, den er dem Konkurrenten entzieht, und schließlich schneller akkumuliert als jener – und ihn womöglich am Ende auffrisst.

Der Kapitalist kann nicht wie ein Zunftbürger sagen: Klein, aber mein; ich begnüg' mich mit dem, was ich habe. Er muss konkurrieren.
JE



Sonntag, 18. Oktober 2015

Was begrifflich vorhergeht, kommt historisch danach.



Wenn in der Theorie der Begriff des Werths dem des Capitals vorhergeht, andrerseits aber zu seiner reinen Entwicklung wieder eine auf das Capital gegründete Productionsweise unterstellt, so findet dasselbe in der Praxis statt. Die Oekonomen betrachten daher das Kapital auch nothwendig bald als Schöpfer der Werthe, Quelle derselben, wie andrerseits sie Werthe für die Bildung des Capitals voraussetzen und es selbst nur als eine Summe von Werthen in einer bestimmten Function darstellen. 

Die Existenz des Werths in seiner Reinheit und Allgemeinheit sezt eine Productionsweise voraus, worin das einzelne Product aufgehört hat, ein solches für den Producenten überhaupt und noch mehr für den einzelnen Arbeiter zu sein und ohne die Realisirung durch die Circulation nichts ist. Es ist keine formelle Bestimmung für den, der einen Infinitesimaltheil einer Elle Cattun schafft, daß sie Werth ist, Tauschwerth. Wenn er nicht einen Tauschwerth, Geld geschaffen, hätte er überhaupt nichts geschaffen. Diese Werthbestimmung selbst hat also zu ihrer Voraussetzung eine gegebne historische Stufe der gesellschaftlichen Productionsweise und ist selbst ein mit derselben gegebnes, also historisches Verhältnis. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 174 [MEW 42, S. 177]


Nota. – Erinnert sich noch einer? Bis 1990 gab es auf Erden ein kollektivistisches, "sozialistisches" Gesell-schaftssystem mit (mehr oder weniger) zentral gelenkter Staatswirtschaft, das sich mühte, den 'Wert' der Pro-duktion zu ermitteln, ohne zu bemerken, dass das Problem dabei kein technisches – das Ermitteln – war, son-dern dass ihre Produkte schlicht und einfach einen 'Wert' nicht hatten. Sie hatten Gebrauchswert, meist einen ge-ringen, aber Tauschwert hatten sie gar nicht. In Millionenauflage erschienen Lehrbücher der Politischen Ökono-mie des Sozialismus, in denen allen Ernstes von 'sozialistischer Marktwirtschaft' die Rede war - Markt ohne Kapi-talverhältnis! Markt ohne Konkurrenz! Wert ohne... Austausch von Arbeit und Kapital. 

Im selben Staatsverlag erschienen in der Regel die Werke von Marx zur Kritik der Politischen Ökonomie. Wie war solcher Schwachsinn möglich? Ganz einfach: Es gab keine öffentliche Kritik. Was immer der Staatsverlag druckte, war das jeweils letzte Wort. Dass dieses Gesellschaftssystem untergegangen ist, ist sachlich nicht scha-de. Gedanklich hat es den Verdienst, dass jene Verheerung des Geistes zu einem Ende gekommen ist.
JE



Samstag, 17. Oktober 2015

Wert ist Geltung.


Der Austausch des Arbeiters mit dem Capitalisten ist ein einfacher Austausch; jeder erhält ein Equivalent: der eine Geld, der andre eine Waare, deren Preiß exakt gleich ist dem für sie gezahlten Geld; was der Capitalist in diesem einfachen Austausch erhält ist ein Gebrauchswerth: Disposition über fremde Arbeit. Von Seiten des Arbeiters – und dieß ist der Austausch worin / er als Verkäufer erscheint – ist es evident, daß bei ihm so wenig, wie bei dem Verkäufer irgendeiner andren Waare, eines Gebrauchswerths, der Gebrauch, den der Käufer von der an ihn abgelaßnen Waare macht, die Formbestimmung des Verhältnisses angeht. Was er verkauft ist die Disposition über seine Arbeit, die eine bestimmte ist, bestimmte Kunstfertigkeit etc. 

