Montag, 29. Februar 2016

Stoff und ökonomische Formbestimmung.



Soweit die reine Form, die ökonomische Seite des Verhältnisses betrachtet wird – der Inhalt ausserhalb dieser Form fällt hier eigentlich noch ganz ausserhalb der Oekonomie, oder ist als von dem ökonomischen unter-schiedner natürlicher Inhalt gesezt, von dem gesagt werden kann, daß er noch ganz von dem ökonomischen Verhältniß getrennt ist, weil er noch unmittelbar mit ihm zusammenfällt – so treten nur 3 Momente hervor, die formell unterschieden sind: Die Subjekte des Verhältnisses, die Austauschenden; in derselben Bestimmung gesezt; die Gegenstände ihres Austauschs, Tauschwerthe, Equivalente, die nicht nur gleich sind, sondern aus-drücklich gleich sein sollen und als gleich gesezt sind; endlich der Akt des Austauschs selbst, die Vermittlung, wodurch die Subjekte eben als Austauschende, Gleiche, und ihre Objekte als Equivalente, gleiche gesezt wer-den. 

Die Equivalente sind die Vergegenständlichung des einen Subjekts für andre; d. h. sie selbst sind gleich viel werth und bewähren sich im Akt des Austauschs als Gleichgeltende und zugleich als Gleichgültige gegen / einander. Die Subjekte sind im Austausch nur für einander durch die Equivalente, als gleichgeltende und be-währen sich als solche durch den Wechsel der Gegenständlichkeit, worin das eine für andre ist. Da sie nur so als Gleichgeltende, als Besitzer von Equivalenten, und Bewährer dieser Equivalenz im Austausche für einander sind, sind sie als Gleichgeltende zugleich Gleichgültige gegen einander; ihr sonstiger individueller Unterschied geht sie nichts an; sie sind gleichgültig gegen alle ihre sonstigen individuellen Eigenheiten. 

Was nun den Inhalt angeht ausserhalb dem Akt des Austauschs, der sowohl Setzen als Bewähren der Tausch-werthe, wie der Subjekte als Austauschender ist, so kann dieser Inhalt der ausserhalb der ökonomischen Form-bestimmung fällt, nur sein: 1) Die natürliche Besonderheit der Waare, die ausgetauscht wird. 2) Das besondre natürliche Bedürfniß der Austauschenden, oder beides zusammengefaßt, der verschiedene Gebrauchswerth der auszutauschenden Waaren. 

Dieser der Inhalt des Austauschs, der ganz ausserhalb seiner ökonomischen Bestimmung liegt, so weit entfernt die sociale Gleichheit der Individuen zu gefährden, macht vielmehr ihre natürliche Verschiedenheit zum Grund ihrer socialen Gleichheit. Wenn das Individuum A dasselbe Bedürfniß hätte wie das Individuum B und in dem-selben Gegenstand seine Arbeit realisirt hätte, wie das Individuum B, so wäre gar keine Beziehung zwischen ihnen vorhanden; sie wären gar nicht verschiedne Individuen, nach der Seite ihrer Production hin betrachtet. 

Beide haben das Bedürfniß zu athmen; für beide existirt die Luft als Atmosphäre; dieß bringt sie in keinen socialen Contact; als athmende Individuen stehn sie nur als Naturkörper zu einander in Beziehung, nicht als Personen. Die Verschiedenheit ihres Bedürfnisses und ihrer Production giebt nur den Anlaß zum Austausch und zu ihrer socialen Gleichsetzung in ihm; diese natürliche Verschiedenheit ist daher die Voraussetzung ihrer socialen Gleichheit im Akt des Austauschs und dieser Beziehung überhaupt, worin sie zu einander als produc-tiv treten. 

Nach dieser natürlichen Verschiedenheit betrachtet ist das Individuum [A] als Besitzer eines Gebrauchswerths für B, und B als Besitzer eines Gebrauchswerths für A. Nach dieser Seite sezt die natürliche Verschiedenheit sie wieder wechselseitig in das Verhältniß der Gleichheit. Demnach sind sie aber nicht gleichgültig gegen einander, sondern integriren sich, bedürfen einander, so daß das Individuum B als objectivirt in der Waare ein Bedürfniß für das Individuum A ist und vice versa; so daß sie nicht nur in gleicher, sondern auch in gesellschaftlicher Be-ziehung zu einander stehn. Dieß ist nicht alles. Daß das Bedürfniß des einen durch das Product des andren und vice versa befriedigt werden kann, und der eine fähig ist den Gegenstand dem Bedürfniß des andren zu produ-ciren und jeder dem andren als Eigenthümer des Objekts des Bedürfnisses des andren gegenübersteht, zeigt, daß jeder als Mensch über sein eignes besondres Bedürfniß / etc übergreift, und daß sie sich als Menschen zu einander verhalten; daß ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewußt ist. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S165ff.   [MEW 42, S. 167f.]    



Nota. - Allah hat seinem Propheten die Verse des Korans durch den Erzengel Gabriel direkt auf die Zunge legen lassen. Marx war kein Prophet, sondern Wissenschaftler, in den Grundrissen sehen wir zu, wie er progres-siv seine Gedanken klärt und um die darauf passenden Wörter ringt. Er 'kokettiert' dabei nicht nur mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucksweise', sondern bedient sich einstweilen seiner Begriffe, um seine Gedanken über-haupt auf dem Papier festhalten zu können. 

Der Inhalt falle 'noch ganz außerhalb der Ökonomie', heißt es hier; deren Gegenstand sei lediglich die Form. Natürlich meint er die Politische Ökonomie, in der er noch ganz befangen ist, noch weiß er nicht, was am Ende seiner Untersuchung stehen wird: Eben dies war ja die Mystifikation der Politischen Ökonomie, dass sie vorgab, das reale Geschehen der gesellschaftlichen Reproduktion als bloße Form darstellen und den historischen 'Stoff' links liegen lassen zu können. Diese Erkenntnis reift erst langsam ab Heft IV der Grundrisse, und schließlich wird Marx die Kritik der Politischen Ökonomie in dem Satz zusammenfassen, dass bei ihm der Gebrauchswert 'eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie'. 

Und auch der Hegeljargon wird übrigens ab Heft IV immer seltener, jedenfalls braucht er ihn nicht mehr zur Selbstverständigung. Dies hatte die Politische Ökonomie nämlich mit dem Hegel'schen System gemein: dass sie den Begriffen, die doch nichts als mehr oder weniger passende Namen für mehr oder minder bestimmte Vorstel-lungsakte sind, eine eigene Wirklichkeit und Wirksamkeit zuschreibt. In den Grundrissen erleben wir mit, wie Marx sich nach und nach von diesem metaphysischen Sparren freimacht. Das fängt damit an, dass er, wie an obiger Stelle, die Hegel'schen Begriffe kritisch, nämlich gegen die Begriffe der Politischen Ökonomie ausspielt. Sie gehen schließlich beide daran zu Bruch.
JE


Sonntag, 28. Februar 2016

Die Sackgasse der antiken Sklavenwirtschaft.


