Samstag, 15. Dezember 2018

Formale und reale Subsumtion der Arbeit unters Kapital.

Chaplin
 
Die Vermehrung der Produktivkraft durch die einfache Kooperation und Teilung der Arbeit kostet dem Ka- pitalisten nichts. Sie sind unentgeltliche Naturkräfte der gesellschaftlichen Arbeit in den bestimmten Formen, die sie unter der Herrschaft des Kapitals annimmt. 

Die Anwendung der Maschinerie [hingegen!] bringt nicht nur Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit ins Spiel im Unterschied von der Arbeit des vereinzelten Individuums. Sie verwandelt einfache Naturkräfte in Potenzen der gesellschaftlichen Arbeit, wie Wasser, Wind, Dampf, Elektrizität usw. Dies abgesehn von der Benutzung der mechanischen Gesetze, die in dem eigentlichen, arbeitenden Teil (i. e. direkt das Rohmaterial mechanisch oder chemisch verwandelnden Teil der Maschinerie) wirkt. 

Indes unterscheidet sich diese Form der Vermehrung der Produktivkräfte, hinc der notwendigen Arbeitszeit dadurch: Ein Teil der bloßen Naturkraft, die angewandt wird, ist in dieser ihrer anwendbaren Form Produkt der Arbeit, wie die Verwandlung von Wasser in Dampf. Wo die bewegende Kraft, wie das Wasser z. B. natürlich als Wasserfall und dgl. vorgefunden wird {höchst charakteristisch, nebenbei bemerkt, daß die Franzosen das Wasser im Lauf des 18. Jahrhunderts horizontal wirken ließen, die Deutschen stets es künstlich brachen}, ist das Medi- um, wodurch seine Bewegung auf die eigentliche Maschinerie fortgeleitet wird, z. B. Wasserrad, Produkt der Arbeit. 

Ganz und gar aber gilt dies von der unmittelbar den Rohstoff umformenden Maschinerie selbst. Die Maschine- rie also, im Unterschied von der einfachen Kooperation und der Teilung der Arbeit in der Manufaktur, ist produ- zierte Produktivkraft; sie kostet; sie tritt als Ware (direkt als Maschinerie oder indirekt als Ware, die konsumiert werden muß, um der bewegenden Kraft die erheischte Form zu geben) in die Produktionssphäre, worin sie als Maschinerie wirkt, als ein Teil des konstanten Kapitals. Wie jeder Teil des konstanten Kapitals fügt sie dem Produkt den Wert zu, der in ihr selbst enthalten ist, d. h,, verteuert es um die Arbeitszeit, die zu ihrer eignen Produktion erheischt war. 

Die Maschinerie also, im Unterschied von der einfachen Kooperation und der Teilung der Arbeit in der Manu- faktur, ist produzierte Produktivkraft; sie kostet; sie tritt als Ware (direkt als Maschinerie oder indirekt als Ware, die konsumiert werden muß, um der bewegenden Kraft die erheischte Form zu geben) in die Produktionssphä- re, worin sie als Maschinerie wirkt, als ein Teil des konstanten Kapitals. Wie jeder Teil des konstanten Kapitals fügt sie dem Produkt den Wert zu, der in ihr selbst enthalten ist, d. h., verteuert es um die Arbeitszeit, die zu ihrer eignen Produktion erheischt war. ...

In dem Maße, wie die Maschinerie aus ihrer Kindheitsstufe heraustritt, sich von den Dimensionen und dem Charakter des Handwerkszeugs unterscheidet, das sie ursprünglich ersetzt, wird sie massenhafter und teurer, er-/heischt mehr Arbeitszeit zu ihrer Produktion, steigt ihr absoluter Wert, obgleich sie relativ wohlfeiler wird, d. h., obgleich die wirksamre Maschinerie in dem Verhältnis ihrer Wirksamkeit weniger kostet als die minder wirksame, d. h., das Quantum Arbeitszeit, das ihre eigne Produktion kostet, in viel ge- ringrem Verhältnis wächst als das Quantum Arbeitszeit, das sie ersetzt. Jedenfalls aber steigt ihre absolute Teuerkeit progressiv, fügt sie also absolut größern Wert der von ihr produzierten Ware hinzu, namentlich im Vergleich zu dem Hand- werkszeug oder selbst den einfachen und den auf Teilung der Arbeit beruhenden Instrumenten, die sie im Pro- duktionsprozeß ersetzt. 
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Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 318f.



Nota. - Der Ausdruck kommt hier zwar noch nicht vor, aber es geht um den Unterschied, den M. später als den zwischen formeller und reeller Subsumtion der Arbeit unter das Kapital beschreiben wird. Die einfache Koope- ration - = Teilung der Arbeit - innerhalb derselben Werkstatt könnte ein x-beliebiger Meister einführen, wenn sein Produkt nicht zünftig reglementiert wäre. Aber ein kapitalistischer Unternehmer muss sie einführen, wenn die Konkurrenz ihn zum Einsatz von Maschinen zwingt.

Denn ungezwungen würde er Maschinen niemals einführen: Sie kosten erst einmal viel Geld. Die Konkurrenz - der Warenmarkt - muss erst ein Ausmaß erreicht haben, das ihm wie ein Zwang vorkommt, damit er diese Inve- stition riskiert. Mit andern Worten, das Kapital muss schon so weit entwickelt sein, dass ein höherer Grad der Arbeitsteilung (durchschnittlich) gesellschaftlich notwendig geworden ist.

Es ist dies eine von den vielen Stellen, wo das Soffliche - der Gebrauchswert - unmittelbar in die Formbestim- mung eingreift (oder umgekehrt die Formbestimmung in den Gebrauchswert; aber das ist logisch dasselbe).
JE

 

Freitag, 14. Dezember 2018

Notwendig und durchschnittlich.

wolfram

Es ist nur in einzelnen Fällen, daß der Kapitalist durch Einführung der Maschinerie direkte Herabsetzung des Ar- beitslohns bezweckte, obgleich dies stets der Fall, wenn er an die Stelle der geschickten Arbeit einfache und an die Stelle der Arbeit erwachsener Männer die Arbeit von Frauen und Kindern setzt. 

Der Wert der Ware ist durch die in ihr enthaltne gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt. Bei Einführung neuer Maschinerie, solange die Masse der Produktion noch auf Grundlage der alten Produktionsmittel fort- dauert, kann der Kapitalist die Ware unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen, obgleich er sie über ihrem individuellen Wert verkauft, d.h. über der Arbeitszeit, die er unter dem neuen Produktionsprozeß zu ihrer Her- stellung bedarf. Hier scheint also der Mehrwert für ihn aus dem Verkauf — der Übervorteilung der andren Wa- renbesitzer, dem Steigen des Preises der Ware über ihren Wert, herzustammen, nicht aus der Verminderung der notwendigen Arbeitszeit und der Verlängerung der Surplusarbeitszeit. 

Indes ist auch das nur Schein. Durch die ausnahmsweise Produktivkraft, die die Arbeit hier im Unterschied von der Durchschnittsarbeit in demselben Geschäftszweig erhalten, wird sie im Verhältnis zu derselben höhre Ar- beit, so daß z. B. eine Arbeitsstunde derselben gleich  5/4 Arbeitsstunden der Durchschnittsarbeit, einfache Ar- beit auf höherer Potenz. Der Kapitalist zahlt sie aber wie die Durchschnittsarbeit. Eine geringre Zahl Arbeits- stunden wird so gleich einer größeren Zahl Arbeitsstunden der Durchschnittsarbeit. Er bezahlt sie als Durch- schnittsarbeit und verkauft sie als das, was sie ist, höhere Arbeit, von der ein bestimmtes Quantum = einem höheren Quantum der Durchschnittsarbeit. Der Arbeiter braucht hier also nur geringre Zeit zu arbeiten, unter der Voraussetzung, als der Durchschnittsarbeiter, um denselben Wert zu produzieren. 

