Montag, 29. Februar 2016
Stoff und ökonomische Formbestimmung.
Soweit die reine Form, die ökonomische Seite des Verhältnisses betrachtet wird – der Inhalt ausserhalb dieser Form fällt hier eigentlich noch ganz ausserhalb der Oekonomie, oder ist als von dem ökonomischen unter-schiedner natürlicher Inhalt gesezt, von dem gesagt werden kann, daß er noch ganz von dem ökonomischen Verhältniß getrennt ist, weil er noch unmittelbar mit ihm zusammenfällt – so treten nur 3 Momente hervor, die formell unterschieden sind: Die Subjekte des Verhältnisses, die Austauschenden; in derselben Bestimmung gesezt; die Gegenstände ihres Austauschs, Tauschwerthe, Equivalente, die nicht nur gleich sind, sondern aus-drücklich gleich sein sollen und als gleich gesezt sind; endlich der Akt des Austauschs selbst, die Vermittlung, wodurch die Subjekte eben als Austauschende, Gleiche, und ihre Objekte als Equivalente, gleiche gesezt wer-den.
Die Equivalente sind die Vergegenständlichung des einen Subjekts für andre; d. h. sie selbst sind gleich viel werth und bewähren sich im Akt des Austauschs als Gleichgeltende und zugleich als Gleichgültige gegen / einander. Die Subjekte sind im Austausch nur für einander durch die Equivalente, als gleichgeltende und be-währen sich als solche durch den Wechsel der Gegenständlichkeit, worin das eine für andre ist. Da sie nur so als Gleichgeltende, als Besitzer von Equivalenten, und Bewährer dieser Equivalenz im Austausche für einander sind, sind sie als Gleichgeltende zugleich Gleichgültige gegen einander; ihr sonstiger individueller Unterschied geht sie nichts an; sie sind gleichgültig gegen alle ihre sonstigen individuellen Eigenheiten.
Was nun den Inhalt angeht ausserhalb dem Akt des Austauschs, der sowohl Setzen als Bewähren der Tausch-werthe, wie der Subjekte als Austauschender ist, so kann dieser Inhalt der ausserhalb der ökonomischen Form-bestimmung fällt, nur sein: 1) Die natürliche Besonderheit der Waare, die ausgetauscht wird. 2) Das besondre natürliche Bedürfniß der Austauschenden, oder beides zusammengefaßt, der verschiedene Gebrauchswerth der auszutauschenden Waaren.
Dieser der Inhalt des Austauschs, der ganz ausserhalb seiner ökonomischen Bestimmung liegt, so weit entfernt die sociale Gleichheit der Individuen zu gefährden, macht vielmehr ihre natürliche Verschiedenheit zum Grund ihrer socialen Gleichheit. Wenn das Individuum A dasselbe Bedürfniß hätte wie das Individuum B und in dem-selben Gegenstand seine Arbeit realisirt hätte, wie das Individuum B, so wäre gar keine Beziehung zwischen ihnen vorhanden; sie wären gar nicht verschiedne Individuen, nach der Seite ihrer Production hin betrachtet.
Beide haben das Bedürfniß zu athmen; für beide existirt die Luft als Atmosphäre; dieß bringt sie in keinen socialen Contact; als athmende Individuen stehn sie nur als Naturkörper zu einander in Beziehung, nicht als Personen. Die Verschiedenheit ihres Bedürfnisses und ihrer Production giebt nur den Anlaß zum Austausch und zu ihrer socialen Gleichsetzung in ihm; diese natürliche Verschiedenheit ist daher die Voraussetzung ihrer socialen Gleichheit im Akt des Austauschs und dieser Beziehung überhaupt, worin sie zu einander als produc-tiv treten.
