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A. Smith spricht den wahren Geist der capitalistischen Production aus, indem er die Accumulation (Reproduction auf stets erweiterter Stufenleiter)
als das oberste Gesetz proclamirt, aber er thut dieß noch in einer Weise
(ge- wissermaassen wohlmeinenden und altväterlichen Weise), die einem
Entwicklungsgrad der Gesellschaft ent- spricht, worin die capitalistische Productionsweise ihre specifischen Productionsmittel (Maschinerie etc) erst
zu schaffen begann, der Staat ihr noch nicht völlig unterjocht war, und die
zur Betreibung der grossen Industrie nöthigen Capitalien erst in ihrer
Kinderzeit waren; ihr Wachsthum daher als das sine qua non erschien; zu
einer Zeit, wo ausserdem noch der kaufmännische Capitalist ein grosses
Uebergewicht über den industriellen Capi- talist besaß.
Er predigt Sparsamkeit. Er zetert gegen Staatsverschwendung. Er betrachtet die größtmöglichste Vermehrung der productiven Arbeiter als den letzten Zweck aller gesunden Oekonomie. Es läuft damit unter Wohlwollen für den productiven
Arbeiter, das sich bis hinab auf den Ochsen als einen productiven Arbeiter
erstreckt. Er glaubt nämlich, und dieß zum Theil richtig für den damaligen
Stand der Entwicklung, daß im Maaße, wie surpluspro- duce in productives
Capital verwandelt wird, im Verhältniß zur Accumulation also, die Nachfrage nach Arbeit wächst, daher der Arbeitslohn steigt, daher die Lage der
productiven Arbeiter sich verbessert, während der Capitalist entschädigt
wird durch die stets steigende Productivkraft der Arbeit.
Wenn A. Smith der Oekonom der Manufacturperiode in ihrem Ueber-/gang zur grossen Industrie und daher die Accumulation mehr vom mittelbürgerlichen Standpunkt ansieht, ist Ricardo der Oekonom der grossen In- dustrie und schaut sich die Dinge vom großbürgerlichen Standpunkt an.
Production um der Production willen, möglichstes Wachsen der Reproduction und namentlich der Productivkraft der Arbeit, ist der letzte und bestim- mende Zweck.
Aber zu diesem Behufe hält Ricardo es für überflüssig,
Sparsamkeit zu predigen. Da ihm die capitalistische Productionsweise die
natürliche und absolute Form der gesellschaftlichen Production ist, Consumtion aber der natürliche Zweck aller Production ist, schließt diese un-
gebundne Entwicklung der Production nothwendig die der Consumtion in
allen Formen ein, und wie das Capital sich daher vertheilt in Luxus und
andre Production, ist durch die Natur der capitalistischen Production, d. h.
die Ausgleichung der Profitrate unter den verschied- nen Capitalien bestimmt.
Er theilt nicht mehr das Vorurtheil A. Smiths, daß die Nachfrage
nach Arbeit steigt im Verhältniß zur Accumu- lation, und daher wages und
daher im selben Verhältniß sich die Lebenslage der arbeitenden Klasse verbessert. Er weiß umgekehrt, daß wenn mit der Accumulation und der sie
begleitenden Entwicklung der grossen Indu- strie, die Nachfrage nach Arbeit absolut wächst, sie relativ abnimmt und eine beständige surpluspopulation producirt wird. (people are made redundant.) Die productive Arbeiterklasse existirt hier überhaupt nur als Productionsmaschine of surplus
value or surplus produce für die Besitzer der Arbeitsbedingungen, d. h. für
capitalists und landlords privately, und als rent collectively, d. h. für den
disponiblen nationalen Reichthum.
