Apologie des Gebrauchswerts.


Der Gebrauchswert gehört in die Ökonomie.

 












Alle 3 Momente des Processes, das Material, das Instrument, die Arbeit fallen zusammen in ein neutrales Resultat – das Product. In dem Product sind zugleich reproducirt die Momente des Productionsprocesses die in ihm aufgezehrt worden sind. Der ganze Process erscheint daher als productive Consumtion, d. h. als Consumtion, die weder im Nichts endet, noch in der blosen Subjectivirung des Gegenständlichen, sondern die selbst wieder als ein Gegenstand gesezt ist. 

Das Verzehren ist nicht einfaches Verzehren des Stofflichen, sondern Verzehren des Verzehrens selbst; im Aufheben des Stofflichen Aufheben dieses Aufhebens und daher Setzen desselben. Die Form-/gebende Thätigkeit verzehrt den Gegenstand und verzehrt sich selbst, aber sie verzehrt nur die gegebne Form des Gegenstands um ihn in neuer gegenständlicher Form zu setzen, und sie verzehrt sich selbst nur in ihrer sub- jektiven Form als Thätigkeit. Sie verzehrt das Gegenständliche des Gegenstandes – die Gleichgültigkeit gegen die Form – und das Subjektive der Thätigkeit; formt den einen, materialisirt die andre. Als Product ist aber das Resultat des Productionsprozesses Gebrauchswerth. ... 

Z. B. haben wir schon gesehn, daß die Unterscheidung von Gebrauchswerth und Tauschwerth in die Oeko- nomie selbst gehört und nicht wie Ricardo thut der Gebrauchswerth als einfache Voraussetzung todt liegen bleibt. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 220f.; 237 [MEW 42, S. 222; 249]
 



Notabene: Das Gegenständliche am Gegenstand sei seine "Gleichgültigkeit gegen die Form" - das ist wohl eine sprachliche Entgleisung. Das Stoffliche am Gegenstand ist seine Gleichgültigkeit gegen die Form - das wäre eine Tautologie. Aber Gegenstand, Objekt ist das Ding nur für einen Handelnden, ein Subjekt; wieso sollte dessen Form für jenen gleichgültig sein? Die Unterscheidung zwischen Form und Stoff tritt erst in der Refle- xion ein, aber die ist gewiss nicht das originäre Verhältnis des Subjekts zum Objekt.
JE




Bei Marx spielt der Gebrauchswert eine 'ganz anders wichtige Rolle' als in der Politischen Ökonomie.

 


Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eignes Bedürfnis befriedigt, schafft zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muss er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftlichen Gebrauchswert.
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Das Kapital I, MEW 23, S. 55


Ich teile also nicht den Wert in Gebrauchswert und Tauschwert als Gegensätze, worin sich das Abstrakte, "der Wert", spaltet, sondern die konkrete gesellschaftliche Gestalt des Arbeitsprodukts; "Ware" ist einerseits Gebrauchswert und andrerseits "Wert", nicht Tauschwert, da die bloße Erscheinungsform nicht ihr eigner Inhalt ist. ...

...dass in der Entwicklung der Wertform der Ware, in letzter Instanz ihrer Geldform, also des Geldes, der Wert sich darstellt im Gebrauchswert einer andern, d. h. in der Naturalform der andern Ware; dass der Mehrwert abgeleitet wird aus einem "spezifischen" und ihr exklusive zukommenden Gebrauchswert der Arbeitskraft, etc. etc., dass also  bei mir der Gebrauchswert eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie...
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Randglossen zu A. Wagners "Lehrbuch der politischen Ökonomie", MEW 19, S. 369f.


Gebrauchswert und gesellschaftliches Bedürfnis.

