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Freitag, 1. Juni 2018

Das Bedürfnis ist thetisch.

 

'Bedürfnis' ist bei Marx eine dynamische Kategorie. Es ist das poietische Vermögen, durch welches das Subjekt sich selbst als Subjekt 'setzt':

1. Landläufig ist 'Bedürfnis' ein Mangel, der aufgefüllt, ein Loch, das noch gestopft werden muss. Je bedürftiger der Mensch, umso ärmer. Aber nicht bei Marx: "Der Reichtum besteht stofflich betrachtet nur in der Mannig- faltigkeit der Bedürfnisse." Grundrisse, MEW 42, S. 426. Bedürfnis ist kein Mangel, sondern ein Vermögen.
  
2. Die Erzeugung des neuen Bedürfnisses "ist die erste geschichtliche Tat": Deutsche Ideologie (Feuerbachkapitel), MEW 3, S. 28. Einige Zeilen zuvor hatten Marx/Engels schon einmal eine 'erste geschichtliche Tat' vermerkt, nämlich den Gebrauch von Werkzeugen. Zwar nicht logisch, aber doch historisch verstanden, läuft es freilich auf dasselbe hinaus. Es sind die Erfindung und der Gebrauch von Werkzeugen, die es dem Menschen erlauben, sein vor-gesetztes Naturbedürfnis über-zu-erfüllen – und Raum schaffen für das Erfinden neuer Bedürfnisse. "Ihre Bedürfnissse, also ihre Natur", heißt es später in der Deutschen Ideologie, und von einer selbsterzeugten Natur ist also die Rede: generatio aequivoca.*

'Bedürfnis' nimmt bei Marx systematisch denselben Platz ein wie bei Fichte Trieb bzw. Streben [Wollen], und entspricht der Husserl'schen Intentionalität.**

*) MEW 3, S. 44

in 2010

**) Und nicht zu vergessen: Platos Eros, der ewig 'nach Schönheit strebt, weil er sie nicht hat'.  


In den während der sechziger Jahre zu einiger Prominenz gelangten Pariser Manuskripten zeigte Marx sich un-verholen als Feuerbachianer, in der Heiligen Familie stellten Marx und Engels ihren 'Materialismus' groß heraus; doch über Feuerbach hinaus gegangen sind sie erst in der Deutschen Ideologie, und zwar an ebendiesem Punkt: Bei Feuerbach heißt Bedürftigkeit leidend sein. Nur als Leidenden habe der bisherige Materialismus den Menschen auffassen können, die tätige Seite sei ausschließlich von den idealistischen Philosophen entwickelt worden. Die neu eingeführte Auffassung vom Bedürfnis als einem produktiven Vermögen war der erste originär 'marxistische' Gedanke.

19. 7. 15 



Sonntag, 13. November 2016

Substanz oder Medium?

 

Stoff der Ökonomie ist, was dem Bedürfnis zugeführt werden soll. Es ist das, was als Wert bestimmbar ist. Aber nicht die Bestimmbarkeit ist natürlich Gegenstand der Ökonomie, sondern der Akt des Bestimmens selbst. Die Vermittlung zwischen Bedürfnis und Stoff, die Bestimmung des Stoffs zu dieser Brauchbarkeit, ist die Arbeit. Sie ist also das, was 'Wert schafft'. Ist sie daher selber Quelle und Substanz des Werts?

4) ‘Arbeit’ : Substanz oder Medium

Wenn also die Substanz des ‘Werts‘ seine gesellschaftliche Nützlichkeit, und wenn deren Stoff   B e d ü r f n i s, also gesellschaftliches Bedürfnis ist, dann… kann nicht, wie in der klassischen Nationalökonomie, ”d i e A r b e i t” der immanente Bestimmungsgrund des ‘Werts’ sein; denn die Arbeit ist dann lediglich   v e r m i -tt e l n d e  Tätigkeit, die den ‘an sich‘ indifferenten Gegenstand dem Bedürfnis   a n e i g n e t,   ihn zum Ge- brauch tauglich macht; sie ist F o r m gebung (“bestimmte nützliche Tätigkeit”, zweck m ä ß i g, nicht zweck s e t z e n d!);   M e d i u m, nicht Substanz; und vor allem: sie ist noch gar nicht “Arbeit überhaupt”, sondern immer nur  d i e s e  oder  j e n e   bestimmte Arbeit, die eine bestimmte Nützlichkeit setzt, nicht ‘Nützlic keit überhaupt’. Denn daß die einzelnen Arbeiten gelten können als ‘Arbeit im Allgemeinen’, setzt wiederum voraus, daß die individuellen Bedürfnisse ihrerseits zu ‘Bedürfnis überhaupt‘, allgemein gelten- dem gesellschaftlichem Bedürfnis  v e r a l l g e m e i n e r t   worden sind: als   N a c h f r a g e  auf dem (allgemeinen!) M a r k t.

Und das ist, siehe oben, eine    r e a l e  Voraussetzung, die empirisch gegeben sein muß,  b e v o r  sie logisch ‘gelten’ kann, und ist folglich nicht abzuleiten aus der Bewegung der Kategorien (und insofern hat “die dia- lektische Form der Darstellung“ ihre “Grenzen”…). Vorausgesetzt ist das historische Faktum verallgemeiner- ten Austauschs (der Markt als ‚übergreifende‘ Instanz), und also verallgemeinerte  T e i l u n g   d e r  A r b e i t   (die ihrerseits einen gewissen Entwicklungsgrad der Produktivkräfte = Stand der Technik voraussetzt), und endlich: das Vorhandensein des formsetzenden V e r m ö g e n s   als eine veräußerliche, austauschbare Sache (Ware): Durch das Gleich-Gelten der Arbeits k r ä f t e — als bloßer Individuationen eines schon gesellschaftlich bestimmten ‘Allgemeinen Arbeitsvermögens' — f ü r  das verselbständigte ‚Arbeitsmittel überhaupt‘ (hier schon = K a p i t a l)   werden die individuellen Arbeiten allererst als ‘Arbeit im Allgemei- nen’ gesetzt.

Also: erst wenn “die Arbeit” selber Tauschwert  b e k o m m e n   hat, kann sie ihrerseits zum   M a ß  des Tauschwerts werden.



Mittwoch, 17. August 2016

Arbeit ist nicht Formation, sondern Aneignung.



Arbeit ist nicht 'Tätigkeit überhaupt', nicht Produktion "überhaupt", sondern Zweck-mäßige Tätigkeit - im Begriff des Zwecks liegt eben schon ihre objektivierende Dimension - nicht umgekehrt!
24. 9. 1985

Es ist völliger Quatsch, daß bei Hegel die Arbeit "Entäußerung des Wesens" wäre - sie ist vielmehr, und zwar ganz richtig, Vermittlung zwischen den Bedürfnissen und den 'Natur'-Gegenständen: siehe § "Arbeit" in der Rechts-lehre...   
4. 6. 188

Stofflich betrachtet ist Arbeit nicht 'Verausgabung' einer 'Kraft' oder Realisierung eines Vermögens; sondern lediglich An-eignung, d. h. Subsumtion des Naturgegenstands unter das Bedürfnis - und zwar dies uneranchtet ihrer technischen Bestimmtheit, unerachtet auch - d. h. gerade! - des jeweiligen Quantums Energie, welches die reelle Subsumtion ("Fassung") dieses bestimmten Dings unter dieses bestimmte Bedürfnis (seine Geschickt-machung für den Verbrauch) erheischt. 