Im Unterschied von A. Smith, der den
Reichthum in der größtmöglichsten Masse productiver Arbeiter befin- det,
sieht Ricardo umgekehrt im möglichst kleinen productiven Theil der Bevölkerung im Verhältniß zum selben Surplusproduce und dem von ihr lebenden andren Theil der Bevölkerung nur das Zeichen der größt- möglichsten Entwicklung der Productivkraft der Arbeit. Er beweist sogar, was die
Luxusverausgabung selbst betrifft, daß die der landlords den Arbeitern
günstiger ist als die der capitalists, weil ihre Consumtion gleich viel Arbeiter in Bewegung setzt, der landlord sie aber mit grössrer Masse von retainers, Bedienten etc verzehrt, wäh- rend der Sobre Capitalist sie mehr in dauerbaren Luxuswaaren auslegt. Der erstre wirkt also durch seine Nach- frage
für unproductive Arbeiter auf den Arbeitsmarkts, steigert die Nachfrage
nach Arbeit mehr durch seine Consumtion als der andre. A. Smith's Angst,
daß ein ungebührlicher Theil der productiven Arbeiter in unpro- ductive
verwandelt werde, existirt nicht mehr für Ricardo, der weiß, daß die great
industry makes constantly people redundant; der also beständig einen
überfüllten Arbeitsmarkt vor sich hat.
Andrerseits aber entwickelt sich mit der Accumulation die Rente, das / Einkommen der landlords und dieß hindert die Reproduction und Entwicklung der Productivkraft der Arbeit. Es ist namentlich (im England Ricardo's) die nationale Beschränkung (durch Korngesetze) der Agricultur,
welche diesen Effekt der Accumu- lation künstlich steigert. Es ist also erstes
Gebot diese nationale Grundlage des Steigens der Rente niederzu- brechen
und freetrade in Korn etc einzuführen. Ricardo bekämpft in dieser Weise
das Grundeigenthum im Namen des Capitals und sucht so das surplusproduce möglichst in die Hand der industriellen Capitalisten zu bringen. Der
Profit ist der Stachel der Production und mit dem Steigen der Rente fällt
die Profitrate. Es muß also durch die Beseitigung ihrer künstlichen Steigerungsmittel der Accumulationstrieb angefeuert und à sa hauteur erhalten werden.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, 375ff.
Nota. - Adam Smith ist als Anwalt der beginnenden kapitalistischen Produktionsweise ein Gegner der Merkanti- listen, denen die Anhäufung von Geld Zweck und Motor des Wirtschaftens war. Ihnen gegenüber hebt er den Fortschritt hervor, den die materielle Produktion für die Menschen bedeutet. Die Arbeiter sind für ihn Teilhaber dieses Fortschritts.
Ricardo ist unsentimental; er kennt schon die industrielle Revolution. Seine Gegner sind die Grundbestitzer und die Getreidezölle, die ihnen dienen, und wo es gegen die geht, bedient er sich auch schonmal der Wohl- fahrt der arbeitenden Klasse als Argunent.
JE
Eine Ausnahme bildet alle
Transportindustrie, d. h. alle Industrie, worin das Capital sich beständig im
Producti- onsproceß befindet. Das eigentliche Product dieser Industrie ist
die Locomotion; d. h. die Ortsveränderung der Waare (oder auch der Person), die transportirt wird. Die Waaren, so lange sie sich in der Hand der
Transportin- dustrie befinden, befinden sich beständig in Circulation. Der
Werth den die Transportindustrie zusetzt den Waa- ren wird daher bezahlt
au fur et à mesure, daß sie Waaren transportirt.
Und aus diesem Geld beständig bezahlt Kohlen, Arbeiter u. s. w., kurz die Consumtionsmittel der
Transportin- dustriezweige (ditto repairs etc.) Ein Theil dieses Werths befindet sich hier allerdings beständig im Circulations- proceß, während sich der
andre im Productionsproceß fortdauert. Aber die Eisenbahn selbst befindet
sich be- ständig im Productionsproceß, als ein Theil des in der Transportindustrie gelegten capital fixe.
Es ist nicht der Fall, wie etwa beim Spinnen,
wo ein Theil Baumwolle als Rohmaterial sich im Productionspro- ceß und
ein andrer als Garn auf dem Markt befindet. In der Gestalt, worin die Eisenbahn sich im Production- sproceß – im Proceß der Locomotionserzeugung befindet, befindet sie sich ditto auf dem Markt, d. h. wird sie verkauft.