Er arbeitet also in der Tat geringere Arbeitszeit — als der Durchschnittsarbeiter — um das Äquivalent für seinen Arbeitslohn oder die zur Reproduktion seines Arbeitsvermögens nötigen Lebensmittel zu produzieren. Er gibt also eine größre Zahl Arbeitsstunden als Surplusarbeit dem Kapitalisten, und es ist nur diese relative Surplusarbeit, die dem letztern beim Verkauf den Überschuß des Preises der Ware über ihren Wert liefert. Er realisiert diese Surplusarbeitszeit, oder, was dasselbe, diesen Surpluswert nur im Verkauf, der also nicht aus dem Verkauf, sondern aus der Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und daher der relativen Vermehrung der Surplusarbeitszeit herstammt. 

Selbst wenn der Kapitalist, der die neue Maschinerie einführt, höheren als den Durchschnittsarbeitslohn zahlte, rührte der von ihm realisierte Uberschuß über den normalen Mehrwert, den von den andren Kapitalisten in demselben Geschäftszweig realisierten Mehrwert, nur davon her, daß der Arbeitslohn nicht in demselben Ver- hältnis vermehrt wird, in welchem  / diese Arbeit über die Durchschnittsarbeit steigt, daß also stets eine relative Vermehrung der Surplusarbeitszeit stattfindet. Dieser Fall also auch subsumiert unter das allgemeine Gesetz, daß der Mehrwert = Surplusarbeit. 

Die Maschinerie — sobald sie kapitalistisch angewandt wird, sich nicht mehr in ihren Anfängen befindet, worin sie meist nichts als machtvolleres Handwerksinstrument ist — setzt die einfache Kooperation voraus, und zwar er- scheint diese, wie wir weiter sehn werden, als viel wichtigeres Moment in ihr wie in der auf Teilung der Arbeit beruhenden Manufaktur, wo sie sich nur im Prinzip der multiples geltend macht, i.e. nicht nur darin, daß die verschiednen Operationen unter verschiedne Arbeiter verteilt sind, sondern daß Verhältniszahlen stattfinden, worin bestimmte Anzahl von Arbeitern gruppenweis je den einzelnen Operationen zugeteilt, unter sie subsu- miert ist. Im mechanischen Atelier, der entwickeltsten Form der kapitalistischen Anwendung der Maschinerie, ist es wesentlich, daß viele dasselbe tun. Es ist sogar sein Hauptprinzip. 

Die Anwendung der Maschinerie setzt ferner ursprünglich als Existenzbedingung die auf Teilung der Arbeit beruhnde Manufaktur voraus, indem die Maschinenfabrikation selbst — also die Existenz der Maschine — auf einem Atelier beruht, worin das Prinzip der Teilung der Arbeit vollständig durchgeführt. Erst auf weiterer Entwicklungsstufe findet Maschinenfabrikation selbst auf Grundlage der Maschinerie — durch mechanisches Atelier — statt. 

„In den Anfängen des mechanischen Ateliers bot eine Werkstatt dem Auge die Teilung der einzelnen Arbeiten in mannigfachen Abstufungen dar; die Feile, der Bohrer, die Drechselbank hatten ein jedes je nach dem Grad der Geschicklichkeit seine Arbeiter; aber die Fingerfertigkeit, mit der Arbeiter mit Feilen oder Bohrern umgin- gen, ist heute durch Maschinen zum Hobeln, zum Fräsen von Falzen in Holz und zum Bohren versetzt, wäh- rend die manuelle Arbeit der Eisen- und Kupferdreher von der maschinell betriebenen Drehbank übernommen wurde." (p.30, 31, Ure, 1.1, I.e.) 

Die in der Manufaktur entwickelte Teilung der Arbeit wiederholt sich einerseits im Innern des mechanischen Ateliers, obgleich in sehr vermindertem Maßstab; andrerseits, wie wir später sehn werden, wirft das mechani- sche Atelier die wesentlichsten Prinzipien der auf Teilung der Arbeit beruhenden Manufaktur über den Haufen. Endlich vermehrt die Anwendung der Maschinerie die Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft, die Ver- vielfältigung der besondren Geschäftszweige und unabhängigen Produktionssphären. 

Ihr Grundprinzip ist Ersetzung geschickter Arbeit durch einfache Arbeit; also auch Reduktion der Masse des Arbeitslohns auf den Durchschnittsarbeitslohn oder Reduktion der notwendigen Arbeit der Arbeiter auf das / Durchschnittsminimum und Reduktion der Produktionskosten des Arbeitsvermögens auf die Produktions- kosten des einfachen Arbeitsvermögens. 
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Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 315ff.




Nota. - Als gesellschaftlich notwendige Arbeit gilt der Durchschnitt. Wer über dem Durchschnitt liegt, macht Verlust, weil sein Produkt unverkäuflich geworden ist. Wer unter dem Durchschnitt bleibt, macht einen größeren als den durchschnittlichen Gewinn - und sei es nur, weil er mehr, nämlich billiger verkauft als die andern. Das ist der springende Punkt beim Durchschnitt: Er ändert sich, indem einige darunter bleiben; aber nicht, wenn andere darüber bleiben: Die fallen einfach aus. Das ist 'Gesetz'.
JE


 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Das Wertgesetz gilt nur unter kapitalistischen Voraussetzungen.


Das Produkt nimmt nur allgemein die Form der Ware an - das Verhältnis der Produzenten zueinander als Ver- käufer und Käufer wird nur der sie beherrschende gesellschaftliche Zusammenhang -, wo das Arbeitsvermögen selbst zur Ware für seinen Besitzer, der Arbeiter daher Lohnarbeiter und das Geld Kapital geworden ist. Der gesellschaftliche Zusammenhang zwischen dem Geldbesitzer und dem Arbeiter ist auch nur der von Warenbe- sitzern.

Das Verhältnis modifiziert sich, bringt neue gesellschaftliche Verhältnisse hervor, durch die spezifische Natur der Ware, die der Arbeiter zu verkaufen hat und die eigentümliche Art, worin der Käufer dasselbe konsumiert, ganz wie den besondren Zweck, wozu er es kauft. Die kapitalistische Produktion führt u.a. die Teilung der Ar- beit im Innern des Ateliers mit sich, und es ist dies, wie die andren vom Kapital angewandten Produktionsmit- tel, die die Massenproduktion, daher die Gleichgiltigkeit des Gebrauchswerts des Produkts für den Produzen- ten, die Produktion für den bloßen Verkauf des Produkts als bloßer Ware weiterentwickeln.
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Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 311


Nota. - Nur wenn und wo das Produkt allgemein die Form der Ware angenommen hat und auf den Markt kommt, werden die Produktionskosten auf einen Durchschnitt reduziert - weil dann die Waren, die zu teuer produziert wurden, nicht verkauft werden. Nur wo ein Durchschnitt besteht, kann er um einen Mittelwert pendeln. Welcher kann das sein? Diejenige Ware, die in jedes Produkt eingeht - und das ist die Arbeitskraft. 

(Wenn freilich die lebendige Arbeit proportional schließlich gegenüber dem Wert der vergegenständlichten Ar- beit - fixes Kapital - an Bedeutung verliert, wird dieser Mittelwert schließlich zu einer quantité négligeable.)

Das Wertgesetz kann nur gelten unter der Voraussetzung entwickelter kapitalistischer Produktion; q. e. d..
JE



Dienstag, 11. Dezember 2018

Warum die Begriffsbestimmung des Kapitals beim Wert beginnen muss.


