zoibrina
Indem so die lebendige Arbeit durch ihre Verwirklichung
im Material dieses selbst verändert, eine Verände-rung, die durch den Zweck
der Arbeit bestimmt, und die zweckmässige Thätigkeit derselben – (eine
Verän-derung die nicht wie im todten Gegenstand das Setzen der Form als
äusserlich dem Stoff, bloser verschwinden-der Schein seines Bestehns) –
wird das Material so in bestimmter Form erhalten, der Formwechsel des
Stoffs dem Zweck der Arbeit unterworfen. Die Arbeit ist das lebendige,
gestaltende Feuer; die Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, als
ihre Formung durch die lebendige Zeit.
Im einfachen Productionsprozeß –
abgesehn vom Verwerthungsprocess – wird die Vergänglichkeit der Form
der Dinge benuzt um ihre Brauchbarkeit zu setzen. Indem aus der Baumwolle
Garn wird, aus dem Garn Gewe-be, aus dem Gewebe gedrucktes etc Gewebe,
oder gefärbtes etc, und aus diesem sage ein Kleid hat sich 1) die Substanz
der Baumwolle in allen diesen Formen erhalten. (Im chemischen Process
haben sich im von der Ar-beit geregelten Stoffwechsel überall Equivalente
(natürliche) ausgetauscht etc); 2) in allen diesen subsequenten Processen hat
der Stoff eine nützlichere Form erhalten, weil eine ihn mehr dem Consum
aneignende; bis er zu-lezt die Form erhalten, worin er direkt Gegenstand
desselben werden kann, wo also die Aufzehrung des Stoffs und die Aufhebung seiner Form menschlicher Genuß wird, seine Veränderung sein
Gebrauch selbst ist.
Der Stoff der Baumwolle erhält sich in allen diesen
Processen; in der einen Form des Gebrauchswerths geht er unter um einer
höhren Platz zu machen, bis der Gegenstand als Gegenstand der unmittelbaren Consumtion da ist. Indem aber die Baumwolle als Twist gesezt
ist, ist sie in einer bestimmten Beziehung auf eine fernere Art der Arbeit
gesezt. Träte diese Arbeit nicht ein, so ist nicht nur die Form nutzlos an ihr
gesezt worden, d. h. die frühere Arbeit wird nicht durch die neue bestätigt,
sondern auch der Stoff ist verdorben, indem er in der Form als Twist nur
Gebrauchswerth hat, insofern er wieder verarbeitet wird: nur noch Gebrauchswerth ist in Bezug auf den Ge-brauch, den die fernere Arbeit davon
macht; nur Gebrauchswerth ist, insofern seine Form als Twist aufgeho-ben /
wird zu der von Gewebe; während die Baumwolle in ihrem Dasein als
Baumwolle unendlicher Nutzan-wendungen fähig ist. So wäre ohne die
fernere Arbeit der Gebrauchswerth von Baumwolle und Twist, Material und
Form verhunzt; er wäre vernichtet, statt producirt worden.
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 272f. [MEW 42, S. 278]
Nota. – Sachlich gesehen, nämlich unterm Gesichtspunkt des Zwecks der Arbeit: dem beabsichtigten Ge-brauchswert der Ware, handelt es sich eben nur um einen Arbeitsprozess; es ist die spezifische Form der industriellen Arbeitsteilung, der ihn in viele Einzelteile zerlegt, die nicht einmal mehr in derselben Fabrik erledigt werden; und die Einzelteile müssen jedesmal erst zu Tauschwerten, zu Geld werden, müssen verkauft sein, damit der nächst-höhere Gebrauchswert daraus werden und das Stück Gebrauchswert überhaupt bleiben kann – denn sonst wäre auch der Tauschwert verloren.
JE
Genau betrachtet erscheint nämlich der Verwerthungsprocess des
Capitals – und das Geld wird nur zu Capital durch den Verwerthungsprocess
– zugleich als sein Entwerthungsprocess, its demonetisation. Und zwar nach
doppelter Seite hin. Erstens, soweit das Capital nicht die absolute Arbeitszeit
vermehrt, sondern die relative nothwendige Arbeitszeit vermindert durch /
Vermehrung der Productivkraft, reducirt es die Productionsko-sten seiner
selbst – soweit es als bestimmte Summe von Waaren vorausgesezt war,
seinen Tauschwerth:
Ein Theil des bestehnden Capitals wird beständig
entwerthet, durch Verminderung der Productionskosten, zu denen es reproducirt werden kann; nicht Verminderung der Arbeit die in ihm vergegenständlicht ist, sondern der lebendigen Arbeit, die nun nöthig ist, um sich in
diesem bestimmten Product zu vergegenständlichen.
