Montag, 5. November 2018

Revenü.

Doré, Gargantua

Es ist bereits gesagt, daß wir den Mehrwerth nur so weit in Erwägung ziehn, als er nicht accumulirt wird, also blos zur individuellen Consumtion des Capitalisten dient. Diese Verausgabung des Mehrwerths nennen wir seine Verausgabung als Revenue. Was andrerseits das variable Capital betrifft, so wird es in der Form von Geld dem Arbeiter vorgeschossen, der dafür seine Arbeit giebt, mit dem erhaltnen Geld aber seine Lebensmittel kauft. Da vorausgesetzt ist, daß der Arbeitslohn = dem Werth der Arbeit oder rather des Arbeitsvermögens, ist damit gleichzeitig vorausgesetzt, daß der Arbeiter seinen ganzen Lohn zur Reproduction seines Arbeitsvermö- gens, daher im Ankauf von necessaries verausgabt. 

Das ganze variable Capital wird daher realiter verausgabt als Revenue oder verwandelt sich für den Arbeiter in Revenue, während es sich für den Capitalisten in Arbeit verwandelt. Realiter, abgesehn von der durch die Geldform bewirkten Vermittlung, existirt also das variable Capital in der Form von Lebensmitteln, welche die Revenue der Arbeiterklasse bilden. Bei der Betrachtung des wirklichen Productionsprocesses fällt uns daher sowohl der Theil des Products, der als Mehrwerth vom Capitalisten, wie der Theil desselben, der als Arbeits- lohn vom Arbeiter verzehrt wird, zusammen unter die gemeinschaft-/liche Categorie der Revenue. Das variable Capital als solches, d. h. so weit es sich nicht in Arbeitslohn und daher in Revenue für den Arbeiter auflöst, sondern in Arbeit für den Capitalisten, Arbeit, = der nothwendigen Arbeit + Surplusarbeit, fällt hier also zunächst ausserhalb unsrer Betrachtung.
 

Da ferner vorausgesetzt wird, daß die capitalistische Productionsweise nicht nur die herrschende, sondern die allge- meine und ausschließliche Form der Production ist, müssen sowohl die Waaren, die Revenue bilden, sei es für den Capitalisten, sei es für den Arbeiter, die Waaren, welche die constituirenden Elemente des constanten Capi- tals bilden, zunächst als Product des Capitals und daher als Waarencapitalien existiren. Es muß daher ein Austausch von Waarencapitalien, die in die Revenue eingehn, ebensowohl stattfinden, gegen andre Waarencapitalien, die in Revenue eingehn, als Austausch von solchen Capitalien gegen Waarencapitalien, die constantes Capital bilden, als Austausch von Waarencapitalien, die constante Capitalien bilden, gegen einander.
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, 305f.



Nota. - Mehrwert, der nicht akkumuliert und in Kapital verwandelt wird, ist Revenü - egal, was sonst aus ihm wird. Revenü ist auch das variable Kapital, sobald es als Lohn ausgezahlt wird; genauer: Es wird Revenü, indem...

Revenü ist zunächst das Privateinkommen des Kapitalisten; das Gehalt, das er sich selber auszahlt. Aber sind insbesondere auch die Steuern und Abgaben, die der Staat auf seinen Gewinn erhebt. Er mag selber als Unter- nehmer tätig werden; in Bau, Energie, Kommunikation. Dann wird Revenü ggf. zu Kapital; nämlich wenn es sich gegen Arbeitskraft austauscht, um Mehrwert zu erzeugen.

