geo
Ausnahmsweise indes kommen Perioden vor, wo die kämpfenden Klassen einander so nahe das Gleichgewicht halten, daß die Staatsgewalt als scheinbare Vermittlerin momentan eine gewisse Selbständigkeit gegenüber bei- den erhält. So die absolute Monarchie des 17. und 18. Jahrhunderts, die Adel und Bürgertum gegeneinander balanciert; so der Bonapartismus des ersten und namentlich des zweiten französischen Kaiserreichs, der das Proletariat gegen die Bourgeoisie und die Bourgeoisie gegen das Proletariat ausspielte. Die neueste Leistung in dieser Art, bei der Herrscher und Beherrschte gleich komisch erscheinen, ist das neue deutsche Reich Bismarck- scher Nation: Hier werden Kapitalisten und Arbeiter gegeneinander balanciert und gleichmäßig geprellt zum Besten der verkommnen preußischen Krautjunker.
__________________________________________________________________________________
Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, MEW 21, Berlin (O) 1962, S. 167
Nota. - Hervorzuheben war, dass der Bonapartismus des 19. Jahrhundert etwas so völlig Neues nicht war, das es nötig machte, die allgmeine Theorie vom Klassencharakter des Staates zu revidieren: Er hatte seinen histori- schen Vorläufer und sein Vorbild in der absoluten Monarchie.
Aber der entscheidende Unterschied: Die absoluten Monarchie begleiteten und bewerkstelligten den Übergang von der Feudalordnung zur bürgerlichen Produktionsweise - und das dauerte gut zwei Jahrhunderte. Der Bona- partismus dagegen ist ein momentanes Konjunkturprogramm im Rahmen einer bürgerlichen Gesellschaft, in der der Staat sich im Prinzip schon repäsentativ legitimieren muss. Ohne allgemeines Wahlrecht, und sei es nur als Drohung im Hintergrund, hat er keinen dauernden Bestand: Er braucht die Massen - zumindest, um sie zu ma- növrieren.
Mehr darf er ihnen freilich nicht erlauben, sonst fallen die Klassen der Besitzenden, die er gegeneinander aus- spielt, gemeinsam über ihn her. Es ist ein prekäres Balancespiel, bei dem - von Louis XIV. bis Wladimir Putin - auswärtige Militärabenteuer zum Blitzableiter für innere Spannungen guten Dienst erweisen; aber auch Feuer an die Lunte legen können.
Und eines haben Bonapartismus und Absolutismus im Kern gemeinsam: Sie bedürfen zu ihrer Herrschaft eines stabilen bürokratischen Staatsapparats. Er ist ihre wahre "Massenbasis" und ihr unerschöpfliches Korruptions- mittel.
JE
J.-F. Millet
Und dennoch schwebt die Staatsgewalt nicht in der Luft. Bonaparte vertritt eine Klasse, und zwar die zahl- reichste Klasse der französischen Gesellschaft, die Parzellenbauern.
Wie die Bourbons die Dynastie des großen Grundeigentums, wie die Orléans die Dynastie des Geldes, so sind die Bonapartes die Dynastie der Bauern, d.h. der französischen Volksmasse. Nicht der Bonaparte, der sich dem Bourgeoisparlamente unterwarf, sondern der Bonaparte, der das Bourgeoisparlament auseinanderjagte, ist der Auserwählte der Bauern. Drei Jahre war es den Städten gelungen, den Sinn der Wahl vom 10. Dezember zu ver- fälschen und die Bauern um die Wiederherstellung des Kaiserreichs zu prellen. Die Wahl vom 10. Dezember 1848 ist erst erfüllt worden durch den coup d’état vom 2. Dezember 1851.