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 315f. [MEW 42, S. 316]
Nota. – Der Wert ist nicht eine sachliche Eigenschaft des Produkts, sondern eine Geltung, die ihm gesellschaft-lich zugerechnet wird. Denn der Wert bemisst sich nicht nach dem Quantum Arbeit, das gestern tatsächlich in dem Produkt vergegenständlicht wurde, sondern an dem Arbeitsquantum, das nötig wäre, wenn er heute neu hergestellt werden müsste. Es geht beim Wert nämlich nicht um wirkliche, von diesem oder jenem lebendigen Arbeiter tatsächlich an einem Stück Materie geleistete Arbeit, sondern wiederum nur um das Quantum Arbeit, als das es gilt: um die gesellschaftlich notwendige Arbeit; denn wenn der wirkliche Arbeiter auch eine Dreiviertelstun-de daran gearbeitet hat, so gilt sie nur als eine halbe Stunde, wenn dieses Werkstück im gesellschaftlichen Durchschnitt von einem durchschnittlichen Arbeiter in einer halben Stunde hergestellt werden kann. Und ist über Nacht die durchschnittliche, gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit für dieses Produkt entsprechend ge-sunken, dann gilt die Dreiviertelstunde tatsächlich geleisteter Arbeit womöglich nur als 20 Minuten. – Und das ist keine Phantasie, sondern gesellschaftlich wirklich: Der Arbeiter dürfte recht bald arbeitslos werden.
JE
Wie also die auf das Capital gegründete Production einerseits die universelle Industrie schafft – d. h. Surplus-arbeit, werthschaffende Arbeit – so
anderseits ein System der allgemeinen Exploitation der natürlichen und
menschlichen Eigenschaften, ein System der allgemeinen Nützlichkeit, als
dessen Träger die Wissenschaft selbst so gut erscheint, wie alle physischen
und geistigen Eigenschaften, während nichts als An-sich-Höheres, Für-sich-selbst-Berechtigtes, ausser diesem Zirkel der gesellschaftlichen Production
und Austauschs erscheint.
So schafft das Capital erst die bürgerliche Gesellschaft und die universelle Aneignung der Natur wie des gesell-schaftlichen
Zusammenhangs selbst durch die Glieder der Gesellschaft. Hence the great
civilising influence of capital; seine Production einer Gesellschaftsstufe,
gegen die alle frühren nur als lokale Entwicklungen der Menschheit und als
Naturidolatrie erscheinen. Die Natur wird erst rein Gegenstand für den
Menschen, rein Sache der Nützlichkeit; hört auf als Macht für sich anerkannt
zu werden; und die theoretische Erkenntniß ihrer selbstständigen Gesetze
erscheint selbst nur als List um sie den menschlichen Bedürfnissen, sei es
als Gegen-stand des Consums, sei es als Mittel der Production zu unterwerfen.
Das Capital treibt dieser seiner Tendenz nach ebenso sehr hinaus über
nationale Schranken und Vorurtheile, wie über Naturvergötterung, und
überlieferte, in bestimmten Grenzen selbstgenügsam eingepfählte Befriedi-gung vorhandner Bedürfnisse und Reproduction alter Lebensweise. Es ist
destructiv gegen alles dieß und be-ständig revolutionirend, alle Schranken
niederreissend, die die Entwicklung der Productivkräfte, die Erweite-rung der Bedürfnisse, die Mannigfaltigkeit der Production, und die Exploitation und
den Austausch der Natur- und Geisteskräfte hemmen.
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 322 [MEW 42, S. 323]
Nota. - Jede andere Form der gesellschaftlichen Reproduktion kann sich damit bescheiden, zu stagnieren oder gar in vermindertem Umfang fortzufahren; allein die kapitalistische Produktionsweise muss ihren Umfang mit jedem Produktionszyklus erweitern. Zwar durch Krämpfe und Krisen, aber im Ergebnis muss sie immer fort- schreiten. Sie ist nicht eine unter anderen Gesellschaftsformen, sie ist die Umwälzung in Permanenz.