Römischer Soldat führt Kriegsgefangene in die Sklaverei

Im Sklavenverhältniß tritt dadurch keine gêne für die Herren ein, daß die Arbeiter nicht als Consumenten mit ihnen concurriren. (Die Luxusproduction, wie sie bei den Alten auftritt, indeß nothwendiges Resultat des Skla-venverhältnisses. Nicht Ueberproduction, aber Ueberconsumtion und verrückte Consumtion, die ins Ungeheu-erliche und Bizarre ausschlagend den Untergang des alten Staatenwesens bezeichnet.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 345.  [MEW 42, S. 347]    


Nota. - Der springende Punkt: Das Produkt der antiken Sklavenwirtschaft konnte nicht akkumuliert, d. h. pro-duktiv konsumiert, nämlich in neue Produktionsmittel  umgewandelt werden. Das hat mit der Formbestimmung nichts zu tun, sondern mit der unentwickelten Technologie, der 'Gebrauchswertseite'. Das Mehrprodukt muss-te zum größeren Teil auf "verrückte" Weise vergeudet oder als toter Schatz angehäuft werden.

Das Feudalsystem war insofern ein Fortschritt, als durch eine Beteiligung des Ackerbauern am Mehrprodukt in dessen Arbeitskraft investiert wurde. Das hat den Boden qualitativ fruchtbarer gemacht; die Urbarmachung Euro-pas nördlich und östlich der Alpen wäre anders nicht möglich gewesen.

(Sklaven zeugen wenig Nachwuchs. Die Arbeitskraft konnte im römischen Reich nur erhalten werden durch immer neue militärische Siege und immer neue Kriegsgefangene. Der leibeigene Bauer dagegen zeugte so viele Kinder, wie er sich leisten konnte, und investierte in die Qualifikation ihrer Arbeitskraft.)
JE




Samstag, 27. Februar 2016

Schranke, nicht Grenze.


Das Capital sezt die Production des Reichthums selbst und daher die universelle Entwicklung der Productiv-kräfte, die beständige Umwälzung seiner vorhandnen Voraussetzungen, als Voraussetzung seiner Reproduc-tion. Der Werth schließt keinen Gebrauchswerth aus; also keine besondre Art der Consumtion etc des Ver-kehrs etc als absolute Bedingung ein; und ebenso erscheint ihm jeder Grad der Entwicklung der gesellschaft-lichen Productivkräfte, des Verkehrs, des Wissens etc nur als Schranke, die es zu überwältigen strebt. 

Seine Voraussetzung selbst – der Werth – ist gesezt als Product, nicht als über der Production schwebende, höhre Voraussetzung. Die Schranke des Capitals ist, daß diese ganze Entwicklung gegensätzlich vor sich geht und das Herausarbeiten der Productivkräfte, des allgemeinen Reichthums etc Wissens etc so erscheint, daß das arbeitende Individuum selbst sich entäussert; zu den aus ihm herausgearbeiteten nicht als den Bedingungen seines eignen, sondern fremden Reichthums und seiner / eignen Armuth sich verhält. 

Diese gegensätzliche Form selbst aber ist verschwindend und producirt die realen Bedingungen ihrer eignen Aufhebung. Resultat ist: die ihrer Tendenz und δυνάμει nach allgemeine Entwicklung der Productivkräfte – des Reichthums überhaupt – als Basis, ebenso die Universalität des Verkehrs, daher der Weltmarkt als Basis. Die Basis als Möglichkeit der universellen Entwicklung des Individuums, und die wirkliche Entwicklung der Indivi-duen von dieser Basis aus als beständige Aufhebung ihrer Schranke, die als Schranke gewußt ist, nicht als heili-ge Grenze gilt. Die Universalität des Individuums nicht als gedachte oder eingebildete, sondern als Universalität seiner realen und ideellen Beziehungen. 

Daher auch Begreifen seiner eignen Geschichte als eines Processes und Wissen der Natur (ebenso als prakti-sche Macht über sie vorhanden) als seines realen Leibes. Der Process der Entwicklung selbst als Voraussetzung desselben gesezt und gewußt. Dazu aber nöthig vor allem, daß die volle Entwicklung der Productivkräfte Pro-ductionsbedingung geworden; nicht bestimmte Productionsbedingungen als Grenze für die Entwicklung der Productivkräfte gesezt sind. – 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 439f.  [MEW 42, S.447]   






Freitag, 26. Februar 2016

Der Kapitalist selbst ist der Ausgangs- und Rückkehrpunkt.


Die Geldcirculation ging von unendlich vielen Punkten aus und kehrte an unendlich vielen Punkten zurück. Der Punkt der Rückkehr war keineswegs als Ausgangspunkt gesezt. In dem Umlauf des Capitals ist der Aus-gangspunkt gesezt als Rückkehrpunkt und der Rückkehrpunkt als Ausgangspunkt. Der Capitalist selbst ist der Ausgangs- und Rückkehrpunkt. Er tauscht Geld gegen die Bedingungen der Production aus, producirt, verwer-thet das Product, i. e. verwandelt es in Geld und beginnt dann den Process von neuem. 

Die Geldcirculation, für sich betrachtet, erlöscht nothwendig im Geld als einem unbewegten Ding. Die Cir-culation des Capitals entzündet sich an sich selbst stets von neuem, dirimirt sich in ihre verschiednen Momen-te, und ist ein Perpetuum mobile. Das Preißsetzen auf der Seite der Geldcirculation war rein formell, insofern der Werth vorausgesezt ist unabhängig von der Geldcirculation. Die Circulation des Capitals ist Preißsetzend, nicht nur formell, sondern reell, insofern sie den Werth sezt. Wo er selbst innerhalb ihrer als Voraussetzung erscheint, kann es nur sein als von einem andren Capital gesezter Werth. Die Geldcirculation findet die Weite ihrer Bahn gemessen, und die Umstände, die sie beschleunigen oder retardiren sind äusserliche Anstösse. 

Das Capital in seinem Umlauf erweitert sich selbst und seine Bahn, und die Geschwindigkeit oder Langsamkeit des Umlaufs bildet selbst ein immanentes Moment derselben. Es ändert sich / qualitativ in dem Umlauf, und die Totalität der Momente seines Umlaufs sind selbst die Momente seiner Production – seiner Reproduction sowohl wie seiner Neuproduction. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 417f.  [MEW 42, S.423]   


Nota. - Das Geld tut nichts, der Wert tut nichts, das Kapital tut nichts. Der Kapitalist tut, damit der Arbeiter tut, und umgekehrt. Sie tun unter Voraussetzungen und ihr Tun schafft neue Voraussetzungen.
JE



Donnerstag, 25. Februar 2016

Die germanische Gemeinde war eine Versammlung von Einzelnen.


