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Donnerstag, 3. Mai 2018

Ein Verhältnis von Sachen tritt an die Stelle des Verhältnisses zwischen Personen.

frauenzimmer

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegenüber Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Unterordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen be-stehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. 

Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden [ist], ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.* Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Vermögen in ein sachliches. 

Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelbaren Bedürfnissen der Austauschenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34 b.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90 [MEW 42, S. 91]  


*Nota. - Nachdem die 'Sachen' zu Begriffen substanzialisiert wurden! "Verdinglichung" erscheint zuerst, phäno-menal, als Verbegrifflichung. 
JE


Dienstag, 26. Januar 2016

Ein Verhältnis von Sachen tritt an die Stelle des Verhältnisses zwischen Personen.


frauenzimmer

Der gesellschaftliche Charakter der Thätigkeit, wie die gesellschaftliche Form des Products, wie der Antheil des Individuums an der Production erscheint hier als den Individuen gegenüber Fremdes, Sachliches; nicht als das Verhalten ihrer gegen einander, sondern als ihr Unterordnen unter Verhältnisse, die unabhängig von ihnen be-stehn und aus dem Anstoß der gleichgültigen Individuen auf einander entstehn. 

Der allgemeine Austausch der Thätigkeiten und Producte, der Lebensbedingung für jedes einzelne Individuum geworden [ist], ihr wechselseitiger Zusammenhang, erscheint ihnen selbst fremd, unabhängig, als eine Sache.* Im Tauschwerth ist die gesellschaftliche Beziehung der Personen in ein gesellschaftliches Verhalten der Sachen verwandelt; das persönliche Vermögen in ein sachliches. 

Je weniger gesellschaftliche Kraft das Tauschmittel besizt, je zusammenhängender es noch mit der Natur des unmittelbaren Arbeitsproducts und den unmittelbaren Bedürfnissen der Austauschenden ist, um so grösser muß noch die Kraft des Gemeinwesens sein, das die Individuen zusammenbindet, patriarchalisches Verhältniß, antikes Gemeinwesen, Feudalismus und Zunftwesen. (Sieh mein Heft, XII, 34 b.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 90 [MEW 42, S. 91]  


*Nota. - Nachdem die 'Sachen' zu Begriffen substanzialisiert wurden! "Verdinglichung" erscheint zuerst, phäno-menal als Verbegrifflichung. 
JE

Sonntag, 20. Dezember 2015

Die ökonomische Grundmystifikation, alias Die Trinitarische Formel.



Im Kapital – Profit oder noch besser Kapital – Zins, Boden – Grundrente, Arbeit – Arbeitslohn, in dieser ökonomischen  Trinität als dem Zusammenhang der Bestandtheile des Werths und des Reichthums überhaupt mit seinen Quellen, ist die Mystifikation der kapitalistischen Produktionsweise, die Verdinglichung der gesell-schaftlichen Verhältnisse, das unmittelbare Zusammenwachsen der stofflichen Produktionsverhältnisse mit ihrer geschichtlich-socialen Bestimmtheit vollendet: die verzauberte, verkehrte und auf den Kopf gestellte Welt, wo Monsieur le Capital und Madame la Terre als sociale Charaktere, und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren Spuk treiben. 

Es ist das große Verdienst der klas-/sischen Oekonomie, diesen falschen Schein und Trug, diese Verselbständi-gung und Verknöcherung der verschiednen gesellschaftlichen Elemente des Reichthums gegen einander, diese Personificirung der Sachen und Versachlichung der Produktionsverhältnisse, diese Religion des Alltagslebens aufgelöst zu haben, indem sie den Zins auf einen Theil des Profits, und die Rente auf den Ueberschuß über den Durchschnittsprofit reducirt, sodaß beide im Mehrwerth zusammenfallen; indem sie den Cirkulationsproceß als bloße Metamorphose der Formen darstellt, und endlich im unmittelbaren Produktionsproceß Werth und Mehrwerth der Waaren auf die Arbeit reducirt. 