Aber auch bei der formalen Bestimmung der Arbeit als abstrakt-allgemeine, nämlich als Verausgabung (eines jeweiligen Quantums von) Arbeitskraft kommt es nicht an auf Materialisierung von Kraft strictu sensu, d. h. von Energie, sondern auf die Realisierung eines Vermögens: Aktualisierung von dynamis qua energeia; nicht stoffliche Konkretion, "Gerinnung" der Energie selbst (die ja dann zugleich ihre eigene Dynamis wäre). 

Die Vorstellung von "Arbeit im Allgemeinen" als Umsetzung, Vergegenständlichung von reeller Kraft, Energie expressis verbis abgewiesen von Engels - ausgerechnet! - in einem Brief an Marx vom 19. 2. 1882 über den Aufsatz des russischen Naturwissenschaftlers Podolinski in MEW 35, S. 133ff.: "Ökonomische Verhältnisse in physikalischen Maßen darstellen zu wollen ist meiner Ansicht nach rein unmöglich... Aber physikalische Arbeit ist darum noch lange keine ökonomische Arbeit." 

Vgl. Dialektik [in] der Natur, Bln. 1961, S. 84-99 und 330ff.; aber der Grund, warum ökonomische Arbeit nicht in physikalischer Arbeit darzustellen ist, ist Engels anscheinend nicht klargeworden! Für ihn scheint es mehr ein rechnerisches Problem zu sein: zu welcher Quote die vom Arbeiter verzehrte Energie in seinem Produkt repro-duziert und fixiert, und zu welcher Quote sie als "ausgegeben" gerechnet werden muss. Dass das Problem aber darin besteht, daß Arbeit als solche immer erst gebrauchswertsetzend, d. h. Bedürfnis-befriedigend sein muß, was eine qualitative Bestimmung ist, die sich als solche nicht in quantifizierende Bestimmungen umsetzen läßt; und daß in der quantitativen Bestimmung der Arbeit durch den Wert nicht auf eine Natureigenschaft, sondern auf eine soziale 'Eigenschaft' der Arbeit: die gleich-Geltung der von der Arbeit bedienten Bedürfnisse für die gesell-schaftliche Gesamtheit abgesehen ist - das mag ihm geschwant haben; aber begriffen hat er's nicht.
10. 1. 1987

Arbeit ist Aneignung; Arbeit im stofflichen Sinn ist: Tauglichmachung des Gegenstandes zum Gebrauch, Gebrauchs-'wert'. Verfügbarmachung für das Bedürfnis, Zurechtmachung ... Aufhebung, d. h. eine bestimmte Negation seiner 'Gleichgültigkeit gegen menschliche Zwecke, d. h. eben seiner Gegen-Ständ-lichkeit. (Das dabei erforderliche Quantum Energie 'tut nichts zur Sache', verbotenus; überhaupt: keine physische, keine physika-lische Betimmung, also auch nicht "Verausgabung von Kraft", nicht einmal 'Realisierung eines Vermögens'.)  
17. 1. 1987

Arbeit ist an und für sich nicht "Formation" - wie Rousseau es auffasst: als begründend das Eigentum - son-dern Aneignung, Okkupation - nämlich ursprünglich des Bodens (so wie Fichte - Naturrecht - das Eigentum auffaßt); der Akt des Aneignens der Naturdinge an sein Bedürfnis...

[vgl. "Formen"[-Kapitel] in den Grundrissen]

8. 7. 1987

aus meinen Notizen. 



Nota. - Realisierung eines Vermögens oder nicht Realisierung eines Vermögens? Nicht, wenn man unter Vermögen ein angestautes Quantum Kraft versteht. Wohl, wenn man darunter die Fähigkeit versteht, Absichten zu fassen. Darauf kommt es nämlich an: Das (physiologische?) Bedürfnis muß zu einer (mentalen) Absicht werden, damit Arbeit geschieht. Die Absicht ist dynamis.



Sonntag, 19. Juli 2015

Das Bedürfnis ist thetisch.

 

'Bedürfnis' ist bei Marx eine dynamische Kategorie. Es ist das poietische Vermögen, durch welches das Subjekt sich selbst als Subjekt 'setzt':

1. Landläufig ist 'Bedürfnis' ein Mangel, der aufgefüllt, ein Loch, das noch gestopft werden muss. Je bedürftiger der Mensch, umso ärmer. Aber nicht bei Marx: "Der Reichtum besteht stofflich betrachtet nur in der Mannig- faltigkeit der Bedürfnisse." Grundrisse, MEW 42, S. 426. Bedürfnis ist kein Mangel, sondern ein Vermögen.
  
2. Die Erzeugung des neuen Bedürfnisses "ist die erste geschichtliche Tat": Deutsche Ideologie (Feuerbachkapitel), MEW 3, S. 28. Einige Zeilen zuvor hatten Marx/Engels schon einmal eine 'erste geschichtliche Tat' vermerkt, nämlich den Gebrauch von Werkzeugen. Zwar nicht logisch, aber doch historisch verstanden, läuft es freilich auf dasselbe hinaus. Es sind die Erfindung und der Gebrauch von Werkzeugen, die es dem Menschen erlauben, sein vor-gesetztes Naturbedürfnis über-zu-erfüllen – und Raum schaffen für das Erfinden neuer Bedürfnisse. "Ihre Bedürfnissse, also ihre Natur", heißt es später in der Deutschen Ideologie, und von einer selbsterzeugten Na- tur ist also die Rede: generatio aequivoca.*

'Bedürfnis' nimmt bei Marx systematisch denselben Platz ein wie bei Fichte Trieb bzw. Streben [Wollen], und entspricht der Husserl'schen Intentionalität.**

*) MEW 3, S. 44

in 2010

**) Und nicht zu vergessen: Platos Eros, der ewig 'nach Schönheit strebt, weil er sie nicht hat'.  


Nachtrag, Juni 2015

In den während der sechziger Jahre zu einiger Prominenz gelangten Pariser Manuskripten zeigte Marx sich unverholen als Feuerbachianer, in der Heiligen Familie stellten Marx und Engels ihren 'Materialismus' groß heraus; doch über Feuerbach hinaus gegangen sind sie erst in der Deutschen Ideologie, und zwar an ebendiesem Punkt: Bei Feuerbach heißt Bedürftigkeit leidend sein. Nur als Leidenden habe der bisherige Materialismus den Menschen auffassen können, die tätige Seite sei ausschließlich von den idealistischen Philosophen entwickelt worden. Die neu eingeführte Auffassung vom Bedürfnis als einem produktiven Vermögen war der erste originär 'marxistische' Gedanke.








Sonntag, 16. August 2015

Gültige Bedürfnisse.

Doré, Gargantuas Kindheit

Bedürfnis setzt Gebrauchswert. Den Tauschwert setzt die Nachfrage. Nachfrage ist das Bedürfnis, das gesell- schaftlich gilt; Bedürfnis, das sich in Tauschwert ausdrückt. Es ist das in Tauschwert ausgedrückte Bedürfnis, das darüber entscheidet, ob die darauf zu verwendende Arbeitszeit 'gesellschaftlich notwendig' ist. Das Quan- tum des gebotenen Tauschwerts entscheidet über den Grad der Notwendigkeit.

'Tauschwert ist gesellschaftlicher Gebrauchswert' (Rodbertus) ist nur dann mystifizierend, wenn Gesellschaft als Abstraktum genommen wird; wenn unbedacht bleibt, dass die wirklichen Gesellschaften in gegensätzliche Interessengruppen gespalten sind. Ausgedrückt ist die Spaltung der Gesellschaft in der unterschiedlichen Gültigkeit der verschiedenen Bedürfnisse. 