Es ist ganz gleichgültig, was der Capitalist mit seiner Arbeit macht, obgleich er sie natürlich nur ihrer Bestimmt-heit nach verwenden kann, und seine Disposition selbst sich nur auf eine bestimmte Arbeit und eine zeitlich bestimmte Verfügung über dieselbe (so und so viel Arbeitszeit) beschränkt. ... Wenn der Capitalist sich begnüg-te mit der blosen Dispositionsfähigkeit, ohne den Arbeiter wirklich arbeiten zu lassen, z. B. um seine Arbeit als Reserve zu haben etc oder seinem Concurrenten die Dispositionsfähigkeit zu entziehen (wie z. B. Schauspieldi-rectoren Sängerinnen für eine season kaufen, nicht um sie singen zu lassen, sondern damit sie nicht auf einem Concurrenztheater singt), so hat der Austausch vollständig stattgefunden. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 205f. [MEW 42, S. 207f.]


Nota. -  Noch krasser als hier kann man es nicht aussprechen: Beim Wert - Tauschwert - handelt es sich nicht um eine stoffliche Eigenschaft eines wirklichen Dinges, sondern um eine gesellschaftliche Geltung. Die ist nun nichts Spirituelles, sondern ist so real, wie etwas nur real sein kann: indem sie das wirkliche Handeln der Indivi-duen reguliert.
JE

Freitag, 16. Oktober 2015

Vermittlung post festum - Vermittlung ex ante.


germanische Ratsversammlung, Relief der Marc-Aurel-Säule zu Rom

Im erstren Fall, der von der / selbstständigen Production der Einzelnen ausgeht – so sehr diese selbstständi- gen Productionen durch ihre Beziehungen zu einander sich post festum bestimmen, modificiren – findet die Vermittlung statt durch den Austausch der Waaren, den Tauschwerth, das Geld, die alle Ausdrücke eines und desselben Verhältnisses sind. Im zweiten Fall ist die Voraussetzung selbst vermittelt; d. h. eine gemeinschaftli- che Production, die Gemeinschaftlichkeit als Grundlage der Production ist vorausgesezt. Die Arbeit des Ein- zelnen ist von vorn herein als gesellschaftliche Arbeit gesezt. 

Welches daher auch immer die besondre materielle Gestalt des Products sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit gekauft hat, ist nicht ein bestimmtes besondres Product, sondern ein bestimmter An- theil an der gemeinschaftlichen Production. Er hat darum auch kein besondres Product auszutauschen. Sein Product ist kein Tauschwerth. 

Das Product hat nicht erst in eine besondre Form umgesezt zu werden, um einen allgemeinen Character für den Einzelnen zu erhalten. Statt einer Theilung der Arbeit, die in dem Austausch von Tauschwerthen sich nothwendig erzeugt, fände eine Organisation der Arbeit statt, die den Antheil des Einzelnen an der gemein-schaftlichen Consumtion zur Folge hat. In dem ersten Fall wird der gesellschaftliche Charakter der Production erst durch die Erhebung der Producte zu Tauschwerthen und den Tausch dieser Tauschwerthe post festum gesezt. Im zweiten Fall ist der gesellschaftliche Character der Production vorausgesezt und die Theilnahme an der Productenwelt, an der Consumtion, ist nicht durch den Austausch von einander unabhängiger Arbeiten oder Arbeitsproducte vermittelt. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 102f. [MEW 42, S. 104]


Nota.  Die Teilnahme des Einzelnen an der Konsumtion ist nicht durch den Tauschwert = nicht durch die Arbeitszeit = nicht durch seine Teilnahme an der Produktion vermittelt. Vermittelt aber muss sie werden, da sie doch nicht unmittelbar gegeben ist. Sie kann nur durch eine Vereinbarung der Freien und Gleichen vermittelt werden. Sie müssen die Geltung der je individuellen Bedürfnisse aus freiem Willen festsetzen. Sie haben es nur mit Gebrauchswerten zu tun. Sie können nicht messen, sie müssen werten.

Das wird nicht einfach.
JE


Donnerstag, 15. Oktober 2015

Ein Allgemeines gibt es nur als Vermittlung.


Howard Terpning, Crow Pipe Ceremony

Die Arbeitszeit selbst existirt als solche nur subjektiv, nur in der Form der Thätigkeit. Insofern sie als solche austauschbar (selbst Waare) ist, ist sie nicht nur quantitativ, sondern qualitativ bestimmt und verschieden, keineswegs allgemeine, sich gleiche Arbeitszeit; sondern entspricht als Subjekt ebensowenig der die Tausch-werthe bestimmenden allgemeinen Arbeitszeit, wie die besondren Waaren und Producte ihr als Objekt entsprechen. 