JE
So weit die Vereinigung ihrer Kräfte ihre Productivkraft vermehrt, ist es keineswegs gesagt, daß sie numerisch das Arbeitsvermögen alle
zusammengenommen besässen – wenn sie nicht zusammen arbeiteten, wenn
also nicht zu der Summe ihrer Arbeitsvermögen das Surplus hinzukäme, das
nur durch und in ihrer vereinigten, combinirten Arbeit existirt. Daher das
gewaltsame Zusammentreiben des Volks in Aegypten, Etrurien, Indien etc
zu Zwangsbauten und öffentlichen Zwangswerken.
Das Capital bewirkt
dieselbe Vereinigung in andrer Weise, durch seine Manier des Austauschs
mit der freien Arbeit.
Daß das Capital es nicht mit der vereinzelten, sondern
mit der combinirten Arbeit zu thun hat, wie es an und für sich schon eine
sociale, combinirte Kraft [ist,] ein Punkt, der vielleicht schon hier in der allgemeinen Entstehungsgeschichte des Capitals zu behandeln. [...] Die
Bevölkerung einerseits mag weit genug entwickelt sein, und die Unterstützung, die sie in Anwendung von Maschinerie etc findet, andrerseits so
weit, daß die blos aus der materiellen, massenhaften Vereinigung – und im
Alterthum ist es immer dieses massenhafte Wirken der zusammengezwungnen Arbeit – hervorgehende Kraft überflüssig ist, und geringere lebendige
Arbeitsmasse nöthig ist verhältnißmässig.
Je mehr die Production noch auf
bloser Handarbeit beruht, Anwendung der Muskelkraft etc, kurz der körper-lichen Anstrengung und Arbeit der Einzelnen, desto mehr besteht die
Erhöhung der Productivkraft in ihrem massenhaften Zusammenarbeiten. Bei
dem halbkünstlerischen Handwerk tritt der Gegensatz der Besonderung und /
Vereinzelung hervor; die Geschicklichkeit der einzelnen, aber uncombinirten Arbeit.
Das Capital in seiner wahren Entwicklung combinirt die Massenarbeit mit dem Geschick, aber so daß die erste ihre physische
Macht verliert und das Geschick nicht im Arbeiter, sondern in der Maschine
existirt und der durch wissenschaftliche Combination mit der Maschine als
Ganzes wirkenden factory. Der gesellschaftliche Geist der Arbeit erhält eine
objektive Existenz ausser den einzelnen Arbeitern.
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 428f. [MEW 42, S. 434f.]
Nota. – Das war die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts. Die gegenwärtige digitale Revolution führt die Arbeitsteilung zu einem paradoxalen Extrem fort. Nicht nur das handwerkliche Geschick, sondern alle Verausgabung physischer Kraft ist in die Maschine verlegt; was kombiniert wird, ist nicht die lebendige Arbeit von Massen, sondern sind Massen von Maschinen – und selbst deren Kombination wird von Maschinen be-sorgt. Übrig bleibt als menschliche Arbeit die Erfindung der Maschinen (die wiederum von Maschinen gebaut werden) und ihre Überwachung.
Es ist die Surplusarbeit einer Handvoll künstlerischer Wissenschaftler, die allein die Verwertung einer noch nie dagewesenen Summe von Kapital zu besorgen hat, deren notwendige Arbeit an der Grenze der Messbarkeit liegt. – Oder, anders gesagt, man wird neue Begriffe brauchen, die hergebrachten passen nicht mehr.
JE
Der wirkliche Mehrwerth ist bestimmt durch das Verhältniß der Surplusarbeit zur nothwendigen Arbeit, oder durch die Portion des Capitals – die
Portion der vergegenständlichten Arbeit, die sich gegen lebendige Arbeit
austauscht, zu der Portion vergegenständlichter Arbeit, wodurch sie ersezt
wird. Der Mehrwerth in der Form des Profits aber wird gemessen an dem
Totalwerth des dem Productionsprocess vorausgesezten Capitals.
Die Rate des Profits hängt also – denselben Mehrwerth, dieselbe Surplusarbeit im
Verhältniß zur nothwendigen Arbeit vorausgesezt – ab von dem Verhältniß
des Theils des Capitals der gegen lebendige Arbeit ausgetauscht wird
zu dem Theil der in der Form von Rohmaterial und Productionsmittel
existirt. Je geringer also die gegen lebendige Arbeit ausgetauschte Por-/tion wird, um so geringer wird die Rate des Profits. In demselben
Verhältniß also, worin in dem Productionsprocess das Capital als Capital
grösseren Raum einnimmt in Proportion zu der un-mittelbaren Arbeit, je
mehr also der relative Surpluswerth wächst – die werthschaffende Kraft
des Capitals – um so mehr fällt die Rate des Profits.