Nach dieser natürlichen Verschiedenheit betrachtet ist das Individuum [A] als Besitzer eines Gebrauchswerths für B, und B als Besitzer eines Gebrauchswerths für A. Nach dieser Seite sezt die natürliche Verschiedenheit sie wieder wechselseitig in das Verhältniß der Gleichheit. Demnach sind sie aber nicht gleichgültig gegen einander, sondern integriren sich, bedürfen einander, so daß das Individuum B als objectivirt in der Waare ein Bedürfniß für das Individuum A ist und vice versa; so daß sie nicht nur in gleicher, sondern auch in gesellschaftlicher Be-ziehung zu einander stehn. Dieß ist nicht alles. Daß das Bedürfniß des einen durch das Product des andren und vice versa befriedigt werden kann, und der eine fähig ist den Gegenstand dem Bedürfniß des andren zu produ-ciren und jeder dem andren als Eigenthümer des Objekts des Bedürfnisses des andren gegenübersteht, zeigt, daß jeder als Mensch über sein eignes besondres Bedürfniß / etc übergreift, und daß sie sich als Menschen zu einander verhalten; daß ihr gemeinschaftliches Gattungswesen von allen gewußt ist.
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 165ff. [MEW 42, S. 167f.]
Nota. - Allah hat seinem Propheten die Verse des Korans durch den Erzengel Gabriel direkt auf die Zunge legen lassen. Marx war kein Prophet, sondern Wissenschaftler, in den Grundrissen sehen wir zu, wie er progres-siv seine Gedanken klärt und um die darauf passenden Wörter ringt. Er 'kokettiert' dabei nicht nur mit Hegels 'eigentümlicher Ausdrucksweise', sondern bedient sich einstweilen seiner Begriffe, um seine Gedanken über-haupt auf dem Papier festhalten zu können.
Der Inhalt falle 'noch ganz außerhalb der Ökonomie', heißt es hier; deren Gegenstand sei lediglich die Form. Natürlich meint er die Politische Ökonomie, in der er noch ganz befangen ist, noch weiß er nicht, was am Ende seiner Untersuchung stehen wird: Eben dies war ja die Mystifikation der Politischen Ökonomie, dass sie vorgab, das reale Geschehen der gesellschaftlichen Reproduktion als bloße Form darstellen und den historischen 'Stoff' links liegen lassen zu können. Diese Erkenntnis reift erst langsam ab Heft IV der Grundrisse, und schließlich wird Marx die Kritik der Politischen Ökonomie in dem Satz zusammenfassen, dass bei ihm der Gebrauchswert 'eine ganz anders wichtige Rolle spielt als in der bisherigen Ökonomie'.
Und auch der Hegeljargon wird übrigens ab Heft IV immer seltener, jedenfalls braucht er ihn nicht mehr zur Selbstverständigung. Dies hatte die Politische Ökonomie nämlich mit dem Hegel'schen System gemein: dass sie den Begriffen, die doch nichts als mehr oder weniger passende Namen für mehr oder minder bestimmte Vorstel-lungsakte sind, eine eigene Wirklichkeit und Wirksamkeit zuschreibt. In den Grundrissen erleben wir mit, wie Marx sich nach und nach von diesem metaphysischen Sparren freimacht. Das fängt damit an, dass er, wie an obiger Stelle, die Hegel'schen Begriffe kritisch, nämlich gegen die Begriffe der Politischen Ökonomie ausspielt. Sie gehen schließlich beide daran zu Bruch.
JE
Sonntag, 28. Februar 2016
Die Sackgasse der antiken Sklavenwirtschaft.
Im Sklavenverhältniß tritt dadurch keine gêne für die Herren ein, daß die Arbeiter nicht als Consumenten mit ihnen concurriren. (Die Luxusproduction, wie sie bei den Alten auftritt, indeß nothwendiges Resultat des Skla-venverhältnisses. Nicht Ueberproduction, aber Ueberconsumtion und verrückte Consumtion, die ins Ungeheu-erliche und Bizarre ausschlagend den Untergang des alten Staatenwesens bezeichnet.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 345. [MEW 42, S. 347]
Nota. - Der springende Punkt: Das Produkt der antiken Sklavenwirtschaft konnte nicht akkumuliert, d. h. pro-duktiv konsumiert, nämlich in neue Produktionsmittel umgewandelt werden. Das hat mit der Formbestimmung nichts zu tun, sondern mit der unentwickelten Technologie, der 'Gebrauchswertseite'. Das Mehrprodukt muss-te zum größeren Teil auf "verrückte" Weise vergeudet oder als toter Schatz angehäuft werden.
Das Feudalsystem war insofern ein Fortschritt, als durch eine Beteiligung des Ackerbauern am Mehrprodukt in dessen Arbeitskraft investiert wurde. Das hat den Boden qualitativ fruchtbarer gemacht; die Urbarmachung Euro-pas nördlich und östlich der Alpen wäre anders nicht möglich gewesen.