Der gewöhnliche Staatsbedienstete tauscht seine Arbeitskraft nicht gegen (variables) Kapital aus (um Mehrwert zu schaffen), sondern gegen Revenü - um seinen Staatszweck zu erfüllen und daher seine... Abzüge vom Mehrwert zu rechtfertigen. Lehrer, Sozialarbeiter und sonstige Staatsdiener schaffen keinen Mehrwert und tauschen ihre Arbeitskraft nicht gegen Kapital, sondern gegen Revenü. Arbeiter mögen sie sein, aber sie sind - in ökonomi- schem Sinn - unproduktive Arbeiter, die anderer Leute Mehrprodukt lediglich verzehren.
JE

Sonntag, 4. November 2018

Zum Teufel mit dem Begriff!

marionetten-puppen

Betrachtet man aber die physische Masse Geld, die circulirt, damit das Geldcapital seine Function vollziehe, (cir- culirt oder in Reserve liegt), so ist sie ein blosses Arbeitsmittel des Circulationsprocesses und vollzieht hier daher dieselbe Function, wie das fixe Capital innerhalb des Productionsprocesses. Von diesem Gesichtspunkt aus kann sie als fixes Capital in Bezug nicht auf den einzelnen Capitalisten, aber die ganze Capitalistenklasse, be- trachtet werden. Je geringer der Theil der jährlichen Productenmasse, der sich zu diesem Behuf in Gold und Silber verwandeln muß, je grösser the mass of commodities remaining for the purpose of real reproduction. 
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 289



Nota. - Ein Ding "ist" nicht dieses oder jenes, sondern erfüllt mal diese, mal jene Funktion: Es dient. Wem? Diesem oder jenem wirklichen Subjekt. Welche Funktion es erfüllt, welchen Dienst es leistet, hängt davon ab, welche Absicht das Subjekt verwirklicht. Begriffe sind gut, um die jeweiligen Besonderheiten und Umstände hervorzuheben und von andern zu unterscheiden: sich im Wechsel der Situationen zu orientieren. Begriffe führen immer in die Irre, wenn man in ihnen ein dem Augenschein verborgenes Wesen jenseits der Umstände auszu- sprechen glaubt.
JE

Samstag, 3. November 2018

Vom fixen zum fiktiven Kapital.

Daumier, Aufstieg zur Börse

Der Theil des nationalen Reichthums, der aus fixem Capital besteht – und in dem Grad worin dieß fixe Capital mehr und mehr als fixes Capital sich gestaltet hat, d. h. mehr und mehr seine charakteristischen Unterschiede vom circulirenden Capital gestaltet, herausgearbeitet hat – ersetzt seinen Werth erst nach und nach, reproducirt ihn in Epochen, die sich wei-/ter über das Jahr, als den Maaßstab der Reproductionszeit des circulirenden Capi- tals, hinaus erstrecken. 

Während das circulirende Capital – i. e. seine Verwerthung – mehr auf gegenwärtiger Arbeit beruht, und wir nen- nen alle Arbeit contemporaneous, die within the year is performed, beruht daher die Verwerthung des fixen Capitals in ungleich höhrem Grad auf zukünftiger Arbeit, sei es nun daß das fixe Capital, wie die eigentliche Ma- schinerie z. B., direkt als Arbeitsmittel im engren Sinn in dem unmittelbaren Productionsproceß functionirt, sei es, daß es nur, wie Baulichkeiten, Eisenbahn, Kanäle u. s. w., als allgemeine Bedingung von ihm unabhängiger Pro- ductionsprocesse functionirt. 

Als Capital, das seinen Werth reproduciren (und noch mehr, das wie sich später zeigen wird, seinen Eigenthü- mern Antheil am Surpluswerth, der von andren Capitalien producirt wird, sichern soll) ist es Anweisung auf zukünf- tige Arbeit (und im zweiten Fall Surplusarbeit.) Die Werthpapiere, vermehren sich daher mit der Entwicklung des fixen Capitals, Werthpapiere, die nicht nur Eigenthumstitel an seinem Werth und daher an der zukünftigen Repro- duction dieses Werths, sondern zugleich Titel auf seine zukünftige Verwerthung, d. h. Titel auf Antheile an dem von der gesammten Capitalistenklasse zu erpressenden Surpluswerth (Zins etc) darstellen. Die Entwicklung des Creditwesens hat hierin also eine neue materielle Grundlage; zugleich aber die Entwicklung des Theils des Geldca- pitals, der nicht als eine Accumulation von Eigenthumstiteln auf zukünftige Arbeit und Surplusarbeit darstellt. 