Der Satz von A. Smith, daß der Arbeiter neben seiner besondren Waare eine allgemeine Waare produciren muß, in andren Worten daß er einem Theil seiner Producte die Form des Geldes geben muß, überhaupt seiner Waare, soweit sie nicht als Gebrauchswerth für ihn, sondern als Tauschwerth dienen soll – heißt subjektiv ausgedrückt, weiter nichts, als daß seine besondre Arbeitszeit nicht unmittelbar gegen jede andre besondre Arbeitszeit ausgetauscht werden kann, sondern daß diese ihre allgemeine Austauschbarkeit erst vermittelt werden, daß sie eine gegenständliche von ihr selbst verschiedne Form annehmen muß, um diese allgemeine Austauschbarkeit zu erlangen.

Die Arbeit des Einzelnen, im Akt der Production selbst betrachtet, ist das Geld, womit er unmittelbar das Product, den Gegenstand seiner besondren Thätigkeit kauft; aber es ist ein besondres Geld, das eben nur dieß bestimmte Product kauft. Um unmittelbar das allgemeine Geld zu sein, müßte sie von vornherein nicht besondre Arbeit, sondern allgemeine sein, d. h. von vorn herein als Glied der allgemeinen Production gesezt sein. In dieser Voraussetzung aber würde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern ihr vorausgesezter gemeinschaftlicher Character würde die Theilnahme an den Producten bestimmen. 

Der gemeinschaftliche Character der Production würde von vorn herein das Product zu einem gemeinschaftli-chen, allgemeinen machen. Der ursprünglich in der Production stattfindende Austausch – der kein Austausch von Tauschwerthen wäre, sondern von Thätigkeiten, die durch gemeinschaftliche Bedürfnisse bestimmt wären, durch gemeinschaftliche Zwecke – würde von vornherein die Theilnahme des Einzelnen an der gemeinschaft-lichen Productenwelt einschliessen. Auf der Grundlage der Tauschwerthe, wird die Arbeit erst durch den Aus-tausch als allgemein gesezt. Auf dieser  [=der gemeinschaftlichen] Grundlage wäre sie als solche gesezt vor dem Austausch; d. h. der Austausch der Producte wäre überhaupt nicht das Medium, wodurch die Theilnahme des Einzelnen an der allgemeinen Production vermittelt würde. Vermittlung muß natürlich stattfinden. 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 102 [MEW 42, S. 103f.


Nota.  Aller Kollektivismus wie alle Ganzheits- und Gemeinschaftstümelei war Marx herzlich fremd. Den Kommunismus stellte er sich vor als eine Vereinigung der Freien und Gleichen, nicht als das Versickern des autonomen bürgerlichen Subjekts im urwüchsigen Gemeinwesen. Gesellschaft sollte er sein in einem eminenteren Sinn als die bürgerliche, nämlich so, dass die Freien und Gleichen ihre wechselseitige Vermittlung selber und bei klarem Bewusstsein vornehmen, statt sie einem blinden Mechanismus zu überlassen, der hinter ihrem Rücken webt und wirkt. Nicht ein Ganzes sollte er sein, sondern das Allgemeine, in dem jeder seine Freiheit hat, die ihre Schranke nur in der Freiheit der andern Gleichen findet, mit denen er sich vermittelt.
JE


Mittwoch, 14. Oktober 2015

Das naturwüchsige Gemeinwesen als Produktionsbedingung.



Eigenthum meint also ursprünglich nichts als Verhalten des Menschen zu seinen natürlichen Productionsbedin-gungen als ihm gehörigen, als den seinen, als mit seinem eignen Dasein vorausgesezten; Verhalten zu denselben als natürlichen Voraussetzungen seiner selbst, die so zu sagen nur seinen verlängerten Leib bilden. Er verhält sich eigentlich nicht zu seinen Productionsbedingungen; sondern ist doppelt da, sowohl subjektiv als er selbst, wie objektiv in diesen natürlichen anorganischen Bedingungen seiner Existenz. 

Die Formen dieser natürlichen Productionsbedingungen sind doppelt: 1) sein Dasein als Glied eines Gemeinwesens; also das Dasein dieses / Gemeinwesens, das in seiner ursprünglichen Form Stammwesen, mehr oder minder modificirtes Stammwesen ist; 2) das Verhalten zum Grund und Boden vermittelst des Gemeinwesens, als dem seinigen, gemeinschaftliches Bodeneigenthum, zugleich Einzelbesitz für den einzelnen, oder so daß nur die Früchte getheilt werden; der Boden selbst und die Bearbeitung aber gemeinsam bleibt. (Indeß Wohnsitze etc, seien es auch die Wagen der Scythen, erscheinen dann doch immer im Besitze des einzelnen.) 