Zusätze zu α
 

Um den Begriff des Kapitals zu entwickeln, ist es nötig nicht von der Arbeit, sondern vom Wert auszugehn, und zwar von dem schon in der Bewegung der Zirkulation entwickelten Tauschwert. Es ist ebenso unmöglich, direkt von der Arbeit zum Kapital überzugehn als von den verschiednen Menschenracen direkt zum Bankier oder von der Natur zur Dampfmaschine. /

Sobald das Geld als Tauschwert gesetzt wird, der sich verselbständigt, nicht nur gegen die Zirkulation (wie bei der Schatzbildung), sondern sich in ihr erhält, ist es nicht mehr Geld, denn dies kommt als solches nicht über die negative Bestimmung hinaus, sondern ist Kapital. Daher ist auch das Geld die erste Form, worin der Tausch- wert zur Bestimmung des Kapitals fortgeht, und historisch die erste Erscheinungsform des Kapitals und wird da- her auch historisch mit dem Kapital selbst verwechselt. Für das Kapital erscheint die Zirkulation nicht nur, wie beim Geld, als Bewegung, worin der Tauschwert verschwindet, sondern worin er sich erhält und selbst der Wechsel der beiden Bestimmungen von Geld und Ware ist. In der einfachen Zirkulation dagegen wird der Tauschwert nicht als solcher realisiert. Er wird immer nur realisiert im Moment seines Verschwindens. 

Wird Ware zu Geld und das Geld wieder zur Ware, so verschwindet die Tauschwertbestimmung der Ware, die nur dazu gedient hat, für die erste Ware entsprechendes Maß der zweiten Ware (die zweite Ware im entspre- chenden Maß) zu erhalten, womit letztre dann als Gebrauchswert der Konsumtion anheimfällt. Die Ware wird indifferent gegen diese Form und ist nur noch direktes Objekt des Bedürfnisses. Wird Ware gegen Geld aus- getauscht, so verharrt die Form des Tauschwerts, das Geld, nur so lange, als es sich außer- halb des Austauschs negativ gegen die Zirkulation verhält. Die Unvergänglichkeit, die das Geld anstrebte, indem es sich negativ ge- gen die Zirkulation verhielt, erreicht das Kapital, indem es sich grade dadurch erhält, daß es sich der Zirkula- tion preisgibt. 
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Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 29f.


Nota. - Band 43 war das letzte Stück, das von der Marx-Engels-Werke-Ausgabe erschienen, schon in der Bun- desrepublik, aber noch herausgegeben vom SED-Institut.

Die MEGA hat mit der Edition des Ms. 61-63 noch nicht begonnen und ich weiß nicht, für wann sie geplant ist. Es ist Marxens erster Versuch, aus der Materialsammlung der sogenannten Grundrisse ein lesbares Buch zu machen; aber auch der erste Versuch, die Kritik der Politischen Ökonomie systematisch darzustellen: Das Buch Zur Kritik... von 1859 sollte erst der Einstimmung des fachlichen Publikums dienen, hat aber die Wirkung, die Marx unter den Gelehrten erwartet hatte, nicht erzielen. Marx hat sich 1861 also an die Ausarbeitung eines völlig neuen Werks gemacht.


Noch das Manuskript von 1863-1865 trägt viel mehr den Charakter eines 'Rohentwurfs', als die ebenfalls so un- tertitelten Grundrisse. Mit dem Band MEW 43 beginne ich eben erst. Er hat fast 500 Seiten. Ich mache mich auf einiges Durcheinander gefasst. Umso genauer müsste man zusehen können, wie Marx in diesem Teil mit den Begriffen gerungen hat. Ich bin gespannt.
JE



Sonntag, 9. Dezember 2018

Smith über produktive Arbeit III.

 
Es ist indes klar, daß in demselben Maß, wie das Kapital sich die gesamte Produktion unterwirft - also alle Ware für den Handel und nicht für den / unmittelbaren Konsum produziert wird, und in diesem Maße entwickelt sich die Produktivität der Arbeit -, auch mehr und mehr ein stofflicher Unterschied zwischen den produktiven und unproduktiven Arbeitern eintreten wird, indem die erstren, geringe Ausnahmen abgerechnet, ausschließlich Waren produzieren werden, während die letztren, mit geringen Ausnahmen, nur persönliche Dienstleistungen verrichten. Die erste Klasse wird daher den unmittelbaren, materiellen, aus Waren bestehenden Reichtum produ- zieren, alle Waren, soweit sie nicht aus dem Arbeitsvermögen selbst bestehn. Dies ist einer der Gesichtspunkte, die den A. Smith bestimmen, außer der ersten und prinzipiell bestimmenden differentia specifica andre hinzu- zufügen. 

So, durch verschiedne Ideenassoziationen durch, heißt es: 

"Die Arbeit eines Dienstboten" (im Unterschied zu der des manufacturer) fügt keinen Wert hinzu... der Unterhalt eines Dienstboten wird nie zurückerstattet. Ein Mann wird reich durch die Beschäftigung einer Vielzahl von Manufakturarbeitern; er wird arm durch den Unterhalt einer Vielzahl von Dienstboten. Die Arbeit der letzteren hat jedoch ihren Wert und verdient ihren Lohn ebenso wie die der ersteren. Aber die Arbeit des Manufakturar- beiters fixiert und realisiert sich in einem besonderen Gegenstand oder einer verkäuflichen Ware, die wenigstens noch eine Zeitlang fortbesteht, nachdem die Arbeit beendet ist. Es wird gewissermaßen eine bestimmte Menge Arbeit gesammelt und ge- speichert, um später, wenn notwendig, verwendet zu werden. Dieser Gegenstand, oder was dasselbe ist, der Preis dieses Gegenstandes, kann später, wenn notwendig, die gleiche Menge Arbeit in Bewegung setzen, die ursprünglich zu seiner Produktion er- forderlich war. Die Arbeit des Dienstboten dagegen fixiert oder realisiert sich nicht in einem besonderen Gegenstand oder einer verkäuflichen Ware. Seine Dienste vergehen gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung und hinterlassen selten eine Spur oder einen Wert, für den später eine gleiche Menge von Dienstleistungen be- schafft werden könnte... Die Arbeit einiger der angesehensten Stände der Gesellschaft ist, ebenso wie die der Dienstboten, nicht wertbildend und fixiert oder realisiert sich nicht in einem dauerhaften Gegenstand oder einer verkäuflichen Ware." (1. c. p. 93, 94 passim.) 

Zur Bestimmung des unproduktiven Arbeiters haben wir hier folgende Bestimmungen, die zugleich die Glieder des innern Gedankengangs A. Smiths aussprechen: 

"Sie" (die labour des unproductive labourer) "unproduktiv, nicht wertbildend", "fügt keinen Wert hinzu", "der Unterhalt" (of the unproductive labourer) "wird nie zurückerstattet", "sie fixiert oder realisiert sich nicht in einem be- sonderen Gegenstand oder einer verkäuflichen Ware". Vielmehr: "Seine Dienste vergehen gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung und hinterlassen selten eine Spur oder einen Wert, für den / später eine gleiche Menge von Dienst- leistungen beschafft werden könnte." Schließlich: „Sie fixiert oder realisiert sich nicht in einem dauerhaften Gegen- stand oder einer verkäuflichen Ware." 

In dieser Auffassung ist das "productive of value" oder "unproductive of value" in einem andren Sinn genom- men als ursprünglich. Es bezieht sich nicht mehr auf Produktion eines Mehrwerts, welche an und für sich Re- produktion eines Äquivalents für den konsumierten Wert einschließt. Sondern die Arbeit eines Arbeiters heißt hiernach produktiv, soweit er an die Stelle des konsumierten Werts ein Äquivalent setzt, indem er durch seine Arbeit irgendeinem Material ein gleiches Quantum Wert hinzufügt, als in seinem Salair enthalten war. Hier fal- len wir aus der Formbestimmung, aus der Bestimmung der produktiven und unproduktiven Arbeiter durch ihr Verhältnis zur kapitalistischen Produktion heraus. Aus dem 9. Kapitel des 4ten Buchs (worin A .Smith die Leh- re der Physiokraten kritisiert) ersieht man, daß A. Smith zu dieser Aberration kam, teils im Gegensatz zu, teils aus Abhängigkeit von den Physiokraten. 