Die Accumulation dieses Theils des Geldcapitals besteht aus Titeln auf anticipirten künftigen Reichthum, und ist daher selbst kein Element des wirklich existirenden nationalen Reichthums, oder ist es nur so weit, als er Eigen- thumstitel auf den vorhandnen Werth (nicht Verwerthung) des vorhandnen fixen Capitals darstellt. Die Titel exi- stiren aber stets bevor dieser Werth producirt ist und repräsentiren direkt nichts als den Werth des Capitals, das verausgabt oder vorgeschossen wird, um jene Werthe zu produciren. Und selbst dann muß man diesen Werth nicht doppelt rechnen, z. B. nicht den Werth der Eisenbahn und den Werth der Eisenbahnactien, die in den Portofeuilles der shareholders existiren. 

Es verhält sich hiermit ganz wie mit den Staatsschulden. Die Staatspapiere sind keine Werthe ausser dem Werth des jährlichen Products, worin sie Antheil ihren Besitzern sichern. Dieser Schein wird aber um so mehr hervorge- bracht, da ihre Preißquotationen – ihre movements of evaluation – von Umständen bestimmt werden, die nicht direkt mit den Werthen zusammenhängen, worauf sie Titel sind. Dieser Form der Accumulation streben aber sehr influential parties of the capitalist society to subordinate the real movement of production and accumula- tion.
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 287f.
  



Nota. - Das ist alles theoretisch bedeutsam genug: Am fixen Kapital wird deutlich, dass es nicht die gestrige Ar- beit ist, die wirklich im Produkt steckt, welche seinen Wert ausmacht; sondern die Arbeit, die heute erforderlich wäre. So gewinnt die virtuelle Arbeit von morgen eine Realität heute. So kann es sein, dass ein Stück Papier einen Wert bekommt: nicht einen Teil von wirklichem Wert, sondern eine Option auf möglichen Wert; aber so, als ob sie wirklich Wert wäre. Marx wird es später unterm Titel fiktives Kapital ausarbeiten.

Metatheoretisch ist es womöglich bedeutsamer. Nicht ein Begriff von Fixem Kapital 'schlägt um' in dies oder das, sonder Dieses gilt plötzlich als Jenes. Wo und wem 'gilt' es? Den Nachbarbegriffen auf Platos Olymp? Nein, es gilt den Agenten des Kapitals, nämlich den Akteuren des kapitalistischen Produktionsprozesses, und das sind lebendige Menschen, die Absichten verfolgen. Es sind die gewollten Absichten der Handlungen, die die Begriffe ausmachen. Begriffe gelten, und Geltung ist Zweck.
JE

Freitag, 2. November 2018

Das fixe Kapital ist Kapital in specie.

B. & H. Becher

Andrerseits ist das fixe Capital die reelle Basis, die sich die spezifisch capitalistische Productionsweise schafft und diese Form des Capitals entwickelt sich, und gewinnt an Umfang (nicht nur in der Form der eigentlichen Maschinerie, sondern in allen möglichen Formen) in demselben Maaß wie sich die capitalistische Productions- weise entwickelt. Mit derselben wird daher ein stets wachsender Theil des jährlichen Products in fixes Capital verwandelt, und ist ein stets wachsender Theil desselben nöthig, um das während des Jahres aufgezehrte fixe Capital zu ersetzen, to repair und in Stand zu halten. Es wird daher auch ein stets wachsender Theil der Ge- sammtarbeit in der Production von fixem Capital verwendet (consummirt) und in der Production der Elemen- te, aus denen fixes Capital gebildet wird.