Die Parzellenbauern bilden eine ungeheure Masse, deren Glieder in gleicher Situation leben, aber ohne in man- nigfache Beziehung zueinander zu treten. Ihre Produktionsweise isoliert sie voneinander, statt sie in wechselsei- tigen Verkehr zu bringen. Die Isolierung wird gefördert durch die schlechten französischen Kommunikations- mittel und die Armut der Bauern. Ihr Produktionsfeld, die Parzelle, läßt in seiner Kultur keine Teilung der Ar- beit zu, keine Anwendung der Wissenschaft, also keine Mannigfaltigkeit der Entwicklung, keine Verschieden- heit der Talente, keinen Reichtum der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Jede einzelne Bauernfamilie genügt beinah sich selbst, produziert unmittelbar selbst den größten Teil ihres Konsums und gewinnt so ihr Lebensmaterial mehr im Austausche mit der Natur als im Verkehr mit der Ge- sellschaft. Die Parzelle, der Bauer und die Familie; daneben eine andre Parzelle, ein andrer Bauer und eine andre Familie. Ein Schock davon macht ein Dorf, und ein Schock Dörfer macht ein Departement. So wird die große Masse der französischen Nation gebildet durch einfache Addition gleichnamiger Größen, wie etwa ein Sack von Kartoffeln einen Kartoffelsack bildet.
Insofern Millionen von Familien unter ökonomischen Existenzbedingungen leben, die ihre Lebensweise, ihre Interessen und ihre Bildung, von denen der andern Klassen trennen und ihnen feindlich gegenüberstellen, bil- den sie eine Klasse. Insofern ein nur lokaler Zusammenhang unter den Parzellenbauern besteht, die Dieselbig- keit ihrer Interessen keine Gemeinsamkeit, keine nationale Verbindung und keine politische Organisation unter ihnen erzeugt, bilden sie keine Klasse. Sie sind daher unfähig, ihr Klasseninteresse im eigenen Namen, sei es durch ein Parlament, sei es durch einen Konvent geltend zu machen. Sie können sich nicht vertreten, sie müs- sen vertreten werden. Ihr Vertreter muß zugleich als ihr Herr, als eine Autorität über ihnen erscheinen, als eine unumschränkte Regierungs-/gewalt, die sie vor den andern Klassen beschützt und ihnen von oben Regen und Sonnenschein schickt. Der politische Einfluß der Parzellenbauern findet also darin seinen letzten Ausdruck, daß die Exekutivgewalt sich die Gesellschaft unterordnet.
_________________________________________________________________________
Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, MEW 8, VII. Kapitel; Berlin (O) 1960, S. 197f.
Nota. - Das war die Elementaraufgabe der französischen Revolution gewesen: der aufkommenden Industrie einen inneren Markt zu schaffen, der sie nach außen instand setzte, gegen die Engländer zu konkurrieren; Napoleons Kontinentalsperre hat ihn besiegelt. Der innere Markt, das war ein Ozean von landwirtschaftlichen Kleinunternehmern, die nun nicht mehr Pächter bei einem feudalen Grundherrn, sondern selber Herren auf ihrer Scholle waren; selber Geld in die Hände bekamen, mit dem sie einheimische Produkte kaufen - und für das sie sich bei französischen Banken verschulden konnten.
Sie waren die Basis für Napoleons Siegeszug in Europa, und fortan entschied sich die innere Politik Frankreichs daran, welcher Partei es gelang, die ländliche Kleinbourgeoisie hinter sich zu sammeln.
Schaffung des inneren Marktes ist die Kernaufgabe einer jeden bürgerlichen Revolution. Die organische Unfä- higkeit der Bauernschaft, eine eigene Partei zu bilden, war hernach das Kernproblem aller bürgerlichen Revolu- tionen in den kolonialen und halbkolonialen Ländern und zwang die Revolution, permanent zu werden... oder eben zu scheitern.