Aber was von ihr beständig verkauft wird, ist der productive Dienst, den sie
leistet, wie etwa bei Be- wegungsmaschinerie, die vermiethet wird. Die
Bewegung, die sie produciren hilft, wird verkauft.
Eisenbahn, Lokomotiven
etc befinden sich nicht im Circulationsproceß als Waaren. Ebenso wenig
das Schiff oder der Omnibus. Was verkauft wird, ist ihr Product, die Ortsveränderung des transportirten Artikels. Aber dieß Product wird, im Unterschied von andren Waaren, verkauft, während es sich im Productionsproceß be- findet, nicht nachdem es ihn verlassen hat, wie etwa das Garn
den Spinnproceß.
Ich kaufe nicht den Omnibus, sondern zahle seine Bewegung, den Aufenthalt in seinem Pro- ductionsproceß, der für mich Circulationsproceß ist, Locomotion. Der Omnibus selbst, so weit er functionirt,
verläßt nie den Productionsproceß; aber in seinem Productionsproceß wird
er consummirt von den Waaren und Menschen, die er transportirt. Die
Transportindustrie ist daher sui generis, und unterscheidet sich dadurch
von andren In- dustriezweigen, daß ihr Product, der Gebrauchswerth, den /
sie schafft, nicht von seinem Productionsproceß getrennt werden kann, also
nicht ausserhalb desselben als Waare circuliren kann.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, 363f.
Nota. - Transport ist eine Diensleistung. Der Privatmensch, der im Omnibus fährt, bezahlt die Fahrt nicht aus seinem zirkulierendem Kapital, sondern aus seiner Revenü. Das ist dem Transportkapital aber egal; es verwertet sich und bildet neues Kapital. Darum braucht hier zwischen privater und industrieller Dienstleistung nicht unterschieden zu werden.
JE

Alle Accumulation oder Reproduction auf erweiterter Stufenleiter löst sich
also auf in fortwährende relative Ueber- production, d.h. in Ueberproduction, verglichen mit der Reproduction, die nur das vorhandne Capital (sei
es auch auf verschiednen Stufen seiner Productivität) reproducirt. Und
zwar ist diese Ueberproduction ein fortlau- fendes, continuirliches und immanentes Moment der capitalistischen Productionsweise, wie die Accumulation selbst, die – den Proceß stofflich betrachtet – nur ein andrer Name
dafür ist.
Auf der Basis aller einigermaassen entwickelten Productionsweisen bildet
diese Ueberproduction oder Accumulation ein immanentes Moment der Reproduction, 1) weil Erweiterung des Productionsprocesses durch den natürlichen Anwuchs der Bevölkerung bedingt ist; 2) weil Bildung eines Reservefonds nöthig ist, wegen der Gefahren u.s.w., der Zufälle, denen die
existirenden Productionsmittel ausgesetzt sind, (dem Risico der Production), die daher nicht sich selbst ersetzen können, sondern durch additionelle Production ersetzt werden müssen.* Aber diese Art Ueberproduction
ist auf frühren Productionsweisen eine verschwindende Grösse, verglichen
mit ihrer Grösse auf Basis der capitalistischen Productionsweise,
1) weil in diesen minder entwickelten Produktionsweisen Schatzbildung
als solche theilweise Zweck der Ueber- production ist; d.h. diese Form des
surplusproduce als letzter Zweck gilt;
2) weil in Folge der ihnen entsprechenden oder aus ihnen heraus wach-/senden gesellschaftlichen Organisation ein enormer Theil der Surpluslabor
und des surplusproduce, wie in alt Asien, Africa etc in unproductiven
Staats- und religiösen Leuten verausgabt wird;
3) weil in der capitalistischen Productionsweise der Anwuchs der Bevölkerung und die Bildung einer Surplus- population von Arbeitern ungleich
