Montag, 20. August 2018

Entfremdung


Die Productionsmittel, die der Arbeiter anwendet im wirklichen Arbeitsproceß, sind zwar das Eigenthum des Capitalisten und treten seiner Arbeit, die seine eigne Lebensäusserung ist, so, wie früher entwickelt, als Capital gegenüber. Aber andrerseits ist er es, der sie in seiner Arbeit anwendet. Im wirklichen Arbeitsproceß vernuzt er die Arbeitsmittel als Leiter seiner Arbeit, und den Arbeitsgegenstand als die Materie, worin sich seine Arbeit darstellt. Er verwandelt eben dadurch die Productionsmittel in die zweckgemässe Form des Products. 

Anders stellt sich aber die Sache vom Standpunkt des Verwerthungsprocesses dar. Es ist nicht der Arbeiter der die Productionsmittel, sondern es sind die Productionsmittel die den Arbeiter anwenden. Es ist nicht die leben- dige Arbeit, die sich in der gegenständlichen als ihrem objectiven Organ verwirklicht, sondern es ist die gegen- ständliche Arbeit, die sich durch Einsaugen der lebendigen erhält und vermehrt, und dadurch zum sich verwer- thenden Werth, zum Capital wird, als solches functionirt. Die Productionsmittel erscheinen nur noch als Einsau- ger eines möglichst grossen Quantums lebendiger Arbeit. Die lebendige Arbeit erscheint nur noch als das Mit- tel der Verwerthung vorhandner Werthe und daher ihrer Capitalisirung. 

Und abgesehn von dem früher Entwickelten erscheinen grade deßwegen wieder die Productionsmittel émi- nemment der lebendigen Arbeit gegenüber als Dasein des Capitals, und zwar jetzt als Herrschaft der vergang- nen, todten Arbeit über die lebendige. Grade als werthbildend wird die lebendige Arbeit fortwährend in den Ver- werthungsproceß der vergegenständlichten einverleibt. Als Anstrengung, als Verausgabung von Lebenskraft, ist die Arbeit die persönliche Thätigkeit des Arbeiters. Aber als werthbildend, als im Proceß ihrer Vergegenständlichung begriffen, ist die Arbeit des Arbeiters, sobald er in den Productionsproceß eingetreten, selbst eine Existenzweise des Capitalwerths, ihm einverleibt. Diese Wertherhaltende und Neuwerth schaffende Kraft ist daher die Kraft des Capitals und jener Proceß erscheint als der Proceß seiner Selbstverwerthung, und vielmehr der Verarmung des Arbeiters, der den von ihm geschaffnen Werth zugleich als ihm selbst fremden Werth schafft.
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 63

 

Nota. - Es geht such ohne hegelsche Mystifikation. Die Dinge vollführen hier keinen Formwandel, sondern "vom Standpunkt des Verwerthungsprocesses" stellen sie sich so, und von einem andern Standpunkt stellen sie sich anders dar. Es ist erstens die reflektierende Intelligenz des kritischen Wissenschaftlers, für den sich etwas so oder anders darstellt, und es ist zweitens die Tätigkeit lebendiger Subjekte - Kapitalisten und Arbeiter -, die sich so oder anders darstellt. 

Und es gibt die arglose Anschauung der in diesem Prozess selbst Befangenen, denen die Verdinglichung wie mit der Faust aufs Auge schlägt.
JE



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE 

Sonntag, 19. August 2018

Der gesellschaftlich notwendige Durchschnitt.

Ronald-R.-Eggeling

Was nun zunächst die Erhaltung des alten Werths betrifft, des Werttheils des constanten Theils, so hängt diese davon ab: daß der Werth der in den Proceß eintretenden Productionsmittel nicht grösser ist als nöthig, also die Waaren, woraus sie bestehn, nur die zum Productionszweck gesellschaftlich nothwendige Arbeitszeit vergegenständ- licht enthalten, z. B. die Baulichkeiten, die Maschinerie etc und es ist dieß Sache des Capitalisten beim Einkauf dieser Productionsmittel darauf zu sehn; daß sie die zur Bildung des Productes dem average entsprechende Güte als Gebrauchswerthe haben, sei es als Rohmaterial, sei es als Maschinen etc, also mit der average Güte functioniren und der Arbeit, dem lebendigen Factor, keine ungewöhnlichen Hindernisse entgegensetzen, z. B. Güte des Rohmaterials, wozu auch gehört, daß die angewandte Maschinerie etc nicht mehr als den average déchet an die Waaren abgiebt etc. Alles dieß ist Sache des Capitalisten. 

