Samstag, 30. Januar 2016

Schatzbildung.



Bei allen alten Völkern erscheint das Aufhäufen von Gold und Silber ursprünglich als priesterliches und königliches Privilegium, da der Gott und König der Waaren nur den Göttern und Königen zukommt. Nur sie verdienen den Reichthum als solchen zu besitzen. 

Dieß Aufhäufen dann einerseits nur als zur Schaustellung des Ueberflusses, d. h. des Reichthums als einer extraordinären, sonntäglichen Sache; zum Geschenk für Tempel und ihre Götter; zu öffentlichen Kunstgegenständen; endlich als gesichertes Mittel für den Fall ausserordentlicher Noth, zum Waffenankauf etc. 

Das Aufhäufen wird später bei den Alten Politik. Der Staatsschatz als Reservefonds, und der Tempel sind die ursprünglichen Banken, worin dieß Allerheiligste conservirt wird. Das Aufhäufen und Aufspeichern [erreicht] seine lezte Entwicklung in den modernen Banken; hier aber mit weiter entwickelter Bestimmung. Andrerseits bei den Privaten das Aufspeichern als In-Sicherheit-Bringen des Reichthums in seiner gediegnen Form vor den Wechselfällen der äußren Welt, in welcher er vergraben werden kann, etc, kurz in ein ganz geheimes Verhältniß zum Individuum tritt. 

Dieß noch auf grosser historischer Stufenleiter in Asien. Wiederholt sich bei allen panics, Kriegen etc in der bürgerlichen Gesellschaft, die dann in den barbarischen Zustand zurückfällt. Ebenso das Aufhäufen des Goldes etc als Schmuck und Prunk bei Halbbarbaren. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 154 [MEW 42, S. 156f.]   




Freitag, 29. Januar 2016

Der Arbeiter kann kein Produkt verkaufen, sondern nur seine Produktivkraft selbst.

On the waterfront

Die erste Voraussetzung ist, daß auf der einen Seite das Capital steht und auf der andren die Arbeit, beide als selbstständige Gestalten gegen einander; beide also auch fremd gegen einander. Die Arbeit, die dem Capital gegenübersteht, ist fremde Arbeit und das Capital, das der Arbeit gegenübersteht ist fremdes Capital. Die Extreme, die sich gegenüberstehn, sind spezifisch verschieden. 

In der ersten Setzung des einfachen Tauschwerths war die Arbeit so bestimmt, daß das Product nicht unmittel-barer Gebrauchswerth für den Arbeiter war, nicht directes Subsistenzmittel. Dieß war die allgemeine Bedin-gung des Schaffens eines Tauschwerths und des Austauschs überhaupt. Sonst hätte der Arbeiter nur ein Pro-duct hervorgebracht – einen unmittelbaren Gebrauchswerth für sich – aber keinen Tauschwerth. Dieser Tauschwerth jedoch war materialisirt in einem Product, das als solches Gebrauchswerth für andre hatte und als solches Gegenstand ihrer Bedürfnisse war. 

Der Gebrauchswerth, den der Arbeiter dem Capital gegenüber anzubieten hat, den er also überhaupt anzubie-ten hat für andre, ist nicht materialisirt in einem Product, existirt überhaupt nicht ausser ihm, also nicht wirk-lich, sondern nur der Möglichkeit nach, als seine Fähigkeit. Wirklichkeit wird er erst, sobald er von dem Capital sollicitirt, in Bewegung gesezt wird, da Thätigkeit ohne Gegenstand nichts ist oder höchstens Gedankenthätig-keit, von der es sich hier nicht handelt. Sobald er die Bewegung vom Capital erhalten, ist dieser Gebrauchs-werth als die bestimmte, productive Thätigkeit des Arbeiters; es ist seine auf einen bestimmten Zweck gerich-tete und darum in bestimmter Form sich äussernde Lebendigkeit selbst. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 189 [MEW 42, S. 190f.]  




Donnerstag, 28. Januar 2016

Einfache und verallgemeinerte Zirkulation.


alcoholabuseandrehab

Die einfache Circulation bestand aus einer Menge gleichzeitiger oder successiver Austausche. Die Einheit der-selben als Circulation betrachtet, war eigentlich nur vom Standpunkt des Beobachters aus vorhanden. (Der Austausch kann zufällig sein und er hat mehr oder minder den Charakter, wo er auf den Austausch des Ueber-flusses beschränkt, nicht das Ganze des Productionsprocesses ergriffen hat.) 

In der Circulation des Capitals haben wir eine Reihe von Tauschoperationen, von Tauschakten, deren jede ge-gen die andre ein qualitatives Moment vorstellt, ein Moment in der Reproduction und Wachsthum des Capitals. Ein System von Austauschen, Stoffwechsel, so weit der Gebrauchswerth betrachtet, Formwechsel, so weit der Werth als solcher betrachtet wird. 

Das Product verhält sich zur Waare, wie Gebrauchswerth zum Tauschwerth; so die Waare zum Geld. Hier er-reicht die eine Reihe ihre Höhe. Das Geld verhält sich zur Waare in die es rückverwandelt wird als Tausch-werth zum Gebrauchswerth; noch mehr so das Geld zur Arbeit. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 522 [MEW 42, S. 537] 



Nota. - Die einfache Zirkulation gehört zu einer Entwicklungsstufe, wo die Güter noch vernehmlich um ihres Gebrauchswerts willen produziert, und nur nebenbei gegen andere Güter eingetauscht werden. Mit der Ent-wicklung des Kapitals werden die Güter von vornherein als Waren und um ihres Tauschwert willen produziert; ihr Gebrauchswert kommt nur sekundär als Bedingung für die Realisierbarkeit des Tauschwerts in Betracht.
JE

Mittwoch, 27. Januar 2016

Drei Stufen der Arbeitsteilung.


Tinguely

Jedes Individuum besizt die gesellschaftliche Macht unter der Form einer Sache. Raubt der Sache diese ge-sellschaftliche Macht und ihr müßt sie Personen über die Personen geben. Persönliche Abhängigkeitsverhält-nisse (zuerst ganz naturwüchsig) sind die ersten Gesellschaftsformen, in denen sich die menschliche Producti-vität nur / in geringem Umfang und auf isolirten Punkten entwickelt. 