Stoltebuell, Thingplatz in Gulde

Bei den Antiken (Römer als das klassischste Beispiel, die Sache in der reinsten, ausgeprägtsten Form) gegen-sätzliche Form von Staatsgrundeigenthum und Privatgrundeigenthum, so daß das leztre durch das erstre ver-mittelt oder das erstre selbst in dieser doppelten Form existirt. Der Privatgrundeigenthümer daher zugleich städtischer Bürger. Oekonomisch löst sich das Staatsbürgerthum in die einfache Form auf, daß der Landmann Bewohner einer Stadt. 

In der / germanischen Form der Landmann nicht Staatsbürger, d. h. nicht Städtebewohner, sondern Grundlage die isolirte, selbstständige Familienwohnung, garantirt durch den Verband mit andren solchen Familienwoh-nungen vom selben Stamm und ihr gelegentliches, für Krieg, Religion, Rechtsschlichtung etc Zusammenkom-men für solche wechselseitige Bürgschaft. Das individuelle Grundeigenthum erscheint hier nicht als gegensätz-liche Form des Grundeigenthums der Gemeinde, noch als durch sie vermittelt, sondern umgekehrt. Die Ge-meinde existirt nur in der Beziehung dieser individuellen Grundeigenthümer als solcher auf einander. 

Das Gemeindeeigenthum als solches erscheint nur als gemeinschaftliches Zubehör zu den individuellen Stammsitzen und Bodenaneignungen. Weder ist die Gemeinde die Substanz an der der Einzelne nur als Acci-dent erscheint; noch das Allgemeine, das als solches, sowohl in seiner Vorstellung, wie in der Existenz der Stadt und ihrer städtischen Bedürfnisse im Unterschied von denen des Einzelnen, oder in ihrem städtischen Grund und Boden als ihrem besondren Dasein im Unterschied von dem besondren ökonomischen Dasein des Ge-meindeglieds, eine seiende Einheit ist; sondern einerseits ist die Gemeinde an sich als das Gemeinschaftliche in Sprache, Blut etc dem individuellen Eigenthümer vorausgesezt; als Dasein existirt sie aber nur andrerseits in ihrer wirklichen Versammlung für gemeinschaftliche Zwecke, und so weit sie besondre ökonomische Existenz hat, in dem gemeinsam benuzten Jagd-, Weideland etc, wird sie so benuzt von Jedem Individuellen Eigenthü-mer als solchem, nicht als Repräsentanten (wie in Rom) des Staats; wirklich gemeinsames Eigenthum der indi-viduellen Eigenthümer, nicht des Vereins dieser Eigenthümer als in der Stadt selbst von sich als einzelnen eine gesonderte Existenz besitzend.
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 388f. [MEW 42, S. 392f.]   




Mittwoch, 24. Februar 2016

Der Transport der Ware gehört zu den Produktionskosten.



Die Circulation geht vor im Raum und in der Zeit. Die räumliche Bedingung, die Bringung des Products auf den Markt, gehört, ökonomisch betrachtet, in den Productionsprocess selbst. Das Product ist erst wirklich fertig, sobald es auf dem Markt ist. Die Bewegung, wodurch es dahin kommt, gehört noch mit zu seinen Herstellungskosten. Sie bildet nicht ein nothwendiges Moment der Circulation als besondren Processes des Werthes betrachtet, da ein Product an Ort und Stelle seiner Production gekauft und selbst consumirt werden kann. Dieß räumliche Moment ist aber wichtig, insofern die Ausdehnung des Markts, die Austauschmöglichkeit des Products damit zusammenhängt. 

Die Abkürzung der Kosten dieser realen Circulation (im Raum) gehört in die Entwicklung der Productivkräfte durch das Capital, Verminderung der Kosten seiner Verwerthung. Nach gewissen Seiten hin, als äussre Existenzbedingung für den ökonomischen Process der Circulation, kann dieß Moment aber auch in die Productionskosten der Circulation gerechnet werden, so daß die Circulation diesem Moment nach selbst als Moment nicht nur des Productionsprozesses im Allgemeinen, sondern des unmittelbaren Productionsprozesses erscheint. 

Jedenfalls erscheint hier die Bestimmung dieses Moments durch den allgemeinen Grad der Entwicklung der Productivkräfte, und der auf das Capital gegründeten Production überhaupt. Es könnte genauer dieses örtliche Moment – das Bringen des Products auf den Markt –, was eine nothwendige Bedingung für seine Circulation ausser im Fall Productionsplatz selbst Markt ist – als Verwandlung des Products in Waare betrachtet werden. Waare ist es erst auf dem Markt. (Whether or not dieß ein besondres Moment bildet ist zu- fällig. Arbeitet das Capital auf Bestellung, so existirt weder dieß Moment für es, noch die Verwandlung in Geld als besondres Moment. Das Arbeiten auf Bestellung, d. h. Zufuhr die vorhergehnder Nachfrage entspricht, als allgemeiner oder vorherrschender Zustand entspricht nicht der grossen Industrie und geht keineswegs als Bedingung aus der Natur des Capitals hervor.) 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 433 [MEW 42, S. 440]



Nota. - Als Gebrauchswert ist die Küchenuhr fertig, sobald sie richtig geht. Als Ware ist sie erste fertig in dem Moment, wo sie tatsächlich getauscht wird.
JE



Dienstag, 23. Februar 2016

Feudalität.



aus Les Très Riches Heures du duc de Berry

Die dritte Form ist das feudale oder ständische Eigentum. Wenn das Altertum von der Stadt und ihrem kleinen Gebiet ausging, so ging das Mittelalter vom Lande aus. Die vorgefundene dünne, über eine große Bodenfläche zersplitterte Bevölkerung, die durch die Eroberer keinen großen Zuwachs erhielt, bedingte diesen veränderten Ausgangspunkt. Im Gegensatz zu Griechenland und Rom beginnt die feudale Entwicklung daher auf einem viel ausgedehnteren, durch die römischen Eroberungen und die anfangs damit verknüpfte Ausbreitung der Agrikultur vorbereiteten Terrain. 

Die letzten Jahrhunderte des verfallenden römischen Reichs und die Eroberung durch die Barbaren selbst zerstörten eine Masse von Produktivkräften; der Ackerbau war gesunken, die Industrie aus Mangel an Absatz verfallen, der Handel eingeschlafen oder gewaltsam unterbrochen, die ländliche und städtische Bevölkerung hatte abgenommen. Diese vorgefundenen Verhältnisse und die dadurch bedingte Weise der Organisation der Eroberung entwickelten unter dem Einflusse der germanischen Heerverfassung das feudale Eigentum. 

Es beruht, wie das Stamm- und Gemeindeeigentum, wieder auf einem Gemeinwesen, dem aber nicht wie dem antiken die Sklaven, sondern die leibeignen kleinen Bauern als unmittelbar produzierende Klasse gegenüberste-hen. Zugleich mit der vollständigen Ausbildung des Feudalismus tritt noch der Gegensatz gegen die Städte hinzu. Die hierarchische Gliederung des Grundbesitzes und die damit zusammenhängenden bewaffneten Gefolgschaften gaben dem Adel die Macht über die Leibeignen. 