Dennoch bleiben selbst die besten ihrer Wortführer, wie es vom bürgerlichen Standpunkt nicht anders möglich ist, mehr oder weniger in der von ihnen kritisch aufgelösten Welt des Scheins befangen, und fallen daher alle mehr oder weniger in Inkonsequenzen, Halbheiten und ungelöste Widersprüche. Es ist dagegen andrerseits ebenso natürlich, daß die wirklichen Produktionsagenten in diesen entfremdeten und irrationellen Formen von Kapital – Zins, Boden – Rente, Arbeit – Arbeitslohn, sich völlig zu Hause fühlen, denn es sind eben die Gestal-tungen des Scheins, in welchem sie sich bewegen und womit sie täglich zu thun haben. 

Es ist daher ebenso natürlich, daß die Vulgärökonomie, die nichts als eine didaktische, mehr oder minder dok-trinäre Uebersetzung der Alltagsvorstellungen der wirklichen Produktionsagenten ist, und eine gewisse verstän-dige Ordnung unter sie bringt, grade in dieser Trinität, worin der ganze innere Zusammenhang ausgelöscht ist, die naturgemäße und über allen Zweifel erhabene Basis ihrer seichten Wichtigthuerei findet. Diese Formel entspricht zugleich dem Interesse der herrschenden Klassen, indem sie die Naturnothwendigkeit und ewige Berechtigung ihrer Einnahmequellen proklamirt und zu einem Dogma erhebt. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 804f. [MEW 25, S. 838f.]  






Montag, 20. August 2018

Entfremdung


Die Productionsmittel, die der Arbeiter anwendet im wirklichen Arbeitsproceß, sind zwar das Eigenthum des Capitalisten und treten seiner Arbeit, die seine eigne Lebensäusserung ist, so, wie früher entwickelt, als Capital gegenüber. Aber andrerseits ist er es, der sie in seiner Arbeit anwendet. Im wirklichen Arbeitsproceß vernuzt er die Arbeitsmittel als Leiter seiner Arbeit, und den Arbeitsgegenstand als die Materie, worin sich seine Arbeit darstellt. Er verwandelt eben dadurch die Productionsmittel in die zweckgemässe Form des Products. 

Anders stellt sich aber die Sache vom Standpunkt des Verwerthungsprocesses dar. Es ist nicht der Arbeiter der die Productionsmittel, sondern es sind die Productionsmittel die den Arbeiter anwenden. Es ist nicht die leben- dige Arbeit, die sich in der gegenständlichen als ihrem objectiven Organ verwirklicht, sondern es ist die gegen- ständliche Arbeit, die sich durch Einsaugen der lebendigen erhält und vermehrt, und dadurch zum sich verwer- thenden Werth, zum Capital wird, als solches functionirt. Die Productionsmittel erscheinen nur noch als Einsau- ger eines möglichst grossen Quantums lebendiger Arbeit. Die lebendige Arbeit erscheint nur noch als das Mit- tel der Verwerthung vorhandner Werthe und daher ihrer Capitalisirung. 

Und abgesehn von dem früher Entwickelten erscheinen grade deßwegen wieder die Productionsmittel émi- nemment der lebendigen Arbeit gegenüber als Dasein des Capitals, und zwar jetzt als Herrschaft der vergang- nen, todten Arbeit über die lebendige. Grade als werthbildend wird die lebendige Arbeit fortwährend in den Ver- werthungsproceß der vergegenständlichten einverleibt. Als Anstrengung, als Verausgabung von Lebenskraft, ist die Arbeit die persönliche Thätigkeit des Arbeiters. Aber als werthbildend, als im Proceß ihrer Vergegenständlichung begriffen, ist die Arbeit des Arbeiters, sobald er in den Productionsproceß eingetreten, selbst eine Existenzweise des Capitalwerths, ihm einverleibt. Diese Wertherhaltende und Neuwerth schaffende Kraft ist daher die Kraft des Capitals und jener Proceß erscheint als der Proceß seiner Selbstverwerthung, und vielmehr der Verarmung des Arbeiters, der den von ihm geschaffnen Werth zugleich als ihm selbst fremden Werth schafft.
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 63

 

Nota. - Es geht such ohne hegelsche Mystifikation. Die Dinge vollführen hier keinen Formwandel, sondern "vom Standpunkt des Verwerthungsprocesses" stellen sie sich so, und von einem andern Standpunkt stellen sie sich anders dar. Es ist erstens die reflektierende Intelligenz des kritischen Wissenschaftlers, für den sich etwas so oder anders darstellt, und es ist zweitens die Tätigkeit lebendiger Subjekte - Kapitalisten und Arbeiter -, die sich so oder anders darstellt. 

