Dienstag, 23. August 2016

Warum die Arbeitszeit nicht selber zum Tauschmittel taugt.



Weil der Preiß nicht gleich dem Werth ist, kann das Werthbestimmende Element – die Arbeitszeit – nicht das Element sein, worin die Preisse ausgedrückt werden, weil die Arbeitszeit sich zugleich als das Bestimmende und das Nichtbestimmende, als das Gleiche und Ungleiche ihrer selbst auszudrücken hätte. Weil die Arbeitszeit als Werthmaaß nur ideal existirt, kann sie nicht als Materie der Vergleichung der Preisse dienen. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1 , S. 75 [MEW 42, S. 75]

Nota. - Die Grundidee von P. J. Proudhon war, das Geld aus dem Wirtschaftskreislauf auszuschließen, weil er in ihm die Quelle der Ausbeutung sah. Wenn der Wert der Arbeitsprodukte nichts anderes war als die in ihnen materialisierte Arbeitszeit, dann musste man nur die Arbeiter mit Gutscheinen auf die von ihnen eingebrachte Arbeitszeit bezahlen, die sie im genossenschaftlichen Kaufladen gegen in Arbeitszeit ausgezeichnete Waren tauschen, um den Kapitalgewinn und mit ihm die Ausbeutung abzuschaffen.

Die Arbeitszeit ist nur als 'durchschnittliche, gesellschaftlich Notwendige' Wertmaß; aber als solche wird sie nur gedacht, nicht einmal errechnet. 'Es gibt' sie nur in Gestalt der tatsächlichen und sehr unterschiedlichen besonde-ren Arbeiten der sehr unterschiedlichen Individuen; ebenso wie 'es' den Wert nicht als solchen 'gibt', sondern nur in der Gestalt der wechselnden Preise. -

Marx hat nach zwei misslungenen Anläufen zur Niederschrift 'seiner Ökonomie' nicht weiter nach einem ordentlichen Anfang gesucht. Stattdessen hat er pragmatisch unmittelbar mit der Kritik an seinem unmittel-barsten wissenschaftlichen Widersacher begonnen, der zugleich auch sein unmittelbarster politischer Gegner war - Proudhon mit seinem Projekt der genossenschaftlichen Tauschbanken, dessen unmittelbares - und einziges - Ergebnis war, die französische Arbeiterklasse von der Politik fernzuhalten.

Da aber andererseits das Kapital unmittelbar 'aus Geld besteht', konnte es nicht falsch sein, bei der Darstellung der kapitalistischen Wirtschaftsweise - denn dass er eine Kritik der Politischen Ökonomie vor sich hatte, war Marx zu dem Zeitpunkt noch längst nicht klar - von dieser Stelle aus den Zugang zu seinem Thema zu suchen.
 


Nota II. - Seine Realität findet der Durchschnitt in dem durch die Konkurrenz ausgemittelten Preis; je an die- sem Ort, je an diesem Tag. Wären die tatsächliche Arbeitszeit und die tatsächliche Arbeitsqualität nicht verschieden, gäbe es gar keine Konkurrenz und suchte der eine nicht den andern zu unterbieten; gäbe es keinen Ausgleich der Profiraten und - gäbe es keinen Profit. Dann gäbe es kein Kapital und dann gäbe es keine Industrie. Dann gäbe es kein Proletariat und keinen Mehrwert.

Im pp. Realexistierenden gab es all dies wirklich nicht. Die Preise entsprachen keinem Durchschnitt, sondern der freien Phantasie der Planungsbehörde. Und was in Ostdeutschland nach dem Krieg an wettbewerbsfähiger Industrie übriggeblieben war, war nach vierzig Jahren so ziemlich desakkumuliert.
JE

Montag, 22. August 2016

Gegen den naturalistischen Wertbegriff.



Der Ochse* ist einfach darum kein "Arbeiter", weil er... seine Arbeitskraft nicht austauscht - genausowenig wie der Sklave: der ist auch kein "Arbeiter".

Es ist also nicht die 'immanente' Qualität der - tatsächlichen - Arbeit: formative Energie -, die Arbeit im öko-nomischen Sinn bestimmt, sondern das Faktum eines allbereits bestehenden gesellschaftlichen Zusammenhangs, in dem a) alle 'Produkte' zu Waren werden (=der Austausch universell ist), und darum b) nur jene Dinge als Produkte (nämlich der Arbeit) gelten, sofern sie Waren [geworden] sind: nämlich sofern sie Tauschwert "haben", d. h. sofern sich dieser als ein solcher "bewährt" im aktuellen Tausch.