Ein individuelles Bedürfnis (nach Gebrauchswert) gilt als gesellschaftliche Nachfrage (nach Tauschwert) nur, wenn es als 'Kommando über fremde Arbeitskraft' auftritt. Tritt es lediglich als Kommando über eigne Arbeitskraft auf, muss es diese erst zu Geld machen, "veräußern", in 'Kommando über fremde Arbeitskraft' umtauschen, um zu gesellschaftlicher Geltung zu gelangen. Gelingt ihr das nicht, wird sie nicht als Nachfrage geltend, bleibt privat, fällt gesellschaftlich nicht ins Gewicht. - Nicht die konkrete Arbeit zählt, sondern die anteilige Verfügung über das Abstraktum Arbeitskraft.



Nachtrag 16. 8. 15:

Das Maß gesellschaftlicher Geltung ist Kommando über Arbeitszeit;  nämlich in der in Klassen gespaltenen Gesellschaft.






Freitag, 20. April 2018

Gültige Bedürfnisse.

Doré, Gargantuas Kindheit

Bedürfnis setzt Gebrauchswert. Den Tauschwert setzt die Nachfrage. Nachfrage ist das Bedürfnis, das gesell- schaftlich gilt; Bedürfnis, das sich in Tauschwert ausdrückt. Es ist das in Tauschwert ausgedrückte Bedürfnis, das darüber entscheidet, ob die darauf zu verwendende Arbeitszeit 'gesellschaftlich notwendig' ist. Das Quan- tum des gebotenen Tauschwerts entscheidet über den Grad der Notwendigkeit.

'Tauschwert ist gesellschaftlicher Gebrauchswert' (Rodbertus) ist nur dann mystifizierend, wenn Gesellschaft als Abstraktum genommen wird; wenn unbedacht bleibt, dass die wirklichen Gesellschaften in gegensätzliche Interessengruppen gespalten sind. Ausgedrückt ist die Spaltung der Gesellschaft in der unterschiedlichen Gültigkeit der verschiedenen Bedürfnisse.


Ein individuelles Bedürfnis (nach Gebrauchswert) gilt als gesellschaftliche Nachfrage (nach Tauschwert) nur, wenn es als 'Kommando über fremde Arbeitskraft' auftritt. Tritt es lediglich als Kommando über eigne Arbeitskraft auf, muss es diese erst zu Geld machen, "veräußern", in 'Kommando über fremde Arbeitskraft' umtauschen, um zu gesellschaftlicher Geltung zu gelangen. Gelingt ihr das nicht, wird sie nicht als Nachfrage geltend, bleibt privat, fällt gesellschaftlich nicht ins Gewicht. - Nicht die konkrete Arbeit zählt, sondern die anteilige Verfügung über das Abstraktum Arbeitskraft.

 
Nachtrag 16. 8. 15:

Das Maß gesellschaftlicher Geltung ist Kommando über Arbeitszeit;  nämlich in der in Klassen gespaltenen Gesellschaft.


Donnerstag, 17. November 2016

Kritik der Waffen.


   
Horace Vernet, Juniinsurrektion; Barrikade in der Rue Soufflot

Sache der Kritik war es, die wissenschftlichen Mystifikationen der Politischen Ökonomie aufzudecken. Doch war ihr Zweck kein wissenschaftlich-theoretischer, sondern ein politisch-praktischer. Nämlich der, die tatsäch- lich stattfindende Arbeiterbewegung zu rechtfertigen. Rechtfertigen nicht in engen Sinn als Entschuldigen durch das Leiden, sondern im weiten Sinn als Legitimieren durch ihren Zweck. Die Waffe der Kritik konnte die Kritik der Waffen nicht ersetzen. 
 
III. Historischer Materialismus‘ oder: die „Metakritik“ der politischen Ökonomie 

Die spezifische Arbeit der Kritik ist es, „eine Wissenschaft erst auf den Punkt zu bringen, um sie dialektisch darstellen zu können“ — das bedeutet: die Aufdeckung des „dialektischen Scheins“ (Kant), wonach die kate- gorialen (‚Sinn‘-) Bestimmungen an oder in dem Faktischen (‘Sein’, ‘Material’) selbst gegeben seien; Dar- stellung, daß — und  w i e  — sie ‘in Wirklichkeit’ in den Stellungnahmen des (interessierten) Subjekts, also praktisch, begründet sind.

Die dialektische Darstellung selbst, nämlich „das  R a t i o n e l l e  an [dieser] Methode“, ist gerade Dar- stellung  d e r   K r i t i k:  das Material jener Wissenschaft aus seiner Gebundenheit in die gegebenen Form- bestimmtheiten zu lösen, um den  P r o z e ß  der Form b e s t i m m u n g  als solchen zu rekonstruieren, ‘vor unseren Augen erstehen zu lassen’ — als „Wechselwirkung“ der Kategorien. Aber da das Material sich ja eben  n i c h t  ‚als solches‘, ‚unabhängig‘ von jeder Form darstellen läßt, ist dies nur zu bewerkstelligen, in- dem die — ‘immer schon’ vorauszusetzenden — Formbestimmungen  a l s   v e r s c h w i n d e n d  darge- stellt; indem also „die Grenzen“ der dialektischen Begriffsbewegung nicht bloß„gekannt“, sondern selber als solche zur Darstellung gebracht werden.

Dieser Punkt ist erreicht, wo die Begriffsdialektik sich ad absurdum führt, weil sie sich „in einem fehlerhaf- ten Kreislauf herumdreht“, im  L e e r e n  sich dreht: beim Übergang vom „Geld als Geld“ zum „Geld als Kapital“ bzw. von der einfachen Zirkulation zur Verwertung; denn da zeigt sich, daß „die dialektische Form der Darstellung“ des kapitalistischen Reproduktionsprozesses das Wertgesetz immer schon voraussetzen muß, und es eben nicht e r k l ä r e n, geschweige denn begründen kann.

Darum ist „die sogenannte ursprüngliche Akkumulation“ der logische Dreh- und Angelpunkt der Marx’schen Darstellung: der tatsächliche Vorgang der Trennung der Arbeiter von ihrem Arbeits-, d.h. Lebensmittel (dem B o d e n),  der sich eben nicht ’aus Begriffen entwickeln’, sondern nur    e m p i r i s c h    b e s c h r e i b e n läßt (vgl.  'Formen'-Kapitel der Grundrisse).

Wie am ‘Anfang’ der Kapitalentwicklung, so an ihrem ‘Ende’: Der „reale Prozeß“ erweist sich als der logi- schen Entwicklung inkommensurabel; in dem Moment, wo die Gebrauchswerte faktisch immer weniger durch „lebendige Arbeit“ erzeugt werden, sondern stattdessen von der aufgehäuften “toten Arbeit“, die als „Geschicklichkeit + Wissenschaft“ in der  M a s c h i n e  objektiviert ist, wird deren Wertbestimmung durch die („menschliche Arbeits-“) Z e i t  hinfällig (vgl. Abschnitt „Fixes Kapital“ in den Grundrissen). (Dies die allgemeinste Formulierung des  Z u s a m m e n b r u c h s g e s e t z e s …)

Es ist dies die  B e h a u p t u n g   des  G e b r a u c h s wertseite des (f i x e n) Kapitals — „tote Arbeit“ – gegen die  F o r m bestimmtheit der lebendigen Arbeit; es ist dies der  S t o f f,  das Faktische, das sich gegen die gesellschaftlich-allgemeinen Geltungen  s e l b s t   z u r   G e l t u n g   b r i n g t;  und der „Gebrauchs- wert“ ist ja nichts anderes als die gegenständliche Form des (selbsterzeugten)  B e d ü r f n i s s e s. 