Persönliche Unabhängigkeit auf sachlicher Abhängigkeit gegründet ist die zweite grosse Form, worin sich erst ein System des allgemeinen gesellschaftlichen Stoffwechsels, der universalen Beziehungen, allseitiger Bedürfnis-se, und universeller Vermögen bildet. 

Freie Individualität, gegründet auf die universelle Entwicklung der Individuen und die Unterordnung ihrer ge-meinschaftlichen, gesellschaftlichen Productivität als ihres gesellschaftlichen Vermögens, ist die 3te Stufe. Die 2te schafft die Bedingungen der 3ten. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90f. [MEW 42, S. 91] 





Dienstag, 26. Januar 2016

Ein Verhältnis von Sachen tritt an die Stelle des Verhältnisses zwischen Personen.


frauenzimmer

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegenüber Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Unterordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen be-stehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. 

Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden [ist], ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.* Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Vermögen in ein sachliches. 

Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelbaren Bedürfnissen der Austauschenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34 b.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90 [MEW 42, S. 91]  


*Nota. - Nachdem die 'Sachen' zu Begriffen substanzialisiert wurden! "Verdinglichung" erscheint zuerst, phäno-menal als Verbegrifflichung. 
JE

Montag, 25. Januar 2016

Arbeitsteilung, Kooperation, Austausch.




Austausch und Theilung der Arbeit bedingen sich wechselseitig. Da jeder für sich arbeitet und sein Product nichts für sich ist, muß er natürlich austauschen, nicht nur, um an dem allgemeinen Productionsvermögen theilzunehmen, sondern um sein eignes Product in ein Lebensmittel für sich selbst zu verwandeln. (Sieh meine „Bemerkungen über Oekonomie“ p. V (13, 14).) 

Der Austausch als vermittelt durch den Tauschwerth und das Geld sezt allerdings die allseitige Abhängigkeit der Producenten von einander voraus, aber zugleich die völlige Isolirung ihrer Privatinteressen und eine Thei-lung der gesellschaftlichen Arbeit, deren Einheit und wechselseitige Ergänzung gleichsam als ein Naturverhält-niß ausser den Individuen, unabhängig von ihnen existirt. Der Druck der allgemeinen Nachfrage und Zufuhr auf einander vermittelt den Zusammenhang der gegen einander Gleichgültigen. 

Die Nothwendigkeit selbst, das Product oder die Thätigkeit der Individuen erst in die Form des Tauschwerths, in Geld zu verwandeln, und daß sie erst in dieser sachlichen Form ihre gesellschaftliche Macht erhalten und be- weisen, beweist zweierlei: 1) daß die Individuen nur noch für die Gesellschaft und in der Gesellschaft produci-ren; 2) daß ihre Production nicht unmittelbar gesellschaftlich ist, nicht the offspring of association, die die Ar-beit unter sich vertheilt. Die Individuen sind unter die gesellschaftliche Production subsumirt, die als ein Ver-hängniß ausser ihnen existirt; aber die gesellschaftliche Production ist nicht unter die Individuen subsumirt, die sie als ihr gemeinsames Vermögen handhaben. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 91 [MEW 42, S. 91f.]  






Samstag, 23. Januar 2016

Das ursprüngliche Eigentum


pilgerreisen

Das Eigenthum meint also Gehören zu einem Stamm (Gemeinwesen) (in ihm subjektiv-objektive Existenz haben) und vermittelst des Verhaltens dieses Gemeinwesens zum Grund und Boden, zur Erde als seinem unorgani-schen Leib, Verhalten des Individuums zum Grund und Boden, zur äusseren Urbedingung der Production – da die Erde in einem Rohmaterial, Instrument, Frucht ist – als zu seiner Individualität gehörigen Voraussetzun-gen; Daseinsweisen derselben. Wir reduciren dieß Eigenthum auf das Verhalten zu den Bedingungen der Production. War-um nicht der Consumtion, da ursprünglich das Produciren des Individuums sich auf das Reproduciren seines eignen Leibs durch Aneignen fertiger, von der Natur selbst für den Consum zubereiteter Gegenstände be-schränkt? 

Selbst wo nur noch zu finden ist, und zu entdecken, erfordert dieß bald Anstrengung, Arbeit – wie in Jagd, Fisch-fang, Hirtenwesen – und Production (i. e. Entwicklung) gewisser Fähigkeiten auf Seiten des Subjekts. Dann aber sind Zustände, wo zu dem Vorhandnen zugegriffen werden kann, ohne alle Instrumente (also selbst schon zur Production bestimmte Producte der Arbeit), ohne Aenderung der Form (die selbst schon beim Hirtenwe-sen stattfindet) etc sehr bald vorübergehende und nirgends wo als Normalzustände zu betrachten; auch nicht als Normalurzustände. Uebrigens schliessen die ursprünglichen Bedingungen der Production direkt, ohne Ar-beit consumirbare Stoffe, wie Früchte, Thiere etc von selbst ein; also der Consumtionsfonds erscheint selbst als ein Bestandtheil des ursprünglichen Productionsfonds.
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 396 [MEW 42, S. 400] 



  


Freitag, 22. Januar 2016

Die Politische Ökonomie fing beim Kaufmannskapital an.




Die erste theoretische Behandlung der modernen Produktionsweise – das Merkantilsystem – ging nothwendig aus von den oberflächlichen Phänomenen des Cirkulationsprocesses, wie sie in der Bewegung des Handelskapi-tals verselbständigt sind, und griff daher nur den Schein auf. Theils weil das Handelskapital die erste freie Existenzweise des Kapitals überhaupt ist. Theils wegen des überwiegenden Einflusses, den es in der ersten Umwälzungsperiode der feudalen Produktion, der Entstehungsperiode der modernen Produktion ausübt. 

Die wirkliche Wissenschaft der modernen Oekonomie beginnt erst, wo die theoretische Betrachtung vom Cirkulationsproceß zum Produktionsproceß übergeht. Das zinstragende Kapital ist zwar auch uralte Form des Kapitals. Warum aber der Merkantilismus nicht von ihm ausgeht, sondern sich vielmehr polemisch dazu verhält, werden wir später sehn.
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Das Kapital III, MEGA II.15 S. 329 [MEW 25, S. 349]

Nota. - Zum ersten Mal kam der Ausdruck Politische Ökonomie in dem merkantilistischen Traité d'Économie Politique von Antoine de Montchrétien vor; allerdings nur auf dem Titelblatt.
JE


Donnerstag, 21. Januar 2016

Nachtrag: Historisches zum Kaufmannskapital.