Diese feudale Gliederung war ebensogut wie das antike Gemeindeeigentum eine Assoziation gegenüber der beherrschten produzierenden Klasse; nur war die Form der Assoziation und das Verhältnis zu den unmittelba-ren Produzenten verschieden, weil verschiedene Produktionsbedingungen vorlagen. Dieser feudalen Gliede-rung des Grundbesitzes entsprach in den Städten das korporative Eigentum, die feudale Organisation des Handwerks. Das Eigentum bestand hier hauptsächlich in der Arbeit jedes Einzelnen. 

Die Notwendigkeit der Assoziation gegen den assoziierten Raubadel, das Bedürfnis / gemeinsamer Markthallen in einer Zeit, wo der Industrielle zugleich Kaufmann war, die wachsende Konkurrenz der den aufblühenden Städten zuströmenden entlaufnen Leibeignen, die feudale Gliederung des ganzen Landes führten die Zünfte herbei; die allmählich ersparten kleinen Kapitalien einzelner Handwerker und ihre stabile Zahl bei der wach-senden Bevölkerung entwickelten das Gesellen- und Lehrlingsverhältnis, das in den Städten eine ähnliche Hierarchie zustande brachte wie die auf dem Lande. Das Haupteigentum bestand während der Feudalepoche also in Grundeigentum mit daran geketteter Leibeignenarbeit einerseits und eigner Arbeit mit kleinem, die Arbeit von Gesellen beherrschendem Kapital andrerseits. 

Die Gliederung von Beiden war durch die bornierten Produktionsverhältnisse – die geringe und rohe Boden-kultur und die handwerksmäßige Industrie – bedingt. Teilung der Arbeit fand in der Blüte des Feudalismus wenig statt. Jedes Land hatte den Gegensatz von Stadt und Land in sich; die Ständegliederung war allerdings sehr scharf ausgeprägt, aber außer der Scheidung von Fürsten, Adel, Geistlichkeit und Bauern auf dem Lande und Meistern, Gesellen, Lehrlingen und bald auch Taglöhnerpöbel in den Städten fand keine bedeutende Teilung statt. Im Ackerbau war sie durch die parzellierte Bebauung erschwert, neben der die Hausindustrie der Bauern selbst aufkam, in der Industrie war die Arbeit in den einzelnen Handwerken selbst gar nicht, unter ihnen sehr wenig geteilt. 

Die Teilung von Industrie und Handel wurde in älteren Städten vorgefunden, entwickelte sich in den neueren erst später, als die Städte unter sich in Beziehung traten. Die Zusammenfassung größerer Länder zu feudalen Königreichen war für den Grundadel wie für die Städte ein Bedürfnis. Die Organisation der herrschenden Klasse, des Adels, hatte daher überall einen Monarchen an der Spitze.
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Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 34f.



Nota. - Das ist anderthalb Jahrhunderte alt und doch noch nicht überholt: in der Geschichtsschreibung eine uneingeholte Leistung. Denn was fehlt, die Einsicht in der progressiven Charakter der feudalen Produktions-weise, lässt sich überhaupt nur im Lichte ebendieser Darstellung erkennen. Anders als die Sklavenarbeit auf den römischen Latifundien hat die bedingte Form des feudalen Eigentums den Grundherrn ebenso wie den Ackerbauern gemeinsam an der wirtschaftlichen Leistung interessiert. Ohne dies wäre die durchgängige Kulti-vierung des Bodens nördlich und östlich der Alpen in verhältnismäßig kurzer Zeit nicht möglich gewesen. 

Und, so muss man hinzufügen, ohne die kongenitale Rivalität der weltlich und der geistlichen Mächte hätten die Städte, und das heißt: das Bürgertum nicht den Spielraum gefunden, sich als Dritte Macht zwischen sie und schließlich an ihre Stelle zu schieben.

Zwar ist es eine unausgesprochene Prämisse der Marx-Engels'schen Darstellung, doch verdient es, ausdrücklich gesagt zu werden: Unter anderen Voraussetzungen als der Feudalität wäre die Ausbildung der bürgerlichen Gesellschaft nicht möglich gewesen. Wäre? Ist! Die einzige Stelle in der Welt, wo eine vergleichbare bürgerliche Entwicklung zustande gekommen ist, ist Japan mit seiner nicht 'asiatischen', sondern viel eher feudalen Produktionsweise.
JE


Montag, 22. Februar 2016

Universalisierung.


In der bisherigen Geschichte ist es allerdings ebensosehr eine empirische Tatsache, daß die einzelnen Individu-en mit der Ausdehnung der Tätigkeit zur Weltgeschichtlichen immer mehr unter einer ihnen fremden Macht geknechtet worden sind (welchen Druck sie sich denn auch als Schikane des sogenannten Weltgeistes etc. vor-stellten), einer Macht, die immer massenhafter geworden ist und sich in letzter Instanz als Weltmarkt ausweist. 

Aber ebenso empirisch begründet ist es, daß durch den Umsturz des bestehenden gesellschaftlichen Zustandes durch die kommunistische Revolution (wovon weiter unten) und die damit identische Aufhebung des Privatei-gentums diese den deutschen Theoretikern so mysteriöse Macht aufgelöst wird und alsdann die Befreiung jedes einzelnen Individuums in demselben Maße durchgesetzt wird, in dem die Geschichte sich vollständig in Welt-geschichte verwandelt. 

Daß der wirkliche geistige Reichtum des Individuums ganz von dem Reichtum seiner wirklichen Beziehungen abhängt, ist nach dem Obigen klar. Die einzelnen Individuen werden erst hierdurch von den verschiedenen nationalen und lokalen Schranken befreit, mit der Produktion (auch mit der geistigen) der ganzen Welt in prak-tische Beziehung gesetzt und in den Stand gesetzt, sich die Genußfähigkeit für diese allseitige Produktion der ganzen Erde (Schöpfungen der Menschen) zu erwerben. 

Die allseitige Abhängigkeit, diese naturwüchsige Form des weltgeschichtlichen Zusammenwirkens der Individuen, wird durch diese kommunistische Revolution verwandelt in die Kontrolle und bewußte Beherrschung dieser Mächte, die, aus dem Aufeinander-Wirken der Menschen erzeugt, ihnen bisher als durchaus fremde Mächte imponiert und sie beherrscht haben.
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Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 37





Sonntag, 21. Februar 2016

Aufhebung der Fremdheit nur als universeller Akt.



Diese »Entfremdung«, um den Philosophen verständlich zu bleiben, kann natürlich nur unter zwei praktischen Voraussetzungen aufgehoben werden. Damit sie eine »unerträgliche« Macht werde, d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert, dazu gehört, daß sie die Masse der Menschheit als durchaus »Eigentumslos« erzeugt hat und zugleich im Widerspruch zu einer vorhandnen Welt des Reichtums und der Bildung, was beides eine große Steigerung der Produktivkraft, einen hohen Grad ihrer Entwicklung voraussetzt – und andrerseits ist diese Entwicklung der Produktivkräfte (womit zugleich schon die in weltgeschichtlichem, statt der in lokalem Dasein der Menschen vorhandne empirische Existenz gegeben ist) auch deswegen eine absolut notwendige praktische Voraussetzung, weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und / die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte, weil ferner nur mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einerseits das Phänomen der »Eigentumslosen« Masse in Allen Völkern gleichzeitig erzeugt (allgemeine Konkurrenz), jedes derselben von den Umwälzungen der andern abhängig macht, und endlich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen an die Stelle der lokalen gesetzt hat. 