Von hier aus läßt sich nun des „Wertproblem“ rationell darstellen, nachdem das selbsterzeugte Bedürfnis als dessen reeller wie logischer  G r u n d  aufgefunden ist (‘reell’ und  z u g l e i c h  ‘logisch’, weil  p r a k t i s c h…):  Der ”Wert“ ist die Form, in der sich unter historisch-bestimmten,  t a t s ä c h l i c h e n Bedingungen die Frage der gesellschaftlichen  G e l t u n g  wirklich stellt: als die Verteilung der gesellschaftlichen  Z e i t  auf die zu realisierenden Bedürfnisse:

1) Im ‘Anfang’ ist die Zeit reichlich, weil die Bedürfnisse  a r m:  das praktische Problem, die individuellen Bedürfnisse gegen einander zu  w ä g e n,  zu „schätzen“, zu  w e r t e n  als solche, die ‘gelten’ sollen oder nicht…, ist gar nicht gestellt; denn die Bedürfnisse sind ‘naturgegeben’ und als solche einander gleich-gültig, weil sie zugleich auch a priori befriedigt sind: von der ‘Natur’; ‘Ökonomie’ findet nicht statt, sondern ökolo- gische Homöostase: Naturbedürfnis und Aneignung vorgefundener Lebensmittel gleichen sich gegenein- ander aus durch das Naturgesetz von Anpassung und Selektion.

Zeit ist eo ipso  f r e i e  Zeit (also gar keine!)

2) ‘Beginn’ der  G e s c h i c h t e  durch Erzeugung neuer,  k u l t u r e l l e r  Bedürfnisse; empirisch: Erzeu- gung von  Ü b e r s c h u ß  über den „Konsumtionsfonds“ der “naturwüchsigen Gemeinwesen“ hinaus; und das Bedürfnis  d a n a c h.  Die Zeit wird jetzt  k n a p p,  indem die Bedürfnisse  r e i c h e r  werden. Die (gemeinsame) Zeit muß auf die (individuellen) Bedürfnisse  v e r t e i l t  werden; die Bedürfnisse müssen  g e s e l l s c h a f t l i c h   g e w e r t e t  werden.

Die Scheidung der ‘höheren’ Bedürfnisse von den ‘niederen’ stellt sich dar in der Ausbildung ‘höherer‘ K l a s s e n,  die, indem ihre Existenz die beständige Erzeugung von Überschuß als gesellschaftliche   N o t w e n d i g k e i t  setzt, Motor der  A k k u m u l a t i o n  werden: Akkumulation der Bedürfnisse, Anhäufung und Monopolisierung der Produktivkräfte  (H e r r s c h a f t  über das Arbeitsvermögen).

Die Verknappung der Zeit erzwingt  Ö k o n o m i e  (= Zeitersparnis): Arbeitsteilung und Kooperation. Objektivierung der akkumulierten Bedürfnisse in der Qualifizierung der Produktivkräfte: Arbeitsmittel und Arbeitsvermögen.

Die Zeit erscheint eo ipso gesetzt als  A r b e i t s zeit.

Der Austausch (nb. zunächst Austausch der Überschüsse!) vermittelt die naturwüchsigen Gemeinwesen zur geschichtlichen  G e s e l l s c h a f t;  die Menschen werden zu (privaten)  I n d i v i d u e n,  die durch den  M a r k t  in allgemeinen Verkehr miteinander gebracht werden: Verallgemeinerung von Arbeitsteilung und Kooperation. Der Arbeitsprozeß wird selbst gesellschaftlicher, reell allgemeiner Prozeß.

Verallgemeinerung des Austauschs, Verallgemeinerung der Bedürfnisse: das ‘höhere’ Bedürfnis wird zum  g e m e i n e n  Bedürfnis (die privilegierten Bedürfnisse der monopol1isierenden Klassen hören auf, Trieb- feder  (und also notwendig für die Akkumulation [Kulturation] zu sein.)

Akkumulation bedeutet: fortschreitende Verschiebung der Produktivkraft von der „lebendigen“ Arbeit (der Menschen) auf die angehäufte „tote“: das Arbeitsmittel; als  M a s c h i n e  =  f i x e s   K a p i t a l ; Verlage- rung der Produktivkraft aus dem lebendigen Subjekt ins unbelebte Objekt – und das  heißt  j e n s e i t s  der  Z e i t!

3) Nun können die Bedürfnisse (soweit sie auf Gegenstände [!] gerichtet sind) als durch das selbsttätige Arbeitsmittel virtuell   i m m e r   s c h o n   r e a l i s i e r t  gelten; indem die Zeit aufhört, a priori als  A r b e i t s zeit  bestimmt zu sein, hört sie auch auf, mögliches Maß der Werte zu sein: die Notwendigkeit des Wertens selbst entfällt! Die Wertproduktion ‘entfällt’, das Kapitalverhältnis bricht zusammen. —

Derart arbeitet die kapitalistische Weise der Verteilung der disponiblen Zeit auf die sich geltend machenden Bedürfnisse auf ihren eigenen Zusammenbruch hin. Aber das Untergehn der  F o r m bestimmung   a k t u a l i s i e r t   eben die Frage nach ihrem  G r u n d:  ’Soll’ der Zusammenbruch stattfinden als  D e s a k k u m u l a t i o n  (letzten Endes: der Bedürfnisse selbst!) = ‘Untergang in der Barbarei’? Oder als  f r e i – Setzung der Bedürfnisses  ’a l s’  sich selbst erzeugende; ‘schlechthin’-Setzung des Bedürfnisses als „freie Tätigkeit“ — d.h. „Leben“ nicht mehr als  A r b e i t,  sondern als… "S p i e l ".

Summa: ‘Kritik’ bedeutet, allgemein gesprochen, nichts anderes als die Zurückführung des theoretischen Wissens auf seinen praktischen Grund. Dieser  G r u n d  ist bei Marx das selbsterzeugte, sich selbst erzeugende Bedürfnis. Dessen Darstellung als ‘Stoff’, als das  M a t e r i a l e  der Geschichte, wird treffend ‘historischer  M a t e r i a l i s m u s‘  genannt. Und diese Handhabung der Dialektik als — wie Kant sie nennt — „Katharktikon des Verstandes“ zur  D a r s t e l l u n g  jenes Grundes ist, ebenso wie Fichtes ‘Wissenschaftslehre’,  M e t a - Kritik.


Sonntag, 10. Juni 2018

Wie der Gebrauchswert in die Formbestimmung eingreift.


Der Punkt, wo das Eingreifen des Gebrauchswerts in die Wertbestimmung, in die Formseite, am augenfällig- sten, recte: am sinn fälligsten ist, ist schließlich ganz am Anfang des Prozesses der Wertschöpfung: denn es ist ja dere Gebrauchswert, der je spezifische historisch gegebne Gebrauchswert der Arbeitskrft, nämlich die je be- stimmte Produktivität der Arbeit, welche den Wert - den Tauschwert einer Ware - im Vergleich zu den anderen Waren 

Nein, falsch; der je besondre Gebrauchswert der Arbeitskraft, die dieses je besondre Kapital verbraucht, d. h. zu effektiver Arbeit (energeia) aktualisiert, bestimmt nicht über den Wert der Ware - denn dieser drückt nur das Prorata des einzelnen Produkts an dem gesellschaftlichen Gesamtarbeitstag aus -, sondern bestimmt die Höhe des Profits, den das Kapital an der einzelnen Ware macht; bestimmt die individuelle Profitrate dieses besondern Kapitals - nämlich indem sie den spezifischen Unterschied der individuellen zur allgemeinen, "druchschnittli- chen" Profirate ausmacht, und darauf, allein darauf kommt es dem Kapital an: allein auf seinen (Extra-) Profit, nicht auf die Wertproduktion an sich.