 
Es ist in der That das Gesetz des Werths, wie es sich geltend macht, nicht in Bezug auf die einzelnen Waaren oder Artikel, sondern auf die jedesmaligen Gesammtprodukte der besondren, durch die Theilung der Arbeit verselbständigten gesellschaftlichen Produktionssphären; sodaß nicht nur auf jede einzelne Waare nur die nothwendige Arbeitszeit verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit nur das nöthige proportionelle Quantum in den verschiednen Gruppen verwandt ist.

Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswerth. Wenn aber der Gebrauchswerth bei der einzelnen Waare davon abhängt, daß sie an und für sich ein Bedürfniß befriedigt, so bei der gesellschaftlichen Produktenmasse davon, daß sie dem quantitativ bestimmten gesellschaftlichen Bedürfniß für jede besondre Art von Produkt adäquat, und die Arbeit daher im Verhältniß dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse, die quantitativ umschrieben sind, in die verschiednen Produktionssphären proportionell vertheilt ist. (Dieser Punkt heranzuziehn bei der Verthei-lung des Kapitals in die verschiednen Produktionssphären.) 

Das gesellschaftliche Bedürfniß, d. h. der Gebrauchswerth auf gesellschaftlicher Potenz, erscheint hier bestim-mend für die Quota der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit, die den verschiednen besondren Produktionssphären anheimfallen. Es ist aber nur dasselbe Gesetz, das sich schon bei der einzelnen Waare zeigt, nämlich: daß ihr Gebrauchswerth Voraussetzung ihres Tauschwerths und damit ihres Werths ist. Dieser Punkt hat mit dem Verhältniß zwischen nothwendiger und Mehrarbeit nur soviel zu thun, daß mit Verletzung dieser Proportion der Werth der Waare, also auch der in ihm steckende Mehrwerth, nicht realisirt werden kann. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 623f. [MEW 25, S. 648f.]





Das gesellschaftliche Bedürfnis und die notwendige Arbeit.



Damit eine Waare zu ihrem Marktwerth verkauft wird, d. h. im Verhältniß zu der in ihr enthaltnen gesellschaftlich nothwendigen Arbeit, muß das Gesammtquantum gesellschaftlicher Arbeit, welches auf die Gesammtmasse dieser Waarenart verwandt wird, dem Quantum des gesellschaftlichen Bedürfnisses für sie entsprechen, d. h. des zahlungsfähigen gesellschaftlichen Bedürfnisses. Die Konkurrenz, die Schwankungen der Marktpreise, die den Schwankungen des Verhältnisses von Nachfrage und Zufuhr entsprechen, suchen beständig das Gesammt-quantum der auf jede Waarenart verwandten Arbeit auf dieses Maß zu reduciren. ...

Producirt ferner einer wohlfeiler und kann er mehr losschlagen, sich größren Raums vom Markt bemächtigen, indem er unter dem laufenden Marktpreis oder Marktwerth verkauft, so thut er es, und so beginnt die Aktion, die nach und nach die andren zwingt, die wohlfeilere Produktionsart einzuführen, und die die gesellschaftlich nothwendige Arbeit auf ein neues geringres Maß reducirt. Hat eine Seite die Oberhand, so gewinnt jeder, der ihr angehört; es ist als hätten sie ein gemeinschaftliches Monopol geltend zu machen.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 192, 194 [MEW 25, S. 202, 204]  





Gesellschaftliches Bedürfnis und Verteilung der Gesamtarbeitszeit.

republik

Es sei hier ganz im Vorbeigehn bemerkt, daß das "gesellschaftliche Bedürfniß", d. h. das was das Princip der Nachfrage regelt, wesentlich bedingt ist durch das Verhältniß der verschiednen Klassen zu einander und durch ihre respektive ökonomische Position, namentlich also erstens durch das Verhältniß des Gesammtmehrwerths zum Arbeitslohn und zweitens durch das Verhältniß der verschiednen Theile, worin sich der Mehrwerth spaltet (Profit, Zins, Grundrente, Steuern u. s. w.); und so zeigt sich auch hier wieder, wie absolut nichts aus dem Verhältniß von Nachfrage und Zufuhr erklärt werden kann, bevor die Basis entwickelt ist, worauf dies Verhältniß spielt. [181/191] 