Und es gibt die arglose Anschauung der in diesem Prozess selbst Befangenen, denen die Verdinglichung wie mit der Faust aufs Auge schlägt.
JE



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE 

Freitag, 24. August 2018

Entfremdung beiderseits.

 
Historisch betrachtet erscheint diese Verkehrung als der nothwendige Durchgangspunkt, um die Schöpfung des Reichthums als solchen, d. h. der rücksichtslosen Productivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit, welche allein die materielle Basis einer freien menschlichen Gesellschaft bilden können, auf Kosten der Mehrzahl zu erzwingen. Es muß durch diese gegensätzliche Form durchgangen werden, ganz wie der Mensch seine Geisteskräfte zu- nächst sich als unabhängige Mächte gegenüber religiös gestalten muß. Es ist der Entfremdungsproceß seiner eignen Arbeit. 

Insofern steht hier der Arbeiter von vorn herein höher als der Capitalist, als der letztre in jenem Entfremdungs- proceß wurzelt und in ihm seine absolute Befriedigung findet, während der Arbeiter als sein Opfer von vorn herein dagegen in einem rebellischen Verhältniß steht und ihn als Knechtungsproceß empfindet. 

So weit der Productionsproceß zu gleich wirklicher Arbeitsproceß ist und der Capitalist als Aufseher und Leiter desselben eine Function in der wirklichen Production zu verrichten hat, bekömmt seine Thätigkeit in der That einen spezifischen, mannigfaltigen Inhalt. Aber der Arbeitsproceß selbst erscheint nur als Mittel des Verwert- hungsprocesses, ganz wie der Gebrauchswerth des Products nur als Träger seines Tauschwerths. 

Die Selbstverwerthung des Capitals – die Schöpfung von Mehrwerth – ist also der bestimmende, beherrschen- de und übergreifende Zweck des Capitalisten, der absolute Trieb und Inhalt seines Thuns, in der That nur der rationalisirte Trieb und Zweck des Schatzbildners – ein durchaus armseliger und abstrakter Inhalt, der den Ka- pitalisten von einer andren Seite ganz ebenso sehr unter der Knechtschaft des Capitalverhältnisses erscheinen läßt, wenn auch von andrer Seite her, auf dem entgegengesetzten Pol, als den Arbeiter. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 65 



Nota. - Der Gedanke, dass der Kapitalist tiefer in der Entfremdung steckt als der Arbeiter, sofern nämlich jener in aufrührerischem Widerspruch zu einer Situation steht, in der der Kapitalist vielmehr seine Befriedigung fin- det, entspricht einer Darstellung Hegels im 'Herr-und-Knecht'-Kapitel der Phänomenologie des Geistes und hat viele Exegeten zum Schreiben angeregt. 

Die wissenschaftliche Darstellung von der Realität der Ausbeutung wäre ohne Sinn und Zweck ohne die Mög- lichkeit eines Bewusstseins von der Ausbeutung. Die Möglichkeit eines solchen Bewusstsein beruht keineswegs auf der 'konkreten Erfahrung des Arbeiters in der Fabrik': Dort verkleistert ihm die Verdinglichung die Augen ebenso wie dem Kapitalisten. Die Lücke, die sich in seiner Entfremdung auftut, ist vielmehr der Unwille gegen seine Klassenlage. Aus diesem Unwillen, der ein Politikum ist, wird unter günstigen Bedingungen (und bei wissenschaftlicher Aufklärung) vielleicht eine Einsicht in die Verdoppelung des Produktionsprozesses zu Arbeits- und Verwertungsprozess; doch ganz sicher nicht andersrum.
JE




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Donnerstag, 16. August 2018

Verdinglichung par excellence.

Tell Halaf

Die Waaren, die der Capitalist gekauft hat, um sie als Productionsmittel im Productionsproceß, resp. Arbeits- proceß zu consumiren, sind sein Eigenthum. Sie sind in der That nur sein in Waaren verwandeltes Geld und ebenso sehr Dasein seines Capitals als dieß Geld war; ja in noch intensivrer Weise, sofern sie in der Gestalt vorhanden sind, worin sie wirklich als Capital functioniren, d. h. als Mittel von Werthschöpfung, zur Verwer-thung des Werths, d. h. zu seiner Vermehrung. Diese Productionsmittel sind also Capital. 