Ohne dies könnte 1. der Kommunismus nur als eine Lokalität existieren, 2. die Mächte des Verkehrs selbst hätten sich als universelle, drum unerträgliche Mächte nicht entwickeln können, sie wären heimisch-abergläubige »Umstände« geblichen, und 3. würde jede Erweiterung des Verkehrs den lokalen Kommunismus aufheben. Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker »auf einmal« und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihm zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt. 

Wie hätte sonst z.B. das Eigentum überhaupt eine Geschichte haben, verschiedene Gestalten annehmen, und etwa das Grundeigentum je nach der verschiedenen vorliegenden Voraussetzung in Frankreich aus der Parzellierung zur Zentralisation in wenigen Händen, in England aus der Zentralisation in wenigen Händen zur Parzellierung drängen können, wie dies heute wirklich der Fall ist? Oder wie kommt es, daß der Handel, der doch weiter nichts ist als der Austausch der Produkte verschiedner Individuen und Länder, durch das Verhältnis von Nachfrage und Zufuhr die ganze Welt beherrscht – ein Verhältnis, das, wie ein englischer Ökonom sagt, gleich dem antiken Schicksal über der Erde schwebt und mit unsichtbarer Hand Glück und Unglück an die Menschen verteilt, Reiche stiftet und Reiche zertrümmert, Völker entstehen und verschwinden macht –, während mit der Aufhebung der Basis, des Privateigentums, mit der kommunistischen Regelung der Produktion und der darin liegenden Vernichtung der Fremdheit, mit der sich die Menschen zu ihrem eignen Produkt verhalten, die Macht des Verhältnisses von Nachfrage und Zufuhr sich in Nichts auflöst und die Menschen den Austausch, die Produktion, die Weise ihres gegenseitigen Verhaltens wieder in ihre Gewalt bekommen? 

Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt Bestehenden Voraussetzung. Übrigens setzt die Masse von bloßen Arbeitern – / massenhafte von Kapital oder von irgendeiner bornierten Befriedigung abgeschnittne Arbeitskraft – und darum auch der nicht mehr temporäre Verlust dieser Arbeit selbst als einer gesicherten Lebensquelle durch die Konkurrenz den Weltmarkt voraus. Das Proletariat kann also nur weltge-schichtlich existieren, wie der Kommunismus, seine Aktion, nur als »weltgeschichtliche« Existenz überhaupt vorhanden sein kann; weltgeschichtliche Existenz der Individuen, d.h. Existenz der Individuen, die unmittelbar mit der Weltgeschichte verknüpft ist.
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Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 34ff.


Donnerstag, 18. Februar 2016

Teilung der Arbeit und Entfremdung.



Ferner ist mit der Teilung der Arbeit zugleich der Widerspruch zwischen dem Interesse des einzelnen Individu-ums oder der einzelnen Familie und dem / gemeinschaftlichen Interesse aller Individuen, die miteinander ver-kehren, gegeben; und zwar existiert dies gemeinschaftliche Interesse nicht bloß in der Vorstellung, als »Allge-meines«, sondern zuerst in der Wirklichkeit als gegenseitige Abhängigkeit der Individuen, unter denen die Arbeit geteilt ist. 

Und endlich bietet uns die Teilung der Arbeit gleich das erste Beispiel davon dar, daß, solange die Menschen sich in der naturwüchsigen Gesellschaft befinden, solange also die Spaltung zwischen dem besondern und ge-meinsamen Interesse existiert, solange die Tätigkeit also nicht freiwillig, sondern naturwüchsig geteilt ist, die eigne Tat des Menschen ihm zu einer fremden, gegenüberstehenden Macht wird, die ihn unterjocht, statt daß er sie beherrscht. 

Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der ihm aufgedrängt wird, aus dem er nicht heraus kann; er ist Jäger, Fischer oder Hirt oder kritischer Kritiker und muß es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunisti-schen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in jedem belie-bigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu trei-ben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden. 

Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unsres eignen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unsrer Kontrolle entwächst, unsre Erwartungen durchkreuzt, unsre Berechnungen zu-nichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung, und eben aus diesem Widerspruch des besondern und gemeinschaftlichen Interesses nimmt das gemeinschaftliche Interesse als Staat eine selbständige Gestaltung, getrennt von den wirklichen Einzel- und Gesamtinteressen, an, und zugleich als illusorische Gemeinschaftlichkeit, aber stets auf der realen Basis der in jedem Familien- und Stamm-Konglo-merat vorhandenen Bänder, wie Fleisch und Blut, Sprache, Teilung der Arbeit im größeren Maßstabe und sonstigen Interessen – und besonders, wie wir später entwickeln werden, der durch die Teilung der Arbeit bereits bedingten Klassen, die in jedem derartigen Menschenhaufen sich absondern und von denen eine alle andern beherrscht. 

Hieraus folgt, daß alle Kämpfe innerhalb des Staats, der Kampf zwischen Demokratie, Aristokratie und Mon-archie, der Kampf um das Wahlrecht etc. etc., nichts als die illusorischen Formen sind, in denen die wirklichen Kämpfe der verschiednen Klassen untereinander geführt werden (wovon die deutschen Theoretiker nicht eine Silbe ahnen, trotzdem daß man ihnen in den »Deutsch-Französischen Jahrbüchern« / und der »Heiligen Fami-lie« dazu Anleitung genug gegeben hatte), und ferner, daß jede nach der Herrschaft strebende Klasse, wenn ihre Herrschaft auch, wie dies beim Proletariat der Fall ist, die Aufhebung der ganzen alten Gesellschaftsform und der Herrschaft überhaupt bedingt, sich zuerst die politische Macht erobern muß, um ihr Interesse wieder als das Allgemeine, wozu sie im ersten Augenblick gezwungen ist, darzustellen.
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Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 32ff.




Nota. - Der Berufsmensch ist eine Kreation der bürgerlichen Gesellschaft. Zuvor gehörte man dem Stand an, in den man hineingeboren war so wie die Väter und deren Väter. Aber den 'Beruf' muss man ergreifen, es ist die wichtigste Entscheidung im Lauge eines Lebens und ist erst der wahre Eintritt in die bürgerliche Gesellschaft, durch den der Mann erwachsen wird. 

Der Proletarier hatte keinen Beruf, er war schlicht und einfach Arbeitskraft, die industrielle Technik erlaubte, ihn von einer Maschine an die andre zu versetzen; er gehörte nicht wirklich zur Gesellschaft und wurde nicht richtig erwachsen.