Wenn ein Arbeiter bloß jährlich ersetzt das Äquivalent seines Salairs, so ist er kein produktiver Arbeiter für den Kapitalisten. Er ersetzt ihm zwar das Salair, den Kaufpreis seiner Arbeit. Es ist aber ganz dieselbe Transaktion, als wenn dieser Kapitalist die Ware, die dieser Arbeiter produziert, gekauft hätte. Er zahlt die in ihrem capital constant und im Salair enthaltne Arbeit. Er besitzt dasselbe Quantum Arbeit in der Form der Ware, das er frü- her in der Form des Geldes besaß. Sein Geld wird dadurch nicht in Kapital verwandelt. In diesem Falle ist es dasselbe, als wenn der Arbeiter selbst der Besitzer seiner Produktionsbedingungen. Von dem Wert seines jähr- lichen Produkts muß er jährlich den Wert der Produktionsbedingungen abziehn, um sie zu ersetzen. Was er jährlich verzehrte oder verzehren könnte, wäre [gleich] dem Wertteil seines Produkts, gleich der jährlich seinem capital constant zugefügten neuen Arbeit. In diesem Falle fände also keine kapitalistische Produktion statt. 

Der erste Grund, warum A. Smith diese Art Arbeit "produktiv" nennt, ist, weil die Physiokraten sie "sterile" und "non productive" nennen. 

Smith sagt uns nämlich in dem angeführten Kapitel: 

"Erstens erkennen sie an, daß diese Klasse" (nämlich die industriellen Klassen, die keine Agrikultur treiben) "jährlich den Wert ihrer eigenen jährlichen Konsumtion reproduziert und mindestens die Existenz des Fonds oder Kapi- tals forterhält, der ihre Beschäftigung und ihren Lebensunterhalt garantiert... Pächter und Land-/arbeiter reproduzieren allerdings außer dem Kapital, das ihre Arbeit und ihren Lebens- unterhalt ermöglicht, noch jährlich ein Netto- produkt, eine überschüssige Rente für den Grundeigentümer... die Arbeit der Pächter und Landarbeiter ist sicher produktiver als die der Kaufleute, Handwerker und Manufakturarbeiter. Aber das höhere Produkt der einen Klasse macht die andere nicht steril und unproduktiv." (1. c., t. III, p. 530 [Garnier].) 

Hier fällt also A. Smith in die physiokratische Ansicht zurück. Die eigentlich "produktive Arbeit", die einen Mehrwert und darum "un produit net" produziert, ist die Agrikulturarbeit. Er gibt seine eigne Ansicht vom Mehrwert auf und akzeptiert die der Physiokraten. Zugleich macht er gegen sie geltend, daß die Manufaktur- (und bei ihm auch kommerzielle)-arbeit doch auch produktiv sei, wenn auch nicht in diesem eminenten Sinn des Worts. Er fällt also aus der Formbestimmung heraus, aus der Bestimmung dessen, was ein "produktiver Arbeiter" vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion ist; macht geltend gegen die Physiokraten, daß die non agricultural, industrial class ihr eignes Salair reproduziert, also doch einen Wert produziert gleich dem, den sie verzehrt, und dadurch "mindestens die Existenz des Fonds oder Kapitals forterhält, der ihre Beschäftigung garantiert". So entsteht, in der Abhängigkeit von und im Gegensatz zu den Physiokraten, seine zweite Bestim- mung von dem, was "produktive Arbeit" ist. 

"Zweitens", sagt A.Smith, „wäre es in diesem Zusammenhang ganz falsch, die Handwerker, Manufakturarbeiter und Kaufleute unter demselben Gesichtspunkt zu betrachten wie die einfachen Dienstboten. Die Arbeit eines Dienstboten erhält keineswegs den Fonds fort, der seine Beschäftigung und seinen Lebensunterhalt garantiert. Der Dienstbote wird in letzter Instanz auf Kosten seines Herrn beschäftigt und erhalten, und seine Arbeit ist nicht derart, daß sie diese Kosten ersetzen könnte. Seine Arbeit besteht in Diensten, die gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung vergehen und verschwinden und sich nicht in einer Ware fixieren und realisieren, so daß man sie verkaufen und dadurch den Wert ihres Unterhalts und ihres Lohns ersetzen könnte. Dagegen fixiert und realisiert sich die Arbeit der Handwerker, Kaufleute und Manufakturarbeiter naturgemäß in einer verkäuflichen und austauschbaren Sache. Aus diesem Grunde habe ich in dem Kapitel, das von pro- duktiver und unproduktiver Arbeit handelt, Handwerker, Manufakturarbeiter und Kaufleute unter die produktiven und die Dienstboten unter die sterilen und unproduktiven Arbeiter gerechnet." (l. c. p. 531.) 

Sobald das Kapital sich der ganzen Produktion bemächtigt hat, wird sich die Revenue, soweit sie sich überhaupt gegen Arbeit austauscht, nicht / Ackerbau treibende, industrielle Klasse direkt gegen Arbeit austauschen, die Waren produziert, sondern gegen bloße Dienstleistungen. Sie tauscht sich zum Teil gegen Waren aus, die als Ge- brauchswerte dienen sollen, zum Teil gegen Services, Dienstleistungen, die als solche als Gebrauchswerte konsu- miert werden. 

Ware - im Unterschied zum Arbeitsvermögen selbst - ist ein dem Menschen stofflich gegenüberstehendes Ding von gewisser Nützlichkeit für ihn, worin ein bestimmtes Quantum Arbeit fixiert, materialisiert ist. 

Wir kommen also zu der schon sub I der Sache nach enthaltnen Bestimmung: Produktiver Arbeiter ist der, des- sen Arbeit Waren produziert, und zwar verzehrt dieser Arbeiter nicht mehr Waren, als er produziert, als seine Ar- beit kostet. Seine Arbeit fixiert sich und realisiert sich "in einer verkäuflichen und austauschbaren Sache", "in einer Ware, so daß man sie verkaufen und dadurch den Wert ihres Unterhalts und ihres Lohns ersetzen könnte" (nämlich der Arbeiter, die diese Waren produzierten). Dadurch, daß er Waren produziert, reproduziert der produktive Arbeiter bestän- dig das variable Kapital, das er in der Form des Salairs beständig verzehrt. Er produziert beständig den Fonds, der ihn zahlt, "der seine Beschäftigung und seinen Lebensunterhalt garantiert". 

Erstens schließt A. Smith natürlich ein in den travail, qui se fixe et [se] realise in a venal and exchangeable com- modity, alle intellektuellen Arbeiten, die direkt in der materiellen Produktion konsumiert werden. Nicht nur der direkte Handarbeiter oder Maschinenarbeiter, sondern overlooker, ingenieur, manager, commis etc., kurz, die Arbeit des ganzen Personals, das in einer bestimmten Sphäre der materiellen Produktion erheischt ist, um eine bestimmte Ware zu produzieren, dessen concours von Arbeiten (Kooperation) notwendig zur Herstellung der Waren ist. In der Tat fügen sie dem capital constant ihre Gesamtarbeit hinzu und erhöhen den Wert des Pro- dukts um diesen Betrag. (Wieweit dies von Bankiers etc. gilt?)

Zweitens sagt A.Smith, daß dies im ganzen, "generally", nicht mit der Arbeit der unproduktiven Arbeiter der Fall ist. Wenn auch das Kapital sich der materiellen Produktion bemächtigt hat, also im großen und ganzen die häus- liche Industrie verschwunden ist oder die des kleinen Handwerkers, der unmittelbar im Hause des Konsumen- ten ihm die Gebrauchswerte schafft, so weiß A. Smith sehr wohl, daß eine Nähterin, die ich ins Haus kommen lasse, um Hemden zu nähen, oder die Arbeiter, die Möbel reparieren, oder der Dienstbote, der das Haus wäscht, reinigt etc., oder die / Köchin, die dem Fleisch etc. die genießbare Form gibt, ganz ebenso ihre Arbeit in einem Ding fixieren und in der Tat den Wert dieser Dinge erhöhen als die Nähterin, die in der Fabrik näht, der Maschi- nist, der die Maschine repariert, die Arbeiter, die die Maschine reinigen, die Köchin, die in einem Hotel kocht als Lohnarbeiterin eines Kapitalisten. 