Andrerseits hat der Capitalist mit dem andren Theil der vorgeschoßnen Geldsumme Arbeitsvermögen, Arbei- ter oder [...], daß dieß erscheint, lebendige Arbeit gekauft. Diese gehört ihm daher ebensowohl, wie die objektiven Bedingungen des Arbeitsprocesses. Aber dennoch macht sich hier folgender spezifischer Unterschied geltend: Die wirkliche Arbeit ist das, was der Arbeiter dem Capitalist wirklich giebt als Equivalent für den in Arbeitslohn verwandelten Theil des Capitals, für den Kaufpreiß der Arbeit. Es ist die Verausgabung seiner Lebenskraft, die Verwirklichung seiner productiven Fähigkeiten, seine Bewegung, nicht die des Capitalisten. 

Als persönliche Function betrachtet, in ihrer Realität, ist die Arbeit die Function des Arbeiters und nicht die des Capitalisten. Vom Standpunkt des Austauschs betrachtet, ist er [sic] das, was der Capitalist von ihm im Arbeits- proceß erhält, nicht das, als was der Capitalist ihm im Arbeitsproceß gegenübertritt.* Dieß bildet also einen Ge- gensatz zu den objektiven Arbeitsbedingungen, die als Capital, und sofern als Dasein des Capitalisten, der sub- jektiven Arbeitsbedingung, der Arbeit selbst oder vielmehr dem Arbeiter, der arbeitet, gegenübertreten innerhalb des Arbeitsprocesses selbst. 

So kömmt es, daß sowohl vom Standpunkt des Capitalisten als von dem des Arbeiters aus das Productionsmittel als Dasein des Capitals, als eminently Capital der Arbeit, also dem andren Element, worin sich das vorgeschoß- ne Capital verwandelt, gegenübertritt und daher auch ausserhalb des Productionsprocesses δυνάμει als spezifi- sche Existenzweise des Capitals erscheine. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 58 



*Nota. - 'Vom Stndpunkt des Austausch betrachtet, ist der Arbeiter dasjenige, was der Kapitalist von ihm im Arbeitsprozess erhält, nämlich ledendige Arbeit. Das, als was der Kapitalist ihm im Arbeitsprozess gegenüber tritt, ist ganz etwas anderes; nämlich sachliches Arbeitsmittel.' - Ja, so dürfte es gemeint sein. Im Arbeitsprozess löst sich der wirkliche, körperliche Arbeiter auf in ein rein Subjektives, die in der Zeit vergehende Arbeit, wäh- rend der Kapitalist in Gestalt der Produktionsmittel zu einem unvergänglichen schlechterdings Objektiven wird.
JE

Mittwoch, 15. August 2018

Verdinglichung.


Da also die reale Gestalt oder die Gestalt der objektiven Gebrauchswerthe, worin das Capital besteht, sein mate- rielles Substrat, nothwendig die Gestalt von Productionsmitteln ist – Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand – die zur Production neuer Pro- ducte dienen; da ferner im Circulationsproceß, in der Form von Waaren, also im Be- sitz des Capitalisten als des Waarenbesitzers, diese Gebrauchswerthe schon vorhanden sind (auf dem Markt), bevor sie ihrem spezifischen Zweck gemäß im Arbeitsproceß functioniren – weil also das Capital, – so weit es sich in objectiven Arbeitsbedingungen darstellt – seinem Gebrauchswerth nach aus Productionsmitteln, Rohmateri- alien, Hilfsmaterialien und Arbeitsmitteln, Werkzeugen, Baulichkeiten, Maschinen u. s. w. besteht, wird daraus der Schluß gezogen, daß alle Productionsmittel δυνάμει, und soweit sie als Productionsmittel functioniren, actu Capital sind, daher das Capital ein nothwendiges Moment des menschlichen Arbeitsprocesses überhaupt, abgesehn von jeder historischen Form desselben, und daher etwas ewiges und durch die Natur der menschlichen Arbeit Bedingtes ist. 

