Montag, 25. Juni 2018

Deutschprofessorale Begriffswirtschaft I.

Tinguely

Also: die Menschen fingen tatsächlich damit an, gewisse Dinge der Außenwelt als Befriedigungsmittel ihrer eignen Bedürfnisse sich anzueignen etc. etc.; später kommen sie dazu, sie auch sprachlich als das, was sie in praktischer Erfahrung für sie sind, nämlich als Befriedigungsmittel ihrer Bedürfnisse zu bezeichnen, als Dinge, die sie „befriedigen“. 

Nennt man nun diesen Umstand, daß die Menschen solche Dinge nicht nur praktisch als Befriedigungsmittel ihrer Bedürfnisse behandeln, sondern sie auch in der Vorstellung und, weiter, sprachlich als ihre Bedürfnisse, also sie selbst „befriedigende“ Dinge bezeichnen {solange das Bedürfnis des Menschen nicht befriedigt ist, ist er im Unfrieden mit seinen Bedürfnissen, also mit sich selbst}, nennt man dies, „nach dem deutschen Sprachge- brauch“, ihnen einen „Wert beilegen“, so hat man bewiesen, daß der allgemeine Begriff „Wert “entspringt aus dem Verhalten der Menschen zu den in der Außenwelt / vorgefundnen Dingen, welche ihre Bedürfnisse be- friedigen, und mithin, daß dies der Gattungsbegriff von „Wert“ ist und alle andern Wertsorten, wie z.B. der chemische Wert der Elemente, nur eine Abart davon.
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Randglossen zu Adolph Wagners „Lehrbuch der politischen Ökonomie”, MEW 19, S. 363f.

 

Nota. - Die Randglossen zu Wagner haben in der Literatur nicht die Beachtung gefunden, die sie verdienen. Der Grund ist ein einfacher. Das Schreiben über Marx'sche Texte wurde über die Jahrzehnte als epigonale Fleißauf- gabe betrieben, deren substanzielle Dürftigkeit unter mystifizierendem Wörterrauschen versteckt werden muss- te. Doch eben davon handeln diese Randglossen: vom Wortgeklingel des professoralen Dunkelmanns mit Begrif- fen. Marxens bissiger Ton ist wohlverständlich, denn er selbst hatte es sich ja nicht leicht gemacht, sich dem Hegel'schen Begriffssalat zu entwinden. 
JE


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