Der Möglichkeit nach sind diese Gebrauchswerte auch Waren; die Hemden können ins Pfandhaus geschickt werden, das Haus wieder verkauft, die Möbel versteigert werden usw. Also der Möglichkeit nach haben diese Personen auch Waren produziert und den Gegenständen ihrer Arbeit Wert zugefügt. Dies ist aber eine sehr geringe Kategorie unter den unproduktiven Arbeitern und gilt weder von der Masse der menial servants [noch von] Pfaffen, Regierungsleuten, Soldaten, Musikanten usw. 

Aber wie groß oder klein die Anzahl dieser "unproduktiven Arbeiter" sei, so viel stellt sich jedenfalls heraus und ist admitted durch dies beschränkende "seine Dienste vergehen gewöhnlich im Augenblick ihrer Leistung etc.", daß es weder notwendig die Spezialität der Arbeit noch die Erscheinungsform ihres Produkts ist, die sie "produktiv" oder "unproduktiv" machen. Dieselbe Arbeit kann produktiv sein, wenn ich sie als Kapitalist, als Produzent kaufe, um sie zu verwerten, und unproduktiv, wenn ich sie als Konsument, Ausgeber von Revenue kaufe, um ihren Gebrauchswert zu verzehren, sei es, daß dieser Gebrauchswert mit der Tätigkeit des Arbeits- vermögens selbst verschwindet oder sich in einem Ding materialisiert, fixiert. 
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Theorien über den Mehrwert, MEW 26.1, Berlin (O) 1965, S. 130-135 



Nota. -  Sachlich ist es nichts anderes, als was späteer im MS. von 1863-1865 zusammengefasst wurde. Es bezeugt aber die große Akribie, mit der Marx vorgegeangen ist. Er ist stets bemüht, einen andern Autor wo irgend mög- lich besser zu verstehen, als der sich selbst.

*

Theoretisch ist es bedenklich, die Formbestimmung - den 'Wert' - der Ware an ihre gegenständliche Beschaffen- heit zu knüpfen. Richtig ist: Wert hat sie nur, sofern und solange sie zirkulieren kann: an den Nächsten verkauft. Wo sie am Ende konsumiert, nämlich dem Privatbedürfnis zugeführt wird, wird sie gegen Revenü getauscht, wird mit ihrer Gegenständlichkeit auch ihr Wert verzehrt. Das ist faktisch so und hat mit der Formbestimmung, dem Begriff, gar nichts zu tun, sondern mit ihrem Gebrauchswert. 

Denn - ab hier wird es haarspalterisch - die Technologie konnte noch keine anderen als materielle Dinge zu Trägern von Gebrauchswerten machen. Hundert Jahre später führen Datensätze eine 'virtuelle' Existenz im Internet und werden übers Internet weiterverkauft. Irgendwo muss der Datensatz schon auf einem Träger aus reellem Material eingetragen sein; doch nicht der wird weiterverkauft, sondern lediglich ein Zugangscode, den einer äußerstenfalls im Kopf behalten könnte. Und er wird auch nicht verzehrt, sondern ich kann ihn weiterver- kaufen und trotzdem behalten. Im Rahmen der Wertlehre eine Absurdität...

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Der Autor, der die Erfordernis eines neuen Begriffs erkannt und ein passendes Wort eingeführt hat, ist sich viel- leicht noch nicht klar über dessen logische Reichweite und die gedanklichen Konsequenzen, die er erheischt. Oder er ist ihm selbst so neu, dass er ihn bei der Fülle des Materials gelegentlich aus dem Auge verliert, usw. So mögen sich Ungenauigkeiten in der Theorie einnisten, die sich dann zu richtigen Fehlern auswachsen. Die Kri- tik kann sich nicht begnügen, die Begriffe zu prüfen; sie muss überprüfen, wie sie verwendet werden.

Zugleich wacht sie darüber, dass die Begriffe nicht zu Scheuklappen werden. Wissenschaft besteht nicht darin, Dinge nach Rubriken zu sortieren und ordentlich zu verzeichnen wie ein konfuzianischer Beamter. Begriffe sind dazu da, Einblicke zu eröffnen. Begriffe in historischen und gesellschaftlichen Disziplinen haben ihre Zeit, eine Zeit, in der sie brauchbar sind und tieferes Verständnis ermöglichen. Eines Tages werden sie die mit der Zeit gewandelten Umstände nicht mehr recht erfassen. Und es mögen aus alten Tagen Anachronismen über- stehen und sich in stillen Winkeln Kuriositäten ausbilden. Es ist nicht Sache der Wissenschaft, ihre Begriffe rein zu halten, sondern ihre Instrumente zu pflegen. Manches muss justiert und anderes ganz ausgewechselt werden. 

Und schließlich muss man manchmal auch was links liegen lassen.
JE

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Adam Smith über produktive Arbeit II.


Die zweite, verkehrte Ansicht, die Smith von produktiver Arbeit ent- wickelt, ist so verflochten mit der richti- gen, daß sie sich in demselben Passus Schlag auf Schlag einander folgen. Wir müssen daher zur Illustration der ersten Ansicht die Zitate stückweis auseinanderreißen. 

(b. II, ch. III - vol.II, ed.McCulloch-,p. 93 sq.) „Es gibt eine Art von Arbeit, die den Wert des Gegenstands, auf den sie verwendet wird, erhöht; es gibt eine andere, die keine solche Wirkung hat. Die erstere kann, da sie einen Wert produziert, als produktive, die letztere als unproduktive Arbeit bezeichnet werden. So fügt die Arbeit eines Manu- fakturarbeiters in der Regel dem Wert des von ihm verarbeiteten Materials noch den Wert seines eigenen Unterhalts und den Profit seines Herrn hinzu. Dagegen fügt die Arbeit eines Dienstboten keinen Wert hinzu. Obwohl der Ma- nufakturarbeiter seinen Lohn von seinem Herrn vorgeschossen erhält, kostet er ihm in Wirklichkeit nichts, da der Wert dieses Lohns gewöhnlich zusammen mit einem Profit durch den erhöhten Wert des Gegenstands, auf den er seine Arbeit verwendet hat, zurückerstattet wird. Aber der Unterhalt eines Dienstboten wird nie zurückerstattet. Ein Mann wird reich durch die Beschäftigung einer Vielzahl von Manufakturisten; er wird arm durch den Unterhalt einer Vielzahl von Dienstboten." /

In dieser Stelle - und in ihrem Fortgang, der später zu zitieren, laufen die widersprechenden Bestimmungen noch mehr zusammen - ist hauptsächlich, eminement unter productive labour die verstanden, die einen Mehr- wert - „its master's profit"- produziert, außer der Reproduktion of the value „of his" (the labourer's) „own maintenance". Auch könnte der manufacturer nicht grow rieh „by employing a multitude of manufacturers" (working men), wenn diese außer der value, die ihre eigne maintenance kostet, nicht auch eine surplus value hinzufügten. 

Zweitens aber versteht A.Smith hier unter productive labour eine solche, die überhaupt „produces a value". Diese letztre Erklärung einst- weilen außer acht lassend, wollen wir zunächst andre Stellen zitieren, worin die erste Ansicht teils wiederholt, teils schärfer formuliert, namentlich aber auch weiterentwickelt wird. 

„Wenn die Menge an Lebensmitteln und Kleidung, die ... von den unproduktiven konsumiert wurden, unter die produktiven Arbeiter verteilt worden wäre, hätten sie den vollen Wert ihres Konsums zusammen mit einem Profit reproduziert." (1. c. p. 109; III, ch.III.) 

Hier ganz ausdrücklich productive labourer der, der dem Kapitalisten nicht nur die full value der im Salair ent- haltnen Lebensmittel reproduziert, sondern sie ihm reproduziert „with a profit". 