Also der Zusammenhang des ökonomischen 'Arbeits'-Begriffs mit der "Freiheit" des tätigen Subjekts ist ein realer, aber kein umittelbarer; denn er liegt nicht schon darin, daß der(Lohn-)Arbeiter "frei" ist über seinen "Willen", der Sklav und Ochse aber nicht; sondern darin, daß der Lohnarbeiter in dem allgemeinen gesell-schaftlichen Vermittlungszusammenhang der Zirkulation "Subjekt des Austauschs" ist - und als solches "Subjekt" natürlich freier Arbeiter sein muß. Voraussetzung der "Arbeit"(1) ist der Austausch(2); Voraussetzung des Aus-tauschs aber ist: die freie Disposition über die Arbeitskraft (3); also der Zusammenhang ist vermittelt.

In der Vorstellung eines unmittelbaren Bestimmungsverhältnisses Arbeit(1) - Freiheit(2) ist der Zusammenhang mystifiziert, nämlich Arbeit als Ausdruck der "Freiheit" - d. h. "Vergegenständlichung" des "Wesens"; so z. B. Marx in den Pariser Manuskripten.

Also produktiv ist nur die Arbeit, die Wert setzt, weil sie Ware schafft; weil nämlich umgekehrt nur diejenigen Dinge als Arbeitsprodukte gelten, die Tauschwert haben: und darum eben nur diejenige "Verausgabung von Lebenskraft" als Arbeit gilt, die... Waren erzeugt: dem gesellschaftlichen Bedürfnis seinen Gegenstand schafft.

So vermittelt über das System gesellschaftlicher Geltungen ist der Zusammenhang 'produktive Arbeit'/'freier Willen' ein rationeller; unvermittelt ist er dagegen Mystifikation.

Also kurz und gut und immer wieder: Die Formulierung des "Wertgesetzes" bezeichnet nicht die immanente Qualität (Wesen", Substanz) von menschlicher Tätigkeit, Arbeit usw., sondern bezeichnet ein in der Zeit, historisch gewordenes System gesellschaftlicher Geltung; bezeichnet jenes "Allgemeine", wonach sich die empirischen Individuen im Verlaufe ihres tatsächlichen Vermittlungsprozesses als dessen Resultat, d. h. im Durchschnitt tatsächlich richten; bezeichnet - identifizeirt - durch einen Namen ein reales GEschehen, wie es sich in seinem durchnittlichen Resultat "darstellt"; und behauptet keineswegs einen "wirkenden Grund";

der "Wert" kommt nach dem realen Prozeß, als dessen Resultat, und liegt ihm nicht als seine wirkende Ursache zu Grunde; nur für die abstrahierende Reflexion "erscheint" dieses reale Aposteriori als ein logisches ("ideales") Apriori - so mit allen "Kategorien"...

*) Marx mokiert sich über Ricardo, bei dem gelegentlich der Ochse als "Arbeiter" auftaucht: Theorien... MEW 26.1, S. 235; 26.2, S. 181

aus meinen Notizen, 22. 12. 1987


Nota. - Ich hatte mich längere Zeit mit der Kritik der Politischen Ökonomie beschäftigt; schließlich ging ich dazu über, einzelne Einsichten aufzuschreiben, weniger um sie zu 'behalten', als um sie mir selber klarer zu machen. Manches erscheint mir heute trivial, doch damals war es das nicht. 

Wieso gebe ich es heute zum Besten? Nachdem Marx zwei Jahrzehnte lang eine Unperson geworden war, erfreut er sich heute wieder wachsender Beliebtheit. Allerdings nicht als der revolutionäre Wissenschaftler, der er war, sondern als ein antikapitalistischer Ideologe wie viele andere, und das hat er nicht verdient. Es wäre mir lieb, wenn ich ein bisschen dagegen wirken könnte.