Ebenso, daß weil der Productionsproceß des Capitals überhaupt Arbeitsproceß ist, der Arbeitsproceß als solcher, der Arbeitsproceß in allen gesellschaftlichen Formen nothwendig Arbeitsproceß des Capitals ist. Das Capital wird so als ein Ding betrachtet, das eine gewisse dingliche Rolle, ihm als Ding zukommende Rolle im Productionspro- ceß spielt. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 57 



Nota. - Sachlich, nämlich so, wie es sich der Anschauung darstellt, besteht das Kapital aus Gebrauchswerten, denn es ist produktiv. Produktiv sein ist sein Gebrauch. Und sein Produkt ist - Gebrauchswert.

Doch zugleich ist sein Produkt Tauschwert. Und zwar mehr Tauschwert, als in der Form von Gebrauchswert in den Arbeitsprozeß hineingesteckt wurde. Der Arbeitsprozeß ist zugleich Verwertungs prozeß, weil das Kapital als Tauschwert mehr Tauschwert produziert. Doch nur das ist der kapitalistischen Produktionsweise eigentümlich. Aber es ist nicht anschaubar. Anschaubar ist die reale Form. Die ideale Form ist nur der begrifflichen Analyse zugänglich.

Anschaulich ist die kapitalistische Produktionsweise so wie jede andere. Um den Unterschied wahrzunehmen, muss man sie von vornherein als kapitalistische Produktionsweise betrachten. Man muss die Perspektive wählen. Der Alltagsmensch sieht, was er vor Augen hat. Der Wissenschaftler - d. h. der Kritiker - wählt eine spezifische Reflexions-, d. h. Abstraktionsebene: die Gesamtgesellschaft, in der eine besitzlose Klasse das Mehrprodukt erarbeitet und eine besitzende Klasse das Mehrprodukt sich aneignet. Nun erscheint das Mehrprodukt als Mehrwert und die unbezahlte Mehrarbeit als Ausbeutung.

Die reale Form ist die, die den Individuen vor Augen liegt. Die ideale Form wird sichtbar auf dem höchsten Reflexions/Abstraktionspunkt. Nicht Dinge verändern ihre ideale Form, sondern der Gesichtwinkel des Betrachters ist ein anderer. Während im Arbeitprozess der Arbeiter die materielle Gestalt des Produkts verändert, ändern es für den wissenschaftlich-kritischen Betrachter seine Stellung im Verwertungsprozess, und beim mannigfaltigen Stellenwechsel im Zirkulatiosprozess sollte neben der idealen gar keine reale Formveränderung am Produkt mehr vorkommen - bis es im Verzehr durch den Konsumenten endlich seine Bestimmung findet; als Ge- brauchswert.
JE




Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE
 

Freitag, 18. Dezember 2015

Verdinglichung und Begriffe.



Die Arbeit als solche, in ihrer einfachen Bestimmtheit als zweckmäßige produktive Thätigkeit, bezieht sich auf die Produktionsmittel, nicht in deren gesellschaftlicher Formbestimmtheit, sondern in ihrer stofflichen Sub-stanz, als Material und Mittel der Arbeit, die sich ebenfalls nur stofflich, als Gebrauchswerthe von einander unterscheiden, die Erde als unproducirtes, die andren als producirte Arbeitsmittel. 

Fällt also die Arbeit mit der Lohnarbeit zusammen, so fällt auch die bestimmte gesellschaftliche Form, worin die Arbeitsbedingungen nun der Arbeit gegenüberstehn, zusammen mit ihrem stofflichen Dasein. Die Arbeits-mittel sind dann als solche Kapital, und die Erde als solche ist Grundeigenthum. Die formale Verselbständi-gung dieser Arbeitsbedingungen gegenüber der Arbeit, die besondre Form dieser Verselbständigung, die sie gegenüber der Lohnarbeit besitzen, ist dann eine von ihnen als Dingen, als materiellen Produktionsbedingun-gen untrennbare Eigenschaft, ein ihnen als Produktionselementen nothwendig zukommender, immanent eingewachsener Charakter. 

Ihr durch eine bestimmte Geschichtsepoche bestimmter socialer Charakter im kapitalistischen Produktionspro-ceß ist ein ihnen naturgemäß, und sozusagen von Ewigkeit her, als Elementen des Produktionsprocesses einge-borner dinglicher Charakter.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 800 [MEW 25, S. 833] 





Montag, 10. August 2015

Vergegenständlichung als Entfremdung.