Nur die Arbeit, die Kapital produziert, ist produktive Arbeit. Kapital aber wird Ware oder Geld dadurch, daß sie direkt gegen Arbeitsvermögen ausgetauscht wird und nur ausgetauscht wird, um durch mehr Arbeit, als in ihr selbst enthalten ist, ersetzt zu werden. Denn der Gebrauchswert des Arbeitsvermögens besteht für den Ka- pitalisten als solchen nicht in seinem wirklichen Gebrauchswert, in der Nützlichkeit dieser besondren konkreten Arbeit, daß sie Spinnarbeit, Webarbeit usw., sowenig wie ihm an dem Ge- brauchswert des Produkts dieser Ar- beit als solchem liegt, indem das Produkt für ihn Ware (und zwar vor ihrer ersten Metamorphose), nicht Kon- sumtionsartikel ist. Was ihn an der Ware interessiert, ist, daß sie mehr Tauschwert besitzt, als er für sie zahlte, und so ist der Gebrauchswert der Arbeit für ihn, daß er ein größres Quantum Arbeitszeit zurückerhält, als er in der Form des Salairs gezahlt hat. Unter diese produktiven Arbeiter gehören natürlich alle, die zur Produktion der Ware d'une manière ou d'une autre / mitarbeiten, vom eigentlichen Handarbeiter bis zum manager, engi- neer (als unterschieden vom Kapitalisten). Und so zählt auch der letzte englische offizielle Report über die fac- tories „ausdrücklich" alle in der Fabrik und den zugehörigen Comptoirs angewandten Personen, mit Ausnahme der Fabrikanten selbst, unter der Kategorie der beschäftigten Lohnarbeiter auf. (Sieh vor Schluß dieser Scheiße die Worte des report.) 

Die produktive Arbeit wird hier bestimmt vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion aus, und A. Smith hat die Sache selbst begrifflich erschöpft, den Nagel auf den Kopf getroffen - es ist dies eines seiner größten wissenschaftlichen Verdienste (es bleibt, wie Malthus richtig bemerkt hat, die Grundlage der ganzen bürger- lichen Ökonomie, diese kritische Unterscheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit), daß er die produktive Arbeit als Arbeit bestimmt, die sich unmittelbar mit dem Kapital austauscht, d.h. durch Austausch; womit die Produktionsbedin- gungen der Arbeit und Wert überhaupt, Geld oder Ware, sich erst in Kapital verwandeln (und die Arbeit in Lohnarbeit im wissenschaftlichen Sinn). 

Damit ist auch absolut festgesetzt, was unproduktive Arbeit ist. Es ist Arbeit, die sich nicht gegen Kapital, son- dern unmittelbar gegen Revenue austauscht, also gegen Salair oder Profit (natürlich auch gegen die verschiednen Rubriken, die als copartners am Profit des Kapitalisten partizipieren, wie Zins und Renten). Wo alle Arbeit teil- weis sich noch selbst bezahlt (wie die Agrikulturarbeit des Fronbauern z.B.), teilweis sich direkt gegen die Reve- nue austauscht (wie die Manufakturarbeit der Städte in Asien), existiert kein Kapital und keine Lohnarbeit im Sinne der bürgerlichen Ökonomie. Diese Bestimmungen sind also nicht genommen aus der stofflichen Bestim- mung der Arbeit (weder der Natur ihres Produkts noch der Bestimmtheit der Arbeit als konkreter Arbeit), son- dern aus der bestimmten gesellschaftlichen Form, den gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen, worin sie sich verwirklicht. Ein Schauspieler z.B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter, wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet (des entrepreneur), dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Salairs von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Kapitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ihm einen bloßen Gebrauchswert schafft, ein unproduktiver Arbeiter ist. Die Arbeit des erstren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zweiten gegen Revenue. Die erstre schafft einen Mehrwert; in der zwei- ten verzehrt sich eine Revenue. /

Produktive und unproduktive Arbeit hier immer vom Standpunkt des Geldbesitzers, des Kapitalisten aus, nicht des Arbeiters, und daher der Blödsinn bei Ganilh etc., die so wenig die Sache verstehn, daß sie fragen, ob Ar- beit oder Dienst oder Funktion der Hure, Lakai etc. Geld einbringt. 

Ein Schriftsteller ist ein produktiver Arbeiter, nicht insofern er Ideen produziert, sondern insofern er den Buchhändler bereichert, der den Verlag seiner Schriften betreibt, oder sofern er der Lohnarbeiter eines Ka- pitalisten ist. 

Der Gebrauchswert der Ware, worin sich die Arbeit eines produktiven Arbeiters verkörpert, mag von der fu- tilsten Art sein. Diese stoffliche Bestimmung hängt mit dieser ihrer Eigenschaft gar nicht zusammen, die viel- mehr nur ein bestimmtes gesellschaftliches Produktionsverhältnis ausdrückt. Es ist eine Bestimmung der Ar- beit, die nicht aus ihrem Inhalt oder ihrem Resultat, sondern aus ihrer bestimmten gesellschaftlichen Form stammt. 

Andrerseits, vorausgesetzt, daß das Kapital sich der ganzen Produktion bemächtigt hat - daß also Ware (zu unterscheiden von bloßem Gebrauchswert) nicht mehr produziert wird von irgendeinem Arbeiter, der die Produktionsbedingungen zur Produktion dieser Ware selbst besitzt -, daß also nur noch der Kapitalist Pro- duzent von Waren ist (die einzige Ware, das Arbeitsvermögen, ausgenommen), so muß sich die Revenue aus- tauschen aut gegen Waren, die das Kapital allein produziert und verkauft, aut gegen Arbeiten, die ebenso wie jene Waren gekauft werden, um konsumiert zu werden, also bloß ihrer stofflichen Bestimmtheit, ihres Ge- brauchswerts halber, der Dienste halber, die sie in ihrer stofflichen Bestimmtheit ihrem Käufer und Konsu- menten leisten. Für den Produzenten dieser Dienste sind diese Dienstleistungen Waren. Sie haben einen be- stimmten Gebrauchswert (eingebildeten oder wirklichen) und einen bestimmten Tauschwert. Für den Käufer aber sind diese Dienste bloße Gebrauchswerte, Gegenstände, worin er seine Revenue konsumiert. Diese unpro- duktiven Arbeiter erhalten ihren Anteil an der Revenue (den Salairen und Profiten) nicht umsonst, ihre copart- nership an den von der produktiven Arbeit produzierten Waren; sie müssen ihren share an denselben kaufen; aber sie haben mit der Produktion derselben nichts zu tun. 

Es ist aber unter allen Umständen klar: Je mehr von der Revenue (Salair und Profit) in den von dem Kapital produzierten Waren verausgabt wird, desto weniger davon kann in den Dienstleistungen der unproduktiven Ar- beiter verausgabt werden, und umgekehrt. /  

Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit und daher ihres Produkts hat an und für sich nichts mit dieser Unter- scheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit zu tun. Z.B. die Köche und waiters in einem öffent- lichen Hotel sind produktive Arbeiter, sofern ihre Arbeit sich in Kapital für den Hotelbesitzer verwandelt. Die- selben Personen sind unproduktive Arbeiter als menial servants, insofern ich in ihrem Dienst nicht Kapital ma- che, sondern Revenue verausgabe. In der Tat sind aber auch dieselben Personen für mich, den Konsumenten, unproduktive Arbeiter in dem Hotel. 