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 620f. [MEW 42, S. 639]
Aus allem Gesagten geht hervor, daß die Circulation als wesentlicher
Process des Capitals erscheint. Der Productionsprozeß kann nicht von
neuem begonnen werden vor der Verwandlung von Waare in Geld. Die
beständige Continuität des Processes, das ungehinderte und flüssige
Uebergehn des Werths aus einer Form in die andre, oder einer Phase des
Processes in die andre, erscheint als Grundbedingung für die auf das Capital
gegründete Production in einem ganz andren Grade als bei allen frühren
Formen der Production.
Andrerseits, während die Nothwendigkeit dieser
Continuität gesezt ist, fallen die Phasen der Zeit und dem Raum nach aus
einander als besondre gegen einander gleichgültige Processe. Es erscheint
so zufällig für die auf das Capital gegründete Production, ob oder ob nicht
ihre wesentliche Bedingung, die Continuität der verschiednen Processe, die
ihren Gesammtprocess constituiren, hergestellt wird. Die Aufhebung dieser
Zufälligkeit durch das Capital selbst ist der Credit. (Er hat noch andre Seiten;
aber diese Seite geht aus der unmittelbaren Natur des Productionsprocesses
hervor und ist daher die Grundlage der Nothwendigkeit des Credits.)
Daher
der Credit in irgend wie entwickelter Form in keiner frühren Weise der
Production erscheint. Geborgt und geliehen ward auch in frühren Zuständen,
und der Wucher ist sogar die älteste der antediluvianischen Formen des
Capitals. Aber Borgen und Leihen constituirt ebenso wenig den Credit, wie
Arbeiten industrielle Arbeit oder freie Lohnarbeit constituirt. Als wesentliches, entwickeltes Productionsverhältniß erscheint der Credit historisch
auch nur in der auf das Capital oder die Lohnarbeit gegründeten Circulation.
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 434 [MEW 42, S. 441]
Nota. - Noch stets war das Geldkapital der anstößigste Teil der bürgerlichen Produktionsweise, und daher haben sich um die Abschaffung der Banken von Proudhon bis Occupy Wallstreet allerlei antikapitalistische Reformphantasien gerankt. Aber wie die Zirkulation für die kapitalistische Produktionsweise wesentlich ist, ist eine Zirkulationszeit unvermeidlich - und sind folglich die Kreditinstitute notwendig. "Schaffen wir die Banken ab, bricht der Kapitalismus zusammen." Eben. Und darum werdet ihr sie nicht abschaffen.
JE
In der Concurrenz erscheint diese innre Tendenz des Capitals als ein Zwang der ihm
von fremdem Capital angethan wird und der es vorantreibt über die richtige
Proportion mit beständigem Marche, marche! Die freie Concurrenz, wie Herr
Wakefield in seinem Commentar zu Smith richtig herauswittert, ist noch nie
entwickelt worden von den Oekonomen, so viel von ihr geschwazt wird und
so sehr sie die Grundlage der ganzen bürgerlichen, auf dem Capital beruhenden Production.
Sie ist nur negativ verstanden worden: d. h. als Negation von Monopolen, Corporation, gesezlichen Regulatio-nen etc. Als
Negation der feudalen Production. Sie muß aber doch auch etwas für sich
sein, da blos 0 leere Negation ist, Abstrahiren von einer Schranke, die z. B.
in der Form von Monopol, natürlichen Monopolen etc sofort wieder aufersteht.
Begrifflich ist die Concurrenz nichts als die innre Natur des Capitals,
seine wesentliche Bestimmung, erscheinend und realisirt als Wechselwirkung der vielen Capitalien auf einander, die innre Tendenz als äusserliche
Nothwendigkeit.) (Capital existirt und kann nur existiren als viele Capitalien
und seine Selbstbestimmung erscheint daher als Wechselwirkung derselben
auf einander.)
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Grundrisse, MEGA II/1.2 S. 325f. [MEW 42, S. 327]
Nota. - Staatskapitalismus kann allenfalls heißen, dass sich der Staat auf dem Markt selber als Kapitalist unter Kapitalisten betätigt - und sich dabei womöglich aller gesetzlichen Zwangsmittel bedient, um sich die Konkur-renten weit vom Halse zu halten. Wenn aber der Staat als einziger Unternehmer auftritt, gibt es weder einen Markt noch Konkurrenz. Unter diesen Voraussetzungen ist Kapital nicht möglich.
JE