Eine kommunistische Gesellschaft ist noch nicht entstanden. Aber die digitale Revolution macht auch heute schon, dass viele im Laufe ihres Lebens mehrere Berufe ausüben und manche sich schon erlauben können, gar keinen zu wählen. Das wird in ein, zwei Genrationen zur Norm werden. (Der 'Erwachsene' würde damit wohl aussterben.)
JE




Nota. 
Das obige Foto gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und seine Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog. JE 

Freitag, 12. Februar 2016

Die getrennten Hauswirtschaften.



Bei den Wilden versteht es sich von selbst, daß jede Familie ihre eigne Höhle oder Hütte hat, wie bei den Nomaden das separate Zelt jeder Familie. Diese getrennte Hauswirtschaft wird durch die weitere Entwicklung des Privateigentums nur noch nötiger gemacht. Bei den Agrikulturvölkern ist die gemeinsame Hauswirtschaft ebenso unmöglich wie die gemeinsame Bodenkultur. 

Ein großer Fortschritt war die Erbauung von Städten. In allen bisherigen Perioden war indes die Aufhebung der getrennten Wirtschaft, die von der Aufhebung des Privateigentums nicht zu trennen ist, schon deswegen unmöglich, weil die materiellen Bedingungen dazu nicht vorhanden waren. Die Einrichtung einer gemeinsamen Hauswirtschaft setzt die Entwicklung der Maschinerie, der Benutzung der Naturkräfte und vieler andern Produktivkräfte voraus – z.B. der Wasserleitungen, der Gasbeleuchtung, der Dampfheizung etc., Aufhebung [des Gegensatzes] von Stadt und Land. 

Ohne diese Bedingungen würde die gemeinsame Wirtschaft nicht selbst wieder eine neue Produktionskraft sein, aller materiellen Basis entbehren, auf einer bloß theoretischen Grundlage beruhen, d.h. eine bloße Marotte sein und es nur zur Klosterwirtschaft bringen. – Was möglich war, zeigt sich in der Zusammenrückung zu Städten und in der Erbauung gemeinsamer Häuser zu einzelnen bestimmten Zwecken (Gefängnisse, Kasernen pp.). Daß die Aufhebung der getrennten Wirtschaft von der Aufhebung der Familie nicht zu trennen ist, versteht sich von selbst. 
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Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 29, Anm.


Nota. – Die dynamisierende Rolle der Scheidung des Daseins in einen privaten und einen öffentlichen Raum war Marx und Engels noch nicht bewusst. Sie wird sich auf die Dauer als die revolutionärste Errungenschaft der bürgerlichen Gesellschaft bewähren.
JE

Donnerstag, 11. Februar 2016

Erst in der Sprache existiert mein Bewusstsein für mich selbst.



Die Sprache ist so alt wie das Bewußtsein – die Sprache ist das praktische, auch für andre Menschen existieren-de, also auch für mich selbst erst existierende wirkliche Bewußtsein, und die Sprache entsteht, wie das Bewußt-sein, erst aus dem Bedürfnis, der Notdurft des Verkehrs mit andern Menschen.
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Die Deutsche Ideologie, MEW 3, S. 30




Mittwoch, 10. Februar 2016

Eine Vorstellung, die wirklich ist.



Der Tauschwerth als solcher kann natürlich nur symbolisch existiren, obgleich dieses Symbol, um es als Sache anwenden zu können – nicht blos als Vorstellungsform – sachliches Dasein besizt; nicht nur ideelle Vorstellung ist, sondern wirklich vorgestellt in einer gegenständlichen Weise. (Ein Maaß kann in der Hand behalten werden; der Tauschwerth mißt, aber er tauscht nur aus, indem das Maaß aus der einen Hand in die andre übergeht.) ...

Denn dieß Symbol hat das eigen, daß es nicht nur den Tauschwerth vorstellt, sondern im wirklichen Austausch derselbe ist.
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 87; 88 [MEW 42, S. 88]




Dienstag, 9. Februar 2016

Der Mensch vereinzelt sich erst durch den Austausch.

Schwarzmarkt 1945

Eigenthum meint also ursprünglich – und so in seiner asiatischen, slawischen, antiken, germanischen Form – Verhalten des arbeitenden (producirenden) Subjekts (oder sich reproducirenden) zu den Bedingungen seiner Production oder Reproduction als den seinen. 

Es wird daher auch verschiedne Formen haben nach den Bedingungen dieser Production. Die Production selbst bezweckt die Reproduction des Producenten in und mit diesen seinen objektiven Daseinsbedingungen. Dieses Verhalten als Eigenthümer – nicht als Resultat, sondern Voraussetzung der Arbeit, i. e. der Production – sezt voraus ein bestimmtes Dasein des Individuums als Glied eines Stamm- oder Gemeinwesens (dessen Eigenthum es selbst ist bis zu einem gewissen Punkt). Sklaverei, Leibeigenschaft etc, wo der Arbeiter selbst unter den Naturbedingungen der Production für ein 3tes Individuum oder Gemeinwesen erscheint (dieß ist z. B. bei der allgemeinen Sklaverei des Orients nicht der Fall, nur vom europäischen point of view aus) – also Eigenthum nicht mehr das Verhalten des selbstarbeitenden Individuums zu den objektiven Bedingungen der Arbeit – ist immer secundär, nie ursprünglich, obgleich nothwendiges und consequentes Resultat des auf dem Gemeinwesen und Arbeit im Gemeinwesen gegründeten Eigenthums. 

Es ist zwar sehr einfach sich vorzustellen, daß Ein Gewaltiger, physisch Ueberlegner, nachdem er erst das Thier gefangen, dann Menschen fängt, um durch ihn Thiere fangen zu lassen; mit einem Worte sich ebenso des Menschen als einer natürlich vorgefundnen Bedingung für seine Reproduction bedient (wobei seine eigne Arbeit in Herrschen sich auflöst etc) wie irgend eines andren Naturwesens. Aber solche Ansicht ist abge-schmackt, – so sehr richtig vom Standpunkt gegebner Stamm- oder Gemeinwesen – da sie von der Entwick-lung vereinzelter Menschen ausgeht. Der Mensch vereinzelt sich erst durch den historischen Process. Er erscheint ursprünglich als ein Gattungswesen, Stammwesen, Heerdenthier – wenn auch keineswegs als ein ζω̃ον πολιτιϰόν im politischen Sinn. 

Der Austausch selbst ist ein Hauptmittel / dieser Vereinzelung. Er macht das Heerdenwesen überflüssig und löst es auf. Sobald die Sache sich so gedreht, daß er als Vereinzelter nur mehr sich auf sich bezieht, die Mittel aber, um sich als Vereinzelter zu setzen, sein sich Allgemein- und Gemeinmachen geworden sind. In diesem Gemeinwesen ist das objektive Dasein des Einzelnen als Eigenthümer, sage z. B. Grundeigenthümer voraus-gesezt und zwar unter gewissen Bedingungen, die ihn an das Gemeinwesen ketten, oder vielmehr einen Ring in seiner Kette machen. In der bürgerlichen Gesellschaft steht der Arbeiter z. B. rein objektivlos, subjektiv da; aber die Sache, die ihm gegenübersteht, ist das wahre Gemeinwesen nun geworden, das er zu verspeisen sucht, und von dem er verspeist wird. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 399f. [MEW 42, S. 403f.]