Hans Holbein d. J., Kaufmann G. Gisze

Im Mittelalter ist der Kaufmann bloß "Verleger", wie Poppe richtig sagt, der sei es von den Zünftlern, sei es von den Bauern producirten Waaren. Der Kaufmann wird Industrieller, oder vielmehr läßt die handwerksmäßi-ge, besonders die ländliche kleine Industrie für sich arbeiten. Andrerseits wird der Producent Kaufmann. Statt daß z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktionselemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produktionsproceß ein. Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationspro-ceß. 

Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und ländlich-häuslichen Ge-werbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt zur Waare, theils in-dem er ihm einen Markt schafft, theils indem er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Welt-markt herstammen. 

Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die große Industrie schafft sie sich ihrerseits den Markt, erobert ihn durch ihre Waaren. Jetzt wird der Handel Diener der industriellen Produktion, für die be-ständige Erweiterung des Markts Lebensbedingung ist. Eine stets ausgedehntere Massenproduktion über-schwemmt den vorhandnen Markt und arbeitet daher stets an Ausdehnung dieses Markts, an Durchbrechung seiner Schranken. Was diese Massenproduktion beschränkt, ist nicht der Handel (soweit dieser nur existirende Nachfrage ausdrückt), sondern die Größe des funktionirenden Kapitals und die entwickelte Produktivkraft der Arbeit. 

Der industrielle Kapitalist hat beständig den Weltmarkt vor sich, vergleicht, und muß beständig vergleichen, seine eignen Kostpreise mit den Marktpreisen nicht nur der Heimath, sondern der ganzen Welt. Diese Ver-gleichung fällt in der frühern Periode fast ausschließlich den Kaufleuten zu, und sichert so dem Handelskapital die Herrschaft über das industrielle. 
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Das Kapital III, 
MEGA II.15 S. 328f. [MEW 25, S. 348f.]




Mittwoch, 20. Januar 2016

Absolute Grenzen jenseits der Formbestimmung.


Der wirkliche Werth seiner Arbeitskraft weicht von diesem physischen Minimum ab; er ist verschieden je nach dem Klima und dem Stand der gesellschaftlichen Entwicklung; er hängt ab nicht nur von den physischen, son-dern auch von den historisch entwickelten gesellschaftlichen Bedürfnissen, die zur zweiten Natur werden. Aber in jedem Land zu einer gegebnen Periode ist dieser regulirende durchschnittliche Arbeitslohn eine gegebne Größe. 

Der Werth der sämmtlichen übrigen Revenuen hat so eine Grenze. Er ist stets gleich dem Werth, worin sich der Gesammtarbeitstag (der hier mit dem Durchschnittsarbeitstag zusammenfällt, da er die vom gesellschaftli-chen Gesammtkapital in Bewegung gesetzte Gesammtarbeitsmasse umfaßt) verkörpert, minus dem Theil des-selben, der sich in Arbeitslohn verkörpert. Seine Grenze ist also gegeben durch die Grenze des Werths, in wel-chem sich die unbezahlte Arbeit ausdrückt, d. h. durch das Quantum dieser unbezahlten Arbeit. 

Wenn der Theil des Arbeitstags, den der Arbeiter zur Reproduktion des Werths seines Lohns braucht, in dem physischen Minimum seines Lohns seine letzte Schranke hat, so hat der andre Theil des Arbeitstags, worin sich seine Mehrarbeit darstellt, also auch der Werththeil, der den Mehrwerth ausdrückt, seine Schranke an dem phy-sischen Maximum des Arbeitstags, d. h. an dem Gesammtquantum täglicher Arbeitszeit, das der Arbeiter bei Erhaltung und Reproduktion seiner Arbeitskraft überhaupt geben kann. ...

Die Höhe der Profitrate aber ist ebenfalls eine in gewissen, durch den Werth der Waaren bestimmten Grenzen eingeschloßne Größe. Sie ist das Verhältniß des Gesammtmehrwerths zu dem, der Produktion vorgeschoßnen gesellschaftlichen Gesammtkapital. 

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Das Kapital III, 
MEGA II.15 S. 832f. [MEW 25, S. 866f.]



Nota. - Nur als Begriffe verhalten sich Stoff und Form "dialektisch". In der Wirklichkeit ist der Stoff immer gege-ben, und die formgebende menschliche Tätigkeit kommt erst hinzu. Es ist ein Gerücht, dass es in der Kritik der Politischen Ökonomie wesentlich um 'die Formseite' ginge. So ist es vielmehr in der Politischen Ökonomie selbst, die dem Begriffsfetischismus huldigt und huldigen muss. Die Kritik zerstreut im Gegenteil den dinglichen Schein der 'Form', hinter dem es die menschliche Tätigkeit sichtbar macht, und legt dadurch das stoffliche Substrat als den realen Gegenstand frei.
JE. 


Dienstag, 19. Januar 2016

Durchschnitt und Begriff, II.


Martin Ries

Der Charakter 1) des Produkts als Waare, und 2) der Waare als Produkt des Kapitals, schließt schon die sämmt-lichen Cirkulationsverhältnisse ein, d. h. einen bestimmten gesellschaftlichen Proceß, den die Produkte durch-machen müssen, und worin sie bestimmte gesellschaftliche Charaktere annehmen; er schließt ein ebenso be-stimmte Verhältnisse der Produktionsagenten, von denen die Verwerthung ihres Produkts und seine Rückver-wandlung, sei es in Lebensmittel, sei es in Produktionsmittel bestimmt ist. Aber auch abgesehn hiervon, ergibt sich aus den beiden obigen Charakteren des Produkts als Waare, oder Waare als kapitalistisch producirter Waa-re, die ganze Werthbestimmung und die Regelung der Gesammtproduktion durch den Werth. 

In dieser ganz specifischen Form des Werths gilt die Arbeit einerseits nur als gesellschaftliche Arbeit; andrer-seits ist die Vertheilung dieser gesellschaftlichen Arbeit und die wechselseitige Ergänzung, der Stoffwechsel ihrer Produkte, die Unterordnung unter, und Einschiebung in, das gesellschaftliche Triebwerk, dem zufälligen, sich wechselseitig aufhebenden Treiben der einzelnen kapitalistischen Producenten überlassen. 