grösser ist, und damit der Reservefonds für diese Bevölkerung;
4) weil in ihr der nöthige Reservefonds für die Reproduction des Capitals
selbst auf alter Stufenleiter wachsen muß, da durch die Anwendung colossaler Naturkräfte etc und die auf dem Zusammenhang mit dem Weltmarkt
beruhende Production die Gefahren, die das existirende Capital der Vernichtung aussetzen, ungemein zuneh- men; ausserdem ein den frühren Productionsweisen ganz unbekannter Reservefonds nöthig wird durch die be- ständige Umwälzung der Productionsweise, die beständige Erweiterung der Productionsleiter einerseits, bestän- diges Ersetzen noch nicht
aufgenutzter Productionsmittel durch neure und bessre erzwingt und als
Gesetz jedem einzelnen Capitalisten zu- herrscht;
5) weil der Trieb des Capitalismus sich erst auf der Basis dieser Productionsweise völlig entwickelt;
6) endlich, weil die Mittel diesen Trieb zu realisiren sich hier erst vollständig entwickeln, mit der Entwicklung der Productivkräfte der Arbeit,
den Mitteln grosse Waarencapitalien in der Form von Vorräthen auf dem
Markt zu halten, der Ausdehnung der Märkte selbst, der Ineinanderschlingung der Production aller Völker, der bestän- digen Vervielfältigung der Productionszweige, der Entwicklung des fixen Capitals in allen Formen, der
Bildung der Leichtigkeit, um in einer Sphäre erzeugtes überschüssiges Ca-
pital in einer andren functioniren zu lassen (überhaupt Ersparungen zu capitalisiren).
Im Verhältniß also, worin die capitalistische Productionsweise in einem
Lande entwickelt wird, nehmen die Nothwendigkeit der Accumulation, der
Trieb dazu und die Mittel ihn zu realisiren, oder neues Capital zu produ- ciren, zu, oder wird beständige Ueberproduction (im bisher betrachteten Sinn)
auf stets wachsender Stufenleiter ein im- manentes Moment des Reproductionsprocesses.
*)Ueberall muß die Gesellschaft a certain Surplusarbeit verrichten, theils als Fonds für wachsende Bevölkerung, theils als Reservefonds zur Deckung des bestehenden Capitals. In der capitalistischen Production verrichtet der Arbeiter gratis diese Surplusarbeit, während es umgekehrt den Schein hat, als ob der Capitalist – because a part of the surplusvalue, appropriated
by him, is used to that purpose – sich die Mittel zur Bildung dieses Reserve- fonds „ab spare“
[sic] Und deßwegen wähnt auch der würdige Roscher, die Gesellschaft würde von der Hand in den
Mund leben, wenn there were not the savings of the capitalist!
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, 357f.
Nota. - Dem Begriff nach ist Überproduktion=Überproduktion. Doch während in den vorbürgerlichen Gesell- schaftsformen die Überproduktion zwar bloße Vergeudung, aber auch ein zu vernachlässigendes Randphäno- men ist, ist sie für die kapitalistischen Produktionsweise der notwendige Trreibsatz des ganzen Prozesses: Es muss 'mehr' produziert werden, um den status quo zu bewahren - denn der Staus quo ist ein dynamischer. Die Dynamik beruht darauf, dass das Mehr erhalten bleibt und in die Startbedingungen des nächsten Produktionszyklus eingeht.
Überproduktion ist die Norm. Aber es gibt Störungen. Dann bleibt das Mehr liegen und geht nicht in den nächsten Produktionszyklus ein. Das ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Aber die Ausnahmen gesche- hen selbst nach einer Regel; leider lässt sich nicht eruieren, nach welcher.
Nota II. - Als 'Gesetz' wird hier die geschäftliche Erfordernis bezeichnet, die das Gesamtsystem dem einzel- nen Unternehmer individuell "zuherrscht"!
