Dienstag, 27. März 2018

Die als flüchtig gesetzte Substanz.


Das Geld in seiner lezten, vollendeten Bestimmung erscheint nun nach allen Seiten als ein Widerspruch, der sich selbst auflöst; zu seiner eignen Auflösung treibt. Als allgemeine Form des Reichthums steht ihm die ganze Welt der wirklichen Reichthümer gegenüber. Es ist die reine Abstraction derselben, – daher so festgehalten blose Einbildung. Wo der Reichthum in ganz materieller, handgreiflicher Form als solcher zu existiren scheint, hat er [als Geld] seine Existenz blos in meinem Kopf, ist ein reines Hirngespinst. Midas.

Andrerseits als materieller Repräsentant des allgemeinen Reichthums wird es blos verwirklicht, indem es wieder in Circulation geworfen, gegen die einzelnen besondren Weisen des Reichthums verschwindet. In der Circula-tion bleibt es als Circulationsmittel; aber für das aufhäufende Individuum geht es verloren und dieß Verschwin-den ist die einzig mögliche Weise es als Reichthum zu versichern. 

Die Auflösung des Aufgespeicherten in einzelnen Genüssen ist seine Verwirklichung. Es kann nun wieder von andren Einzelnen aufgespeichert werden, aber dann fängt derselbe Prozeß von neuem an. Ich kann sein Sein für mich nur wirklich setzen, indem ich es als bloses Sein für andre hingebe. Will ich es festhalten, so verdun-stet es unter der Hand in ein bloses Gespenst des wirklichen Reichthums. 

Ferner: Das Vermehren desselben durch seine Aufhäufung, daß seine eigne Quantität das Maaß seines Werths ist, zeigt sich wieder als falsch. Wenn die andren Reichthümer sich nicht aufhäufen, so verliert es selbst seinen Werth in dem Maaß in dem es aufgehäuft wird. Was als seine Vermehrung erscheint, ist in der That seine Abnahme. Seine Selbstständigkeit ist nur Schein; seine Unabhängigkeit von der Circulation besteht nur in Rücksicht auf sie, als Abhängigkeit von ihr. Es giebt vor allgemeine Waare zu sein, aber ihrer Natürlichen Besonderheit wegen, ist es wieder eine besondre Waare, deren Werth sowohl von Nachfrage und Zufuhr abhängt, als er wechselt mit seinen spezifischen Productionskosten. 

Und da es selbst in Gold und Silber sich incarnirt, wird es in jeder wirklichen Form einseitig; so daß wenn das eine als Geld das andre als besondre Waare und vice versa erscheint und so jedes in beiden Bestimmungen erscheint. Als der absolut Sichre, ganz von meiner Individualität unabhängige Reichthum, ist es zugleich als das mir ganz äusserliche, das Absolut Unsichre, das durch jeden Zufall von mir getrennt werden kann. Ebenso die ganz widersprechenden Bestimmungen desselben als Maaß, Circulationsmittel, und Geld als solches. 

Endlich in der lezten Bestimmung widerspricht es sich noch, weil es den Werth als solchen / repräsentiren soll; in der That aber nur ein identisches Quantum von veränderlichem Werth* repräsentirt. Es hebt sich daher auf als vollendeter Tauschwerth. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1  S. 157f. [MEW 42, S. 160]


*) nämlich als Edelmetall; aber auch die Papierwährungen wechseln ihren Wert nach Marktlage. Dagegen wird der Reichtum längst nicht mehr als Geld angehäuft, sondern "in Papieren angelegt". Deren Börsenwerte wer-den in Geld angegeben. Es steht nicht für eine Sache ein – den Wert –, sondern für ein Verhältnis: den Wert. Und ein Verhältnis ist veränderlich in dem Maße, wie die sich gegeneinander Verhaltenden ihr Verhalten än-dern.
JE, 26. 10. 15


Montag, 26. März 2018

Die Bedingungen für die Entstehung des Systems sind nicht die Regeln seines Fortbestands.


Wenn z. B. das Weglaufen der Leibeignen in die Städte eine der historischen Bedingungen und Vorausset- zungen des Städtewesens ist, so ist es keine Bedingung, kein Moment der Wirklichkeit des ausgebildeten Städtewesens, sondern gehört zu seinen vergangnen Voraussetzungen, den Voraussetzungen seines Werdens, die in seinem Dasein aufgehoben sind. Die Bedingungen und Voraussetzungen des Werdens, des Entstehns des Capitals unterstellen eben, daß es noch nicht ist, sondern erst wird; sie verschwinden also mit dem wirklichen Capital, mit dem Capital das selbst, von seiner Wirklichkeit ausgehend, die Bedingungen seiner Verwirklichung sezt. 