Mit der Anwendung des fixen Capitals aber Wachsthum der Productivkraft der Arbeit und daher der Masse des Products, die mit demselben Quantum Arbeit producirt wird. (Und der Werttheil, den das fixe Capital zusetzt muß at least =, indeed < sein als die durch es ersetzte Arbeit wäre.)

Das fixe Capital stellt die schon producirten Productivkräfte dar, mit denen als ihrer materieller Basis, Voraus- setzung und Bedingung, der Reproductionsproceß vorgeht. Es ist zugleich die Incarnation der progressiven Wissenschaft, d. h. discovery of the means, by which the natural things and natural agencies are pressed into the service of labor. Wie daher wir sahen, daß A. Smith z. B. das circulirende Capital mystificirt als etwas, was den Arbeiter ernährt und das nöthige approvisionnement für denselben bildet, so wird das fixe Capital mysti- ficirt, indem der in ihm incarnirte wissenschaftliche Progress als Eigenschaft betrachtet wird, die diesen Pro- ducten der gesellschaftlichen Intelligenz zukömmt,

1) weil sie Capital, und
2) weil sie Capital in der besondren Bestimmtheit des fixen Capitals sind. (Z. B. Lauderdale.)

Die Entwicklung des fixen Capitals in einigem Umfang, unterstellt schon eine bestimmte höhre Stufe der Pro- ductivkraft der gesellschaftlichen Arbeit; denn alle Arbeit, die direkt in Production des fixen Capitals verwendet wird, wird der Production der unmittelbaren means of life entzogen; ebenso wie das Productionsmittel in einer Form reproducirt wird, die / während des Jahres entzognen Producte und Werthe nicht während des Jahres wieder ersetzt. Es muß also, gesellschaftlich betrachtet, ein Surplus von Labor disponible sein; andrerseits muß die in den Producten von circulirendem Capital angewandte labor sufficiently productive und massenhaft sein, um die Lebensmittel etc für die in der Production des fixen Capitals Engagirten herzustellen.

Andrerseits erscheint so die Production von fixem Capital (während sie in ihren Folgen, durch Vermehrung der Productivkraft der Arbeit oder gänzliches Ersetzen von employment of labor for certain purposes is a progres- sive means of making the working population redundant) ein Mittel to absorb redundant labor, or employ sur- plus population without employing it in the production of that wealth that supplies the market of Lebensmittel, u. a. der necessaries für die Arbeiter; und daher without producing a surplus in this department that would sink pricesa) (ganz wie der auswärtige Handel und die inländische Luxusproduction Mittel sind to give the surplusprodu- ce a shape in which it does not supply the markets for necessaries.) 


Mit der Entwicklung des fixen Capitals wächst 1) die constancy und continuity of labor; 2) die Reproductions- periode des vorgeschossenen Gesammtcapitals; 3) die Nothwendigkeit, unabhängig von den gegebnen Markt- verhältnissen und ihren temporary fluctuations, auf einer bestimmten und beständig sich erweiternden Stufen- leiter fortzuproduciren. Damit ein reales Element der Ueberproduction entwickelt sich gleichzeitig mit der Ent- wicklung des fixen Capitals.

In dem fixen Capital erzeugt sich die capitalistische Productionsweise erst ihre materiellen Bedingungen. Der Ent- wicklungsgrad desselben ist daher der Index des Entwicklungsgrad[es] der capitalistischen Productionsweise, die – ihre differentia specifica – wie alle historisch Epochenmachenden Stufen, ausdrückt weniger in den Ge- brauchswerthen oder Producten, die sie für den Consum schafft, als in den Productionsmitteln, wie denn auch der Instinkt und die einfache Beobachtung der Alterthumsforscher dahin geführt hat, die vorhistorischen Epochen nach dem Material der Productionsmittel (also immerhin nach der bestimmten Qualification der Productions- mittel) in Stein-, Erz- und Eisenepoche abzutheilen, oder sie nach dem Fortschritt und der Gestaltung der Pro- ductionsmittel zu charakterisiren.