JE
Doré, Gargantua
Es ist bereits gesagt, daß wir den Mehrwerth nur so weit in Erwägung
ziehn, als er nicht accumulirt wird, also blos zur individuellen Consumtion des Capitalisten dient. Diese Verausgabung des Mehrwerths nennen
wir seine Verausgabung als Revenue. Was andrerseits das variable Capital
betrifft, so wird es in der Form von Geld dem Arbeiter vorgeschossen, der
dafür seine Arbeit giebt, mit dem erhaltnen Geld aber seine Lebensmittel
kauft. Da vorausgesetzt ist, daß der Arbeitslohn = dem Werth der Arbeit
oder rather des Arbeitsvermögens, ist damit gleichzeitig vorausgesetzt, daß
der Arbeiter seinen ganzen Lohn zur Reproduction seines Arbeitsvermö- gens, daher im Ankauf von necessaries verausgabt.
Das ganze variable Capital wird daher realiter verausgabt als Revenue oder verwandelt sich für den
Arbeiter in Revenue, während es sich für den Capitalisten in Arbeit verwandelt. Realiter, abgesehn von der durch die Geldform bewirkten Vermittlung, existirt also das variable Capital in der Form von Lebensmitteln, welche die Revenue der Arbeiterklasse bilden. Bei der Betrachtung des
wirklichen Productionsprocesses fällt uns daher sowohl der Theil des Products, der als Mehrwerth vom Capitalisten, wie der Theil desselben, der als
Arbeits- lohn vom Arbeiter verzehrt wird, zusammen unter die gemeinschaft-/liche Categorie der Revenue. Das variable Capital als solches, d. h. so weit es
sich nicht in Arbeitslohn und daher in Revenue für den Arbeiter auflöst,
sondern in Arbeit für den Capitalisten, Arbeit, = der nothwendigen Arbeit + Surplusarbeit, fällt hier also zunächst ausserhalb unsrer Betrachtung.
Da ferner vorausgesetzt wird, daß die capitalistische Productionsweise
nicht nur die herrschende, sondern die allge- meine und ausschließliche
Form der Production ist, müssen sowohl die Waaren, die Revenue bilden,
sei es für den Capitalisten, sei es für den Arbeiter, die Waaren, welche die
constituirenden Elemente des constanten Capi- tals bilden, zunächst als Product des Capitals und daher als Waarencapitalien existiren. Es muß daher
ein Austausch von Waarencapitalien, die in die Revenue eingehn, ebensowohl stattfinden, gegen andre Waarencapitalien, die in Revenue eingehn,
als Austausch von solchen Capitalien gegen Waarencapitalien, die constantes Capital bilden, als Austausch von Waarencapitalien, die constante Capitalien bilden, gegen einander.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, 305f.
Nota. - Mehrwert, der nicht akkumuliert und in Kapital verwandelt wird, ist Revenü - egal, was sonst aus ihm wird. Revenü ist auch das variable Kapital, sobald es als Lohn ausgezahlt wird; genauer: Es wird Revenü, indem...
Revenü ist zunächst das Privateinkommen des Kapitalisten; das Gehalt, das er sich selber auszahlt. Aber sind insbesondere auch die Steuern und Abgaben, die der Staat auf seinen Gewinn erhebt. Er mag selber als Unter- nehmer tätig werden; in Bau, Energie, Kommunikation. Dann wird Revenü ggf. zu Kapital; nämlich wenn es sich gegen Arbeitskraft austauscht, um Mehrwert zu erzeugen.
Der gewöhnliche Staatsbedienstete tauscht seine Arbeitskraft nicht gegen (variables) Kapital aus (um Mehrwert zu schaffen), sondern gegen Revenü - um seinen Staatszweck zu erfüllen und daher seine... Abzüge vom Mehrwert zu rechtfertigen. Lehrer, Sozialarbeiter und sonstige Staatsdiener schaffen keinen Mehrwert und tauschen ihre Arbeitskraft nicht gegen Kapital, sondern gegen Revenü. Arbeiter mögen sie sein, aber sie sind - in ökonomi- schem Sinn - unproduktive Arbeiter, die anderer Leute Mehrprodukt lediglich verzehren.