Nota.  Im naturwüchsigen Gemeinwesen ist der Mensch von vornherein 'vergemeinschaftet', noch bevor er Individuum geworden ist. Zivilisatorische Fortschritte geschehen als Vereinzelung des Individuums, das im selben Maße nun sich selbst vergesellschaften muss; durch Austausch. Erst jetzt entsteht Gesellschaft im spezifi-schen Sinn. Und erst seither kann sie als Verein der Freien und Gleichen vorgestellt werden.
JE


Montag, 8. Februar 2016

Mit der Produktionsweise ändern sich auch die Produzenten.



Damit ist aber zugleich klar, daß diese Bedingungen sich ändern. Durch das Jagen der Stämme wird eine Erdregion erst zum Jagdrevier; durch den Ackerbau die Erde, der Grund und Boden erst als der verlängerte Leib des In-dividuums gesezt. Nachdem die Stadt Rom erbaut war und die umliegende Feldmark bestellt von ihren Bürgern – waren die Bedingungen des Gemeinwesens andre geworden als vorher. 

Der Zweck aller dieser Gemeinwesen ist Erhaltung; d. h. Reproduction der Individuen, die es bilden, als Eigenthümer, d. h. in derselben objektiven Existenzweise, die zugleich das Verhalten der Glieder zu einander und daher die Gemeinde selbst bildet. Diese Reproduction ist aber zugleich nothwendig Neuproduction und Destruction der alten Form. Z. B. wo der Individuen jedes so viel Acker Land besitzen soll, schon der Fortschritt der Bevölkerung im Wege. 

Soll dem gesteuert werden, so Colonisation und diese macht Eroberungskrieg nöthig. Damit Sklaven etc. Ver-grösserung des ager publicus z. B. auch und damit der Patricier, die das Gemeinwesen repräsentiren etc. So die Erhaltung des alten Gemeinwesens schließt ein die Destruction der Bedingungen, auf denen es beruht, schlägt ins Gegentheil um. Sollte z. B. gedacht werden, die Productivität auf demselben Raum könne vermehrt werden durch Entwicklung / der Productivkräfte etc (diese beim altherkömmlichen Ackerbau gerade das aller langsam-ste), so würde das neue Weisen, Combinationen der Arbeit, grossen Theil des Tags auf Agricultur verwandt etc einschliessen, und damit wieder die alten ökonomischen Bedingungen des Gemeinwesens aufheben. 

In dem Akt der Reproduction selbst ändern sich nicht nur die objektiven Bedingungen, z. B. aus dem Dorf wird Stadt, aus der Wildniß gelichteter Acker etc, sondern die Producenten ändern sich, indem sie neue Quali-täten aus sich heraus setzen, sich selbst durch die Production entwickeln, umgestalten, neue Kräfte und neue Vorstellungen bilden, neue Verkehrsweisen, neue Bedürfnisse und neue Sprache. 

Je altherkömmlicher die Productionsweise selbst – und diese dauert lang in der Agricultur; noch länger in der orientalischen Ergänzung von Agricultur und Manufactur – d. h. je mehr sich gleichbleibend der wirkliche Proceß der Aneignung, um so constanter die alten Eigenthumsformen und damit das Gemeinwesen über-haupt. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 396f. [MEW 42, S. 401f.]





Sonntag, 7. Februar 2016

In den agrarischen Gesellschaften ist das Individuum nicht nur Arbeiter, sondern auch Eigentümer.


Millet, Das Angelusgebet

Worauf es hier eigentlich ankommt, ist dieß: In allen diesen Formen, worin Grundeigenthum und Agricultur die Basis der ökonomischen Ordnung bilden, und daher die Production von Gebrauchswerthen ökonomischer Zweck ist, die Reproduction des Individuums in den bestimmten Verhältnissen zu seiner Gemeinde, in denen es deren Basis bildet – ist vorhanden: 

1) Aneignung, nicht durch Arbeit, sondern als der Arbeit vorausgesezt, der natürlichen Bedingung der Arbeit, der Erde als des ursprünglichen Arbeitsinstruments sowohl, Laboratoriums, wie Behälters der Rohstoffe. Das Individuum verhält sich einfach zu den objektiven Bedingungen der Arbeit als den seinen; zu ihnen als der un-organischen Natur seiner Subjektivität, worin diese sich selbst realisirt; die Hauptobjektive Bedingung der Ar-beit erscheint nicht selbst als Product der Arbeit, sondern findet sich vor als Natur;  auf der einen Seite das le-bendige Individuum, auf der andren die Erde, als die objektive Bedingung sener Reproduction; 

2) aber dieses Verhalten zu dem Grund und Boden, zur Erde, als dem Eigenthum des arbeitenden In-/dividu-ums – welches daher von vorn herein nicht als blos arbeitendes Individuum erscheint, in dieser Abstraction, sondern im Eigenthum an der Erde eine objektive Existenzweise hat, die seiner Thätigkeit vorausgesezt ist, und nicht als deren bloses Resultat erscheint, und ebenso eine Voraussetzung seiner Thätigkeit ist, wie seine Haut oder seine Sinnesorgane, die er zwar auch im Lebensprocess reproducirt, und entwickelt etc, die aber diesem Reproductionsprozeß seinerseits vorausgesezt sind – ist sofort vermittelt durch das naturwüchsige, mehr oder minder historisch entwickelte, und modificirte Dasein des Individuums als Mitglieds einer Gemeinde – sein naturwüchsiges Dasein als Glied eines Stammes etc. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 389f. [MEW 42, S. 393]



Nota. – Ob der Boden kollektiv bearbeitet wird oder von unabhängigen Einzelnen, spielt hier keine Rolle. Es geht nur um das Eigentum.
JE


Samstag, 6. Februar 2016

Einfach und vermittelt.


Capital ist unmittelbare Einheit von Product und Geld oder besser von Production und Circulation. So ist es wieder selbst ein Unmittelbares, und / seine Entwicklung besteht darin, als diese Einheit, – die als bestimmtes und daher einfaches Verhältniß gesezt ist – sich selbst zu setzen und aufzuheben. Die Einheit erscheint zu-nächst im Capital als etwas Einfaches. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 247f. [MEW 42, S. 251]


Nota. - 'Kokettiert' er wieder nur mit der Hegel'schen Ausdrucksweise? Ein "materialistischer" oder auch bloß kritischer und nichtmetaphysischer Autor würde ja an dieser Stelle sagen: Produktion und Zirkulation sind gar keine Sachen, und für sich genommen 'gibt es' sie gar nicht. Was 'es gibt', sind produzierende und austauschen-de Menschen. Was da als eine Entwicklung von einem Begriff zum andern erscheint, sind jeweils nur unter-schiedliche Momente im praktischen Verhältnis der einen zu den andern. Und was als einfach und was als ver-mittelt erscheint, hängt ganz davon ab, auf welchen Punkt des prozessierenden Verhältnisses man blickt.
JE


Freitag, 5. Februar 2016

Der Gebrauchswert der Arbeitskraft existiert nicht unabhängig von der Leiblichkeit des Arbeiters.