Daß die Waare Gebrauchswerth hat, heißt nur, daß sie irgend ein gesellschaftliches Bedürfniß befriedigt. So-lange wir nur von den einzelnen Waaren handelten, konnten wir unterstellen, daß das Bedürfniß für diese be-stimmte Waare – in den Preis schon ihr Quantum eingeschlossen – vorhanden sei, ohne uns auf das Quantum des zu befriedigenden Bedürfnisses weiter einzulassen. Dies Quantum wird aber ein we-sentliches Moment, sobald das Produkt eines ganzen Produktionszweigs auf der einen Seite, und das gesellschaftliche Bedürfniß auf der andern Seite steht. Es wird jetzt nothwendig, das Maß, d. h. das Quantum dieses gesellschaftlichen Bedürf-nisses zu betrachten. [184f./194]


Bleibt nun die Nachfrage für diese Masse auch die gewöhnliche, so wird die Waare zu ihrem Marktwerth verkauft, welcher der drei vorhin untersuchten Fälle auch diesen Marktwerth reguliren möge. Die Waarenmasse befriedigt nicht nur ein Bedürfniß, sondern sie befriedigt es in seinem gesellschaftlichen Umfang. Ist dagegen das Quantum kleiner oder größer als die Nachfrage dafür, so finden Abweichungen des Marktpreises vom Marktwerth statt. Und die erste Abweichung ist, daß wenn das Quantum zu klein, stets die unter den schlech-testen Bedingungen producirte Waare den Marktwerth regulirt, und wenn zu groß, stets die unter den besten Bedingungen producirte; daß also eins der Extreme den Marktwerth bestimmt, trotzdem, daß nach dem bloßen Verhältniß der Massen, die unter den verschiednen Bedingungen producirt sind, ein andres Resultat stattfinden müßte. [185/195] 
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Das Kapital III,  MEGA II.15; S. 181, 184f., 194 [MEW 25, S. 191, 194, 195] 





Der Gebrauchswert wird gemessen durch das Gesamtbedürfnis der Austauschenden; doch ebenso der Tauschwert!

Markt in Marrakesch

Das Product als Gebrauchswerth steht im Widerspruch mit sich als Werth; d. h. soweit es in einer bestimmten Qualität, als eine spezifische Sache da ist, Product von bestimmten natürlichen Eigenschaften, als Substanz des Bedürfnisses im Widerspruch mit seiner Substanz, die es als Werth exclusiv in der vergegenständlichten Arbeit besizt. Dießmal aber ist dieser Widerspruch gesezt nicht mehr wie in der Circulation nur so, daß er ein blos formeller Unterschied ist, sondern das Gemessensein durch den Gebrauchswerth ist hier festbestimmt als das Gemessensein durch das Gesammtbedürfniß der Austauschenden für dieß Product – d. h. durch das Quantum der Ge-sammtconsumtion. Diese erscheint hier als Maaß für es als Gebrauchswerth und daher auch als Tauschwerth. 

In der einfachen Circulation war es einfach zu übersetzen aus der Form des besondren Gebrauchswerths in die des Tauschwerths. Seine Schranke erschien nur darin, daß es als erstrer durch seine natürliche Beschaffenheit in einer besondren Form, statt in der Werthform existirte, in der es gegen alle andren Waaren direkt austauschbar war. Jezt aber ist gesezt, daß in seiner natürlichen Beschaffenheit selbst das Maaß seines Vorhandenseins gegeben ist. Um in die allgemeine Form übersezt zu werden, darf der Gebrauchswerth nur in einer bestimmten Quantität vorhanden sein; einer Quantität, deren Maaß nicht in der in ihm vergegenständlichten Arbeit liegt, sondern aus seiner Natur als Gebrauchswerth und zwar als Gebrauchswerth für andre hervorgeht. 
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Grundrisse,
 MEGA II/1.1  319   [MEW 42, S. 319f.]   









Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst.



Der Gebrauch der Arbeitskraft ist die Arbeit selbst. Der Käufer der Arbeitskraft konsumirt sie, indem er ihren Verkäufer arbeiten läßt. Letztrer wird hierdurch actu sich bethätigende Arbeitskraft, Arbeiter, was er früher nur potentia war. Um seine Arbeit in Waaren darzustellen, muß er sie vor allem in Gebrauchswerthen darstellen, Sachen, die zur Befriedigung von Bedürfnissen irgend einer Art dienen. Es ist also ein besondrer Gebrauchswerth, ein bestimmter Artikel, den der Kapitalist vom Arbeiter anfertigen läßt. Die Produktion von Gebrauchswerthen, oder Gütern, ändert ihre allgemeine Natur nicht dadurch, daß sie für den Kapitalisten und unter seiner Kontrole vorgeht. Der Arbeitsprozeß ist daher zunächst in seinen abstrakten Momenten, unabhängig von jeder bestimmten gesellschaftlichen Form zu betrachten. 

Der Arbeitsprozeß ist zunächst ein Prozeß zwischen dem Menschen und der Natur, ein Prozeß, worin er seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne That vermittelt, regelt und kontrolirt. Der Mensch tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form zu assimiliren. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit.
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Das Kapital I, MEGA II/5, S. 129





Wert ist Geltung und kein Sein.



Der Austausch des Arbeiters mit dem Capitalisten ist ein einfacher Austausch; jeder erhält ein Equivalent: der eine Geld, der andre eine Waare, deren Preiß exakt gleich ist dem für sie gezahlten Geld; was der Capitalist in diesem einfachen Austausch erhält ist ein Gebrauchswerth: Disposition über fremde Arbeit. Von Seiten des Arbeiters – und dieß ist der Austausch worin / er als Verkäufer erscheint – ist es evident, daß bei ihm so wenig, wie bei dem Verkäufer irgendeiner andren Waare, eines Gebrauchswerths, der Gebrauch, den der Käufer von der an ihn abgelaßnen Waare macht, die Formbestimmung des Verhältnisses angeht. Was er verkauft ist die Disposition über seine Arbeit, die eine bestimmte ist, bestimmte Kunstfertigkeit etc. 

Es ist ganz gleichgültig, was der Capitalist mit seiner Arbeit macht, obgleich er sie natürlich nur ihrer Bestimmt-heit nach verwenden kann, und seine Disposition selbst sich nur auf eine bestimmte Arbeit und eine zeitlich bestimmte Verfügung über dieselbe (so und so viel Arbeitszeit) beschränkt. ... Wenn der Capitalist sich begnüg-te mit der blosen Dispositionsfähigkeit, ohne den Arbeiter wirklich arbeiten zu lassen, z. B. um seine Arbeit als Reserve zu haben etc oder seinem Concurrenten die Dispositionsfähigkeit zu entziehen (wie z. B. Schauspieldirectoren Sängerinnen für eine season kaufen, nicht um sie singen zu lassen, sondern damit sie nicht auf einem Concurrenztheater singt), so hat der Austausch vollständig stattgefunden. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 205f. [MEW 42, S. 207f.]


Nota. -  Noch krasser als hier kann man es nicht aussprechen: Beim Wert - Tauschwert - handelt es sich nicht um eine stoffliche Eigenschaft eines wirklichen Dinges, sondern um eine gesellschaftliche Geltung. Die ist nun nichts Spirituelles, sondern ist so real, wie etwas nur real sein kann: indem sie das wirkliche Handeln der Individuen reguliert.
JE



Wie der Gebrauchswert in die Formbestimmung eingreift.