Es ist nicht die "Borniertheit des Landlebens", das die Bauernschaft zu eigener gesellschaftspolitischer Identität unfähig macht. Es ist die Eigenheit ihrer Stellung zueinander im Unterschied zu den andern Klassen: die "Diesel- bigkeit ihrer Interessen", die jedoch "keine Gemeinsamkeit" erzeugt. Jede Parzelle hat im Prinzip dieselben In- teressen wie die Nachbarparzelle, aber ein jede nur für sich und im - fast alltäglichen - Streitfall gegen die andern. Wollten sie sich ihre eigenen Repräsentanten geben, würden sie immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner vertreten können; und alsbald von Neidern verdrängt werden. Vertreten werden müssen sie von einem väterli- chen Gönner, der keiner von ihnen ist, der über ihnen allen steht und es gut mit ihnen meint. Sie können selber keine Richtung vorgeben, sondern durch ihre Masse immer nur der einen oder andern Richtung den Ausschlag verschaffen.
Diese zwei Jahrhunderte alte Vorgeschichte prägt die französische Innenpolitik bis heute.
JE
Ratapoil, H. Daumier
Aber die Revolution ist gründlich. Sie ist noch auf der Reise durch das Fegefeuer begriffen. Sie vollbringt ihr Geschäft mit Methode. Bis zum 2. Dezember 1851 hatte sie die eine Hälfte ihrer Vorbereitung absolviert, sie absolviert jetzt die andre. Sie vollendete erst die parlamentarische Gewalt, um sie stürzen zu können. Jetzt, wo sie dies erreicht, vollendet sie die Exekutivgewalt, reduziert sie auf ihren reinsten Ausdruck, isoliert sie, stellt sie sich als einzigen Vorwurf gegenüber, um alle ihre Kräfte der Zerstörung gegen sie zu konzentrieren. Und wenn sie diese zweite Hälfte ihrer Vorarbeit vollbracht hat, wird Europa von seinem Sitze aufspringen und jubeln: Brav gewühlt, alter Maulwurf!
Diese Exekutivgewalt mit ihrer ungeheuern bürokratischen und militärischen Organisation, mit ihrer weit- schichtigen und künstlichen Staatsmaschinerie, ein Beamtenheer von einer halben Million neben einer Armee von einer andern halben Million, dieser fürchterliche Parasitenkörper, der sich wie eine Netzhaut um den Leib der französischen Gesellschaft schlingt und ihr alle Poren verstopft, entstand in der Zeit der absoluten Monar- chie, beim Verfall des Feudalwesens, den er beschleunigen half. Die herrschaftlichen / Privilegien der Grundei- gentümer und Städte verwandelten sich in ebenso viele Attribute der Staatsgewalt, die feudalen Würdenträger in bezahlte Beamte und die bunte Mustercharte der widerstreitenden mittelalterlichen Machtvollkommenheiten in den geregelten Plan einer Staatsmacht, deren Arbeit fabrikmäßig geteilt und zentralisiert ist.
Die erste französische Revolution mit ihrer Aufgabe, alle lokalen, territorialen, städtischen und provinziellen Sondergewalten zu brechen, um die bürgerliche Einheit der Nation zu schaffen, mußte entwickeln, was die absolute Monarchie begonnen hatte: die Zentralisation, aber zugleich den Umfang, die Attribute und die Handlanger der Regierungsgewalt. Napoleon vollendete diese Staatsmaschinerie. Die legitime Monarchie und die Julimonarchie fügten nichts hinzu als eine größere Teilung der Arbeit, in demselben Maße wachsend, als die Teilung der Arbeit innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft neue Gruppen von Interessen schuf, also neues Material für die Staatsverwaltung.
Jedes gemeinsame Interesse wurde sofort von der Gesellschaft losgelöst, als höheres, allgemeines Interesse ihr gegenübergestellt, der Selbsttätigkeit der Gesellschaftsglieder entrissen und zum Gegenstand der Regierungs- tätigkeit gemacht, von der Brücke, dem Schulhaus und dem Kommunalvermögen einer Dorfgemeinde bis zu den Eisenbahnen, dem Nationalvermögen und der Landesuniversität Frankreichs.