Also im Allgemeinen, d. h. für die reflektierende Abstraktion, ist es so, dass "der Wert" - nämlich der je geschaffene Neuwert, und um den allein geht es hier - "geschöpft" wird aus dem Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert der Arbeitskraft, weil ihr Gebrauchswert eben die Arbeit selbst ist.

Der Wert drückt aus den Anteil, den das individuelle Produkt an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit "hat"; oder richtiger: den Anteil, auf den er "zu Recht" Anspruch erheben kann: nicht der Anteil an der Gesamtar- beitszeit, der in ihm tatsächlich verausgabt, sondern derjenige Anteil, der in ihm "vergegenständlicht" ist: nämlich als in ihm vergegenständlich gilt; und ob er "gilt", ist immer eine Frage der 'Anerkennung': allgemeiner Anerken- nung...

Zuerst einmal: ob er überhaupt "gilt": nämlich ob die in ihm 'dargestellte', her gestellte Nützlichkeit in der Gesellschaft ein ihm geltendes Bedürfnis vorfindet, und das wird unter kapitalistischen Bedingungen immer erst ex post entschieden: Um sich als Gebrauchs wert bewähren zu können, muss das Produkt zuerst seinen Tausch wert "realisieren".

Und dann: welcher Anteil ihm "zugerechnet" wird: als welcher Anteil er "gilt"; und es gilt nicht diejenige Zeit, die tatsächlich auf seine Herstellung verwendet wurde, sondern es "gilt" jene Zeit, die irgend ein  anderer im Durchschnitt aufwenden müsste, um denselben Gegenstand hic et nunc zu re produzieren. Vorausgesetzt ist also immer die durchschnittliche Produktivität der Arbeit zur gegebnen Zeit, am gegebnen Ort des (beabsichtigten) Austauschakts. Also das, was hier aktual gilt als "allgemeiner" Parameter, ist de facto lediglich ein empirisch festgestellter, "geschätzer" Durchschnitt: Der durchschnittliche Gebrauchs wert der Arbeitskraft ist der Maßstab, nach dem der Anteil des Produkts an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit bewertet wird; ist also das Maß ihrer "Wertigkeit", aber nicht diese selbst: Diese Wertigkeit selbst, also die Substanz des Werts, ist das Verhältnis der Gebrauchswerte - besondre Nützlichkeiten alias das Bedürfnis danach - zur gesellschaftliche verfügbaren Gesamt(arbeits)zeit: das Verhältnis - pro rata -, in dem die Gesamtzeit auf die Bedürfnisse verteilt wird...

Es soll also "Zeit" auf "Nützlichkeit" verteilt weden: Das is so, als sollten Kartoffeln nach ihrer Seelengröße unterschieden werden. "Zeit" und "Nützlichkeit" sind an sich selber inkommensurabel. Es ist schlechterdings unmöglich, das eine durch - theoretische - Analyse aus dem andern herauszulesen: das ein immanent im andern darzustellen. Aber wenn es keine Analyse sein kann, dann muss es ein Akt des Setzens, eine Thesis, und muss insofern das Eine zu dem Andern ins Verhältnis gesetzt werden, muss es eine Synthesis sein, eine "ursprüngli- che", die 'nur aus Freiheit möglich' ist; ein Ur-teil, praktisches Urteil: Wieviel Zeit will - 'soll' - ich auf dieses Bedürfnis, wieviel auf jenes verwenden? (Es ist augenfällig, dass die Frage sinnlos wäre, wenn die verfügbare Zeit nicht knapp ist.) Also ich soll abwägen, welches Bedürfnis mir wichtiger ist als das andre, ich soll eine Rangfolge, Hierarchie der Bedürfnisse etablieren. 'Ich': das ist die gegebne gesellschaftliche (All)gemeine.

Unter Bedingungen unmittelbarer Herrschaft von Menschen über andre Menschen - über ihren Willen, über das, was sie in ihrer (Lebens-) Zeit tun - ist das Problem einfach, oder es ist keins: Die Bestimmung der Priori- täten (das Urteil über die Geltung der Besdürfnisse geht der Prouktion der Gebrauchsgegenstände voraus, "ex ante")  ist immer "konkret", d h. individuell, und darum an keine (immanente) Regel gebunden, die eine Analy- se der Formen erst ans Licht bringen müsste: Hier findet keine "Strukturanalyse" statt, sondern empirische Be- schreibung. 

[NB. Es ist nicht die Frage der Rituale, der konventionellen oder sakralen Formen, in denen die Befehle aus- gesprochen werden; sondern die Maximen, nach denen ihre Inhalte bestimmt sind: Was da an "Regeln", "öko- nomischn Gesetzen" herauszulesen ist, ist nichts anderes als eine empirisch, nämlich beschreibend nachgewie- sene Häufigkeit, die Urteilsakte sind einander heteronom, der (beschreibende) Historiker kann die ihnen zu- grundeliegenden Motive "verstehend deuten", sodann typologisch klasifizieren und die (ihm bekannten) Phäno- mene, "Fakten", danach mengenmäßig ordnen; aber immer bleibt er hier Idiograph.]

Bei der Hervorbringung der den - um ihre verhältnismäßige Geltung konkurrierenden - Bedürfnissen entspre- chenden nützlichn Gegenstände geht, mit der Zunahme individuellen Geschicks bei den Produzenten - "Qua- lität", Produktivität der Arbeit - immer mehr Geschick in das Produkt selbst ein: als dessen "höhere", größere Nützlichkeit, und das wird wesentlich, indem der produzierte Gegenstand selber Arbeitsmittel wird, Produktions- instrument. Indem die spezifische Nützlichkeit - Gebrauchswert - der Produkte zunehmend von der "Qualität" - der in ihnen als deren eignes Geschick vergegenständlichten Geschicklichkeit der Produzenten - der Arbeits- mittel abhängt, erlangt die Herrschaft über das Arbeitsmittel wachsende Bedeutung gegenüber der unmittelba- ren Herrschaft über Menschen: Privateigentum am Arbeitsmittel statt persönlicher Herrschaft über den Arbeiter. Insofern ist das feudale Grundeigentum in (West!-) Europa der Beginn der Entwicklung zum Kapitalismus.

 4. 5. 88


Formbestimmend ist der Gebrauchswert der Arbeit von Anbeginn, indem ihre zunehmende Qualität in die höhere Qualität der Produkte eingeht und, sofern das Produkt selbst zum Arbeitsmittel wird, die Arbeitsmittel gegenüber der Arbeit ein wachsendes Gewicht erhalten. Am Ende steht das fixe Kapital, das als digitaler Auto- mat alle Arbeit selber übernimmt: Der Gebrauchswert hat die Form "zu Tode bestimmt".

2. 1. 17



Sie fragen nach dem Zusammenhand meines Bildes mit dem Text?  Es hat keinen. Ich fürchte, ich hätte ein paar Stunden suchen müssen, um so ein Bild zu finden. Das obige stelt die Reste eine Auster dar.



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE.

Montag, 2. Januar 2017

Wie der Gebrauchswert in die Formbestimmung eingreift.