„Der Teil des jährlichen Produkts von Boden und Arbeit irgendeines Landes, der ein Kapital ersetzt, wird unmittelbar nur für den Unterhalt produktiver Arbeiter angewendet. Er zahlt nur die Löhne der produktiven Arbeit. Der Teil, der unmittelbar für die Bildung einer Revenue bestimmt ist, sei es als Profit oder als Rente, kann in gleicher Weise sowohl zum Unterhalt produktiver als auch unproduktiver Arbeiter dienen." (1. c. p. 98.) „Welchen Teil seines Fonds jemand auch als Kapital anlegen mag, er erwartet immer, daß er ihm mit einem Profit wieder ersetzt wer- de. Er verwendet ihn deshalb ausschließlich für den Unterhalt produktiver Arbeiter; und nachdem er ihm in der Funktion als Kapital gedient hat, bildet er für diese letzteren eine Revenue. Sobald er einen Teil davon zum Un- terhalt improduktiver Arbeiter irgendeiner Art verwendet, ist vom gleichen Augenblick an seinem Kapital dieser Teil entzogen und in seinen Fonds übergegangen, der der unmittelbaren Konsumtion vorbehalten ist." (1. c.) 

In demselben Umfang, wie sich das Kapital der ganzen Produktion bemächtigt, also die häusliche und kleine, kurz, auf den Selbstverzehr [gerichtete], nicht Waren produzierende Form der Industrie verschwindet, ist es klar, daß die unproduktiven Arbeiter, die, deren Dienste direkt gegen Revenue ausgetauscht werden, zum größten Teil nur noch persönliche Dienste verrichten werden, und nur der geringste Teil derselben (wie Koch, Nähterin, Flickschneider usw.) sachliche Gebrauchswerte produzieren werden. Daß sie keine Waren produzieren, liegt in der Natur der Sache. Denn die Ware als solche ist nie unmittelbar Gegenstand des Konsums, sondern Träger des Tauschwerts. Ein nur ganz unbedeutender Teil dieser unproduktiven Arbeiter kann daher bei entwickelter kapitalistischer Produktionsweise unmittelbar an der materiellen Produktion beteiligt sein. Nur durch Aus- tausch seiner Dienste gegen die Revenue nimmt er Anteil an derselben. Es hindert dies nicht, wie A. Smith bemerkt, daß der Wert der Dienste dieser unproduktiven Arbeiter in derselben (oder analogen) Weise bestimmt wird und bestimmbar ist wie der der produktiven Arbeiter. Nämlich durch die Produktionskosten, die die Erhaltung oder Produktion derselben kostet. 

Es kommen hier noch andre Umstände hinzu, deren Betrachtung nicht hierher gehört. Das Arbeitsvermögen des produktiven Arbeiters ist eine Ware für ihn selbst. 

So ist das des unproduktiven Arbeiters. Aber der produktive Arbeiter produziert Ware für den Käufer seines Arbeitsvermögens. Der unproduktive Arbeiter produziert ihm einen bloßen Gebrauchswert, keine Ware, einen eingebildeten oder wirklichen Gebrauchswert. Daß der un- produktive Arbeiter keine Ware für seinen Käufer produziert, wohl aber Ware von ihm erhält, ist charakteristisch für ihn. 

„Die Arbeit einiger der angesehensten Stände der Gesellschaft ist, ebenso wie die der Dienstboten, nicht wert- bildend ... So sind zum Beispiel der Souverän mit allen seinen Justizbeamten und Offizieren, die unter ihm die- nen, die ganze Armee und Flotte unproduktive Arbeiter. Sie sind die Diener der Gesellschaft und werden von einem Teil des jährlichen Produkts des Fleißes anderer Leute erhalten ... In die gleiche Klasse gehören ... Geist- liche, Juristen, Ärzte, Literaten und Gelehrte aller Art; Schauspieler, Possenreißer, Musiker, Opernsänger, Bal- lettänzer usw." (1. c. p. 94, 95.) 

An und für sich hat, wie gesagt, diese Unterscheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit nichts zu schaffen weder mit der besondren Spezialität der Arbeit noch mit dem besondren Gebrauchswert, worin sich diese Spezialität verkörpert. In dem einen Fall tauscht sich die Arbeit mit Kapital aas, in dem andren mit Revenue. In dem einen Fall verwandelt sich die Arbeit in Kapital und schafft dem Kapitalisten einen Profit; in dem andren Fall ist sie eine Ausgabe, einer der Artikel, worin die Revenue verzehrt wird. Z.B. der Arbeiter eines Klaviermachers ist ein produktiver Arbeiter. Seine Arbeit ersetzt nicht nur das Salair, das er verzehrt, sondern in dem Produkt, dem Klavier, der Ware, die der Klaviermacher verkauft, ist ein Surpluswert über den Wert des Salairs hinaus enthalten. Setze dagegen, ich kaufe alles Material, das zu einem Klavier nötig ist (oder meinetwe- gen mag es auch der Arbeiter selbst besitzen), und lasse mir, statt das Klavier im Laden zu kaufen, es in mei- nem Hause machen. Der Klaviermacher ist jetzt unproduktiver Arbeiter, weil seine Arbeit sich direkt gegen meine Revenue austauscht. 
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Theorien über den Mehrwert, MEW 26.1, Berlin (O) 1965, S. 125-130  



Nota. - Das ist noch heute anstößig: Dass der Professor der Philosophie (und sein Nachfolger in seinem Hörsaal) ökonomisch auf derselben Stufe stehe wie der Jahrmarktsclown. Das hat Adam Smith erkannt, wo noch keines- wegs der Lohnarbeiter der typische Otto Normalverbraucher war, sondern die Manufakturarbeiter noch eine kleine gesellschaftliche Ausnahme bildeten. 

Inzwischen wird er zusehends wieder zur Ausnahme. Es fragt sich, ob der Begriff es aushält, wenn er in der Wirklichkeit nur noch als exotischer Sonderling vorkommt. Als er aufkam, war er Vorbote und Bahnbrecher. Heute ist er ein Nachhall vergangener Zeiten. Der zeitgenössiche Arbeiter, der die lernenden Maschinen mehr wartet als in Gang setzt, kann selbst kaum glauben, dass allen Wert er allein schafft. Der Begriff ist - wie wir oben sehen, unter Mühen - aus der Sache selbst entstanden. Wie sollte er sie überdauern? Doch kann er auch nicht ab- treten, solange ein Nachfolger nicht in Sicht ist.
JE 





Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE 

Samstag, 1. Dezember 2018

Adam Smith über produktive und unproduktive Arbeit.


Wie wir A. Smith bisher in allem zwieschlächtig gefunden haben, so in der Bestimmung dessen, was er produk- tive Arbeit im Unterschied zu unproduktiver Arbeit nennt. Wir finden durcheinanderlaufend bei ihm zwei Bestim- mungen von dem, was er produktive Arbeit nennt, und wollen zuerst die erste, richtige Bestimmung betrach- ten.
[1. Produktive Arbeit im Sinn der kapitalistischen Produktion ist die Lohnarbeit, die Mehnüert produziert] 

Produktive Arbeit im Sinn der kapitalistischen Produktion ist die Lohnarbeit, die im Austausch gegen den va- riablen Teil des Kapitals (den in Salair ausgelegten Teil des Kapitals) nicht nur diesen Teil des Kapitals repro- duziert (oder den Wert ihres eignen Arbeitsvermögens), sondern außerdem Mehrwert für den Kapitalisten produziert. Nur dadurch wird Ware oder Geld in Kapital verwandelt, als Kapital produziert. Nur die Lohnar- beit ist produktiv, die Kapital produziert. (Dies ist dasselbe, daß sie die in ihr ausgelegte Wertsumme vergrö- ßert reproduziert oder mehr Arbeit zurückgibt, als sie erhält in der Form des Salairs. Also nur das Arbeitsver- mögen, dessen Verwertung größer ist als sein Wert.)

Die mere existence einer Kapitalistenklasse, also des Kapitals, beruht auf der Produktivität der Arbeit, aber nicht auf ihrer absoluten, sondern auf ihrer relativen Produktivität. Z.B.: Wäre ein Arbeitstag nur hinreichend, um den Arbeiter am Leben zu erhalten, d.h. sein Arbeitsvermögen zu reproduzieren, so wäre, absolut gespro- chen, die Arbeit produktiv, weil sie reproduktiv wäre, d.h. die von ihr konsumierten Werte (gleich dem / Wert ihres eignen Arbeitsvermögens) stets ersetzte. 