Die parlamentarische Republik endlich sah sich in ihrem Kampfe wider die Revolution gezwungen, mit den Repressivmaßregeln die Mittel und die Zentralisation der Regierungsgewalt zu verstärken. Alle Umwälzungen vervollkommneten die Maschine statt sie zu brechen. Die Parteien, die abwechselnd um die Herrschaft rangen, betrachteten die Besitznahme dieses ungeheueren Staatsgebäudes als die Hauptbeute des Siegers.
Aber unter der absoluten Monarchie, während der ersten Revolution, unter Napoleon war die Bürokratie nur das Mittel, die Klassenherrschaft der Bourgeoisie vorzubereiten. Unter der Restauration, unter Louis-Philippe, unter der parlamentarischen Republik war sie das Instrument der herrschenden Klasse, so sehr sie auch nach Eigenmacht strebte.
Erst unter dem zweiten Bonaparte scheint sich der Staat völlig verselbständigt zu haben. Die Staatsmaschinerie hat sich der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber so befestigt, daß an der Spitze der Chef der Gesellschaft vom 10. Dezember genügt, ein aus der Fremde herbeigelaufener Glücksritter, auf den Schild gehoben von einer trun- kenen Soldateska, die er durch Schnaps und Würste erkauft hat, nach der er stets von neuem mit der Wurst wer- fen muß. Daher die kleinlaute Verzweiflung, das Gefühl der ungeheuersten Demütigung, Herabwürdigung, das die Brust Frankreichs beklemmt und seinen Atem stocken läßt. Es fühlt sich wie entehrt.
_________________________________________________________________________
Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, MEW 8, VII. Kapitel; Berlin (O) 1960, S. 196f.
„Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums und aller Kultur, und da
nutzbringende Arbeit nur in der Gesell- schaft und durch die Gesellschaft
möglich ist, gehört der Ertrag der Arbeit unverkürzt, nach gleichem
Rechte, allen Gesellschaftsgliedern.“
Erster Teil des Paragraphen: „Die Arbeit ist die Quelle alles Reichtums und aller Kultur.“
Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur
ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht
doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die
Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeitskraft. Jene
Phrase findet sich in allen Kinderfibeln und ist insofern richtig, als unter- stellt
wird, daß die Arbeit mit den dazugehörigen Gegenständen und Mitteln
vorgeht.
Ein sozialistisches Programm darf aber solchen bürgerlichen
Redensarten nicht erlauben, die Bedingungen zu verschweigen, die ihnen allein einen Sinn geben. Nur
soweit der Mensch sich von vornherein als Eigentümer zur Natur, der
ersten Quelle aller Arbeitsmittel und –gegenstände, verhält, sie als ihm
gehörig behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, also
auch von Reichtum.
Die Bürger haben sehr gute Gründe, der Arbeit übernatürliche Schöpfungskraft
anzudichten; denn grade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß
der Mensch, der kein andres Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in
allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der andern Menschen
sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen
Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis
arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.
____________________________________________________________________________
aus Marx, Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei ("Kritik des Gothaer Programms") in
MEW 19, S. 13
Nota. - Das Gothaer Programm war als Plattform für die Vereinigung der Lassalleaner mit den 'marxistischen' Eisenachern in einem Kuhhandel entstanden. Da die Lassalleaner in der Sache überall nachgeben mussten, wollten sie wenigstens auf dem Papier kompensiert werden. Das Ergebnis war ein heilloses Mischmasch aus allerlei sozialistischen Phrasen verschiedenster Provenienz. Marx und Engels waren geneigt, sich von diesem Potpourri öffentlich zu distanzieren. Sie ließen sich von Bebel und Liebknecht schließlich doch überreden.
Die Arbeit machen typischerweise die Apologeten der bürgerlichen Wirtschaftsordnung zum Fetisch. Da tun sie die Unternehmer und die Unternommenen in einen Sack und lässt unter den Tisch fallen, dass die sachlichen Bedingungen, die wirkliche Arbeit überhaupt erst möglich machen, von einer Seite her vorab monopolisiert sind - und es sieht fast so aus, als täten sie den Eigentümern des Arbeitsvermögens einen Gefallen, wenn sie ihnen die erforderlichen Arbeitsmittel 'überlassen'. Dass das Monopol über die Arbeitsmittel aus einer vorangegangenen Okkupation hervorgegangen ist, gerät im Weihrauch aus dem Blick.