(Sklaven zeugen wenig Nachwuchs. Die Arbeitskraft konnte im römischen Reich nur erhalten werden durch immer neue militärische Siege und immer neue Kriegsgefangene. Der leibeigene Bauer dagegen zeugte so viele Kinder, wie er sich leisten konnte, und investierte in die Qualifikation ihrer Arbeitskraft.)
JE
Samstag, 27. Februar 2016
Schranke, nicht Grenze.
Das Capital sezt die Production des Reichthums selbst und daher die universelle Entwicklung der Productiv-kräfte, die beständige Umwälzung seiner vorhandnen Voraussetzungen, als Voraussetzung seiner Reproduc-tion. Der Werth schließt keinen Gebrauchswerth aus; also keine besondre Art der Consumtion etc des Ver-kehrs etc als absolute Bedingung ein; und ebenso erscheint ihm jeder Grad der Entwicklung der gesellschaft-lichen Productivkräfte, des Verkehrs, des Wissens etc nur als Schranke, die es zu überwältigen strebt.
Seine Voraussetzung selbst – der Werth – ist gesezt als Product, nicht als über der Production schwebende, höhre Voraussetzung. Die Schranke des Capitals ist, daß diese ganze Entwicklung gegensätzlich vor sich geht und das Herausarbeiten der Productivkräfte, des allgemeinen Reichthums etc Wissens etc so erscheint, daß das arbeitende Individuum selbst sich entäussert; zu den aus ihm herausgearbeiteten nicht als den Bedingungen seines eignen, sondern fremden Reichthums und seiner / eignen Armuth sich verhält.
Diese gegensätzliche Form selbst aber ist verschwindend und producirt die realen Bedingungen ihrer eignen Aufhebung. Resultat ist: die ihrer Tendenz und δυνάμει nach allgemeine Entwicklung der Productivkräfte – des Reichthums überhaupt – als Basis, ebenso die Universalität des Verkehrs, daher der Weltmarkt als Basis. Die Basis als Möglichkeit der universellen Entwicklung des Individuums, und die wirkliche Entwicklung der Indivi-duen von dieser Basis aus als beständige Aufhebung ihrer Schranke, die als Schranke gewußt ist, nicht als heili-ge Grenze gilt. Die Universalität des Individuums nicht als gedachte oder eingebildete, sondern als Universalität seiner realen und ideellen Beziehungen.
Daher auch Begreifen seiner eignen Geschichte als eines Processes und Wissen der Natur (ebenso als prakti-sche Macht über sie vorhanden) als seines realen Leibes. Der Process der Entwicklung selbst als Voraussetzung desselben gesezt und gewußt. Dazu aber nöthig vor allem, daß die volle Entwicklung der Productivkräfte Pro-ductionsbedingung geworden; nicht bestimmte Productionsbedingungen als Grenze für die Entwicklung der Productivkräfte gesezt sind. –
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 439f. [MEW 42, S.447]
Freitag, 26. Februar 2016
Der Kapitalist selbst ist der Ausgangs- und Rückkehrpunkt.
Die Geldcirculation ging von unendlich vielen Punkten aus und kehrte an unendlich vielen Punkten zurück. Der Punkt der Rückkehr war keineswegs als Ausgangspunkt gesezt. In dem Umlauf des Capitals ist der Aus-gangspunkt gesezt als Rückkehrpunkt und der Rückkehrpunkt als Ausgangspunkt. Der Capitalist selbst ist der Ausgangs- und Rückkehrpunkt. Er tauscht Geld gegen die Bedingungen der Production aus, producirt, verwer-thet das Product, i. e. verwandelt es in Geld und beginnt dann den Process von neuem.