Aber ferner hängt die Erhaltung des Werths des constanten Capitals davon ab, daß es möglichst nur productiv consumirt, nicht vergeudet wird, weil sonst ein größrer Theil vergegenständlichter Arbeit im Product enthalten wäre als gesellschaftlich nothwendig ist. Zum Theil hängt dieß von den Arbeitern selbst ab, und hier beginnt die Auf- sicht des Capitalisten. (Durch task work, Lohnabzüge weiß er sich dieß zu sichern.) Ferner, daß die Arbeit ordent- lich, zweckgemäß verrichtet wird, die Verwandlung der Productionsmittel in Product sachgemäß vor sich geht, der als Zweck vorschwebende Gebrauchswerth als Resultat wirklich herauskommt in gelungner Form. Hier tritt wieder die Aufsicht und Disciplin des Capitalisten ein. 

Endlich daß der Productionsproceß nicht gestört, nicht unterbrochen wird und wirklich zum Product fortgeht in der durch die Natur des Arbeitsprocesses und seiner gegenständlichen Bedingungen gegebnen Frist. (Zeit- raum) Es hängt dieß theils von der Continuität der Arbeit ab, welche mit der capitalistischen Production eintritt. Theils aber von äussern uncontrollirbaren Zufällen. In sofern tritt mit jedem Productionsproceß ein Risico für die in ihn eingehenden Werthe ein, ein Risico, dem sie 1) aber auch ausserhalb des Productionsprocesses unter- liegen und das 2) jedem Productionsproceß, nicht nur dem des Capitals eigen ist. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 61



Nota. - Agent der gesellschaftlichen Notwendigkeit ist der Kapitalist als Agent seines Kapitals. Sein Kapital muss er verwerten, sonst schluckt ihn die Konkurrenz. Das Interesse der ganzen Gesellschaft ist ihm gleich- gültig, was ihm aber im Nacken sitzt, ist der Durchschnitt. Davon, ob er überm oder unterm Durchschnitt bleibt, hängt ab, ob jener an seinem oder er an dessen Mehrwert mitzehrt: wer wen ruiniert.

Der selbstständige Arbeiter, der über seine Arbeitsmittel verfügt und fertige Waren zum Verkauf anbietet, ach- tet selber auf die Qualität seiner Arbeit, darauf, dass er nicht zu viel Zeit braucht, dass er nicht zu viel Material aufwendet, er ist selber Agent des Durchschnitts. Nicht so der Lohnarbeiter. Dem kann es egal sein, wenn sein Produkt schadhaft ist; er muss es ja nicht verkaufen. Verkaufen muss es der Kapitalist, und der wacht über die Qualität. Er spielt also auch im Arbeits prozess eine eigene, unverzichtbare Rolle. 

Die Fabriksleiter in den realexistierenden Gesellschaften sowjetischen Typs mussten auch nicht 'selber verkau- fen'; sie mussten die Zahlen ein papieernen Plans erfüllen. Die Folgen sind bekannt.
JE 

Samstag, 18. August 2018

"Stoffwechsel".

 
Jedenfalls erscheint formell der in Arbeitslohn ausgelegte Theil des Capitals als ein nicht mehr dem Capitalisten, sondern dem Arbeiter gehöriger Theil, sobald er seine reale Gestalt, die der in den Consum des Arbeiters einge- henden Lebensmittel angenommen hat. 

Die Gestalt des Gebrauchswerths, die er also als Waare vor seinem Eingehn in den Productionsproceß hat – als Le- bensmittel – ist also durchaus verschieden von der Gestalt, die er annimmt innerhalb dieses Processes und welche die der sich werkthätig äussernden Arbeitskraft, daher der lebendigen Arbeit selbst ist. Dieß unterscheidet also die- sen Theil des Capitals spezifisch von dem in der Gestalt der Productionsmittel vorhandnen und dieß ist wieder ein Grund, warum auf Grundlage der capitalistischen Productionsweise, die Productionsmittel im eminenten Sinn und im Unterschied von und Gegensatz zu den Lebensmitteln als an und für sich Capital erscheinen. 