Allein, sie wäre nicht produktiv im kapitalistischen Sinn, weil sie keinen Mehrwert produzierte. (Sie produzierte in der Tat keinen neuen Wert, sondern ersetzte nur den alten; sie hätte ihn, den Wert, in der einen Form konsu- miert, um ihn in der andren zu reproduzieren. Und in diesem Sinn ist gesagt worden, daß ein Arbeiter produk- tiv ist, dessen Produktion gleich seiner eignen Konsumtion, und daß ein Arbeiter unproduktiv ist, der mehr konsumiert, als er reproduziert.) 

Diese Produktivität beruht auf der relativen Produktivität, daß der Arbeiter nicht nur einen alten Wert ersetzt, sondern einen neuen schafft; daß er mehr Arbeitszeit vergegenständlicht in seinem Produkt, als in dem Produkt vergegenständlicht ist, das ihn als Arbeiter am Leben erhält. Auf dieser Art produktiver Lohnarbeit beruht das Kapital, seine Existenz. {Aber gesetzt, es existiere kein Kapital, sondern der Arbeiter eignete sich selbst seine Surplusarbeit an, den Überschuß der Werte, die er geschaffen, über den Überschuß der Werte, die er konsu- miert. So wäre nur von dieser Arbeit zu sagen, daß sie wahrhaft produktiv ist, d.h. neue Werte schafft.} 

[2. Physiokraten und Merkantilisten über produktive Arbeit] 

Diese Auffassung der produktiven Arbeit folgt von selbst aus A. Smiths Auffassung vom Ursprung des Mehr- werts, also vom Wesen des Kapitals. Soweit er diese Auffassung geltend mächt, folgt er der einen bei den Phy- siokraten und selbst Merkantilisten eingeschlagnen Richtung, sie nur von falscher Vorstellungsweise befreiend, also ihren innren Kern herausarbeitend. 

Die Physiokraten, in ihrer falschen Auffassung, daß nur die Agrikulturarbeit produktiv sei, machten die rich- tige Ansicht geltend, daß nur die Arbeit, vom kapitalistischen Standpunkt aus, produktiv ist, die einen Mehrwert schafft, und zwar nicht für sich selbst, sondern für den Eigentümer der Produktionsbedingungen, die ein pro- duit net nicht für sich selbst, sondern für den Grundeigentümer schafft. 

Denn die surplus value oder Surplusarbeitszeit ist vergegenständlicht in einem surplus produce oder produit net. (Sie fassen dies wieder falsch; weil mehr Weizen z.B. übrigbleibt, als Arbeiter und Pächter aufessen; aber es bleibt auch mehr Tuch übrig als das, was Tuchmacher (Arbeiter und master) zu ihrer eignen Bekleidung bedür- fen.) Die surplus value wird selbst falsch aufgefaßt, weil sie /  falsche Vorstellung von der value haben und sie auf den Gebrauchswert der Arbeit, nicht auf Arbeitszeit, gesellschaftliche, qualitätslose Arbeit reduzieren. 

Nichtsdestoweniger bleibt die richtige Bestimmung, daß die Lohnarbeit nur produktiv ist, die mehr Wert schafft, als sie kostet. A.Smith befreit dies von der falschen Vorstellung, die bei den Physiokraten damit verbunden ist. Gehn wir von den Physiokraten auf die Merkantilisten zurück. Auch hier ist eine Seite, die, wenn auch ihnen bewußtlos, dieselbe Ansicht von der produktiven Arbeit enthält. Ihnen lag die Vorstellung zugrunde, daß die Arbeit nur produktiv in den Produktionszweigen, deren Produkte, nach dem Ausland geschickt, mehr Geld zu- rückbringen, als sie gekostet haben (oder als für sie ausgeführt werden mußte), die also ein Land befähigten, in besondrem Grad an den Produkten der neueröffneten Gold- und Silberminen zu partizipieren. 

Sie sahen, daß in diesen Ländern rasches Wachstum des Reichtums und der Mittelklasse stattfand. Worauf be- ruhte in der Tat dieser Einfluß des Goldes? Der Arbeitslohn stieg nicht im Verhältnis wie die Warenpreise; der Arbeitslohn sank also, und damit vermehrte sich die relative Surpiusarbeit, stieg die Rate des Profits, nicht weil der Arbeiter produktiver geworden, sondern weil der absolute Arbeitslohn (d. h. die Summe der Lebensmittel, die der Arbeiter erhält) herabgedrückt wurde, mit einem Wort, die Lage der Arbeiter sich verschlechterte. Die Arbeit wurde also in diesen Ländern in der Tat produktiver für ihre Anwender. Dies fact hing mit dem influx der edlen Metalle zusammen; und es war dies ein wenn auch nur dunkel geahntes Motiv, weshalb die Merkan- tilisten die in solchen Produktionszweigen angewandte Arbeit für allein produktiv erklärten. 

„Das auffallende Wachstum [der Bevölkerung], das in den 50 oder 60 letzten Jahren fast in ganz Europa stattfand, hat vielleicht seinen Hauptgrund in der angewachsenen Produktivität der amerikanischen Minen. Ein vermehr- ter Überfluß der Edelmetalle" {of course infolge des Sinkens ihres realen Werts} „hebt den Preis der Waren in größrem Verhältnis als den Preis der Arbeit; das drückt die Lage des Arbeiters herab und vermehrt zugleich die Profite seines Anwenders, der so mehr zirkulierendes Kapital zum Mieten von Arbeitern anwendet, und dies be- fördert das Wachstum der Bevölkerung... Malthus bemerkt, daß ,die Entdeckung der Minen von Amerika, wäh- rend sie den Preis des Korns 3 - 4mal, den der Arbeit nur 2mal hob ...' Der Preis der Waren für den Konsum im Inland (z.B. Korn) steigt nicht unmittelbar infolge eines Einströmens von Geld, aber da die Profitrate in der Agrikultur gegen die der Industrie fällt, wird Kapital von der erstem der letztern zugewandt: So wirft jedes Ka- pital einen höheren Profit ab als früher, und ein Ansteigen der Profite ist immer gleich einem Fallen / der Löh- ne." (JohnBarton, „Observations on the circvmstances which influence the condition of the labouring classes of society", London 1817, p. 29 sqq.) 

Also erstens hätte sich nach Barton in der 2ten Hälfte des 18ten Jahrhunderts dasselbe Phänomen wiederholt, das seit dem letzten [Drittel] des 16. Jahrhunderts und im 17. dem Merkantilsystem den Anstoß gab. Zweitens, da nur die exportierten Waren in Gold und Silber nach seinem gesunknen Wert sich messen, während die für home consumption noch fortfahren, in Gold und Silber nach seinem alten Wert gemessen zu werden (bis die Konkurrenz unter den Kapitalisten dies Messen in 2 verschiednen Maßen aufhebt), so erscheint die Arbeit in den ersten Produktionszweigen als unmittelbar produktiv, d.h. Mehrwert schaffend, dadurch, daß sie den Ar- beitslohn unter sein altes Niveau herabdrückt. 
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Theorien über den Mehrwert, MEW 26.1, Berlin (O) 1965, S. 122-125  



Nota. - Die durchgeführte Kritik zeigt nicht nur, wie sich die Begriffe - seit den Physiokraten - krumm und schief, aber aus theoretischen Systemwillen entwickeln; sondern im Keim sich bei den Merkantilisten aus rein zirkumstan- ziellem Vorstellungen ergeben haben. Es ist die Kritik, die aus tendenziös verwendeten Terminis Begriffe über- haupt erst fasst: 'So hätten die Begriffe bestimmt sein müssen, wenn die Politische Ökonomie wirklich ein System hätte werden sollen' - bis hin zu dem Punkt, wo das Faktums des Mehrwerts das "Wertgesetzt" ad absurdum führt. Das ist es, was Marx "Kritik durch Darstellung" [Brief an Ferdinand Lassalle, 11. März 1858. (MEW 29, S. 550)] nennt.
JE