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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 286f.
  
  



Nota. - Das fixe Kapital ist die Form, in der das Kapital gewissermaßen 'zu seiner Bestimmung' gekommen ist. Die Voraussetzung des Kapitals war die Trennung von Arbeitsvermögen und Arbeitsmittel. Das fixe Kapital ist Arbeitsmittel par excellence. Mit seinem Wachstum vertieft sich gewissermaßen der Gegensatz von Kapital und Arbeit. Aber sein Wachstum ist das Lebensprinzip der kapitalistischen Produktionsweise selbst: Akkumulation heißt Wachstum des fixen Kapitals. Alle 'Sachzwänge' der kapitalistischen Produktionsweise ergeben sich hier- aus.

Zugleich sinkt mit seinem Wachstum die Rate des Profits, und damit die Möglichkeit künftiger Akkumulation. Es ist das A und O der bürgerlichen Wirtschaftsweise.
JE


Dienstag, 23. Oktober 2018

Geldkapital.


Endlich so weit das circulirende Capital in die Form von Geldcapital / sich verwandelt hat, ist es durchaus nicht nöthig es in seiner frühren Form zu reproduciren, sondern kann es in jeder neuen Form (mehr oder minder) beliebig reproducirt werden, indem es in neuen materiellen Stoffen angelegt und die Arbeitskraft von ihm in neuen Formen verwendet wird.

Geld als solches ist beständig in jede beliebige Form der auf dem Markt befindlichen oder unter den gegebnen Bedingungen auf Bestellung producirbaren Waaren verwandelbar. Diese Eigenschaft des circulirenden Capitals, so weit es Geldcapital ist, entspringt also aus seinem Dasein als Geld und nicht aus seinem Dasein als Capital. Und es ist nur in sofern eine Bestimmtheit seiner als circulirendes Capital, insofern das gesammte circulirende Ca- pital in seiner Function als circulirendes Capital die Geldform einen Augenblick annimmt; es selbst eine seiner Functionen als circulirendes Capital ist die Geldform anzunehmen. 


Das fixe Capital thut dieß nur, sofern der von ihm abgegebne Werth selbst einen Werttheil des circulirenden Capitals bildet, und daher sein Schicksal mitmacht, aber nicht als fixes Capital, sondern als Werthbestandtheil des circulirenden Capitals. (So weit die Verwandelbarkeit des circulirenden Capitals = der formellen Verwan- delbarkeit des Gelds in jede beliebige Waare.)
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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 283f.
  
  


 
Nota. - So, das muss reichen. Ich war ja drauf und dran, Ihnen nach und nach fast den ganzen 2. Entwurf zum Kapital wiederzugeben. Die Versuchung war groß, denn er kommt mir wenigstens in den ausgewählten Passa- gen so sehr viel anschaulicher vor als die Endfassung. 

Der eigentliche Grund, so weit ins Detail zu gehen, war aber, je am Exempel darzustellen, dass Marx durchaus das Hegel'sche Begriffsmühlengeklapper nicht als "Dialetik" übernimmt, sondern seine Darstellungsweise im Gegenteil überall dort, wo nach Hegel die Begriffe 'umschlagen' würden, das tätige Moment hervorkehrt und die sogenannten Formwechsel als das zu erkennen gibt, was sie sind: nämlich Stellen wechsel der Dinge im Verlauf der Arbeit absichtsvoll tätiger Menschen - und folglich ihre je verschiedene Stellung gegen die bestimmenden Absicht; und was anderes ist ein Begriff?
JE


Montag, 22. Oktober 2018

Wie zirkuliert Kapital?

 
Es gilt als ein Hauptunterschied des fixen und des circulirenden Capi- tals, daß das letztre beständige Metamor- phosen durchläuft, das erstre nicht. Dieser Unterschied ist hier näher zu untersuchen.