Da diese sich nur als Waarenbesitzer gegenübertreten, und jeder seine Waare so hoch als möglich zu verkaufen sucht (auch scheinbar in der Regulirung der Produktion selbst nur durch seine Willkür geleitet ist) setzt sich das innere Gesetz nur durch vermittelst ihrer Konkurrenz, ihres wechselseitigen Drucks aufeinander, wodurch sich die Abweichungen gegenseitig aufheben. Nur als inneres Gesetz, den einzelnen Agenten gegenüber als blindes Naturgesetz, wirkt hier das Gesetz des Werths und setzt das gesellschaftliche Gleichgewicht der Produktion inmitten ihrer zufälligen Fluktuationen durch. 
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Das Kapital III, 
MEGA II.15 S. 852 [MEW 25, S. 887]

Nota. - Als eine "ganz spezifische Form" wird der Wert hier beschrieben; eine, die der kapitalistischen Produk-tions- und Verkehrsweise eigentümlich ist. Das steht nicht beiläufig irgendwo, sondern an der Stelle, wo Marx gegen Ende des Dritten Bandes ebendiese Eigentümlichkeit des Kapitalismus in wenigen Sätzen ausdrücklich noch einmal zusammenfasst. Nicht, indem der Wertbegriff aus seiner idealen Latenz in die Realität der Er-scheinung übergetreten ist, hat sich das Kapitalverhältnis ausgebildet, sondern in dem Maße, wie die entstehen-de bürgerliche Gesellschaft ihre Realität entwickelt hat, ist es sinnvoll geworden, den Wertbegriff zu verwen-den.
JE




Montag, 18. Januar 2016

Das Gesetz, der Durchschnitt und die Zufälle.


rither

In der Wirklichkeit aber ist diese Sphäre die Sphäre der Konkurrenz, die, jeden einzelnen Fall betrachtet, vom Zufall beherrscht ist; wo also das innere Gesetz, das in diesen Zufällen sich durchsetzt und sie regulirt, nur sichtbar wird, sobald diese Zufälle in großen Massen zusammengefaßt werden, wo es also den einzelnen Agenten der Produktion selbst unsichtbar und unverständlich bleibt. 

Weiter aber: der wirkliche Produk-/tionsproceß, als Einheit des unmittelbaren Produktionsprocesses und des Cirkulationsprocesses, erzeugt neue Gestaltungen, worin mehr und mehr die Ader des innern Zusammenhangs verloren geht, die Produktionsverhältnisse sich gegen einander verselbständigen, und die Werthbestandtheile sich gegen einander in selbständigen Formen verknöchern.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 802f.  [MEW 25, S. 836]  



Man wird hier dieselbe Herrschaft der regulierenden Durchschnitte finden, wie Quételet sie bei den sozialen Phänomenen nachgewisen hat.

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Das Kapital III, MEGA II.15; S.  833  [MEW 25, S. 868]  



Quételet ist jetzt zu alt, um irgend noch welche Experimente mit ihm anzustellen. Er hat großes Verdienst in der Vergangenheit, indem er nachwies, wie selbst die scheinbaren Zufälle des täglichen Lebens durch ihre peri-odische Rekurrenz und ihre periodischen Durchschnittszahlen eine innere Notwendigkeit besitzen. Aber die Interpretation dieser Notwendigkeit ist ihm nie gelungen. Er hat auch keine Fortschritte gemacht, nur das Mate-rial seiner Beobachtung und Berechnung ausgedehnt. Er ist heut nicht weiter, als er vor 1830 war.
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Marx an Kugelmann, 3. 3. 1867 in MEW 32, S. 596



Sonntag, 17. Januar 2016

Die Kompensation des Falls der Profitrate verschärft zugleich die Konkurrenz.


Andrerseits bringt der mit der Akkumulation verbundne Fall der Profitrate nothwendig einen Konkurrenz-kampf hervor. Die Kompensation des Falls der Profitrate durch die steigende Masse des Profits gilt nur für das Gesammtkapital der Gesellschaft und für die großen, fertig eingerichteten Kapitalisten. Das neue, selbständig fungirende Zusatzkapital findet keine solche Ersatzbedingungen vor, es muß sie sich erst erringen, und so ruft der Fall der Profitrate den Konkurrenzkampf unter den Kapitalen hervor, nicht umgekehrt. 

Dieser Konkurrenzkampf ist allerdings begleitet von vorübergehendem Steigen des Arbeitslohns und einer hieraus entspringenden ferneren zeitweiligen Senkung der Profitrate. / 

Dasselbe zeigt sich in der Ueberproduktion von Waaren, der Ueberfüllung der Märkte. Da nicht Befriedigung der Bedürfnisse, sondern Produktion von Profit Zweck des Kapitals, und da es diesen Zweck nur durch Me-thoden erreicht, die die Produktionsmasse nach der Stufenleiter der Produktion einrichten, nicht umgekehrt, so muß beständig ein Zwiespalt eintreten zwischen den beschränkten Dimensionen der Konsumtion auf kapitali-stischer Basis, und einer Produktion, die beständig über diese ihre immanente Schranke hinausstrebt. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 253 [MEW 25, S. 266f.] 




Samstag, 16. Januar 2016

Wenn der Arbeitslohn zu sehr steigt...


nwzonline

Es wäre eine absolute Ueberproduktion von Kapital vorhanden, sobald das zusätzliche Kapital für den Zweck der kapitalistischen Produktion = 0. Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist aber Verwerthung des Kapi-tals, d. h. Aneignung von Mehrarbeit, Produktion von Mehrwerth, von Profit. 

Sobald also das Kapital gewachsen wäre in einem Verhältniß zur Arbeiterbevölkerung, daß weder die absolute Arbeitszeit, die diese Bevölkerung liefert, ausgedehnt, noch die relative Mehrarbeitszeit erweitert werden könn-te (das letztre wäre ohnehin nicht thubar in einem Fall, wo die Nachfrage nach Arbeit so stark, also Tendenz zum Steigen der Löhne); wo also das gewachsene Kapital nur ebensoviel oder selbst weniger Mehrwerthsmasse producirt als vor seinem Wachsthum, so fände eine absolute Ueberproduktion von Kapital statt; d. h. das ge-wachsene Kapital C + ΔC produzirte nicht mehr Profit, oder gar weniger Profit, als das Kapital C vor seiner Vermehrung durch ΔC. 