JE
Diese
verschiednen
Formen
des
Arbeitslohns
gehn
das
allgemeine
Verhältnis
nichts
an.
Es
ist
übrigens
auf
der
Hand
liegend,
daß
beim
Stücklohn
die-
selbe
Frage
eintritt:
Woher
kommt
der
Mehrwert?
Offenbar,
daß
das
Stück
nicht
ganz
bezahlt
wird;
daß
mehr
Arbeit
in
dem
Stück
absorbiert
ist
als
für
es in
Geld
bezahlt
wird.
Also
das
ganze
Phänomen
nur
dadurch
zu
erklären
(alle
andren
Erklärungsweisen
setzen
es
schließ- lich
immer
wieder
voraus),
daß
der
Arbeiter
nicht
seine
Arbeit
verkauft
als
Ware
—
und
das
ist
sie,
sobald
sie
vergegenständlicht
ist,
in
welchem
Gebrauchswert
immer,
also
stets
als
Resultat
des
/Arbeitsprozesses,
also
meist,
bevor
die
Arbeit
gezahlt
wird
—,
sondern
sein
Arbeitsvermögen,
bevor
es
gearbeitet
hat
und
sich
als
Arbeit
verwirklicht
hat.
Das
Resultat
—
daß
der
vorausgesetzte
Wert
oder
die
Geldsumme,
die
der
Käufer
in
die
Zirkulation
warf,
nicht
nur
reproduziert
ist,
sondern
sich
verwertet
hat,
in
einer
bestimmten
Proportion
gewachsen,
zu
dem
Wert
ein
Mehrwert
hinzugekommen
ist
—,
dies
Resultat
wird
nur
in
dem
unmittelbaren
Produktionsprozeß
verwirklicht,
denn
erst
hier
wird
aus
dem
Arbeitsvermögen
wirkliche
Arbeit,
vergegenständlicht
sich
die
Arbeit
in
einer
Wa- re.
Dies
Resultat
ist,
daß
der
Käufer
mehr
vergegenständlichte
Arbeit
in
der
Form
von
Ware
zurückerhält,
als
er
in
der
Form
von
Geld
vorgeschossen
hat. Während
des
Arbeitsprozesses
selbst
ist
dieser
Mehrwert
—
dieses
Surplus
vergegenständlichter
Arbeitszeit
erst
entsprungen,
die
er
später
wieder
in
Zirkulation
wirft,
indem
er
die
neue
Ware
verkauft.
Aber
dieser
zweite
Akt,
in
dem
der
Mehrwert
wirklich
entspringt
und
das
Kapital
in
der
Tat
produktives
Kapi- tal
wird,
kann
nur
eintreten
infolge
des
ersten
Akts
und
ist
nur
eine
Konsequenz
des
spezifischen
Gebrauchs- werts
der
Ware,
die
im
ersten
Akt
zu
ihrem
Wert
gegen
Geld
ausgetauscht
wird.
Der
erste
Akt
findet
aber
nur
statt
unter
gewissen
historischen
Bedingungen.
Der
Arbeiter
muß
frei
sein,
um
über
sein
Arbeitsvermögen
als
sein
Eigentum
verfügen
zu
können,
also
weder
Sklave,
Leibeigner,
Höriger.
Andrerseits
muß
er
ebensowohl
die
Bedingungen,
sein
Arbeitsvermögen
verwirklichen
zu
können,
verloren
haben.
Also
weder
zu
eignem
Gebrauch
wirtschaftender
Bauer
oder
Handwerker
sein,
überhaupt
er
muß
auf- gehört
haben,
Eigentümer
zu
sein.
Es
ist unterstellt,
daß
er
als
Nichteigentümer
arbeitet
und
die
Bedingungen
seiner
Arbeit
ihm
als
fremdes
Eigentum
gegenüberstehn.