Erstens: So weit beide Product sind und Waare, machen sie beide die- selbe Metamorphose durch. Sie werden von ihren Producenten verkauft und die zu ihrer Reproduction nöthigen Elemente werden mit dem aus ihrem Verkauf gelösten Gelde, wieder gekauft. Dieß ist die eigentliche, formelle Metamorphose des Capitals, die bei- den gemeinsam ist.

Zweitens: Sobald aber das Product, das seiner Bestimmung und seinem Gebrauchswerth nach, als Arbeitsmit- tel, die stoffliche Gestalt des fixen Capitals bildet, als solches in den Productionsproceß eingegangen, und als solches functionirt, fährt es fort in dieser bestimmten Gestalt und Anwendungsart vernutzt zu werden, (mit gleich zu erwähnenden Modificationen) und nur sein Werth wird von dem Product, in dessen Production es assistirt, circulirt. Dagegen wird das Product selbst, der Träger des circulirenden Capitals, aus dem Productions- proceß abgestossen und geht über in die Circulationssphäre, worin es die Hände wechselt und entweder als Consumtion mittel in den Consumtionsfonds übergeht oder als Rohmaterial, matière instrumentale, unferti- ges Fabrikat auf einer beliebigen Stufe, das auch als / Arbeitsmittel in den Productionsproceß eintritt, als Ele- ment des productiven Capitals functionirt. 


Während das fixe Capital, als permanent fort- functionirender Bestandtheil des productiven Capitals physisch in der Hand des industriellen Capitalisten bleibt (was nicht hindert, daß Capitalist A durch Capitalist B ersetzt wird, der Eigenthümerwechsel am fixen Capital ändert nichts an dieser seiner Bestimmtheit), muß das circuli- rende Capital in der Form des Waarencapitals veräussert werden etc. Indeß, wenn der Proceß continuirlich ist, der Productionsproceß sich zugleich als fortlaufender Reproductionsproceß darstellen soll, ist der Wechsel auch ein monotoner. Es bezieht sich dieß auf die reelle Metamorphose, die das Capi- tal durchläuft. In der Form des fertigen Products wird es Waare, und als solche in die Circulationssphäre geworfen; aber, nach seiner formellen Verwandlung in Geld, tauscht es sich wieder aus gegen, verwandelt es sich wieder in seine ursprünglichen Pro- ductions- oder Existenzelemente. 

Das Garn verwandelt sich wieder in seine Bestandtheile Baumwolle, Kohle, Spindel etc. Die ganze Metamor- phose löst sich also auf in Vereinigung der Productionselemente zum Product und in die Wiederverwandlung des Products in dieselben (der Art nach) Productionselemente, so daß das besondre circulirende Capital, ganz wie das fixe Capital, sich stets in derselben Form im Productionsproceß befindet: nur daß diese Continuität derselben Existenzform innerhalb des Productionsprocesses vermittelt ist durch den beständigen Austausch zwischen dem Product und den Elementen des Products, während mit Bezug auf das fixe Capital, während der ganzen Dauer seiner Reproductionsperiode, keine solche Vermittlung stattfindet.

Drittens: Seiner stofflichen Gestalt nach betrachtet, als Gebrauchswerth, ist dasselbe Rohmaterial, Eisen, Ge- treide, Pflanzenstoffe, Holz etc sehr verschiedner Nutzanwendung fähig. Dasselbe gilt von dem größten Theil der matières instrumentales; z. B. Kohle, Gas, Talg etc können in ganz verschiednen Productionsprocessen die- nen u. s. w. Mit denselben Nahrungsstoffen können Thiere verschiedner Art gefüttert und Arbeiter aller Arten in Bewegung gesetzt werden. Die stofflichen Träger des circulirenden Capitals können also mehr oder minder zu sehr mannigfaltigen Productionsprocessen dienen und so sich in verschiedne Form von productivem Capital (oder auch mehr dieselbe von verschiednen Elementen des Consumtionsfonds) verwandeln. Von den unferti- gen Fabrikaten, Halbfabrikaten u. s. f. gilt dieß in mindrem Grad, und nur theilweise. So weit sie transportirbar sind, und nicht lokal weiter verwerthet werden müssen, können sie aber ins Ausland geschickt und gegen andre Producte ausgetauscht, daher in eine Gestalt verwandelt werden, die mit ihrer eignen Bestimmung nichts ge- mein hat, was bei einem grossen Theil des fixen Capitals unmöglich ist. 