Eine natürliche Productionsbedingung für das lebendige Individuum ist sein Zubehören zu einer naturwüchsigen Gesellschaft Stamm etc. Dieses ist z. B. schon Bedingung für seine Sprache etc. Sein eignes productives Dasein ist nur unter dieser Bedingung. Sein subjektives Dasein ist dadurch als solches bedingt, ebensosehr wie es bedingt ist durch das Verhalten zur Erde als seinem Laboratorium. 

(Eigenthum ist zwar ursprünglich mobil, denn der Mensch bemächtigt sich d'abord der fertigen Früchte der Erde, wozu unter andrem auch die Thiere gehören und für ihn speziell die zähmbaren. Indeß selbst dieser Zustand – Jagd, Fischerei, Hirtenwesen, Leben von Baumfrüchten etc unterstellt immer Aneignung der Erde, sei es zu festem Wohnplatz, sei es zum roaming, sei es zum Weiden für die Thiere etc.) 
___________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 359f. [MEW 42, S. 399f.]  

Nota.  Marx hatte durchaus keine 'nomothetische' Vorstellung von der Geschichtswissenschaft; er konstruiert keine Gesetze, sondern sucht im wirklichen Geschehen Dynamiken auf, die den historischen Produktionsge-meinschaften gemeinsam sind oder sie unterscheiden. Die Vorstellung eines überzeitlichen Stufenschemas kam ihm nicht in den Sinn.

Nota II. - Insofern ist meine obige Illustration doppelt passend: Die Lebensweise der nordamerikanischen Prä-rieindianer war nämlich durchaus nicht urwüchsig, sondern sekundär. Sie entwickelte sich erst im 17. Jahrhundert mit der Verbreitung der (ursprünglich von den Europäern eingeschleppten) Wildpferde. Man nimmt an, die Prärieindianer stammten von Stämmen aus den östlichen Wäldern ab, von wo sie von übermächtigen Stämmen nach Westen abgedrängt wurden.
JE

Dienstag, 13. Oktober 2015

Vermittlung, Für-sich-sein und Anerkennung.




Aber dieß ist nicht alles: Das Individuum A dient dem Bedürfnisse des Individuums B vermittelst der Waare a, nur insofern und weil das Individuum B dem Bedürfniß des Individuums A vermittelst der Waare b dient und vice versa. Jedes dient dem andren um sich selbst zu dienen; jedes bedient sich des andren wechselseitig als seines Mittels. 

Es ist nun beides in dem Bewußtsein der beiden Individuen vorhanden: 1) daß jedes nur seinen Zweck erreicht, soweit es dem andren als Mittel dient; 2) daß jedes nur Mittel für das andre (Sein für andres) wird als Selbst-zweck (Sein für sich); 3) daß die Wechselseitigkeit, wonach jedes zugleich Mittel und Zweck, und zwar nur seinen Zweck erreicht, insofern es Mittel wird, und nur Mittel wird, insofern es sich als Selbstzweck sezt, daß jeder sich also als Sein für andres sezt, insofern er Sein für sich, und der andre als Sein für ihn, insofern er Sein für sich – daß diese Wechselseitigkeit ein nothwendiges fact ist, vorausgesezt als natürliche Bedingung des Aus-tauschs, daß sie aber als solche jedem der beiden Subjekte des Austauschs gleichgültig ist, und ihm diese Wech-selseitigkeit nur Interesse hat, so weit sie sein Interesse als das des andren ausschliessend, ohne Beziehung darauf befriedigt. 

D. h. das gemeinschaftliche Interesse, was als Motiv des Ge-/sammtakts erscheint, ist zwar als fact von beiden Seiten anerkannt, aber als solches ist es nicht Motiv, sondern geht so zu sagen nur hinter dem Rücken der in sich selbst reflectirten Sonderinteressen, dem Einzelinteresse im Gegensatze zu dem des andren vor. Nach dieser lezten Seite kann das Individuum höchstens noch das tröstliche Bewußtsein haben, daß die Befriedigung seines gegensätzlichen Einzelinteresses grade die Verwirklichung des aufgehobnen Gegensatzes, des gesell-schaftlichen allgemeinen Interesses ist. 

Aus dem Akt des Austauschs selbst ist das Individuum, jedes derselben in sich reflectirt als ausschließliches und herrschendes (bestimmendes) Subject desselben. Damit ist also die vollständige Freiheit des Individuums gesezt: Freiwillige Transaction; Gewalt von keiner Seite; Setzen seiner als Mittel, oder als dienend, nur als Mittel um sich als Selbstzweck, als das Herrschende und Uebergreifende zu setzen; endlich das selbstsüchtige Interes-se, kein darüber stehendes verwirklichend; der andre ist auch als ebenso sein selbstsüchtiges Interesse verwirkli-chend anerkannt und gewußt, so daß beide wissen, daß das gemeinschaftliche Interesse eben nur in der Dop-pelseitigkeit, Vielseitigkeit, und Verselbstständigung nach den verschiednen Seiten der Austausch des selbst-süchtigen Interesses ist. Das allgemeine Interesse ist eben die Allgemeinheit der selbstsüchtigen Interessen. 
_____________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 167f. [MEW 42, S. 169f.