Ein wichtigerer Grund ist aber der: Wer öfter in meine Blogs schaut, soll erkennen können, dass meine These über den Zusammenhang von Kritik der Politischen Ökonomie und Wissenschaftslehre keine an den Haaren herbeigezogene Schnapsidee war, für die ich nachträglich "Stellen" zusammenklaube, sondern Ergebnis eines ernsthaften Studiums mindestens der ersten. Und mit der zweiten bin ich inzwischen auch etwas gründlicher zugange

- Den Ausdruck naturalistischer Wertbegriff habe ich übrigens von Eugen Preobraschenski.
JE

Sonntag, 21. August 2016

Produktion ist nicht ursprünglich Austausch von Arbeiten.


 Asagirt, Äthiopien

Es ist eine delusion als beruhte in allen Productionszuständen die Production und daher die Gesellschaft auf dem Austausch von bloser Arbeit gegen Arbeit. In den verschiednen Formen, worin die Arbeit sich zu ihren Produc-tionsbedingungen als ihrem Eigenthum verhält, ist die Reproduction des Arbeiters keineswegs durch blose Arbeit gesezt, denn sein Eigenthumsverhältniß ist nicht das Resultat, sondern die Voraussetzung seiner Arbeit. 

Im Grundeigenthum ist es klar; im Zunftwesen muß es auch klar werden, daß die besondre Art Eigenthum, die die Arbeit constituirt, nicht auf bloser Arbeit oder Austausch der Arbeit beruht, sondern auf einem objektiven Zusammenhang des Arbeiters mit einem Gemeinwesen und Bedingungen, die er vorfindet, von denen er als seiner Basis ausgeht. Sie sind auch Producte / einer Arbeit, der weltgeschichtlichen; der Arbeit des Gemein-wesens – seiner historischen Entwicklung, die nicht von der Arbeit der Einzelnen noch dem Austausch ihrer Arbeiten ausgeht. 

Es ist daher auch nicht die blose Arbeit Voraussetzung der Verwerthung. Ein Zustand in dem blos Arbeit gegen Arbeit ausgetauscht wird – sei es in der Form unmittelbarer Lebendigkeit, sei es in der Form des Pro-ducts – unterstellt die Loslösung der Arbeit von ihrem ursprünglichen Zusammengewachsensein mit ihren objektiven Bedingungen, weßwegen sie auf der einen Seite als blose Arbeit erscheint, andrerseits ihr Product als vergegenständlichte Arbeit ihr gegenüber ein durchaus selbstständiges Dasein als Werth erhält. Der Austausch von Arbeit gegen Arbeit – scheinbar die Bedingung des Eigenthums des Arbeiters – beruht auf der Eigen-thumslosigkeit des Arbeiters als ihrer Basis.
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Grundrisse, MEGA II/1.2, S. 416f.   [MEW 42, S. 422f.]  



Samstag, 20. August 2016

Die Zukunft der Arbeit als Wissenschaft und Kunst.

 Leonardo

Jener irreduzible Grundbestand an menschlicher Arbeit, auf die noch die vollkommene Entwicklung der Maschinerie =Automation nicht verzichten kann; und die als Arbeit stets nicht "freie", sondern gebundene, bedingte, von ihrem Gegenstand bestimmte, zweck-mäßige, nicht zweckfreie, zweckerfindende Tätigkeit ist..., diese Arbeit ist am Ende die Wissenschaft selbst. Sie ist nicht frei, sondern bestimmt von ihrem Gegenstand: dem gegebenen Zweck hie, der Welt der Dinge, "Natur", da; Wissenschaft als Theorie, "erkennend", dienstbar der "Praxis": der bedürfniserzeugenden Tätigkeit.

"Wissenschaft" ist Produktion; aber nicht Produktion von Gegenständen, "Dingen"; sondern von Begriffen: Bildern, die funktional sind: nämlich zu anderen, vorgegebenen Bildern passen.

Die andere, die "freie" Produktion nicht-funktionaler Bilder ist Kunst - und als solche (Schiller) Spiel. Also die fortschreitende Erübrigung menschlicher Arbeit in der Produktion der Gegenstände durch Entwicklung der Maschinerie 'reduziert' Arbeit auf ihre beiden "eigentlichen" Bestandteile: Kunst/"Spiel" als die Erfindung neuer Bedürfnisse,* und Wissenschaft als Erkenntnis dessen, was ist, um es der "Kunst" dienstbar zu machen.