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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 282f.
  



Nota. - Die Zirkulation des Kapitals bedeutet den Stellenwechsel einer Wert größe, die immer einem bestimmten Gebrauchswert entspricht, im Prozess der materiellen Produktion. Nicht gemeint ist der eventuelle Wechsel des Eigentümers, der real keine Rolle spielt.
JE

 

Sonntag, 21. Oktober 2018

Entwertung.


Unter Reproductionsperiode des fixen Capitals verstehn wir die Zeit, während deren es dauert, also seine Functi- on im Productionsproceß sich wiederholt, bis es durch neuesfixes Capital derselben Art ersetzt werden muß.

Unter Reproductionszeit des fixen Capitals verstehn wir die zu seiner Production nothwendige Arbeitszeit, nicht die Arbeitszeit, die nöthig war, um es selbst zu produciren, und die in ihm enthalten ist, sondern die nöthig ist um ein neues Exemplar derselben Art zu produciren, also nöthig wäre um es zu reproduciren.

Die Bestimmung des Werths durch die in einer Waare enthaltne nothwendige Arbeitszeit ändert sich, oder be- stimmt sich weiter, wenn der Reproductionsproceß als Ganzes betrachtet wird, dahin, daß ihr Werth durch die zu ihrer Reproduction (gesellschaftlich) nothwendige Arbeit bestimmt ist. Es ist nicht die Arbeitszeit, nöthig um Waare zu produciren, sondern die, sie zu reproduciren, die ihren Werth bestimmt, sobald sie nicht gleich ver-/ kauft wird, oder ihr Circulationsproceß Zeit genug läßt für die Abweichung des in ihr enthaltnen Quan- tums und des zu ihrer Reproduction nothwendigen Quantums Arbeit.

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Ökonomisches Manuskript 1863-1865, MEGA II/4.1, S. 271f.
  



Nota. - In aller Regel wird das fixe Kapital während seiner Funktionszeit auch unabhängig vom Verschleiß sei- nes Gebrauchswert entwertet, weil sein aktueller Wert sich nicht bemisst daran, was seine Produktion wirklich an Arbeitszeit gekostet hat, sondern daran, wieviel Arbeitszeit seine Re produktion zum gegenben Zeitpunkt kosten würde. Der technologische Fortschritt bleibt während der Lebenszeit einer Maschine nicht stehen, sondern geht voran, und schließlich ist die Maschine weniger wert, selbst wenn sie noch einwandfrei ihren Dienst tut. - Tatsäch- lich könnte er sich die neue Maschine also leisten, bevor ihr Gesamtwert in Produkten vergegenständlicht und das Produkt verkauft war, weil sie nun billiger zu haben wäre; sofern freilich das Geld nicht entwertet wurde!

Der Kapitalist selber stellt solche Berechnungen gar nicht an. Er schaut lediglich darauf, wieviel Geld er ausgibt und wieviel wieder reinkommt: Das steht in seiner Bilanz. Die Zeiträume schätzt er ab, ebenso die Preisbewe- gung. Der eine besser, der andere schlechter. Außer Glück braucht er auch Talent.
JE



Nota - Das obige Bild gehört mir nicht, ich habe es im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Ihre Nachricht auf diesem Blog. JE