JE
marionetten-puppen
Betrachtet man aber die physische Masse Geld, die circulirt, damit das
Geldcapital seine Function vollziehe, (cir- culirt oder in Reserve liegt), so ist
sie ein blosses Arbeitsmittel des Circulationsprocesses und vollzieht hier daher dieselbe Function, wie das fixe Capital innerhalb des Productionsprocesses. Von diesem Gesichtspunkt aus kann sie als fixes Capital in Bezug
nicht auf den einzelnen Capitalisten, aber die ganze Capitalistenklasse, be- trachtet werden. Je geringer der Theil der jährlichen Productenmasse, der
sich zu diesem Behuf in Gold und Silber verwandeln muß, je grösser the
mass of commodities remaining for the purpose of real reproduction.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, S. 289
Nota. - Ein Ding "ist" nicht dieses oder jenes, sondern erfüllt mal diese, mal jene Funktion: Es dient. Wem? Diesem oder jenem wirklichen Subjekt. Welche Funktion es erfüllt, welchen Dienst es leistet, hängt davon ab, welche Absicht das Subjekt verwirklicht. Begriffe sind gut, um die jeweiligen Besonderheiten und Umstände hervorzuheben und von andern zu unterscheiden: sich im Wechsel der Situationen zu orientieren. Begriffe führen immer in die Irre, wenn man in ihnen ein dem Augenschein verborgenes Wesen jenseits der Umstände auszu- sprechen glaubt.
JE
Daumier, Aufstieg zur Börse
Der Theil des nationalen Reichthums, der aus fixem Capital besteht –
und in dem Grad worin dieß fixe Capital mehr und mehr als fixes Capital
sich gestaltet hat, d. h. mehr und mehr seine charakteristischen Unterschiede vom circulirenden Capital gestaltet, herausgearbeitet hat – ersetzt
seinen Werth erst nach und nach, reproducirt ihn in Epochen, die sich wei-/ter über das Jahr, als den Maaßstab der Reproductionszeit des circulirenden Capi- tals, hinaus erstrecken.
Während das circulirende Capital – i. e.
seine Verwerthung – mehr auf gegenwärtiger Arbeit beruht, und wir nen- nen
alle Arbeit contemporaneous, die within the year is performed, beruht daher die Verwerthung des fixen Capitals in ungleich höhrem Grad auf zukünftiger Arbeit, sei es nun daß das fixe Capital, wie die eigentliche Ma- schinerie z. B., direkt als Arbeitsmittel im engren Sinn in dem
unmittelbaren Productionsproceß functionirt, sei es, daß es nur, wie Baulichkeiten, Eisenbahn, Kanäle u. s. w., als allgemeine Bedingung von ihm
unabhängiger Pro- ductionsprocesse functionirt.
Als Capital, das seinen Werth
reproduciren (und noch mehr, das wie sich später zeigen wird, seinen Eigenthü- mern Antheil am Surpluswerth, der von andren Capitalien producirt
wird, sichern soll) ist es Anweisung auf zukünf- tige Arbeit (und im zweiten
Fall Surplusarbeit.) Die Werthpapiere, vermehren sich daher mit der Entwicklung des fixen Capitals, Werthpapiere, die nicht nur Eigenthumstitel an
seinem Werth und daher an der zukünftigen Repro- duction dieses Werths,
sondern zugleich Titel auf seine zukünftige Verwerthung, d. h. Titel auf Antheile an dem von der gesammten Capitalistenklasse zu erpressenden Surpluswerth (Zins etc) darstellen. Die Entwicklung des Creditwesens hat
hierin also eine neue materielle Grundlage; zugleich aber die Entwicklung
des Theils des Geldca- pitals, der nicht als eine Accumulation von Eigenthumstiteln auf zukünftige Arbeit und Surplusarbeit darstellt.
Die Accumulation
dieses Theils des Geldcapitals besteht aus Titeln auf anticipirten künftigen
Reichthum, und ist daher selbst kein Element des wirklich existirenden nationalen Reichthums, oder ist es nur so weit, als er Eigen- thumstitel auf den
vorhandnen Werth (nicht Verwerthung) des vorhandnen fixen Capitals darstellt. Die Titel exi- stiren aber stets bevor dieser Werth producirt ist und repräsentiren direkt nichts als den Werth des Capitals, das verausgabt oder
vorgeschossen wird, um jene Werthe zu produciren. Und selbst dann muß
man diesen Werth nicht doppelt rechnen, z. B. nicht den Werth der Eisenbahn und den Werth der Eisenbahnactien, die in den Portofeuilles der shareholders existiren.