*) dessen, was "sein soll"!

aus meinen Notizen, 22. 12. 1987


Nachtrag. Das ist eine früher Vorgriff auf die pp. digitale Revolution.




Freitag, 19. August 2016

Arbeit ist Vermittlung; nicht Substanz noch Rechtsgrund.




Der Versuch, der Arbeit einen materialen Gehalt zuzuschreiben über ihre bloß formale Rolle als Vermittlung und ihre rein formale Bestimmung als Zeit hinaus, drückt das Bedürfnis aus, hinter der unendlichen Reihe der relativen Wertausdrücke = Gleichungen von Warenwerten einen 'letzten', d. h. in Wahrheit einen ersten Wert zu finden, den man als aitía der Reihe, recht eigentlich als archê auffassen, als reelle Ursache und zugleich den logi-schen Grund erfassen kann: "Substanz", "Wesen": Der Begriff, die logische Form, in der die Sache dargestellt ist, soll uns etwas verraten darüber, was die Sache ist: nämlich welches ihre causa prima (donc: causa sui). Das Woher  der unendlichen Reihe der Warengleichungen als Antwort auf das Warum.

Und wenn "die dialektische Form der Darstellung" ihre Grenzen nicht kennt, dann will sie die "unendliche Reihe", welche realiter ein Kreislauf ist: Zirkulation, in sich selber begründen - als wäre er schon immer da gewe-sen. Und da wird dann die Arbeit zu einer gleichermaßen materialen und qualitativen, d. h. schon (durch sich selbst) Form habenden Quelle; und da es "die Arbeit" eben auch "schon immer gegeben" hat, muß es wohl auch... den Wert schon immer gegeben haben. La boucle bouclée. So vor allem A. Smith, für den "Wert der Arbeit" dasselbe ist wie Wert ihres Produkts - und der also den Mehrwert nicht erklären kann. ...

Weigerung zu begreifen: daß die "unendliche Reihe" der Warengleichungen eben nur darstellt, in Begriffen vorstellbar macht die tatsächliche Zirkulation der Waren; nicht "erklärt" (d. h. 'auf Ursachen zurückführt'), sondern lediglich für die Vorstellung beschreibt, was "ist" ... 

17. 5. 1987


Dass "die Arbeit die Quelle allen Reihtums" sei, ist die bürgerliche Idee par excellence; denn sie heißt nichts anders als daß der Reichtum eo ipso "Wert" sei; er ist aber Gebrauchswert. 

Dem Entspricht die Vorstellung, daß die Arbeit der Rechtsgrund des Eigentums sei, ("Formation", vgl. Fichtes Polemik gg. Rousseau); der ist aber Okkupation, sonst nichts; hat alles nur seinen Sinn als Polemik gegen die Grund-rente, d. h. das Grundeigentum.  Daß am Beginn der Arbeiterbewegung die "sozialisitsichen Ricardianer" die Polemik umgedreht und gegen das Kapital gewendet haben, ist ebenso normal, wie daß die französische Arbeiterbewegung in ihrem Beginn auf die politischen Ideen der französischen Revolution  zurückgegriffen hat. Aber sich daran festzuhalten ist im einen Fall so reaktionär wie im andern; im andern landet es nämlich nirgends anders als in Lassalles "unverkürztem Arbeitsertrag",* den er - wie sein "ehernes Lohngesetz" - eben von Ricardo hat! 

*) obgleich eng verwandt mit Smith's Vorstellung, daß der "Wert der Arbeit konstant" sei - wogegen Ricardo wiederum polemisiert...

11. 4. 1987


Noch einmal so scharf wie möglich: Die Mystifikation der Arbeit als Substanz des Reichtums ist das Spezifi-kum der bürgerliche Gesellschaft; ihr "dialektischer Schein" kat' exochên. Sie hat den Sinn, das - bürgerliche - Eigentum als aus eigener Arbeit entsprossen erscheinen zu lassen, via "Äquivalenten-Tausch"; nicht aus bloßer "Aneignung"; nämlich das bürgerliche Eigentum im Unterscheid zum feudalen. (Rousseau: formation als Grund des Eigentums...)

So verbotenus in "Formen...", vor allem auf den folgenden Seiten [416f.

auch: Kritik des Gothaer Programms, Anfang! (MEW 19, S. 19f.)