Der Punkt, wo das Eingreifen des Gebrauchswerts in die Wertbestimmung, in die Formseite, am augenfällig- sten, recte: am sinn fälligsten ist, ist schließlich ganz am Anfang des Prozesses der Wertschöpfung: denn es ist ja dere Gebrauchswert, der je spezifische historisch gegebne Gebrauchswert der Arbeitskrft, nämlich die je be- stimmte Produktivität der Arbeit, welche den Wert - den Tauschwert einer Ware - im Vergleich zu den anderen Waren 

Nein, falsch; der je besondre Gebrauchswert der Arbeitskraft, die dieses je besondre Kapital verbraucht, d. h. zu effektiver Arbeit (energeia) aktualisiert, bestimmt nicht über den Wert der Ware - denn dieser drückt nur das Prorata des einzelnen Produkts an dem gesellschaftlichen Gesamtarbeitstag aus -, sondern bestimmt die Höhe des Profits, den das Kapital an der einzelnen Ware macht; bestimmt die individuelle Profitrate dieses besondern Kapitals - nämlich indem sie den spezifischen Unterschied der individuellen zur allgemeinen, "druchschnittli- chen" Profirate ausmacht, und darauf, allein darauf kommt es dem Kapital an: allein auf seinen (Extra-) Profit, nicht auf die Wertproduktion an sich.

Also im Allgemeinen, d. h. für die reflektierende Abstraktion, ist es so, dass "der Wert" - nämlich der je geschaffene Neuwert, und um den allein geht es hier - "geschöpft" wird aus dem Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert der Arbeitskraft, weil ihr Gebrauchswert eben die Arbeit selbst ist.

Der Wert drückt aus den Anteil, den das individuelle Produkt an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit "hat"; oder richtiger: den Anteil, auf den er "zu Recht" Anspruch erheben kann: nicht der Anteil an der Gesamtar- beitszeit, der in ihm tatsächlich verausgabt, sondern derjenige Anteil, der in ihm "vergegenständlicht" ist: nämlich als in ihm vergegenständlich gilt; und ob er "gilt", ist immer eine Frage der 'Anerkennung': allgemeiner Anerken- nung...

Zuerst einmal: ob er überhaupt "gilt": nämlich ob die in ihm 'dargestellte', her gestellte Nützlichkeit in der Gesellschaft ein ihm geltendes Bedürfnis vorfindet, und das wird unter kapitalistischen Bedingungen immer erst ex post entschieden: Um sich als Gebrauchs wert bewähren zu können, muss das Produkt zuerst seinen Tausch wert "realisieren".

Und dann: welcher Anteil ihm "zugerechnet" wird: als welcher Anteil er "gilt"; und es gilt nicht diejenige Zeit, die tatsächlich auf seine Herstellung verwendet wurde, sondern es "gilt" jene Zeit, die irgend ein  anderer im Durchschnitt aufwenden müsste, um denselben Gegenstand hic et nunc zu re produzieren. Vorausgesetzt ist also immer die durchschnittliche Produktivität der Arbeit zur gegebnen Zeit, am gegebnen Ort des (beabsichtigten) Austauschakts. Also das, was hier aktual gilt als "allgemeiner" Parameter, ist de facto lediglich ein empirisch festgestellter, "geschätzer" Durchschnitt: Der durchschnittliche Gebrauchs wert der Arbeitskraft ist der Maßstab, nach dem der Anteil des Produkts an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit bewertet wird; ist also das Maß ihrer "Wertigkeit", aber nicht diese selbst: Diese Wertigkeit selbst, also die Substanz des Werts, ist das Verhältnis der Gebrauchswerte - besondre Nützlichkeiten alias das Bedürfnis danach - zur gesellschaftliche verfügbaren Gesamt(arbeits)zeit: das Verhältnis - pro rata -, in dem die Gesamtzeit auf die Bedürfnisse verteilt wird...

Es soll also "Zeit" auf "Nützlichkeit" verteilt weden: Das is so, als sollten Kartoffeln nach ihrer Seelengröße unterschieden werden. "Zeit" und "Nützlichkeit" sind an sich selber inkommensurabel. Es ist schlechterdings unmöglich, das eine durch - theoretische - Analyse aus dem andern herauszulesen: das ein immanent im andern darzustellen. Aber wenn es keine Analyse sein kann, dann muss es ein Akt des Setzens, eine Thesis, und muss insofern das Eine zu dem Andern ins Verhältnis gesetzt werden, muss es eine Synthesis sein, eine "ursprüngli- che", die 'nur aus Freiheit möglich' ist; ein Ur-teil, praktisches Urteil: Wieviel Zeit will - 'soll' - ich auf dieses Bedürfnis, wieviel auf jenes verwenden? (Es ist augenfällig, dass die Frage sinnlos wäre, wenn die verfügbare Zeit nicht knapp ist.) Also ich soll abwägen, welches Bedürfnis mir wichtiger ist als das andre, ich soll eine Rangfolge, Hierarchie der Bedürfnisse etablieren. 'Ich': das ist die gegebne gesellschaftliche (All)gemeine.

Unter Bedingungen unmittelbarer Herrschaft von Menschen über andre Menschen - über ihren Willen, über das, was sie in ihrer (Lebens-) Zeit tun - ist das Problem einfach, oder es ist keins: Die Bestimmung der Priori- täten (das Urteil über die Geltung der Besdürfnisse geht der Prouktion der Gebrauchsgegenstände voraus, "ex ante")  ist immer "konkret", d h. individuell, und darum an keine (immanente) Regel gebunden, die eine Analy- se der Formen erst ans Licht bringen müsste: Hier findet keine "Strukturanalyse" statt, sondern empirische Be- schreibung. 

[NB. Es ist nicht die Frage der Rituale, der konventionellen oder sakralen Formen, in denen die Befehle aus- gesprochen werden; sondern die Maximen, nach denen ihre Inhalte bestimmt sind: Was da an "Regeln", "öko- nomischn Gesetzen" herauszulesen ist, ist nichts anderes als eine empirisch, nämlich beschreibend nachgewie- sene Häufigkeit, die Urteilsakte sind einander heteronom, der (beschreibende) Historiker kann die ihnen zu- grundeliegenden Motive "verstehend deuten", sodann typologisch klasifizieren und die (ihm bekannten) Phäno- mene, "Fakten", danach mengenmäßig ordnen; aber immer bleibt er hier Idiograph.]

Bei der Hervorbringung der den - um ihre verhältnismäßige Geltung konkurrierenden - Bedürfnissen entspre- chenden nützlichn Gegenstände geht, mit der Zunahme individuellen Geschicks bei den Produzenten - "Qua- lität", Produktivität der Arbeit - immer mehr Geschick in das Produkt selbst ein: als dessen "höhere", größere Nützlichkeit, und das wird wesentlich, indem der produzierte Gegenstand selber Arbeitsmittel wird, Produktions- instrument. Indem die spezifische Nützlichkeit - Gebrauchswert - der Produkte zunehmend von der "Qualität" - der in ihnen als deren eignes Geschick vergegenständlichten Geschicklichkeit der Produzenten - der Arbeits- mittel abhängt, erlangt die Herrschaft über das Arbeitsmittel wachsende Bedeutung gegenüber der unmittelba- ren Herrschaft über Menschen: Privateigentum am Arbeitsmittel statt persönlicher Herrschaft über den Arbeiter. Insofern ist das feudale Grundeigentum in (West!-) Europa der Beginn der Entwicklung zum Kapitalismus.