Es verhält sich hiermit ganz wie mit den Staatsschulden. Die Staatspapiere sind keine Werthe ausser dem Werth des jährlichen
Products, worin sie Antheil ihren Besitzern sichern. Dieser Schein wird
aber um so mehr hervorge- bracht, da ihre Preißquotationen – ihre movements of evaluation – von Umständen bestimmt werden, die nicht direkt
mit den Werthen zusammenhängen, worauf sie Titel sind. Dieser Form der
Accumulation streben aber sehr influential parties of the capitalist society
to subordinate the real movement of production and accumula- tion.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, S. 287f.
Nota. - Das ist alles theoretisch bedeutsam genug: Am fixen Kapital wird deutlich, dass es nicht die gestrige Ar- beit ist, die wirklich im Produkt steckt, welche seinen Wert ausmacht; sondern die Arbeit, die heute erforderlich wäre. So gewinnt die virtuelle Arbeit von morgen eine Realität heute. So kann es sein, dass ein Stück Papier einen Wert bekommt: nicht einen Teil von wirklichem Wert, sondern eine Option auf möglichen Wert; aber so, als ob sie wirklich Wert wäre. Marx wird es später unterm Titel fiktives Kapital ausarbeiten.
Metatheoretisch ist es womöglich bedeutsamer. Nicht ein Begriff von Fixem Kapital 'schlägt um' in dies oder das, sonder Dieses gilt plötzlich als Jenes. Wo und wem 'gilt' es? Den Nachbarbegriffen auf Platos Olymp? Nein, es gilt den Agenten des Kapitals, nämlich den Akteuren des kapitalistischen Produktionsprozesses, und das sind lebendige Menschen, die Absichten verfolgen. Es sind die gewollten Absichten der Handlungen, die die Begriffe ausmachen. Begriffe gelten, und Geltung ist Zweck.
JE
B. & H. Becher
Andrerseits ist das fixe Capital die reelle Basis, die sich die spezifisch capitalistische Productionsweise schafft und diese Form des Capitals entwickelt sich, und gewinnt an Umfang (nicht nur in der Form der eigentlichen
Maschinerie, sondern in allen möglichen Formen) in demselben Maaß wie
sich die capitalistische Productions- weise entwickelt. Mit derselben wird daher ein stets wachsender Theil des jährlichen Products in fixes Capital verwandelt, und ist ein stets wachsender Theil desselben nöthig, um das während des Jahres aufgezehrte fixe Capital zu ersetzen, to repair und in Stand
zu halten. Es wird daher auch ein stets wachsender Theil der Ge- sammtarbeit in der Production von fixem Capital verwendet (consummirt) und in
der Production der Elemen- te, aus denen fixes Capital gebildet wird.
Mit
der Anwendung des fixen Capitals aber Wachsthum der Productivkraft der
Arbeit und daher der Masse des Products, die mit demselben Quantum Arbeit producirt wird. (Und der Werttheil, den das fixe Capital zusetzt muß
at least =, indeed < sein als die durch es ersetzte Arbeit wäre.)
Das fixe Capital stellt die schon producirten Productivkräfte dar, mit denen als ihrer materieller Basis, Voraus- setzung und Bedingung, der Reproductionsproceß vorgeht. Es ist zugleich die Incarnation der progressiven
Wissenschaft, d. h. discovery of the means, by which the natural things and
natural agencies are pressed into the service of labor. Wie daher wir sahen,
daß A. Smith z. B. das circulirende Capital mystificirt als etwas, was den Arbeiter ernährt und das nöthige approvisionnement für denselben bildet, so
wird das fixe Capital mysti- ficirt, indem der in ihm incarnirte wissenschaftliche Progress als Eigenschaft betrachtet wird, die diesen Pro- ducten der gesellschaftlichen Intelligenz zukömmt,
1) weil sie Capital, und
2) weil sie Capital in der besondren Bestimmtheit des fixen Capitals
sind. (Z. B. Lauderdale.)