In
diesen
Bedingungen
liegt
also
auch,
daß
die
Erde
ihm
als
fremdes
Eigentum
gegenübersteht;
daß
er
ausge- schlossen
ist
vom
Gebrauch
der
Natur
und
ihrer
Produktionen.
Es
ist
dies
der
Punkt,
worin
das
Grundeigen- tum als eine notwendige Voraussetzung der Lohnarbeit und daher des Kapitals erscheint.
Im
übrigen
ist
es
bei
der
Betrachtung
des
Kapitals
als
solchem
nicht
weiter
zu
berücksichtigen,
indem
die
der
kapitalistischen
Form
der
Produktion
entsprechende
Form
des
Grundeigentums
selbst
ein
historisches
Produkt
der
kapitalistischen
Produktionsweise
ist.
In
dem
Dasein
des
Arbeitsvermögens
als
Ware,
angeboten
vom
Arbeiter
selbst
—
liegt
also
ein
ganzer
Umkreis
von
historischen
Bedingungen,
unter
denen
allein
die
Arbeit
Lohnarbeit,
daher
das
Geld
Kapital
werden
kann.
Es handelt
sich
dabei
natürlich
darum,
daß
die
Produktion
im
allgemeinen
auf
dieser
Grundlage
beruht,
die
Lohnarbeit
und
ihre
Verwendung
durch
Kapital
nicht
als
sporadische
Erscheinung
auf
der
Oberfläche
der
Gesellschaft
vorkommt,
sondern
daß
dies herrschendes
Verhältnis.
______________________________________________________________________
Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 103f.
Nota. - Unmittelbar bevor Marx mit dem Begriff, d. h. mit dem "herrschenden Verhältnis" argumentiert, hatte er freilich vorgerechneet, wie auch im Stücklohn letztlich die Arbeitszeit als Maßstab gilt; nämlich im Durchschnitt. Stücklohn kommt nur zur Anwendung, wenn der bestimmte Arbeiter - die bestimmte Gruppe von Arbeitern - in ihrem Durchschnitt den allgemeinen Durchschnitt unterbieten.
JE
Eine
der
ersten
Folgen
der
Einführung
neuer
Maschinerie,
bevor
sie
herrschend
in
ihrem
Produktionszweig
geworden
ist,
ist,
die
Arbeitszeit
der
Arbeiter
zu
verlängern,
die
fortfahren,
mit
den
alten
unvollkommenen
Produktionsmitteln
zu
arbeiten.
Die
mit
der
Maschinerie
produzierte
Ware,
obgleich
sie
über
ihrem
individuellen
Wert
verkauft
wird,
d.
h. über
dem
Quantum
in
ihr
selbst
enthaltner
Arbeitszeit,
wird
unter
dem
bisherigen
gesellschaftlichen,
allgemeinen
Wert
derselben
Produktspezies
verkauft.
Die
gesellschaftlich
notwendige
Arbeitszeit
zur
Produktion
dieser
be- stimmten
Ware
ist
daher
gefallen,
nicht
aber
die
für
die
mit
den
alten
Produktionsinstrumenten
arbeitenden
Arbeiter.
Reichen
also
10
Stunden
Arbeitszeit
hin
zur
Reproduktion
seines
Arbeitsvermögens,
so
enthält
sein
Produkt
von
10
Stunden
nicht
mehr
10
Stunden
notwendiger
Arbeitszeit,
nämlich
unter
den
neuen
gesellschaft- lichen
Produktionsbedingungen
zur
Herstellung
dieses
Produkts
notwendiger
Arbeitszeit,
sondern
vielleicht
nur
6 Stunden.
Wenn
er
daher
14
Stunden
arbeitet,
so
stellen
diese
seine
14
Stunden
nur
10
Stunden
notwendiger
Arbeitszeit
dar,
und
es
sind
nur
10
Stunden
notwendige
Arbeitszeit
in
ihnen
realisiert.