 4. 5. 88


Formbestimmend ist der Gebrauchswert der Arbeit von Anbeginn, indem ihre zunehmende Qualität in die höhere Qualität der Produkte eingeht und, sofern das Produkt selbst zum Arbeitsmittel wird, die Arbeitsmittel gegenüber der Arbeit ein wachsendes Gewicht erhalten. Am Ende steht das fixe Kapital, das als digitaler Auto- mat alle Arbeit selber übernimmt: Der Gebrauchswert hat die Form "zu Tode bestimmt".



Sie fragen nach dem Zusammenhand meines Bildes mit dem Text?  Es hat keinen. Ich fürchte, ich hätte ein paar Stunden suchen müssen, um so ein Bild zu finden. Das obige stelt die Reste eine Auster dar.



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE.

Montag, 21. November 2016

Bedürfnis und Vorstellung (Setzen und bestimmen).



Aber die Menschen beginnen keineswegs damit, "in diesem theoretischen Verhältnis zu Dingen deer Außenwelt zu stehen". Sie fangen, wie jedes Tier, damit an, zu essen, zu trinken etc., also nicht in einem Verhältnis zu "stehen", sondern sich akriv zu verhalten, sich gewisser Dinge der Außenwelt zu bemächtigen durch die Tat, und so ihr / Befürfnis zu befriedigen. (Sie beginnen also mit der Produktion.)

Durch die Wiederholung dieses Prozesses prägt sich die Eigenschaft dieser Dinge, ihre "Bedürfnisse zu befriedigen", ihrem Hirn ein, die Menschen wie Tiere lernen auch "theoretisch" die äußern Dinge, die zur Befriedungung ihrer Bedürfnisse dienen, vor [sic] allen andern zu unterscheiden. Auf gewissem Grad der Fortentwicklung, nachdem unterdes auch ihre Bedürfnisse und die Tätigkeiten, wodurch sie befriedigt werden, sich vermehrt und weiterentwickelt haben, werden sie auch bei der ganzen Klasse dieser erfahrungsmäßig von der übrigen Außenwelt unterschiednen Dinge sprachlich taufen. Dies tritt notwendig ein, da sie im Produktionsprozess - i. e. Aneignungsprozess dieser Dinge - fortdauernd in einem werktätigen Umgang unter sich und mit den Dingen stehen und bald im Kampf mit andern um diese Dinge zu ringen haben.

Aber diese sprachliche Bezeichnung drückt durchaus nur aus als Vorstellung, was wiederholte Bestätigung zur Erfahrung gemacht hat, nämlcih dass den in einem gewissen gesellschaftlichen Zusammenhang bereits lebenden Menschen (dies der Sprache wegen notwendige Vorausssetzung) gewisse äußere Dinge zur Befriedigung ihrer Bedprfnisse dienen. Die Menschen legen diesen Dingen nur einen besondern (generic) Namen bei, weil sie bereits wissen, dass dieselben zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse dienen, weil sie ihrer durch mehr oder miner oft wiederholte Tätigkeit habhaft zu werden und sie daher auch in ihrem Besitz zu erhalten suchen; sie nennen sie vielleicht "Gut" oder sonst etwas, was ausdrückt, dass diese Dinge ihnen nützhlich [sind], und geben dem Ding diesen Nützlichkeitscharakter als von ihnen besessen, obgleich es einem Schaf schwerlich als eine seiner "nützlichen" Eigenschaften vorkäme, dass es vom Menschen essbar ist.

Also: die Menschen fingen tatsächlich damit an, gewisse Dinge der Außenwelt als Befriedigungsmittel ihrer eignen Bedürfnisse sich anzueignen etc. etc.; später kommen sie dazu, sie auch sprachlich als das, was sie in praktischer Erfahrung für sie sind, nämlich als Befriedigungsmittel ihrer Bedürfnisse zu bezeichnen, als Dinge, die sie "befriedigen". Nennt man nun diesen Umstand, dass die Menschen soclhe Dinge nicht nur praktisch als Befriedigungsmittel ihrerBedürfnisse behandeln, sondern sie auch in ihrer Vorstellung und, weiter, sprachlich, als ihre Bedürfnisse, als sie selbst "befriedigende" Dinge bezeichnen (solange das Bedürfnis des Menschen  nicht befriedigt ist, ist er im Unfrieden mit seinem Bedürfnis, also mit sich selbst), nennt man dies, "nach dem deutchen Sprachgebrauch", ihnen einen "Wert" beileen.

So hat man bewiesen, dass der allgemeine  Begriff "Wert" entspringt aus dem Verhalten des Menschen zu den in ihrer Außenwelt vor-/gefundenen Dingen, welche ihre Bedüfnisse befriedigen, und mithin, dass dies der Gattungsbegriff von "Wert" ist und alle andern Weertsorten, wie z. B. der chemische Wert der Elementenur eine Abart davon.

Es ist "das natürliche Bestreben" eines deutschen Ökonomieprofessors, die ökonomische Kategorie "Wert" aus einem "Begriff" abzuleiten, und das erreicht er dadurch, dass, was in der politischen Ökonomie vulgo "Gebrauchswert" heißt, "nach deutschen Sprachgebrauch" in "Wert" schlechthin umgetauft wird. ...
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K. Marx, Randglosssen zu A. Wagners 'Lehrbuch der politiwchen Ökonomie', in MEW 19, S. 362ff.



Dienstag, 18. Oktober 2016

Stoff und Form, oder Der Mensch macht seine Bedürfnisse selber.



Arbeit sei der Gebrauchswert des Kapitals, hieß es gestern. - 

Der Gebrauchswert gehört nicht in die Ökonomie, nämlich nicht ins Klassische System der Politischen Ökonomie, wie es von Smith, Ricardo und ihren Nachfolgern und Epigonen aufgestellt worden ist.

Das war dessen Grundfehler, denn der Gebrauchswert ist die andere Seite der Bedürfnisse, und der Reichtum besteht, stofflich betrachtet, nur in der Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse. Gehört also die Akkumulation des Reichtums nicht in die Ökonomie? 

Die Kritik der Politischen Ökonomie hat diesen Inhalt: an die Stelle der scheinbar selbstläufigen Formbestim- mung die materiale Geschichte der Bedürfnisse zu setzen.

*

Bedürfnis ist in den Pariser Manuskripten das Wesen des Menschen. Den Gedanken hat Marx von Feuerbach übernommen, er macht den 'Materialismus' der neuen Betrachtungweise aus. Als ein Bedürftiger erscheint der Mensch bei Feuerbach aber lediglich als Leidender, doch müsse der Materialismus praktisch aufgefasst werden, heißt es bei Marx spätestens in den Feuerbachthesen: Als Bedürftiger sei der Mensch ein schlechthin Tätiger. Das Was ist der Stoff. Die Form ist lediglich ein Wie.

An dem Punkt erweist sich die formale Analogie von Marx und Fichte als eine sachliche. Wenn von einem An- sich überhaupt die Rede sein könnte - was eigentlich gar nicht statthaft ist -, so müsse es das Wollen sein, sagt Fichte: In einem ersten Gang der Transzendentalphilosophie hat sich 'der Mensch' als ein Ich und das Ich als Tätigkeit erwiesen. Als Grund seiner schlechthinnigen Tätigkeit wird man sich ein Wollen denken müssen: als dynamisches Prinzip. - Das freilich ist Spekulation. 

Nicht spekulativ ist jedoch der 'zweite Gang' der Transzendentalphilosophie; der Gang, der aus den freigelegten Gründen die positive Tätigkeit re-konstruiert: Sie ist immer, welches auch ihre konkreten Bestimmungen nach Raum und Zeit jeweils seien, Übergang vom Bestimmbaren - relativ Unbestimmten - zur Bestimmtheit. 