In beiden Fällen fände auch ein starker und plötzlicher Fall in der allgemeinen Profitrate statt, diesmal aber wegen eines Wechsels in der Zusammensetzung des Kapitals, der nicht der Entwicklung der Produktivkraft geschuldet wäre, sondern einem Steigen im Geldwerth des variablen Kapitals (wegen der gestiegnen Löhne) und der ihr entsprechenden Abnahme im Verhältniß der Mehrarbeit zur nothwendigen Arbeit. In der Wirk-lichkeit würde sich die Sache so darstellen, daß ein Theil des Kapitals ganz oder theilweise brach läge (weil es erst das schon fungirende Kapital aus seiner Position verdrängen müßte, um sich überhaupt zu verwerthen) und der andre Theil, durch den Druck des unbeschäftigten oder halbbeschäftigten Kapitals sich zu niedrer Rate des Profits verwerthen würde. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 248 [MEW 25, S. 261f.]




Freitag, 15. Januar 2016

Die wahre Ursache aller ökonomischen Krisen.


K. Kollwitz

Denken wir uns die ganze Gesellschaft bloß aus industriellen Kapitalisten und Lohnarbeitern zusammenge-setzt. Sehn wir ferner ab von den Preiswechseln, die große Portionen des Gesammtkapitals hindern, sich in ihren Durchschnittsverhältnissen zu ersetzen, und die, bei dem allgemeinen Zusammenhang des ganzen Re-produktionsprocesses, wie ihn namentlich der Kredit entwickelt, immer zeitweilige allgemeine Stockungen hervorbringen müssen. Sehn wir ab ebenfalls von den Scheingeschäften und spekulativen Umsätzen, die das Kreditwesen fördert. Dann wäre eine Krise nur erklärlich aus Mißverhältniß der Produktion in verschiednen Zweigen, und aus einem Mißverhältniß, worin der Konsum der Kapitalisten selbst zu ihrer Akkumulation stände. 

Wie aber die Dinge liegen, hängt der Ersatz der in der Produktion angelegten Kapitale großentheils ab von der Konsumtionsfähigkeit der nicht produktiven Klassen; während die Konsumtionsfähigkeit der Arbeiter theils durch die Gesetze des Arbeitslohns, theils dadurch beschränkt ist, daß sie nur solange angewandt werden, als sie mit Profit für die Kapitalistenklasse angewandt werden können. 

Der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer die Armuth und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Trieb der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die ab-solute Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft ihre Grenze bilde. _____________________________________________
Das Kapital III, MEGA II.15; S. 480 [MEW 25, S. 500f.]


Nota. - Die kapitalistische Produktionsweise beruht auf der vorgängigen Spaltung der Gesellschaft in zwei Klas-sen - eine, die über Produktionsmittel verfügt, und eine andre, die nur ihre Arbeitskraft zu Markte tragen kann. Sie funktioniert aber so, als ob es eine Scheidung der Gesellschaft in Klassen gar nicht gäbe und als ob ein Be-dürfnis so viel gälte wie jedes andere.
JE



Donnerstag, 14. Januar 2016

Wert und Gesamtarbeitstag.


Speisung der Fünftausend, Niederlande, Anf. 16. Jhdt.

Obgleich die Form der Arbeit als Lohnarbeit entscheidend für die Gestalt des ganzen Processes und für die specifische Weise der Produktion selbst, ist nicht die Lohnarbeit werthbestimmend. In der Werthbestimmung handelt es sich um die gesellschaftliche Arbeitszeit überhaupt, das Quantum Arbeit, worüber die Gesellschaft überhaupt zu verfügen hat, und dessen relative Absorption durch die verschiednen Produkte gewissermaßen deren respektives gesellschaftliches Gewicht bestimmt. 

Die bestimmte Form, worin sich die gesellschaftliche Arbeitszeit im Werth der Waaren als bestimmend durch- setzt, hängt allerdings mit der Form der Arbeit als Lohnarbeit und der entsprechenden Form der Produktions- mittel als Kapital insofern zusammen, als nur auf dieser Basis die Waarenproduktion zur allgemeinen Form der Produktion wird. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 854 [MEW 25, S. 889]


Nota. – Wenn 'die Gesellschaft selbst' vorab alle Bedürfnisse erfasste und dann entschiede, welchen Teil der ver- fügbaren Gesamtarbeitszeit darauf verwenden will, könnte ebenfalls von einer Wertbestimmung die Rede sein – deren Besonderheit freilich in ihrer Je-Besonderheit bestünde: Jedes Einzelbedürfnis müsste individuell gewertet werden, einen allgemeinen Maßstab gäbe es nicht, von Äquivalenz nicht die Spur! Die Wertbestimmung ge- schieht unmittelbar und individuell; Lohnarbeit könnte es dann freilich nicht geben.

Die kapitalistische Wirtschaftsweise beruht auf dem umgekehrten Vorgang. Es gibt eines allgemeines Wertmaß, und wieviel davon auf das jeweilige Bedürfnis fällt, nämlich über wieviel davon das jeweilige Bedürfnis in Form des allgemeinen Äquivalents kommandiert, soviel ist das Bedürfnis wert. Die Wertbestimmung ist allgemein vermit- telt und die Klassenspaltung der Gesellschaft ist begriffslos vorausgesetzt.
JE

Mittwoch, 13. Januar 2016

Kommen die Begriffe vor oder nach der Geschichte?


Las Sardanas se bailan con los pies.

Der gewöhnlichen Anschauung erscheinen [die] Vertheilungsverhältnisse als Naturverhältnisse, als Verhält-nisse, die aus der Natur aller gesellschaftlichen Produktion, aus den Gesetzen der menschlichen Produktion schlechthin entspringen. Es kann zwar nicht geleugnet werden, daß vorkapitalistische Gesellschaften andre Vertheilungsweisen zeigen, aber diese werden dann als unentwickelte, unvollkommene und verkleidete, nicht auf ihren reinsten Ausdruck und ihre höchste Gestalt reducirte, anders gefärbte Weisen jener naturgemäßen Vertheilungsverhältnisse gedeutet.