Der fact, daß mit der Entwicklung der Productivkräfte der Arbeit die gegenständlichen Bedingungen der Arbeit, die vergegenständlichte Arbeit wachsen muß im Verhältniß zur lebendigen Arbeit – es ist dieß eigentlich ein tautologischer Satz, denn was heißt wachsende Productivkraft der Arbeit anders, als daß weniger unmittelbare Arbeit erheischt ist, um ein größres Product zu schaffen und daß also der gesellschaftliche Reichthum sich mehr und mehr ausdrückt in den von der Arbeit selbst geschaffnen Bedingungen der Arbeit – erscheint vom Standpunkt des Capitals so, nicht daß das eine Moment der gesellschaftlichen Thätigkeit – die gegenständliche Arbeit – zum immer gewaltigern Leib des andren Moments, der subjektiven, lebendigen Arbeit wird, sondern daß – und dieß ist wichtig für die Lohnarbeit – die objectiven Bedingungen der Arbeit eine immer colossalere Selbstständigkeit, die sich durch ihren very extent darstellt, gegen die lebendige Arbeit annehmen, und der gesellschaftliche Reichthum in gewaltigern Portionen als fremde und beherrschende Macht der Arbeit gegenübertritt. 

Der Ton wird gelegt nicht auf das Vergegenständlichtsein, sondern das Entfremdet-, Entäussert-, Veräussertsein – das Nicht-dem-Arbeiter-, sondern den personificirten Productionsbedingungen-, i. e. dem-Capital-Zugehören der ungeheuren [ver]gegenständlichten Macht, die die gesellschaftliche Arbeit selbst sich als eins ihrer Momente gegenübergestellt hat. Soweit auf dem Standpunkt des Capitals und der Lohnarbeit die Erzeugung dieses gegenständlichen Leibes der Thätigkeit im Gegensatz zum unmittelbaren Arbeitsvermögen geschieht – dieser Process der Vergegenständlichung in fact als Process der Entäusserung vom Standpunkt der Arbeit aus oder der Aneignung fremder Arbeit vom Standpunkt des Capitals aus erscheint – ist diese Verdrehung und Verkehrung eine wirkliche, keine blos gemeinte, blos in der Vorstellung der Arbeiter und Capitalisten existirende. 

Aber offenbar ist dieser Verkehrungsprocess blos historische Nothwendigkeit, blos Nothwendigkeit für die Entwicklung der Productivkräfte von einem bestimmten historischen Ausgangspunkt aus, oder Basis aus, aber keineswegs eine absolute Nothwendigkeit der Production; vielmehr eine verschwindende und das Resultat und der Zweck (immanente) dieses Processes ist diese Basis selbst aufzuheben, wie diese Form des Processes.
  
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Grundrisse, MEGA II/1.2, S. 698   [MEW 42, S. 721f.]


Nota. - Dies war stets die Lieblingsspielwiese der hegelisierenden Marx-Interpretation: Vergegenständlichuung, Verdinglichung, Entfremdung; ein scheinbar vertrautes Terrain der bloß-ideologischen Kritik, orientiert am 'Herr-und-Knecht'-Kapitel der Phänomenologie der Geistes, wo ganz im Dunkeln bleibt, was den Knecht bewogen haben mag, sich zu unterwerfen und den Andern zu seinem Herrn zu machen. Es bleibt nur die mystifizierte Vorstellung von der Selbstbewegung des Begriffs, um da einen Sinn hineinzufinden.

Doch nicht so bei Marx. Bei ihm produzieren wirkliche Menschen sachliche Gegenstände, und sie tun das unter historisch vorgegebenen Bedingungen - und nur unter diesen Bedingungen. Die dialektische Form der Darstellung hat den Sinn, aus dem Strom der Erscheinungen die tätigen Subjekte hervortreten zu lassen, und nicht, sie im Gegenteil in einen selbsttragenden Prozess zu versenken. 


Und vor allem: Es geht hier nicht um Formbestimmung des (hier: fixen) Kapitals, sondern um seine absolute Größe; seinen "very extent" und seine krasse Disproportion gegen die lebendige Arbeit. 
JE