Der Punkt, wo das Eingreifen des Gebrauchswerts in die Wertbestimmung, in die Formseite, am augenfällig- sten, recte: am sinn fälligsten ist, ist schließlich ganz am Anfang des Prozesses der Wertschöpfung: denn es ist ja dere Gebrauchswert, der je spezifische historisch gegebne Gebrauchswert der Arbeitskrft, nämlich die je be- stimmte Produktivität der Arbeit, welche den Wert - den Tauschwert einer Ware - im Vergleich zu den anderen Waren 

Nein, falsch; der je besondre Gebrauchswert der Arbeitskraft, die dieses je besondre Kapital verbraucht, d. h. zu effektiver Arbeit (energeia) aktualisiert, bestimmt nicht über den Wert der Ware - denn dieser drückt nur das Prorata des einzelnen Produkts an dem gesellschaftlichen Gesamtarbeitstag aus -, sondern bestimmt die Höhe des Profits, den das Kapital an der einzelnen Ware macht; bestimmt die individuelle Profitrate dieses besondern Kapitals - nämlich indem sie den spezifischen Unterschied der individuellen zur allgemeinen, "druchschnittli- chen" Profirate ausmacht, und darauf, allein darauf kommt es dem Kapital an: allein auf seinen (Extra-) Profit, nicht auf die Wertproduktion an sich.

Also im Allgemeinen, d. h. für die reflektierende Abstraktion, ist es so, dass "der Wert" - nämlich der je geschaffene Neuwert, und um den allein geht es hier - "geschöpft" wird aus dem Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert der Arbeitskraft, weil ihr Gebrauchswert eben die Arbeit selbst ist.

Der Wert drückt aus den Anteil, den das individuelle Produkt an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit "hat"; oder richtiger: den Anteil, auf den er "zu Recht" Anspruch erheben kann: nicht der Anteil an der Gesamtar- beitszeit, der in ihm tatsächlich verausgabt, sondern derjenige Anteil, der in ihm "vergegenständlicht" ist: nämlich als in ihm vergegenständlich gilt; und ob er "gilt", ist immer eine Frage der 'Anerkennung': allgemeiner Anerken- nung...

Zuerst einmal: ob er überhaupt "gilt": nämlich ob die in ihm 'dargestellte', her gestellte Nützlichkeit in der Gesellschaft ein ihm geltendes Bedürfnis vorfindet, und das wird unter kapitalistischen Bedingungen immer erst ex post entschieden: Um sich als Gebrauchs wert bewähren zu können, muss das Produkt zuerst seinen Tausch wert "realisieren".

Und dann: welcher Anteil ihm "zugerechnet" wird: als welcher Anteil er "gilt"; und es gilt nicht diejenige Zeit, die tatsächlich auf seine Herstellung verwendet wurde, sondern es "gilt" jene Zeit, die irgend ein  anderer im Durchschnitt aufwenden müsste, um denselben Gegenstand hic et nunc zu re produzieren. Vorausgesetzt ist also immer die durchschnittliche Produktivität der Arbeit zur gegebnen Zeit, am gegebnen Ort des (beabsichtigten) Austauschakts. Also das, was hier aktual gilt als "allgemeiner" Parameter, ist de facto lediglich ein empirisch festgestellter, "geschätzer" Durchschnitt: Der durchschnittliche Gebrauchs wert der Arbeitskraft ist der Maßstab, nach dem der Anteil des Produkts an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit bewertet wird; ist also das Maß ihrer "Wertigkeit", aber nicht diese selbst: Diese Wertigkeit selbst, also die Substanz des Werts, ist das Verhältnis der Gebrauchswerte - besondre Nützlichkeiten alias das Bedürfnis danach - zur gesellschaftliche verfügbaren Gesamt(arbeits)zeit: das Verhältnis - pro rata -, in dem die Gesamtzeit auf die Bedürfnisse verteilt wird...