Das einzig Richtige in dieser Vorstellung ist dies: Gesellschaftliche Produktion irgend einer Art (z. B. die der naturwüchsigen indischen Gemeinwesen oder die des mehr künstlich entwickelten Kommunismus der Peru-aner) vorausgesetzt, kann stets unterschieden werden zwischen dem Theil der Arbeit, dessen Produkt unmittel-bar von den Producenten und ihren Angehörigen individuell konsumirt wird, und – abgesehn von dem Theil der der produktiven Konsumtion anheimfällt – einem andern Theil der Arbeit, der immer Mehrarbeit ist, des-sen Produkt stets zur Befriedigung allgemeiner gesellschaftlicher Bedürfnisse dient, wie immer dies Mehrpro-dukt vertheilt werde, und wer immer als Repräsentant dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse fungire. Die Iden-tität der verschiednen Vertheilungsweisen kommt also darauf hinaus, daß sie identisch sind, / wenn man von ihren Unterscheidungen und specifischen Formen abstrahirt, nur die Einheit in ihnen, im Gegensatz zu ihrem Unterschied festhält.

Weiter gebildetes, mehr kritisches Bewußtsein gibt jedoch den geschichtlich entwickelten Charakter der Vert-heilungsverhältnisse zu, hält dafür aber um so fester an dem sich gleichbleibenden, aus der menschlichen Natur entspringenden, und daher von aller geschichtlichen Entwicklung unabhängigen Charakter der Produktionsver-hältnisse selbst.

Die wissenschaftliche Analyse der kapitalistischen Produktionsweise beweist dagegen umgekehrt, daß sie eine Produktionsweise von besondrer Art, von specifischer historischer Bestimmtheit ist; daß sie, wie jede andre bestimmte Produktionsweise, eine gegebne Stufe der gesellschaftlichen Produktivkräfte und ihrer Entwick-lungsformen als ihre geschichtliche Bedingung voraussetzt: eine Bedingung, die selbst das geschichtliche Resul-tat und Produkt eines vorhergegangnen Processes ist, und wovon die neue Produktionsweise als von ihrer ge-gebnen Grundlage ausgeht; daß die dieser specifischen, historisch bestimmten Produktionsweise entsprechen-den Produktionsverhältnisse – Verhältnisse, welche die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Lebensproceß, in der Erzeugung ihres gesellschaftlichen Lebens eingehn – einen specifischen, historischen und vorübergehenden Charakter haben; und daß endlich die Vertheilungsverhältnisse wesentlich identisch mit diesen Produktionsver-hältnissen, eine Kehrseite derselben sind, sodaß beide denselben historisch vorübergehenden Charakter theilen.

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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 849f. [MEW 25, S. 884f.


Nota.- Der Begriff des Mehrwerts wurde gebraucht, um die historische Realität des Kapitals zu verstehen; aber der Begriff des Mehrwerts setzt den Begriff des Werts voraus. Mit andern Worten, die Politische Ökonomie mag den Wertbegriff gebrauchen, wozu sie mag; für die Kritik der Politischen Ökonomie hat er nur einen Sinn, wo es um das Verständnis des Kapitalverhältnisses geht, ansonsten ist er Schall und Rauch.
JE





Dienstag, 12. Januar 2016

Warum die Profitrate dann doch nicht fällt.


Kurz dieselbe Entwicklung, die die Masse des konstanten Kapitals steigert im Verhältniß zum variablen, ver-mindert, in Folge der gesteigerten Produktivkraft der Arbeit, den Werth seiner Elemente, und verhindert daher, daß der Werth des konstanten Kapitals, obgleich beständig wachsend, im selben Verhältniß wachse wie sein materieller Umfang, d. h. der materielle Umfang der Produktionsmittel, die von derselben Menge Arbeitskraft in Bewegung gesetzt werden. In einzelnen Fällen kann sogar die Masse der Elemente des konstanten Kapitals zunehmen, während sein Werth gleich bleibt oder gar fällt. 

Mit dem Gesagten hängt zusammen die mit der Entwicklung der Industrie gegebne Entwerthung des vorhand-nen Kapitals (d. h. seiner stofflichen Elemente). Auch sie ist eine der beständig wirkenden Ursachen, welche den Fall der Profitrate aufhalten, obgleich sie unter Umständen die Masse des Profits beeinträchtigen kann durch Beeinträchtigung der Masse des Kapitals, das Profit abwirft. Es zeigt sich hier wieder, daß dieselben Ursachen, welche die Tendenz zum Fall der Profitrate erzeugen, auch die Verwirklichung dieser Tendenz mäßigen. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 233 [MEW 25, S. 246]



Montag, 11. Januar 2016

Kapitalentwertung und Absatzkrisen.


W. Busch

Unter allen Umständen aber würde sich das Gleichgewicht* herstellen durch Brachlegung und selbst Vernich-tung von Kapital in größrem oder geringrem Umfang. Dies würde sich erstrecken zum Theil auf die materielle Kapitalsubstanz; d. h. ein Theil der Produktionsmittel, fixes und cirkulirendes Kapital würde nicht fungiren, nicht als Kapital wirken; ein Theil begonnener Produktionsbetriebe würde stillgesetzt werden.  ...

Die Hauptwirkung nach dieser Seite hin wäre jedoch, daß diese Produktionsmittel aufhörten als Produktions-mittel thätig zu sein; eine kürzere oder längere Zerstörung ihrer Funktion als Produktionsmittel. Die Hauptzer-störung, und mit dem akutesten Charakter, fände statt mit Bezug auf das Kapital, soweit es Wertheigenschaft besitzt, mit Bezug auf die Kapitalwerthe. Der Theil des Kapitalwerths, der bloß in der Form von Anweisungen auf künftige Antheile am Mehrwerth, am Profit steht, in der That lauter Schuldscheine auf die Produktion unter verschiednen Formen, wird sofort entwerthet mit dem Fall der Einnahmen, auf die er berechnet ist. Ein Theil des baaren Goldes und Silbers liegt brach, fungirt nicht als Kapital. Ein Theil der auf dem Markt befindlichen Waaren kann seinen Cirkulations- und Reproduktionsproceß nur vollziehn durch ungeheure Kontraktion seiner Preise, also durch Entwerthung des Kapitals, das er darstellt. Ebenso werden die Elemente des fixen Kapitals mehr oder minder entwerthet. 