Die Entwicklung des fixen Capitals in einigem Umfang, unterstellt
schon eine bestimmte höhre Stufe der Pro- ductivkraft der gesellschaftlichen
Arbeit; denn alle Arbeit, die direkt in Production des fixen Capitals verwendet wird, wird der Production der unmittelbaren means of life entzogen; ebenso wie das Productionsmittel in einer Form reproducirt wird, die /
während des Jahres entzognen Producte und Werthe nicht während des
Jahres wieder ersetzt. Es muß also, gesellschaftlich betrachtet, ein Surplus
von Labor disponible sein; andrerseits muß die in den Producten von circulirendem Capital angewandte labor sufficiently productive und massenhaft
sein, um die Lebensmittel etc für die in der Production des fixen Capitals
Engagirten herzustellen.
Andrerseits erscheint so die Production von fixem Capital (während sie
in ihren Folgen, durch Vermehrung der Productivkraft der Arbeit oder
gänzliches Ersetzen von employment of labor for certain purposes is a progres- sive means of making the working population redundant) ein Mittel to
absorb redundant labor, or employ sur- plus population without employing it
in the production of that wealth that supplies the market of Lebensmittel,
u. a. der necessaries für die Arbeiter; und daher without producing a surplus in this department that would sink pricesa) (ganz wie der auswärtige
Handel und die inländische Luxusproduction Mittel sind to give the surplusprodu- ce a shape in which it does not supply the markets for necessaries.)
Mit der Entwicklung des fixen Capitals wächst 1) die constancy und continuity of labor; 2) die Reproductions- periode des vorgeschossenen Gesammtcapitals; 3) die Nothwendigkeit, unabhängig von den gegebnen
Markt- verhältnissen und ihren temporary fluctuations, auf einer bestimmten und beständig sich erweiternden Stufen- leiter fortzuproduciren. Damit
ein reales Element der Ueberproduction entwickelt sich gleichzeitig mit der
Ent- wicklung des fixen Capitals.
In dem fixen Capital erzeugt sich die capitalistische Productionsweise
erst ihre materiellen Bedingungen. Der Ent- wicklungsgrad desselben ist daher der Index des Entwicklungsgrad[es] der capitalistischen Productionsweise, die – ihre differentia specifica – wie alle historisch Epochenmachenden Stufen, ausdrückt weniger in den Ge- brauchswerthen oder Producten, die sie für den Consum schafft, als in den Productionsmitteln, wie denn
auch der Instinkt und die einfache Beobachtung der Alterthumsforscher
dahin geführt hat, die vorhistorischen Epochen nach dem Material der Productionsmittel (also immerhin nach der bestimmten Qualification der Productions- mittel) in Stein-, Erz- und Eisenepoche abzutheilen, oder sie nach
dem Fortschritt und der Gestaltung der Pro- ductionsmittel zu charakterisiren.
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Ökonomisches Manuskript
1863-1865, MEGA II/4.1, S. 286f.
Nota. - Das fixe Kapital ist die Form, in der das Kapital gewissermaßen 'zu seiner Bestimmung' gekommen ist. Die Voraussetzung des Kapitals war die Trennung von Arbeitsvermögen und Arbeitsmittel. Das fixe Kapital ist Arbeitsmittel par excellence. Mit seinem Wachstum vertieft sich gewissermaßen der Gegensatz von Kapital und Arbeit. Aber sein Wachstum ist das Lebensprinzip der kapitalistischen Produktionsweise selbst: Akkumulation heißt Wachstum des fixen Kapitals. Alle 'Sachzwänge' der kapitalistischen Produktionsweise ergeben sich hier- aus.
Zugleich sinkt mit seinem Wachstum die Rate des Profits, und damit die Möglichkeit künftiger Akkumulation. Es ist das A und O der bürgerlichen Wirtschaftsweise.
JE