Das
Produkt
hat
daher
auch
nur
den
Wert
eines
Produkts
von
10
Stunden
allgemeiner
notwendiger
gesellschaftlicher
Arbeit.
Er
müßte
die
Arbeits- zeit
verlängern,
wenn
er
selbständig
arbeitet.
Arbeitet
er
als
Lohnarbeiter,
also
notwendig
auch
Surpluszeit,
so
wird
bei
aller
Verlängrung
der
absoluten
Arbeitszeit
die
durchschnittliche
Surplusarbeit
für
den
Kapitalisten
nur
herauskommen,
indem
sein
Lohn
unter
den
frühren
average
fällt,
d.
h.
von
den
mehr
Stunden,
die
er
arbeitet,
weniger
von
ihm
selbst
angeeignet
werden,
nicht,
weil
seine
Arbeit
produktiver,
sondern
weil
sie
unproduktiver
geworden,
nicht,
weil
er
in
kleinrer
Arbeitszeit
dasselbe
Quantum
von
Produkt
schafft,
sondern
weil
das
ihm
zufallende
Quantum
verringert
wird.
______________________________________________________________________
Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 323
Nota I. - Was sich als Gesetzt der Konkurrenz darstellt, ist nichts anderes als die Zeitverzögerung, mit der sich die Veränderungen des Durchschnitts auf der Gebrauchswertseite in verändertem Durchschnitt auf der Tauschwert- seite durchsetzen. Das ist trivial und hat mit Schicksalfügung nichts zu tun.
Nota II. - Unter den Bedingungen einer entwickelten Arbeiterbewegung kann der Kapitalist weder beim Lohn noch bei der Arbeitszeit schalten und walten, wie er will. Umso größer der Druck, den technischen Vorsprung der Konkurrenten aufzuholen und, wenn möglich, zu überholen. Der Klassenkampf beschleunigt die Akkumu- lation, indem er die Konkurrenz der Kapitalien verschärft.
Schon wieder so eine Stelle, wo der Gebrauchswert (der Arbeitskraft) in die Formbestimmung eingreift.
JE
Arbeitsteilung in der Steinzeit, Wiktor Wasnezow
Mit
der
Einführung
der
Maschinerie,
mit
welcher
die
Arbeitsmittel
großen
Wertumfang
annehmen
und
sich
in
massenhaften
Gebrauchswerten
darstellen,
wächst
dieser
Unterschied
zwischen
Arbeitsprozeß
und
Verwertungs- prozeß
und
wird
ein
bedeutendes
Moment
in
der
Entwicklung
der
Produktivkraft
und
dem
Charakter
der
Produk- tion.
Ein
Atelier
von
mechanischen
Webstühlen
z.B.,
das
während
12
Jahren
leistet,
ist
die
Abnutzung
der
Ma- schinerie
usw.
während
des
Arbeitsprozesses
an
einem
Tage
unbedeutend
und
erscheint
daher
der
Wertteil
der
Maschinerie,
der
in
der
einzelnen
Ware
wiedererscheint
oder
selbst
in
dem
Produkt
eines
ganzen
Jahres,
relativ
unbedeutend.
Die
vergangene,
vergegenständlichte
Arbeit
tritt
hier
massenhaft
in
den
Arbeitsprozeß
ein,
wäh- rend
nur
ein
relativ
unbedeutender
Teil
dieses
Teils
des
Kapitals
sich
in
demselben
Arbeitsprozeß
abnutzt,
also
in
den
Verwertungsprozeß
eintritt
und
daher
als
Wertteil
im
Produkt
wiedererscheint.
Wie
bedeutend
daher
immer
die
Wertgröße
sei,
welche
die
in
den
Arbeitsprozeß
eingehnde
Maschinerie
und
die
mit
ihr
gegebnen
Baulichkeiten
usw.
darstellen,
geht,
mit
dieser
Gesamtwertmasse
verglichen,
immer
nur
ein
relativ
geringer
Teil
derselben
in
den
täglichen
Verwertungsprozeß,
daher
in
den
Wert
der
Ware,
ein,
verteuert
die
Ware
relativ,
aber
nur
unbedeutend
und
in
viel
geringerem
Maße,
als
die
von
der
Maschinerie
ersetzte
Hand- arbeit
sie
verteuern
würde.