Die Geldcirculation, für sich betrachtet, erlöscht nothwendig im Geld als einem unbewegten Ding. Die Cir-culation des Capitals entzündet sich an sich selbst stets von neuem, dirimirt sich in ihre verschiednen Momen-te, und ist ein Perpetuum mobile. Das Preißsetzen auf der Seite der Geldcirculation war rein formell, insofern der Werth vorausgesezt ist unabhängig von der Geldcirculation. Die Circulation des Capitals ist Preißsetzend, nicht nur formell, sondern reell, insofern sie den Werth sezt. Wo er selbst innerhalb ihrer als Voraussetzung erscheint, kann es nur sein als von einem andren Capital gesezter Werth. Die Geldcirculation findet die Weite ihrer Bahn gemessen, und die Umstände, die sie beschleunigen oder retardiren sind äusserliche Anstösse.
Das Capital in seinem Umlauf erweitert sich selbst und seine Bahn, und die Geschwindigkeit oder Langsamkeit des Umlaufs bildet selbst ein immanentes Moment derselben. Es ändert sich / qualitativ in dem Umlauf, und die Totalität der Momente seines Umlaufs sind selbst die Momente seiner Production – seiner Reproduction sowohl wie seiner Neuproduction.
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 417f. [MEW 42, S.423]
Nota. - Das Geld tut nichts, der Wert tut nichts, das Kapital tut nichts. Der Kapitalist tut, damit der Arbeiter tut, und umgekehrt. Sie tun unter Voraussetzungen und ihr Tun schafft neue Voraussetzungen.
JE
Donnerstag, 25. Februar 2016
Die germanische Gemeinde war eine Versammlung von Einzelnen.
Bei den Antiken (Römer als das klassischste Beispiel, die Sache in der reinsten, ausgeprägtsten Form) gegen-sätzliche Form von Staatsgrundeigenthum und Privatgrundeigenthum, so daß das leztre durch das erstre ver-mittelt oder das erstre selbst in dieser doppelten Form existirt. Der Privatgrundeigenthümer daher zugleich städtischer Bürger. Oekonomisch löst sich das Staatsbürgerthum in die einfache Form auf, daß der Landmann Bewohner einer Stadt.
In der / germanischen Form der Landmann nicht Staatsbürger, d. h. nicht Städtebewohner, sondern Grundlage die isolirte, selbstständige Familienwohnung, garantirt durch den Verband mit andren solchen Familienwoh-nungen vom selben Stamm und ihr gelegentliches, für Krieg, Religion, Rechtsschlichtung etc Zusammenkom-men für solche wechselseitige Bürgschaft. Das individuelle Grundeigenthum erscheint hier nicht als gegensätz-liche Form des Grundeigenthums der Gemeinde, noch als durch sie vermittelt, sondern umgekehrt. Die Ge-meinde existirt nur in der Beziehung dieser individuellen Grundeigenthümer als solcher auf einander.
Das Gemeindeeigenthum als solches erscheint nur als gemeinschaftliches Zubehör zu den individuellen Stammsitzen und Bodenaneignungen. Weder ist die Gemeinde die Substanz an der der Einzelne nur als Acci-dent erscheint; noch das Allgemeine, das als solches, sowohl in seiner Vorstellung, wie in der Existenz der Stadt und ihrer städtischen Bedürfnisse im Unterschied von denen des Einzelnen, oder in ihrem städtischen Grund und Boden als ihrem besondren Dasein im Unterschied von dem besondren ökonomischen Dasein des Ge-meindeglieds, eine seiende Einheit ist; sondern einerseits ist die Gemeinde an sich als das Gemeinschaftliche in Sprache, Blut etc dem individuellen Eigenthümer vorausgesezt; als Dasein existirt sie aber nur andrerseits in ihrer wirklichen Versammlung für gemeinschaftliche Zwecke, und so weit sie besondre ökonomische Existenz hat, in dem gemeinsam benuzten Jagd-, Weideland etc, wird sie so benuzt von Jedem Individuellen Eigenthü-mer als solchem, nicht als Repräsentanten (wie in Rom) des Staats; wirklich gemeinsames Eigenthum der indi-viduellen Eigenthümer, nicht des Vereins dieser Eigenthümer als in der Stadt selbst von sich als einzelnen eine gesonderte Existenz besitzend.
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 388f. [MEW 42, S. 392f.]
Mittwoch, 24. Februar 2016
Der Transport der Ware gehört zu den Produktionskosten.