Es kommt hinzu, daß bestimmte, vorausgesetzte Preisverhältnisse den Reproduktionsproceß bedingen, dieser daher durch den allgemeinen Preisfall in Stockung und Verwirrung geräth. Diese Störung und Stockung paraly-sirt die mit der Entwicklung des Kapitals gleichzeitig gegebne, auf jenen vorausgesetzten Preisverhältnissen be-ruhende Funktion des Geldes als Zahlungsmittel, unterbricht an hundert Stellen die Kette der Zahlungsobliga-tionen an bestimmten Terminen, wird noch verschärft durch das damit gegebne Zusammenbrechen des gleich-zeitig mit dem Kapital entwickelten Kreditsystems und führt so zu heftigen akuten Krisen, plötzlichen gewalt-samen Entwerthungen und wirklicher Stockung und Sturz des Reproduktionsprocesses, und damit zu wirkli-cher Abnahme der Reproduktion.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 109f. [MEW 25, S. 199f.]

*) [zwischen der Tendenz zur beständigen Ausweitung der Produktion und der begrenzten Verwertbarkeit durch den Fall der Profitrate]


Sonntag, 10. Januar 2016

Das Gesetz und der Durchschnitt, oder Angebot und Nachfrage.




Nachfrage und Zufuhr decken sich, wenn sie in solchem Verhältniß stehn, daß die Waarenmasse eines be-stimmten Produktionszweigs zu ihrem Marktwerth verkauft werden kann, weder darüber noch darunter. 

Das ist das erste, was wir hören. Das zweite: Wenn die Waaren zu ihrem Marktwerth verkaufbar, decken sich Nachfrage und Zufuhr. Wenn Nachfrage und Zufuhr sich decken, hören sie auf zu wirken, und eben deßwegen wird die Waare zu ihrem Marktwerth verkauft. Wenn zwei Kräfte in entgegengesetzter Richtung gleichmäßig wirken, heben sie einander auf, wirken sie gar nicht nach außen, und Erscheinungen, die unter dieser Bedin-gung vorgehn, müssen anders als durch das Eingreifen dieser beiden Kräfte erklärt werden. 

Wenn Nachfrage und Zufuhr sich gegenseitig aufheben, hören sie auf irgend etwas zu erklären, wirken sie nicht auf den Marktwerth, und lassen uns erst recht im Dunkeln darüber, weßhalb der Marktwerth sich grade in die-ser Summe Geld ausdrückt und in keiner andern. Die wirklichen innern Gesetze der kapitalistischen Produkti-on können offenbar nicht aus der Wechselwirkung von Nachfrage und Zufuhr erklärt werden (ganz abgesehn von tieferer, hier nicht angebrachter Analyse dieser beiden gesellschaftlichen Triebkräfte), da diese Gesetze nur dann rein verwirklicht erscheinen, sobald Nachfrage und Zufuhr aufhören zu wirken, d. h. sich decken. 

Nachfrage und Zufuhr decken sich in der That niemals, oder wenn sie sich einmal decken, so ist es zufällig, also wissenschaftlich = 0 zu setzen, als nicht geschehn zu betrachten. In der politischen Oekonomie* wird aber unterstellt, daß sie sich decken, warum? Um die Erscheinungen in ihrer gesetzmäßigen, ihrem / Begriff ent-sprechenden Gestalt zu betrachten, d. h. sie zu betrachten unabhängig von dem durch die Bewegung von Nachfrage und Zufuhr hervorgebrachten Schein. Andrerseits, um die wirkliche Tendenz ihrer Bewegung auf-zufinden, gewissermaßen zu fixiren. Denn die Ungleichheiten sind entgegengesetzter Natur, und da sie einan-der beständig folgen, gleichen sie sich durch ihre entgegengesetzten Richtungen, durch ihren Widerspruch unter einander aus. 

Wenn also in keinem einzigen gegebnen Fall Nachfrage und Zufuhr sich decken, so folgen sich ihre Ungleich-heiten so – und es ist das Resultat der Abweichung in einer Richtung, eine andre Abweichung in einer entge-gengesetzten Richtung hervorzurufen  daß wenn das Ganze einer größern oder kleinern Zeitperiode betrach-tet wird, sich Zufuhr und Nachfrage beständig decken; aber nur als Durchschnitt der verflossenen Bewegung und nur als beständige Bewegung ihres Widerspruchs. Dadurch gleichen sich die von den Marktwerthen abwei-chenden Marktpreise, ihrer Durchschnittszahl nach betrachtet, zu Marktwerthen aus, indem sich die Abwei-chungen von den letztren aufheben als Plus und Minus. 

Und diese Durchschnittszahl ist keineswegs von bloß theoretischer Wichtigkeit, sondern von praktischer für das Kapital, dessen Anlage auf die Schwankungen und Ausgleichungen in mehr oder minder bestimmter Zeit-periode berechnet ist. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 109f. [MEW 25, S. 199f.]

*) [Noch zählt sich Marx zu ihr! JE]



Nota. -  Der Markt ist kein Sachverhalt, sondern ein systemischer Prozess, und womöglich dessen Urtyp - so wie die Konkurrenz der Urtyp von Darwins Survival of the fittest war. Da gibt es keine isolierbaren Ursachen und Wirkungen, sondern nur lauter individuellen Daten, aus deren Mannigfaltigkeit man empirisch bestenfalls einen Durchschnitt ermitteln kann. Diesen Durchschnitt mag man ein 'Gesetz' nennen, das ist nicht verboten; aber es ist irreführend, weil es so klingt, als sei der Durchschnitt eher da gewesen als die zufälligen Einzeldaten.

Das gilt schon für die Naturwissenschaften, aber erst recht für die Sphäre menschlichen Handelns. 
JE



Samstag, 9. Januar 2016

Fiktives Kapital, IV.