A. Boucher

Es ist ganz gleichgültig, was der Capitalist mit seiner [des Arbeiters] Arbeit macht, obgleich er sie natürlich nur ihrer Bestimmtheit nach verwenden kann, und seine Disposition selbst sich nur auf eine bestimmte Arbeit und eine zeitlich bestimmte Verfügung über dieselbe (so und so viel Arbeitszeit) beschränkt. ...

Wenn der Capitalist sich begnügte mit der blosen Dispositionsfähigkeit, ohne den Arbeiter wirklich arbeiten zu lassen, z. B. um seine Arbeit als Reserve zu haben etc oder seinem Concurrenten die Dispositionsfähigkeit zu entziehen (wie z. B. Schauspieldirectoren Sängerinnen für eine season kaufen, nicht um sie singen zu lassen, sondern damit sie nicht auf einem Concurrenztheater singt), so hat der Austausch vollständig stattgefunden. 

Im Geld erhält der Arbeiter zwar den Tauschwerth, die allgemeine Form des Reichthums in einem bestimmten Quantum, und das Mehr oder Weniger, das er erhält, verschafft ihm größren oder geringren Antheil am allge-meinen Reichthum. Wie dieß Mehr oder Weniger bestimmt wird, wie die Quantität Geld, die er erhält, gemes-sen wird, geht das allgemeine Verhältniß so wenig an, daß es aus demselben als solchen nicht entwickelt werden kann. 

Im Allgemeinen betrachtet, kann der Tauschwerth seiner Waare nur bestimmt sein nicht durch die Art, wie der Käufer seine Waare gebraucht, sondern nur durch das Quantum vergegenständlichter Arbeit, das in ihr selbst vorhanden ist; also hier durch das Quantum Arbeit das es kostet den Arbeiter selbst zu produciren. Denn der Gebrauchswerth den er anbietet, existirt nur als Fähigkeit, Vermögen seiner Leiblichkeit; hat kein Dasein aus-serhalb derselben. 

Die vergegenständlichte Arbeit, die nöthig ist, um sowohl die allgemeine Substanz, an der sein Arbeitsvermö-gen existirt, also ihn selbst leiblich zu erhalten, wie um diese allgemeine Substanz zur Entwicklung des beson-dren Vermögens zu modificiren, ist die in ihr vergegenständlichte Arbeit. Diese mißt im Allgemeinen das Quantum des Werths, die Summe Geldes, die er im Austausch erhält. Die weitre Entwicklung, wie der Arbeits-lohn gemessen wird, gleich allen andren Waaren, durch die Arbeitszeit die nöthig ist um den / Arbeiter als solchen zu produciren, gehört noch nicht hierher. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 208f. [MEW 42, S. 207f.]  



Nota. - Der Arbeiter kann sich nicht stückweise verkaufen. Er kann lediglich seine Kraft zweitweise zu fremder Verfügung stellen.
JE 

Donnerstag, 4. Februar 2016

Der Durchschnitt ist eine Realität sui generis.


Der durch die Arbeitszeit bestimmte Werth der Waaren ist nur ihr Durchschnittswerth. Ein Durchschnitt, der als äusserliche Abstraction erscheint, soweit er als die Durchschnittszahl einer Epoche herausaddirt wird, z. B. 1 Pfund Kaffee 1 sh., wenn der Durchschnitt sage der Kaffeepreisse von 25 Jahren gezogen wird; der aber sehr real ist, wenn er zugleich als die Triebkraft und das bewegende Princip der Oscillationen erkannt wird, die die Waarenpreisse während einer bestimmten Epoche durchlaufen. 

Diese Realität ist nicht nur von theoretischer Wichtigkeit: sie bildet die Grundlage der kaufmännischen Specu-lation, deren Wahrscheinlichkeitsrechnung sowohl von den mittleren Durchschnittspreissen, die ihr als Cen-trum der Oscillation gelten, als von Durchschnittshöhen und Durchschnittstiefen der Oscillation über oder unter dieses Centrum ausgeht. Von diesem Durchschnittswerth der Waare ist ihr Marktwerth stets verschieden und steht stets entweder unter oder über ihm. 

Der Marktwerth gleicht sich aus zum Realwerth durch seine beständigen Oscillationen, nie durch eine Glei-chung mit dem Realwerth als einem Dritten, sondern durch stete Ungleichsetzung seiner selbst (nicht, wie Hegel sagen würde, durch abstracte Identität, sondern durch beständige Negation der Negation, d. h. seiner selbst als der Negation des Realwerths). Daß der Realwerth selbst wieder – unabhängig / von seiner Beherr-schung der Oscillationen des Marktpreisses (abgesehn von ihm als dem Gesetze dieser Oscillationen) – sich selbst verneint und den Realwerth der Waaren beständig in Widerspruch mit seiner eignen Bestimmung sezt, den Realwerth der vorhandnen Waaren depreciirt oder appreciirt – habe ich in meinem Pamphlet gegen Proudhon gezeigt und ist an diesem Ort nicht näher darauf einzugehn. 

Der Preiß unterscheidet sich also vom Werth, nicht nur wie das Nominelle vom Realen; nicht nur durch die Denomination in Gold und Silber, sondern dadurch daß der leztre als Gesetz der Bewegungen erscheint, die der erstre durchläuft. Sie sind aber beständig verschieden und decken sich nie oder nur ganz zufällig und ausnahmsweise. Der Waarenpreiß steht beständig über oder unter dem Waarenwerth und der Waarenwerth selbst existirt nur in dem up and down der Waarenpreisse. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 72f. [MEW 42, S. 72f.]  



Nota. – Der Begriff des Werts bezeichnet lediglich einen Durchschnitt; oder: Nur als Durchschnitt kann der Wert begriffen werden. 

Doch ist der Durchschnitt nur eine gedachte, bestenfalls eine vom Statistiker ermittelte Größe. Nicht so der Wert: Ob er vom Statistiker errechnet oder vom Ökonomen gedacht wird, ist ohne Belang. Tatsächlich wird er jedoch von den Marktagenten –  Käufern und Verkäufern –  geschätzt. Rein intuitiv, aus bloßer Erfahrung, ganz ungefähr. Das verschlägt ihm nichts von seiner Realität: Die Marktagenten, die sich zu sehr verschätzen, ver-schwinden prompt vom Markt, und der Durchschnitt der verbleibenden Schätzungen nähert sich immer mehr dem Durchschnitt an, den auch der Statistiker errechnen würde. 

Dies ist der Durchschnitt: Das, was allgemein in den Köpfen der Marktagenten gilt. Anders findet kein Durch-schnitt den Weg aus den Zahlenwerken in die Wirklichkeit.
JE