Es soll also "Zeit" auf "Nützlichkeit" verteilt weden: Das is so, als sollten Kartoffeln nach ihrer Seelengröße unterschieden werden. "Zeit" und "Nützlichkeit" sind an sich selber inkommensurabel. Es ist schlechterdings unmöglich, das eine durch - theoretische - Analyse aus dem andern herauszulesen: das ein immanent im andern darzustellen. Aber wenn es keine Analyse sein kann, dann muss es ein Akt des Setzens, eine Thesis, und muss insofern das Eine zu dem Andern ins Verhältnis gesetzt werden, muss es eine Synthesis sein, eine "ursprüngli- che", die 'nur aus Freiheit möglich' ist; ein Ur-teil, praktisches Urteil: Wieviel Zeit will - 'soll' - ich auf dieses Bedürfnis, wieviel auf jenes verwenden? (Es ist augenfällig, dass die Frage sinnlos wäre, wenn die verfügbare Zeit nicht knapp ist.) Also ich soll abwägen, welches Bedürfnis mir wichtiger ist als das andre, ich soll eine Rangfolge, Hierarchie der Bedürfnisse etablieren. 'Ich': das ist die gegebne gesellschaftliche (All)gemeine.

Unter Bedingungen unmittelbarer Herrschaft von Menschen über andre Menschen - über ihren Willen, über das, was sie in ihrer (Lebens-) Zeit tun - ist das Problem einfach, oder es ist keins: Die Bestimmung der Priori- täten (das Urteil über die Geltung der Besdürfnisse geht der Prouktion der Gebrauchsgegenstände voraus, "ex ante")  ist immer "konkret", d h. individuell, und darum an keine (immanente) Regel gebunden, die eine Analy- se der Formen erst ans Licht bringen müsste: Hier findet keine "Strukturanalyse" statt, sondern empirische Be- schreibung. 

[NB. Es ist nicht die Frage der Rituale, der konventionellen oder sakralen Formen, in denen die Befehle aus- gesprochen werden; sondern die Maximen, nach denen ihre Inhalte bestimmt sind: Was da an "Regeln", "öko- nomischn Gesetzen" herauszulesen ist, ist nichts anderes als eine empirisch, nämlich beschreibend nachgewie- sene Häufigkeit, die Urteilsakte sind einander heteronom, der (beschreibende) Historiker kann die ihnen zu- grundeliegenden Motive "verstehend deuten", sodann typologisch klasifizieren und die (ihm bekannten) Phäno- mene, "Fakten", danach mengenmäßig ordnen; aber immer bleibt er hier Idiograph.]

Bei der Hervorbringung der den - um ihre verhältnismäßige Geltung konkurrierenden - Bedürfnissen entspre- chenden nützlichn Gegenstände geht, mit der Zunahme individuellen Geschicks bei den Produzenten - "Qua- lität", Produktivität der Arbeit - immer mehr Geschick in das Produkt selbst ein: als dessen "höhere", größere Nützlichkeit, und das wird wesentlich, indem der produzierte Gegenstand selber Arbeitsmittel wird, Produktions- instrument. Indem die spezifische Nützlichkeit - Gebrauchswert - der Produkte zunehmend von der "Qualität" - der in ihnen als deren eignes Geschick vergegenständlichten Geschicklichkeit der Produzenten - der Arbeits- mittel abhängt, erlangt die Herrschaft über das Arbeitsmittel wachsende Bedeutung gegenüber der unmittelba- ren Herrschaft über Menschen: Privateigentum am Arbeitsmittel statt persönlicher Herrschaft über den Arbeiter. Insofern ist das feudale Grundeigentum in (West!-) Europa der Beginn der Entwicklung zum Kapitalismus.

 4. 5. 88


Formbestimmend ist der Gebrauchswert der Arbeit von Anbeginn, indem ihre zunehmende Qualität in die höhere Qualität der Produkte eingeht und, sofern das Produkt selbst zum Arbeitsmittel wird, die Arbeitsmittel gegenüber der Arbeit ein wachsendes Gewicht erhalten. Am Ende steht das fixe Kapital, das als digitaler Auto- mat alle Arbeit selber übernimmt: Der Gebrauchswert hat die Form "zu Tode bestimmt".

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