Wie
groß
daher
auch
der
Teil
des
Kapitals,
der
in
Maschinerie
ausgelegt
ist,
erschei- nen
möge
gegen
den
Teil,
der
in
der
lebendigen
Arbeit
ausgelegt
ist,
welcher
diese
Maschinerie
als
Produktions- mittel
dient,
so
erscheint
diese
Proportion
sehr
gering,
wenn
der
Wertteil
der
Maschinerie,
der
in
der
einzelnen
Ware
wiedererscheint,
verglichen
wird
mit
der
in
derselben
Ware
aufgesaugten
lebendigen
Arbeit,
und
erscheint
der
von
beiden
—
Maschinerie
und
Arbeit
—
dem
einzelnen
Produkt
zugesetzte
Wertteil
gering
—
im
Verhält- nis
zum
Wert
des
Rohmaterials
selbst.
Es ist
erst
mit
der
Maschinerie,
daß
die
gesellschaftliche
Produktion
auf
großer
Stufenleiter
die
Kraft
erwirbt,
Produkte,
die
ein
großes
Quantum
vergangner
Arbeit
darstellen,
also
große
Wertmassen,
ganz
in
den
Arbeits- prozeß
eingehen
zu
lassen,
ganz
als
Produktionsmittel,
während
nur
ein
relativ
geringer
aliquoter
Teil
derselben
in
den
während
des
einzelnen
Arbeitsprozesses
vor
sich
gehenden
Verwertungsprozesses
eingeht.
Das
Kapital,
was
in
dieser
Form
in
jeden
einzelnen
Arbeitsprozeß
eingeht,
ist
groß,
aber
das
Verhältnis,
worin
sein
Gebrauchs- wert
während
dieses
Arbeitsprozesses
vernutzt,
konsu-
miert
wird
und
sein
Wert
daher
ersetzt
werden
muß,
ist
relativ
klein.
Die
Maschinerie
wirkt
ganz
als
Arbeitsmittel,
setzt
dem
Produkt
aber
nur
Wert
zu
im Verhältnis,
worin
der
Arbeitsprozeß
sie
entwertet,
eine
Entwertung,
die / durch
den
Grad
der
Abnutzung
ihres
Gebrauchs- werts
während
des
Arbeitsprozesses
bedingt
ist.
______________________________________________________________________
Ökonomisches Manuskript von 1861-63, in Marx-Engels-Werke Band 43, Berlin 1990, S. 321f.
Nota. - Ohne die Ausbildung des Kapitals wäre die Einführung von Maschinen und der Übergang zu erwei- terter, industrieller Arbeitsteilung nicht möglich gewesen.
Einfache Kooperation in den Ateliers der Manufakturen konnte Ludwig XIV. selbst durchführen. Um Geld zu verdienen, denn seine Kriege waren nicht minder kostspielig als das Bauen in Versailles. Er produzierte Luxus- güter, die auch er selbst gebrauchen konnte - zum Selbstkostenpreis. Die gewaltigen Investitionen, die die Ein- führung von Maschinen erfordert hätten, konnte er sich gar nicht leisten, denn ein Gewinn im kommenden Jahr linderte nicht seine Geldknappheit im Moment.
Der Fürst kann nur selber industrieller Kapitalis werden, wenn es fähig ist, ganz und gar Kapitalist zu werden. Solange seine Privatschatulle Teil des Staatshaushalts ist, ist daran nicht zu denken.
Mit andern Worten, die Verheerungen des Frühkapitalismus und der industriellen Revolution waren historisch unumgänglich; die nachträglichen Romantisierungen aristokratischer Staatssozialisten konnten es nicht vertu- schen.
JE