3. 9. 1987


Der entschiedene Begründer des bürgerlichen Dogmas von der Arbeit als Rechtsgrund des Eigentums im Naturrecht, lange vor Jean-Jacques, ist John Locke - der insofern auch mit Sicherheit (?!) eine Hauptquelle für Fichtes Rechtslehre,  insbesondere die von 1812 ist: Some considerations of the conaequences of the lowering of interest, and raising the value of money, 1691; und v. a. Two Treatises on Government, 1690; darüber Marx in den Theorien über den Mehrwert, MEW 26.1, S. 341ff:

Lockes Auffassung umso wichtiger, da sie der klassische Ausdruck der Rechtsvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft im Gegensatz zur feudalen [ist], und seine Philosophie überdies der ganzen spätren englischen Ökonomie zur Grundlage aller ihrer Vorstellungen diente. ebd., S. 343

John Locke, der die neue Bourgeoisie in allen Formen vertrat, die Industriellen gegen die Arbeiterklasse und die Paupers, die Kommerziellen gegen die altmodischen Wucherer, die Finanzaristokraten gegen die Statsschuldner, wird in seinem eignen Werke sogar den bürgerlichen Verstand als menschlichen Normalverstand nachweisen. in Zur Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, S. 61

21. 1. 1988

aus meinen Notizen


Nota. - Zwar geschieht Aneignung technisch durch Formation; doch nicht auf sie kommt es an, sondern darauf, dass die gewählte Form den Gegenstand fürs Bedürfnis geeignet macht. Formation ist an-Eignung. Denn ist der Apfel am Baum von sich aus zum Verzehr geeignet, muss er nur noch ergriffen werden.





Donnerstag, 18. August 2016

Arbeit ist nicht das Wesen des Menschen.


Velázquez, Triumph des Bacchus

Die Arbeit ist keine Naturbestimmung des Menschen, sondern ein historische; ist eine Selbstbestimmung - voll-ständig eben erst in der bürgerlichen Gesellschaft, wo die Menschen wirklich alle ihre Lebensmittel erst produ-zieren müssen, ehe sie sie verzehren, weil die Lebensmittel eben nicht mehr in der Natur einfach vorgefunden werden, Verzehr und Aneignung nicht mehr unmittelbar zusammenfallen - weil "das große Magazin der Natur, die Erde" erschöpft wäre? 

Nicht so sehr: vielmehr weil das Leben ein solches geworden ist, daß es bestimmterer Mittel bedarf  - "viel" Ar-beit, nämlich qualifiziertere, differenzierte, eben hoch-bestimmte -, die eine wertgebende Spezialisierung (=Quali-fikation) der Tätigkeit voraussetzen, d. h. Teilung der Arbeit - und diese macht den Tausch notwendig: Die Be-stimmung des Menschen als schlechthin Arbeitender, als allseitiger Produzent, Homo faber ist nicht bloß eine 'Idee' der bürgerlichen Gesellschaft ..., sondern ihre reale Schöpfung. Erst die bürgerliche, oder, wenn man so will, die industrielle Gesellschaft (was dasselbe ist) setzt die Arbeit als das Wesen des Menschen.

(Nachdem er lange Zeit vor allem - aber dann immer weniger - Homo ludens gewesen ist.)

"Die Setzung des Individuums als eines Arbeiters, in dieser Nacktheit, ist selbst historisches Product."
Grundrisse, MEGA II/1.2., S. 379

11. 4. 1987, aus meinen Notizen




Mittwoch, 17. August 2016

Arbeit ist nicht Formation, sondern Aneignung.



Arbeit ist nicht 'Tätigkeit überhaupt', nicht Produktion "überhaupt", sondern Zweck-mäßige Tätigkeit - im Begriff des Zwecks liegt eben schon ihre objektivierende Dimension - nicht umgekehrt!
24. 9. 1985

Es ist völliger Quatsch, daß bei Hegel die Arbeit "Entäußerung des Wesens" wäre - sie ist vielmehr, und zwar ganz richtig, Vermittlung zwischen den Bedürfnissen und den 'Natur'-Gegenständen: siehe § "Arbeit" in der Rechts-lehre...   
4. 6. 188

Stofflich betrachtet ist Arbeit nicht 'Verausgabung' einer 'Kraft' oder Realisierung eines Vermögens; sondern lediglich An-eignung, d. h. Subsumtion des Naturgegenstands unter das Bedürfnis - und zwar dies uneranchtet ihrer technischen Bestimmtheit, unerachtet auch - d. h. gerade! - des jeweiligen Quantums Energie, welches die reelle Subsumtion ("Fassung") dieses bestimmten Dings unter dieses bestimmte Bedürfnis (seine Geschickt-machung für den Verbrauch) erheischt. 