Dieser Schein löst sich – von später zu Entwickelndem abgesehn – einfach dadurch auf, daß die Form des Ge- brauchswerths, worin das Capital am Schluß des Productionsprocesses existirt, die des Products ist und dieses Pro- duct sowohl in der Form von Productionsmitteln als Lebensmitteln existirt, beide also gleichmässig als Capital vorhan- den und daher auch im Gegensatz zum lebendigen Arbeitsvermögen vorhanden sind. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 60



Nota. - Das lässt sich trivial ausdrücken: Der Teil des Kapitals, den der Kapitalist als Äquivalent für die Arbeits- kraft zahlt, wird sogleich in Lebensmittel umgetauscht und verzehrt - und verbrannt und umgesetzt in Energie, die in dem Produkt feste Form annimmt. Das Mysterium des Mehrwerts und der so genannten Ausbeutung ist das chemophysikalische Phänomen des Stoffwechsels und der Umwandlung der Energie.

Nämlich als erläuternde Fußnote. Denn es erklärt nur die Entstehung eines Mehrprodukts. Darum geht es hier aber nicht. Es gilt zu verstehen, wie und weshalb aus dem Mehrprodukt mehr Wert wird, und das ist kein Meta- bolismus, sondern eine Veränderung der Betrachtungsweise. Dass Marx auch hier wieder mit Begriff, Form und Gestalt operiert, ist missverständlich; aber irgendwie musste er den Wechsel des Gesichtspunkts ja beschreiben. Der kritische Leser wird sich die Hegel'schen Konnotationen einfach wegdenken.
JE  


Freitag, 17. August 2018

Was am Kapital ist variabel?

 
Die Productionsmittel gehn als bestimmte Waaren, z. B. als Baumwolle, Kohle, Spindeln u. s. w. aus der Circu- lation in den Arbeitsproceß ein. Sie gehn in der Gestalt des Gebrauchswerths ein, die sie hatten, so lange sie noch als Waaren circulirten. In den Proceß eingetreten, functioniren sie dann mit den ihren Gebrauchswerthen ent- sprechenden, ihnen als Dingen dinglich zukommenden Eigenschaften der Baumwolle als Baumwolle etc. Es verhält sich aber anders mit dem Theil des Capitals, den wir variables nennen, der aber erst durch seinen Aus- tausch gegen Arbeitsvermögen in den variablen Theil des Capitals wirklich verwandelt wird. 

Seiner realen Gestalt nach betrachtet, stellt das Geld – dieser Capitaltheil – den der Capitalist im Ankauf von Arbeitsvermögen verausgabt, nichts dar als die auf dem Markt befindlichen (oder auf ihn within certain terms geworfenen) Lebensmittel, die in die individuelle Consumtion des Arbeiters eingehn. Das Geld ist nur die ver- wandelte Form dieser Lebensmittel, die der Arbeiter, sobald er es empfangen hat, rückverwandelt in Lebens- mittel. Diese Verwandlung sowohl, wie dann die Consumtion dieser Waaren als Gebrauchswerthe, ist ein Pro- ceß der unmittelbar nichts zu thun hat mit dem unmittelbaren Productionsproceß, näher Arbeitsproceß, viel- mehr ausserhalb denselben fällt. 

Der eine Theil des Capitals und dadurch das Gesammtcapital, wird ja eben dadurch in eine variable Grösse ver- wandelt, daß statt des Gelds, einer constanten Werthgrösse, oder der Lebensmittel, worin es sich darstellen kann, ebenfalls constanten Werthgrössen, umgekehrt ein Element eingetauscht wird, das lebendige Arbeitsvermögen, das Werthschaffend ist und das als Werthschöpfendes Element grösser oder kleiner sein kann, sich als variable Grös- se darstellen kann, überhaupt in allen Umständen nur als eine fliessende, werdende – und daher within diffe- rent limits enthaltne – werdende Grösse statt einer gewordnen als Factor in den Productionsproceß eintritt. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 59



Nota. - Am Kapital selbst ist zunächst gar nichts variabel. Variabel ist der Wert des Arbeitsvermögens - geringer, wenn es als Ware gekauft, und größer, wenn es vom Kapital als lebendige Arbeit konsumiert und in Produkt ver- wandelt wird: Variabel ist auch der Wert des Arbeitsvermögens nicht an sich, sondern nur durch seine Einver- leibung ins Kapital.