Mit der Entwicklung des zinstragenden Kapitals und des Kreditsystems scheint sich alles Kapital zu verdoppeln und stellenweis zu verdreifachen durch die verschiedne Weise, worin dasselbe Kapital oder auch nur dieselbe Schuldforderung in verschiednen Händen unter verschiednen Formen erscheint. Der größte Theil dieses "Geldkapitals" ist rein fiktiv. Die sämmtlichen Depositen, mit Ausnahme des Reservefonds, sind nichts als Guthaben an den Bankier, die aber nie im Depositum existiren. Soweit sie zum Girogeschäft dienen, fungiren sie als Kapital für die Bankiers, nachdem diese sie ausgeliehen haben. Sie zahlen sich unter einander die wech-selseitigen Anweisungen auf die nichtexistirenden Depositen durch Abrechnung dieser Guthaben gegen ein-ander. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 469 [MEW 25, S. 488f.]

Nota. –  Es wird Geld verliehen, das gar nicht mehr da ist –  im Vertrauen darauf, dass sich im Großen und Ganzen Forderungen und Gegenforderungen schon die Waage halten werden: Es bleibt ja immer alles im Fluss. Wenn aber sehr viele Gläubiger ihre Forderungen gleichzeitig präsentieren –  weil sie mit oder ohne Grund das Vertrauen verloren haben , tritt eine Stockung ein und man sieht auf einmal: Es war schon nichts mehr da.
JE

Freitag, 8. Januar 2016

Die immanente Schranke der kapitalistischen Produktionsweise.



Die periodische Entwerthung des vorhandnen Kapitals, die ein der kapitalistischen Produktionsweise imma-nentes Mittel ist, den Fall der Profitrate aufzuhalten und die Akkumulation von Kapitalwerth durch Bildung von Neukapital zu beschleunigen, stört die gegebnen Verhältnisse, worin sich der Cirkulations- und Reproduk-tionsproceß des Kapitals vollzieht, und ist daher begleitet von plötzlichen Stockungen und Krisen des Produk-tionsprocesses. 

Die mit der Entwicklung der Produktivkräfte Hand in Hand gehende relative Abnahme des variablen Kapitals gegen das konstante gibt dem Anwachs der Arbeiterbevölkerung einen Stachel, während sie fortwährend künstliche Uebervölkerung schafft. Die Akkumulation des Kapitals, dem Werth nach betrachtet, wird verlang-samt durch die fallende Profitrate, um die Akkumulation des Gebrauchswerths noch zu beschleunigen, wäh-rend diese wieder die Akkumulation, dem Werth nach, in beschleunigten Gang bringt. 

Die kapitalistische Produktion strebt beständig diese ihr immanenten Schranken zu überwinden, aber sie über-windet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken auf's Neue und auf gewaltigerm Maßstab entgegenstellen. 

Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß das Kapital und seine Selbst-verwerthung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck  der Produktion erscheint; daß die Pro-duktion nur Produktion für das Kapital ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel bloße Mittel für eine stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprocesses für die Gesellschaft der Producenten sind. Die Schran-ken, in denen sich die Erhaltung und Verwerthung des Kapitalwerths, die auf der Enteignung und Verarmung der großen Masse der Producenten beruht, allein bewegen kann, diese Schranken treten daher beständig in Widerspruch mit den Produktionsmethoden, die das Kapital zu seinem Zweck anwenden muß, und die auf / unbeschränkte Vermehrung der Produktion, auf die Produktion als Selbstzweck, auf unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit lossteuern. 

Das Mittel – unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte – geräth in fortwährenden Kon-flikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwerthung des vorhandnen Kapitals. Wenn daher die kapitalistische Produktionsweise ein historisches Mittel ist, um die materielle Produktivkraft zu entwickeln und den ihr ent-sprechenden Weltmarkt zu schaffen, ist sie zugleich der beständige Widerspruch zwischen dieser ihrer histori-schen Aufgabe und den ihr entsprechenden gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 246f. [MEW 25, S. 260]


Nota.  Nicht ihr Begriff ist die immanente Schranke der kapitalistischen Produktionsweise, die in den periodi-schen Krisen 'erscheint'; sondern die kapitalistische Produktionsweise geschieht als eine Abfolge periodischer Krisen, und darin kommt zur Erscheinung, dass sie fortwährend auf immanente Schranken stößt: Ihr unmittel-barer Zweck ist die Steigerung der je eigenen Profite, aber deren Ergebnis ist das allgemeine Sinken der Profit-rate. Dafür ist der Begriff die erläuternde Bezeichnung.
JE



Donnerstag, 7. Januar 2016

Gebrauchswert und gesellschaftliches Bedürfnis.


Es ist in der That das Gesetz des Werths, wie es sich geltend macht, nicht in Bezug auf die einzelnen Waaren oder Artikel, sondern auf die jedesmaligen Gesammtprodukte der besondren, durch die Theilung der Arbeit verselbständigten gesellschaftlichen Produktionssphären; sodaß nicht nur auf jede einzelne Waare nur die nothwendige Arbeitszeit verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit nur das nöthige proportionelle Quantum in den verschiednen Gruppen verwandt ist.

  • Gesellschaftliches Bedürfnis und Verteilung der Gesamtarbeitszeit.

Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswerth. Wenn aber der Gebrauchswerth bei der einzelnen Waare davon abhängt, daß sie an und für sich ein Bedürfniß befriedigt, so bei der gesellschaftlichen Produktenmasse davon, daß sie dem quantitativ bestimmten gesellschaftlichen Bedürfniß für jede besondre Art von Produkt adäquat, und die Arbeit daher im Verhältniß dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse, die quantitativ umschrieben sind, in die verschiednen Produktionssphären proportionell vertheilt ist. (Dieser Punkt heranzuziehn bei der Verthei-lung des Kapitals in die verschiednen Produktionssphären.) 

Das gesellschaftliche Bedürfniß, d. h. der Gebrauchswerth auf gesellschaftlicher Potenz, erscheint hier bestim-mend für die Quota der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit, die den verschiednen besondren Produktions-sphären anheimfallen. Es ist aber nur dasselbe Gesetz, das sich schon bei der einzelnen Waare zeigt, nämlich: daß ihr Gebrauchswerth Voraussetzung ihres Tauschwerths und damit ihres Werths ist. Dieser Punkt hat mit dem Verhältniß zwischen nothwendiger und Mehrarbeit nur soviel zu thun, daß mit Verletzung dieser Propor-tion der Werth der Waare, also auch der in ihm steckende Mehrwerth, nicht realisirt werden kann. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 623f. [MEW 25, S. 648f.]