Die Circulation geht vor im Raum und in der Zeit. Die räumliche Bedingung, die Bringung des Products auf den Markt, gehört, ökonomisch betrachtet, in den Productionsprocess selbst. Das Product ist erst wirklich fertig, sobald es auf dem Markt ist. Die Bewegung, wodurch es dahin kommt, gehört noch mit zu seinen Herstellungskosten. Sie bildet nicht ein nothwendiges Moment der Circulation als besondren Processes des Werthes betrachtet, da ein Product an Ort und Stelle seiner Production gekauft und selbst consumirt werden kann. Dieß räumliche Moment ist aber wichtig, insofern die Ausdehnung des Markts, die Austauschmöglichkeit des Products damit zusammenhängt.
Die Abkürzung der Kosten dieser realen Circulation (im Raum) gehört in die Entwicklung der Productivkräfte durch das Capital, Verminderung der Kosten seiner Verwerthung. Nach gewissen Seiten hin, als äussre Existenzbedingung für den ökonomischen Process der Circulation, kann dieß Moment aber auch in die Productionskosten der Circulation gerechnet werden, so daß die Circulation diesem Moment nach selbst als Moment nicht nur des Productionsprozesses im Allgemeinen, sondern des unmittelbaren Productionsprozesses erscheint.
Jedenfalls erscheint hier die Bestimmung dieses Moments durch den allgemeinen Grad der Entwicklung der Productivkräfte, und der auf das Capital gegründeten Production überhaupt. Es könnte genauer dieses örtliche Moment – das Bringen des Products auf den Markt –, was eine nothwendige Bedingung für seine Circulation ausser im Fall Productionsplatz selbst Markt ist – als Verwandlung des Products in Waare betrachtet werden. Waare ist es erst auf dem Markt. (Whether or not dieß ein besondres Moment bildet ist zu- fällig. Arbeitet das Capital auf Bestellung, so existirt weder dieß Moment für es, noch die Verwandlung in Geld als besondres Moment. Das Arbeiten auf Bestellung, d. h. Zufuhr die vorhergehnder Nachfrage entspricht, als allgemeiner oder vorherrschender Zustand entspricht nicht der grossen Industrie und geht keineswegs als Bedingung aus der Natur des Capitals hervor.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1 S. 433 [MEW 42, S. 440]
Nota. - Als Gebrauchswert ist die Küchenuhr fertig, sobald sie richtig geht. Als Ware ist sie erste fertig in dem Moment, wo sie tatsächlich getauscht wird.
JE
Dienstag, 23. Februar 2016
Feudalität.
Die dritte Form ist das feudale oder ständische Eigentum. Wenn das Altertum von der Stadt und ihrem kleinen Gebiet ausging, so ging das Mittelalter vom Lande aus. Die vorgefundene dünne, über eine große Bodenfläche zersplitterte Bevölkerung, die durch die Eroberer keinen großen Zuwachs erhielt, bedingte diesen veränderten Ausgangspunkt. Im Gegensatz zu Griechenland und Rom beginnt die feudale Entwicklung daher auf einem viel ausgedehnteren, durch die römischen Eroberungen und die anfangs damit verknüpfte Ausbreitung der Agrikultur vorbereiteten Terrain.
Die letzten Jahrhunderte des verfallenden römischen Reichs und die Eroberung durch die Barbaren selbst zerstörten eine Masse von Produktivkräften; der Ackerbau war gesunken, die Industrie aus Mangel an Absatz verfallen, der Handel eingeschlafen oder gewaltsam unterbrochen, die ländliche und städtische Bevölkerung hatte abgenommen. Diese vorgefundenen Verhältnisse und die dadurch bedingte Weise der Organisation der Eroberung entwickelten unter dem Einflusse der germanischen Heerverfassung das feudale Eigentum.
Es beruht, wie das Stamm- und Gemeindeeigentum, wieder auf einem Gemeinwesen, dem aber nicht wie dem antiken die Sklaven, sondern die leibeignen kleinen Bauern als unmittelbar produzierende Klasse gegenüberste-hen. Zugleich mit der vollständigen Ausbildung des Feudalismus tritt noch der Gegensatz gegen die Städte hinzu. Die hierarchische Gliederung des Grundbesitzes und die damit zusammenhängenden bewaffneten Gefolgschaften gaben dem Adel die Macht über die Leibeignen.