Das lässt sich nicht in einen Begriff fassen, denn es ist singulär: Es gibt kein Zweites, das man ebenso beschrei- ben könnte. Will man es mitteilen, lässt es sich nur anschaulich erzählen. Darum haben die Theoretiker aller ver- feindeten Seiten stets wie vor einem Mysterium gestanden.
JE

Donnerstag, 16. August 2018

Verdinglichung par excellence.

Tell Halaf

Die Waaren, die der Capitalist gekauft hat, um sie als Productionsmittel im Productionsproceß, resp. Arbeits- proceß zu consumiren, sind sein Eigenthum. Sie sind in der That nur sein in Waaren verwandeltes Geld und ebenso sehr Dasein seines Capitals als dieß Geld war; ja in noch intensivrer Weise, sofern sie in der Gestalt vorhanden sind, worin sie wirklich als Capital functioniren, d. h. als Mittel von Werthschöpfung, zur Verwer-thung des Werths, d. h. zu seiner Vermehrung. Diese Productionsmittel sind also Capital

Andrerseits hat der Capitalist mit dem andren Theil der vorgeschoßnen Geldsumme Arbeitsvermögen, Arbei- ter oder [...], daß dieß erscheint, lebendige Arbeit gekauft. Diese gehört ihm daher ebensowohl, wie die objektiven Bedingungen des Arbeitsprocesses. Aber dennoch macht sich hier folgender spezifischer Unterschied geltend: Die wirkliche Arbeit ist das, was der Arbeiter dem Capitalist wirklich giebt als Equivalent für den in Arbeitslohn verwandelten Theil des Capitals, für den Kaufpreiß der Arbeit. Es ist die Verausgabung seiner Lebenskraft, die Verwirklichung seiner productiven Fähigkeiten, seine Bewegung, nicht die des Capitalisten. 

Als persönliche Function betrachtet, in ihrer Realität, ist die Arbeit die Function des Arbeiters und nicht die des Capitalisten. Vom Standpunkt des Austauschs betrachtet, ist er [sic] das, was der Capitalist von ihm im Arbeits- proceß erhält, nicht das, als was der Capitalist ihm im Arbeitsproceß gegenübertritt.* Dieß bildet also einen Ge- gensatz zu den objektiven Arbeitsbedingungen, die als Capital, und sofern als Dasein des Capitalisten, der sub- jektiven Arbeitsbedingung, der Arbeit selbst oder vielmehr dem Arbeiter, der arbeitet, gegenübertreten innerhalb des Arbeitsprocesses selbst. 

So kömmt es, daß sowohl vom Standpunkt des Capitalisten als von dem des Arbeiters aus das Productionsmittel als Dasein des Capitals, als eminently Capital der Arbeit, also dem andren Element, worin sich das vorgeschoß- ne Capital verwandelt, gegenübertritt und daher auch ausserhalb des Productionsprocesses δυνάμει als spezifi- sche Existenzweise des Capitals erscheine. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 58 



*Nota. - 'Vom Stndpunkt des Austausch betrachtet, ist der Arbeiter dasjenige, was der Kapitalist von ihm im Arbeitsprozess erhält, nämlich ledendige Arbeit. Das, als was der Kapitalist ihm im Arbeitsprozess gegenüber tritt, ist ganz etwas anderes; nämlich sachliches Arbeitsmittel.' - Ja, so dürfte es gemeint sein. Im Arbeitsprozess löst sich der wirkliche, körperliche Arbeiter auf in ein rein Subjektives, die in der Zeit vergehende Arbeit, wäh- rend der Kapitalist in Gestalt der Produktionsmittel zu einem unvergänglichen schlechterdings Objektiven wird.
JE

Mittwoch, 15. August 2018

Verdinglichung.


Da also die reale Gestalt oder die Gestalt der objektiven Gebrauchswerthe, worin das Capital besteht, sein mate- rielles Substrat, nothwendig die Gestalt von Productionsmitteln ist – Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand – die zur Production neuer Pro- ducte dienen; da ferner im Circulationsproceß, in der Form von Waaren, also im Be- sitz des Capitalisten als des Waarenbesitzers, diese Gebrauchswerthe schon vorhanden sind (auf dem Markt), bevor sie ihrem spezifischen Zweck gemäß im Arbeitsproceß functioniren – weil also das Capital, – so weit es sich in objectiven Arbeitsbedingungen darstellt – seinem Gebrauchswerth nach aus Productionsmitteln, Rohmateri- alien, Hilfsmaterialien und Arbeitsmitteln, Werkzeugen, Baulichkeiten, Maschinen u. s. w. besteht, wird daraus der Schluß gezogen, daß alle Productionsmittel δυνάμει, und soweit sie als Productionsmittel functioniren, actu Capital sind, daher das Capital ein nothwendiges Moment des menschlichen Arbeitsprocesses überhaupt, abgesehn von jeder historischen Form desselben, und daher etwas ewiges und durch die Natur der menschlichen Arbeit Bedingtes ist. 