Ist 'der Mensch' als ein an sich Bedürftiger, das Bedürfnis aber als dynamisches Prinzip definiert, dann ist der reale historische Prozess ein unendliches Übergehen von der relativen Unbestimmtheit zur Bestimmung der Bedürfnisse. Bedürfnis ist Wollen. 

*

Quod erat demonstrandum.












Dienstag, 29. Mai 2018

Bedürfnis und Vorstellung (Setzen und bestimmen).


Aber die Menschen beginnen keineswegs damit, "in diesem theoretischen Verhältnis zu Dingen der Außenwelt zu ste- hen". Sie fangen, wie jedes Tier, damit an, zu essen, zu trinken etc., also nicht in einem Verhältnis zu "ste- hen", sondern sich aktiv zu verhalten, sich gewisser Dinge der Außenwelt zu bemächtigen durch die Tat, und so ihr / Befürfnis zu befriedigen. (Sie beginnen also mit der Produktion.)

Durch die Wiederholung dieses Prozesses prägt sich die Eigenschaft dieser Dinge, ihre "Bedürfnisse zu befrie- digen", ihrem Hirn ein, die Menschen wie Tiere lernen auch "theoretisch" die äußern Dinge, die zur Befriedi- gung ihrer Bedürfnisse dienen, vor [sic] allen andern zu unterscheiden. Auf gewissem Grad der Fortentwicklung, nachdem unterdes auch ihre Bedürfnisse und die Tätigkeiten, wodurch sie befriedigt werden, sich vermehrt und weiterentwickelt haben, werden sie auch bei der ganzen Klasse dieser erfahrungsmäßig von der übrigen Außen- welt unterschiednen Dinge sprachlich taufen. Dies tritt notwendig ein, da sie im Produktionsprozess - i. e. An- eignungsprozess dieser Dinge - fortdauernd in einem werktätigen Umgang unter sich und mit den Dingen stehen und bald im Kampf mit andern um diese Dinge zu ringen haben.

Aber diese sprachliche Bezeichnung drückt durchaus nur aus als Vorstellung, was wiederholte Bestätigung zur Erfahrung gemacht hat, nämlich dass den in einem gewissen gesellschaftlichen Zusammenhang bereits leben- den Menschen (dies der Sprache wegen notwendige Vorausssetzung) gewisse äußere Dinge zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse dienen. Die Menschen legen diesen Dingen nur einen besondern (generic) Namen bei, weil sie bereits wissen, dass dieselben zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse dienen, weil sie ihrer durch mehr oder minder oft wiederholte Tätigkeit habhaft zu werden und sie daher auch in ihrem Besitz zu erhalten suchen; sie nennen sie vielleicht "Gut" oder sonst etwas, was ausdrückt, dass diese Dinge ihnen nützhlich [sind], und geben dem Ding diesen Nützlichkeitscharakter als von ihnen besessen, obgleich es einem Schaf schwerlich als eine seiner "nützlichen" Eigenschaften vorkäme, dass es vom Menschen essbar ist.

Also: die Menschen fingen tatsächlich damit an, gewisse Dinge der Außenwelt als Befriedigungsmittel ihrer eignen Bedürfnisse sich anzueignen etc. etc.; später kommen sie dazu, sie auch sprachlich als das, was sie in prak- tischer Erfahrung für sie sind, nämlich als Befriedigungsmittel ihrer Bedürfnisse zu bezeichnen, als Dinge, die sie "be- friedigen". Nennt man nun diesen Umstand, dass die Menschen solche Dinge nicht nur praktisch als Befriedi- gungsmittel ihrer Bedürfnisse behandeln, sondern sie auch in ihrer Vorstellung und, weiter, sprachlich, als ihre Bedürfnisse, als sie selbst "befriedigende" Dinge bezeichnen (solange das Bedürfnis des Menschen nicht befrie- digt ist, ist er im Unfrieden mit seinem Bedürfnis, also mit sich selbst), nennt man dies, "nach dem deutchen Sprachgebrauch", ihnen einen "Wert" beilegen.

So hat man bewiesen, dass der allgemeine  Begriff "Wert" entspringt aus dem Verhalten des Menschen zu den in ihrer Außenwelt vor-/gefundenen Dingen, welche ihre Bedüfnisse befriedigen, und mithin, dass dies der Gattungsbegriff von "Wert" ist und alle andern Wertsorten, wie z. B. der chemische Wert der Elementenur eine Abart davon.

Es ist "das natürliche Bestreben" eines deutschen Ökonomieprofessors, die ökonomische Kategorie "Wert" aus einem "Begriff" abzuleiten, und das erreicht er dadurch, dass, was in der politischen Ökonomie vulgo "Ge- brauchswert" heißt, "nach deutschen Sprachgebrauch" in "Wert" schlechthin umgetauft wird. ...
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K. Marx, Randglosssen zu A. Wagners 'Lehrbuch der politiwchen Ökonomie', in MEW 19, S. 362ff.



Donnerstag, 14. Januar 2016

Wert und Gesamtarbeitstag.


Speisung der Fünftausend, Niederlande, Anf. 16. Jhdt.

Obgleich die Form der Arbeit als Lohnarbeit entscheidend für die Gestalt des ganzen Processes und für die specifische Weise der Produktion selbst, ist nicht die Lohnarbeit werthbestimmend. In der Werthbestimmung handelt es sich um die gesellschaftliche Arbeitszeit überhaupt, das Quantum Arbeit, worüber die Gesellschaft überhaupt zu verfügen hat, und dessen relative Absorption durch die verschiednen Produkte gewissermaßen deren respektives gesellschaftliches Gewicht bestimmt. 

Die bestimmte Form, worin sich die gesellschaftliche Arbeitszeit im Werth der Waaren als bestimmend durch- setzt, hängt allerdings mit der Form der Arbeit als Lohnarbeit und der entsprechenden Form der Produktions- mittel als Kapital insofern zusammen, als nur auf dieser Basis die Waarenproduktion zur allgemeinen Form der Produktion wird. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 854 [MEW 25, S. 889]


Nota. – Wenn 'die Gesellschaft selbst' vorab alle Bedürfnisse erfasste und dann entschiede, welchen Teil der ver- fügbaren Gesamtarbeitszeit darauf verwenden will, könnte ebenfalls von einer Wertbestimmung die Rede sein – deren Besonderheit freilich in ihrer Je-Besonderheit bestünde: Jedes Einzelbedürfnis müsste individuell gewertet werden, einen allgemeinen Maßstab gäbe es nicht, von Äquivalenz nicht die Spur! Die Wertbestimmung ge- schieht unmittelbar und individuell; Lohnarbeit könnte es dann freilich nicht geben.

Die kapitalistische Wirtschaftsweise beruht auf dem umgekehrten Vorgang. Es gibt eines allgemeines Wertmaß, und wieviel davon auf das jeweilige Bedürfnis fällt, nämlich über wieviel davon das jeweilige Bedürfnis in Form des allgemeinen Äquivalents kommandiert, soviel ist das Bedürfnis wert. Die Wertbestimmung ist allgemein vermit- telt und die Klassenspaltung der Gesellschaft ist begriffslos vorausgesetzt.
JE

Dienstag, 22. November 2016

Bedürfnis = Absicht.


Lothar Sauer

"Geist = Absicht", heißt es bei Fr. Schlegel; das ganze Mysterium der "materialistischen Geschichtsauffassung" erhellt auf einen Schlag, wenn wir, dieses Satzes eingedenkt, generell das 'selbsterzeugte Bedürfnis' - die 'Tat- handlung', "erste geschichtliche Tat" - mit "Absicht" übersetzen. 

3. 8. 89