Aber auch bei der formalen Bestimmung der Arbeit als abstrakt-allgemeine, nämlich als Verausgabung (eines jeweiligen Quantums von) Arbeitskraft kommt es nicht an auf Materialisierung von Kraft strictu sensu, d. h. von Energie, sondern auf die Realisierung eines Vermögens: Aktualisierung von dynamis qua energeia; nicht stoffliche Konkretion, "Gerinnung" der Energie selbst (die ja dann zugleich ihre eigene Dynamis wäre). 

Die Vorstellung von "Arbeit im Allgemeinen" als Umsetzung, Vergegenständlichung von reeller Kraft, Energie expressis verbis abgewiesen von Engels - ausgerechnet! - in einem Brief an Marx vom 19. 2. 1882 über den Aufsatz des russischen Naturwissenschaftlers Podolinski in MEW 35, S. 133ff.: "Ökonomische Verhältnisse in physikalischen Maßen darstellen zu wollen ist meiner Ansicht nach rein unmöglich... Aber physikalische Arbeit ist darum noch lange keine ökonomische Arbeit." 

Vgl. Dialektik [in] der Natur, Bln. 1961, S. 84-99 und 330ff.; aber der Grund, warum ökonomische Arbeit nicht in physikalischer Arbeit darzustellen ist, ist Engels anscheinend nicht klargeworden! Für ihn scheint es mehr ein rechnerisches Problem zu sein: zu welcher Quote die vom Arbeiter verzehrte Energie in seinem Produkt repro-duziert und fixiert, und zu welcher Quote sie als "ausgegeben" gerechnet werden muss. Dass das Problem aber darin besteht, daß Arbeit als solche immer erst gebrauchswertsetzend, d. h. Bedürfnis-befriedigend sein muß, was eine qualitative Bestimmung ist, die sich als solche nicht in quantifizierende Bestimmungen umsetzen läßt; und daß in der quantitativen Bestimmung der Arbeit durch den Wert nicht auf eine Natureigenschaft, sondern auf eine soziale 'Eigenschaft' der Arbeit: die gleich-Geltung der von der Arbeit bedienten Bedürfnisse für die gesell-schaftliche Gesamtheit abgesehen ist - das mag ihm geschwant haben; aber begriffen hat er's nicht.
10. 1. 1987

Arbeit ist Aneignung; Arbeit im stofflichen Sinn ist: Tauglichmachung des Gegenstandes zum Gebrauch, Gebrauchs-'wert'. Verfügbarmachung für das Bedürfnis, Zurechtmachung ... Aufhebung, d. h. eine bestimmte Negation seiner 'Gleichgültigkeit gegen menschliche Zwecke, d. h. eben seiner Gegen-Ständ-lichkeit. (Das dabei erforderliche Quantum Energie 'tut nichts zur Sache', verbotenus; überhaupt: keine physische, keine physika-lische Betimmung, also auch nicht "Verausgabung von Kraft", nicht einmal 'Realisierung eines Vermögens'.)  
17. 1. 1987

Arbeit ist an und für sich nicht "Formation" - wie Rousseau es auffasst: als begründend das Eigentum - son-dern Aneignung, Okkupation - nämlich ursprünglich des Bodens (so wie Fichte - Naturrecht - das Eigentum auffaßt); der Akt des Aneignens der Naturdinge an sein Bedürfnis...

[vgl. "Formen"[-Kapitel] in den Grundrissen]

8. 7. 1987

aus meinen Notizen. 



Nota. - Realisierung eines Vermögens oder nicht Realisierung eines Vermögens? Nicht, wenn man unter Vermögen ein angestautes Quantum Kraft versteht. Wohl, wenn man darunter die Fähigkeit versteht, Absichten zu fassen. Darauf kommt es nämlich an: Das (physiologische?) Bedürfnis muß zu einer (mentalen) Absicht werden, damit Arbeit geschieht. Die Absicht ist dynamis.