Ebenso, daß weil der Productionsproceß des Capitals überhaupt Arbeitsproceß ist, der Arbeitsproceß als solcher, der Arbeitsproceß in allen gesellschaftlichen Formen nothwendig Arbeitsproceß des Capitals ist. Das Capital wird so als ein Ding betrachtet, das eine gewisse dingliche Rolle, ihm als Ding zukommende Rolle im Productionspro- ceß spielt. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 57 



Nota. - Sachlich, nämlich so, wie es sich der Anschauung darstellt, besteht das Kapital aus Gebrauchswerten, denn es ist produktiv. Produktiv sein ist sein Gebrauch. Und sein Produkt ist - Gebrauchswert.

Doch zugleich ist sein Produkt Tauschwert. Und zwar mehr Tauschwert, als in der Form von Gebrauchswert in den Arbeitsprozeß hineingesteckt wurde. Der Arbeitsprozeß ist zugleich Verwertungs prozeß, weil das Kapital als Tauschwert mehr Tauschwert produziert. Doch nur das ist der kapitalistischen Produktionsweise eigentümlich. Aber es ist nicht anschaubar. Anschaubar ist die reale Form. Die ideale Form ist nur der begrifflichen Analyse zugänglich.

Anschaulich ist die kapitalistische Produktionsweise so wie jede andere. Um den Unterschied wahrzunehmen, muss man sie von vornherein als kapitalistische Produktionsweise betrachten. Man muss die Perspektive wählen. Der Alltagsmensch sieht, was er vor Augen hat. Der Wissenschaftler - d. h. der Kritiker - wählt eine spezifische Reflexions-, d. h. Abstraktionsebene: die Gesamtgesellschaft, in der eine besitzlose Klasse das Mehrprodukt erarbeitet und eine besitzende Klasse das Mehrprodukt sich aneignet. Nun erscheint das Mehrprodukt als Mehrwert und die unbezahlte Mehrarbeit als Ausbeutung.

Die reale Form ist die, die den Individuen vor Augen liegt. Die ideale Form wird sichtbar auf dem höchsten Reflexions/Abstraktionspunkt. Nicht Dinge verändern ihre ideale Form, sondern der Gesichtwinkel des Betrachters ist ein anderer. Während im Arbeitprozess der Arbeiter die materielle Gestalt des Produkts verändert, ändern es für den wissenschaftlich-kritischen Betrachter seine Stellung im Verwertungsprozess, und beim mannigfaltigen Stellenwechsel im Zirkulatiosprozess sollte neben der idealen gar keine reale Formveränderung am Produkt mehr vorkommen - bis es im Verzehr durch den Konsumenten endlich seine Bestimmung findet; als Ge- brauchswert.
JE




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Dienstag, 14. August 2018

Reale Formbestimmung.


Ferner aber scheiden sich im Arbeitsproceße die in ihn eingehenden Ge- brauchswerthe in zwei streng begriff- lich geschiedne Momente und Gegensätze (ganz wie eben gesagt, die gegenständlichen Productionsmittel thun) – auf der einen Seite die gegenständlichen Productionsmittel, die objectiven Productionsbedingungen, auf der andren Seite die werkthätigen Arbeitsvermögen, die sich zweckmässig äussernde Arbeitskraft, die subjektive Producti- onsbedingung. Dieß ist eine weitre Formbestimmtheit des Capitals, so weit es sub specie des Gebrauchswerths inner- halb des unmittelbaren Productionsprocesses erscheint. 