Nota. - Das bürgerliche Individuum ist a priori als vergesellschaftet gesetzt: So 'findet es sich vor'. Vergesellschaftet aber nicht naturwüchsig durch leibhaftige Angehörigkeit zu einer Lebensgemeinschaft, sondern vorab vermittelt durch eine überpersönliche Instanz, den Markt; außerdem können die Andern ihm fremd bleiben. Als Markt-teilnehmer ist er eine öffentliche Person, ansonsten wird er privat, was er in den naturwüchsigen Gemeinschaf-ten niemals konnte.

Nota II. - Wenn Sie übrigens meinen, Vermittlung, Fürsichsein und Anerkennung seien Hegel'sche Schlüssel-wörter, liegen sie nur halb richtig. Zuvor waren sie nämlich Fichte'sche Schlüsselwörter, bei dem hat sie der andere geklaut.
JE

Montag, 12. Oktober 2015

Der Gebrauchswert und die ungleichen Bedürfnisse.


mz-web

Was nun den Inhalt angeht ausserhalb dem Akt des Austauschs, der sowohl Setzen als Bewähren der Tauschwerthe, wie der Subjekte als Austauschender ist, so kann dieser Inhalt der ausserhalb der ökonomischen Formbestimmung fällt, nur sein: 1) Die natürliche Besonderheit der Waare, die ausgetauscht wird. 2) Das besondre natürliche Bedürfniß der Austauschenden, oder beides zusammengefaßt, der verschiedene Gebrauchswerth der auszutauschenden Waaren. Dieser der Inhalt des Austauschs, der ganz ausserhalb seiner ökonomischen Bestimmung liegt, so weit entfernt die sociale Gleichheit der Individuen zu gefährden, macht vielmehr ihre natürliche Verschiedenheit zum Grund ihrer socialen Gleichheit. 

Wenn das Individuum A dasselbe Bedürfniß hätte wie das Individuum B und in demselben Gegenstand seine Arbeit realisirt hätte, wie das Individuum B, so wäre gar keine Beziehung zwischen ihnen vorhanden; sie wären gar nicht verschiedne Individuen, nach der Seite ihrer Production hin betrachtet. Beide haben das Bedürfniß zu athmen; für beide existirt die Luft als Atmosphäre; dieß bringt sie in keinen socialen Contact; als athmende Individuen stehn sie nur als Naturkörper zu einander in Beziehung, nicht als Personen. 

Die Verschiedenheit ihres Bedürfnisses und ihrer Production giebt nur den Anlaß zum Austausch und zu ihrer socialen Gleichsetzung in ihm; diese natürliche Verschiedenheit ist daher die Voraussetzung ihrer socialen Gleichheit im Akt des Austauschs und dieser Beziehung überhaupt, worin sie zu einander als productiv treten. Nach dieser natürlichen Verschiedenheit betrachtet ist das Individuum [A] als Besitzer eines Gebrauchswerths für B, und B als Besitzer eines Gebrauchswerths für A. Nach dieser Seite sezt die natürliche Verschiedenheit sie wieder wechselseitig in das Verhältniß der Gleichheit. Demnach sind sie aber nicht gleichgültig gegen einander, sondern integriren sich, bedürfen einander, so daß das Individuum B als objectivirt in der Waare ein Bedürfniß für das Individuum A ist und vice versa; so daß sie nicht nur in gleicher, sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung zu einander stehn. 

Dieß ist nicht alles. Daß das Bedürfniß des einen durch das Product des andren und vice versa befriedigt werden kann, und der eine fähig ist den Gegenstand dem Bedürfniß des andren zu produciren und jeder dem andren als Eigenthümer des Objekts des Bedürfnisses des andren gegenübersteht, zeigt, daß jeder als Mensch über sein eignes besondres Bedürfniß / etc übergreift, und daß sie sich als Menschen zu einander verhalten; daß ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewußt ist. 
_____________________________________________
Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 166f. [MEW 42, S. 168]


Nota. - Noch spukt Feuerbachs "Gattungswesen", doch in seiner Realität ist es schon der Markt, der sie 'als Menschen' zu einander in Beziehung setzt; miteinander vermittelt
JE