Diese feudale Gliederung war ebensogut wie das antike Gemeindeeigentum eine Assoziation gegenüber der beherrschten produzierenden Klasse; nur war die Form der Assoziation und das Verhältnis zu den unmittelba-ren Produzenten verschieden, weil verschiedene Produktionsbedingungen vorlagen. Dieser feudalen Gliede-rung des Grundbesitzes entsprach in den Städten das korporative Eigentum, die feudale Organisation des Handwerks. Das Eigentum bestand hier hauptsächlich in der Arbeit jedes Einzelnen.
Die Notwendigkeit der Assoziation gegen den assoziierten Raubadel, das Bedürfnis / gemeinsamer Markthallen in einer Zeit, wo der Industrielle zugleich Kaufmann war, die wachsende Konkurrenz der den aufblühenden Städten zuströmenden entlaufnen Leibeignen, die feudale Gliederung des ganzen Landes führten die Zünfte herbei; die allmählich ersparten kleinen Kapitalien einzelner Handwerker und ihre stabile Zahl bei der wach-senden Bevölkerung entwickelten das Gesellen- und Lehrlingsverhältnis, das in den Städten eine ähnliche Hierarchie zustande brachte wie die auf dem Lande. Das Haupteigentum bestand während der Feudalepoche also in Grundeigentum mit daran geketteter Leibeignenarbeit einerseits und eigner Arbeit mit kleinem, die Arbeit von Gesellen beherrschendem Kapital andrerseits.
Die Gliederung von Beiden war durch die bornierten Produktionsverhältnisse – die geringe und rohe Boden-kultur und die handwerksmäßige Industrie – bedingt. Teilung der Arbeit fand in der Blüte des Feudalismus wenig statt. Jedes Land hatte den Gegensatz von Stadt und Land in sich; die Ständegliederung war allerdings sehr scharf ausgeprägt, aber außer der Scheidung von Fürsten, Adel, Geistlichkeit und Bauern auf dem Lande und Meistern, Gesellen, Lehrlingen und bald auch Taglöhnerpöbel in den Städten fand keine bedeutende Teilung statt. Im Ackerbau war sie durch die parzellierte Bebauung erschwert, neben der die Hausindustrie der Bauern selbst aufkam, in der Industrie war die Arbeit in den einzelnen Handwerken selbst gar nicht, unter ihnen sehr wenig geteilt.
Die Teilung von Industrie und Handel wurde in älteren Städten vorgefunden, entwickelte sich in den neueren erst später, als die Städte unter sich in Beziehung traten. Die Zusammenfassung größerer Länder zu feudalen Königreichen war für den Grundadel wie für die Städte ein Bedürfnis. Die Organisation der herrschenden Klasse, des Adels, hatte daher überall einen Monarchen an der Spitze.
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Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 34f.
Nota. - Das ist anderthalb Jahrhunderte alt und doch noch nicht überholt: in der Geschichtsschreibung eine uneingeholte Leistung. Denn was fehlt, die Einsicht in der progressiven Charakter der feudalen Produktions-weise, lässt sich überhaupt nur im Lichte ebendieser Darstellung erkennen. Anders als die Sklavenarbeit auf den römischen Latifundien hat die bedingte Form des feudalen Eigentums den Grundherrn ebenso wie den Ackerbauern gemeinsam an der wirtschaftlichen Leistung interessiert. Ohne dies wäre die durchgängige Kulti-vierung des Bodens nördlich und östlich der Alpen in verhältnismäßig kurzer Zeit nicht möglich gewesen.
Und, so muss man hinzufügen, ohne die kongenitale Rivalität der weltlich und der geistlichen Mächte hätten die Städte, und das heißt: das Bürgertum nicht den Spielraum gefunden, sich als Dritte Macht zwischen sie und schließlich an ihre Stelle zu schieben.
Zwar ist es eine unausgesprochene Prämisse der Marx-Engels'schen Darstellung, doch verdient es, ausdrücklich gesagt zu werden: Unter anderen Voraussetzungen als der Feudalität wäre die Ausbildung der bürgerlichen Gesellschaft nicht möglich gewesen. Wäre? Ist! Die einzige Stelle in der Welt, wo eine vergleichbare bürgerliche Entwicklung zustande gekommen ist, ist Japan mit seiner nicht 'asiatischen', sondern viel eher feudalen Produktionsweise.
JE
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