In der einfachen Waare ist bestimmte zweckmässige Arbeit, Spinnen, Weben, u. s. w. im Gespinst, im Geweb verkörpert, vergegenständlicht. Die zweckmässige Form des Products ist die einzige Spur, welche die zweck- mässige Arbeit zurückgelassen hat und diese Spur selbst kann ausgelöscht sein, wenn das Product die Form eines Naturproducts hat, wie Vieh, Weizen u. s. w. In der Waare erscheint der Gebrauchswerth gegenwärtig, als das Vorhandne, das in dem Arbeitsproceß nur als Product erscheint. Die einzelne Waare ist in der That ein fer- tiges Product, hinter dem sein Entstehungsproceß liegt, worin der Prozeß, wodurch sich besondre nützliche Ar- beit in ihm verkörperte, vergegenständlichte, in der That aufgehoben ist. In dem Productionsproceß wird die Waare. Sie wird beständig als Product vom Proceß abgestossen, so daß das Product selbst nur als ein Moment des Processes erscheint. 

Ein Theil des Gebrauchswerths, worin das Capital innerhalb des Productionsprocesses erscheint, ist das lebendige Arbeitsvermögen selbst, aber als Arbeitsvermögen von bestimmter, dem besondren Gebrauchswerth der Produc- tionsmittel entsprechender Specification und als sich bethätigendes Arbeitsvermögen, sich zweckmässig äussernde Ar- beitskraft, die die Productionsmittel zu gegenständlichen Momenten ihrer Bethätigung macht und sie daher aus der ursprünglichen Form ihres Gebrauchswerths in die neue Form des Products verwandelt. Die Gebrauchswer- the selbst machen daher innerhalb der Arbeitsprocesse einen wirklichen Verwandlungs proceß durch, ob dieser nun mechanischer, chemischer, physicalischer Natur sei. 

Während in der Waare der Gebrauchswerth ein gegebnes Ding mit bestimmten Eigenschaften ist, ist er jetzt Verwandlung der als Rohmaterial und Arbeitsmittel functionirenden Dinge, Gebrauchswerthe, vermittelst der sich durch sie und in ihnen bethätigenden lebendigen Arbeit, welche eben das Arbeitsvermögen actu ist, in einen Gebrauchswerth von veränderter Gestalt – das Product. So zerfällt also die Gestalt, die das Capital als Gebrauchswerth im Arbeitsproceß annimmt, erstens in die begriffsmässig dirimirten und auf einander bezognen Productionsmittel; zweitens in die begriffsmässige, aus der Natur des Arbeitsprocesses entquillende Diremtion zwischen den objektiven Arbeitsbedingungen (den Productionsmitteln) und der subjektiven Arbeitsbedin/gung, dem zweckmässig thätigen Arbeitsvermögen, d. h. der Arbeit selbst.  

Drittens aber, das Ganze des Processes betrachtet, erscheint der Gebrauchswerth des Capitals hier als Gebrauchs- werth producirender Proceß, worin die Productionsmittel dieser spezifischen Bestimmtheit nach als Producti- onsmittel des zweckmässig thätigen, ihrer bestimmten Natur entsprechenden, spezifischen Arbeitsvermögen functi- oniren. Oder der gesammte Arbeitsproceß als solcher, in der lebendigen Wechselwirkung seiner objectiven und subjektiven Momente, erscheint als die Gesammtgestalt des Gebrauchswerths, d. h. die reale Gestalt des Capi- tals im Productionsproceß. 

Der Productionsproceß des Capitals ist vor allem, seine reale Seite betrachtet – oder ihn als Proceß betrachtet, der durch nützliche Arbeit mit Gebrauchswerthen neue Gebrauchswerthe bildet – wirklicher Arbeitsproceß. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865,
MEGA II/4.1, S. 55f.   



Nota. -  Wieviel leichter würde das Verständnis, wenn Marx zwischen realer Formbestimmung auf der Gebrauchs- wertseite und idealer Formbestimmung auf der Tauschwertseite unterschieden hätte! Nur "einfachheitshalber", das hätte er ja anmerken können; denn natürlich ging es ihm darum, dass die 'ideale' Form des Tauschwerts im wirklichen Handeln der Menschen Realität hat. Dabei hätte er die Gelegenheit gehabt, zwischen toter, vergange- ner Bestimmtheit und lebendigem, aktualem Bestimmen zu unterscheiden.

Doch ist es besser, dass er sich die dialektische Grundoperation des Perspektivenwechsels in seiner Hegel'schen Verballhornung als Formenwechsel klargemacht hat, als garnicht; immerhin hat er unter der Asche die Glut wie- derentdeckt.
JE