So z. B. wenn bei dem ursprünglichen Werden des Geldes oder des für sich seienden Werths zu Capital eine Accumulation – sei es durch Ersparung an den durch eigne Arbeit geschaffnen Producten und Werthen etc – auf Seiten des Capitalisten vorausgesezt ist, die er als Nichtcapitalist vollbracht hat – wenn also die Voraus- setzungen des Werdens des Geldes zu Capital als gegebne äussere Voraussetzungen für die Entstehung des Capitals erscheinen – so, sobald das Capital als solches geworden ist, schafft es seine eignen Voraussetzungen, nämlich den Besitz der realen Bedingungen für Schöpfung von Neuwerthen ohne Austausch – durch seinen eignen Productionsprocess. 

Diese Voraussetzungen, die ursprünglich als Bedingungen seines Werdens erschienen – und daher noch nicht von seiner Action als Capital entspringen konnten – erscheinen jezt als Resultate seiner eignen Verwirklichung, Wirklichkeit, als gesezt von ihm – nicht als Bedingungen seines Entstehens, sondern als Resultate seines Daseins. Es geht nicht mehr von Voraussetzungen aus, um zu werden, sondern ist selbst vorausgesezt, und von sich ausgehend, schafft die Voraussetzungen seiner Erhaltung und Wachsthums selbst. 
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Grundrisse, MEGA II/1.2,  S. 368 [MEW 42, S. 372]


Nota. - Der 'Grund' eines Systems liegt außerhalb seiner und kommt in ihm nicht vor, und die immanente, "logische" Analyse kann ihn nicht ergründen. - Dieser Gedanke kommt in der ontologischen Dialektik Hegels natürlich nicht vor: Da ist durchgehend das Eine, als Substanz gefasste Große Subjekt am Wirken. Nun ist Hegels Dialektik eine dogmatische Parodie der kritischen, analytisch-synthetischen Methode Fichtes. Der Gedanke, dass der Grund eines Systems nur außerhalb seiner gefunden werden kann, ist dort ein durchgängiges Denk- motiv. Wer das, was an Hegel allenfalls brauchbar ist, vom Kopf auf die Füße stellen will, wird sich bei Fichte wiederfinden.
JE, 28. 8. 15



Sonntag, 25. März 2018

Zum Individuum wird der Mensch durch den Austausch.



Der Mensch vereinzelt sich erst durch den historischen Process. Er erscheint ursprünglich als ein Gattungs-wesen, Stammwesen, Heerdenthier – wenn auch keineswegs als ein ζω̃ον πολιτιϰόν im politischen Sinn. 

Der Austausch selbst ist ein Hauptmittel / dieser Vereinzelung. Er macht das Heerdenwesen überflüssig und löst es auf. Sobald die Sache sich so gedreht, daß er als Vereinzelter nur mehr sich auf sich bezieht, die Mittel aber, um sich als Vereinzelter zu setzen, sein sich Allgemein- und Gemeinmachen geworden sind. In diesem Gemeinwesen ist das objektive Dasein des Einzelnen als Eigenthümer, sage z. B. Grundeigenthümer voraus-gesezt und zwar unter gewissen Bedingungen, die ihn an das Gemeinwesen ketten, oder vielmehr einen Ring in seiner Kette machen. 

In der bürgerlichen Gesellschaft steht der Arbeiter z. B. rein objektivlos, subjektiv da; aber die Sache, die ihm gegenübersteht, ist das wahre Gemeinwesen nun geworden, das er zu verspeisen sucht, und von dem er ver-speist wird. 
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Grundrisse, MEGA II/1.2  S. 399f. [MEW 42, S. 404]


Nota. - Das wahre Gemeinwesen, das er zu verspeisen sucht und von dem er verspeist wird, ist offenbar der zu Geld gewordene Tauschwert. Zum Einzelnen kann er nur in diesem Gemeinwesen werden. Anders: Als Aus-tauschender führt der Mensch zugleich eine private und eine öffentliche Existenz. Öffentlich wird er, sobald er mit dem geldgewordenen Tauschwert in Berührung kommt.
JE, 28. 9. 15

Samstag, 24. März 2018

Die Kritik und der Schein vom System.

Tinguely, Méta.Harmonie II

Wieso aber überhaupt eine begriffliche Darstellung, wieso nicht bloß historischer Bericht, "wie alles gekommen ist"; wieso eine Darstellung, "als ob" die Begriffe sich selber "setzen und entgegesetzen"? 

Das ist nichts anderes als die Frage: "wieso aber überhaupt eine Kritik?" 

Die Kritik ist nämlich immner nur die Frage nach der Rechtfertigung, nämlich der Rechtfertigung dessen, was ist, durch den Schein, durch die "transzendentale Dialektik" der Kategorienwirtschaft, in der das "Sein" eben immer erscheint als notwendig, also vernünftig; nämlich in der Logik, im Vernunftgesetz selbst begründet.

Denn wenn dem tatsächlich so wäre, dass "die bürgerliche Ökonomie" - sowohl ihr realer Prozess als auch dessen ideale Darstellung in der Wissenschaft - ein organisches System darstellt, in dem 'jedes Gesetzte zugleich Voraussetzung aller andern' Gesetzten ist; oder genauer: wenn der reale Prozess der bürgerlichen Produktion sich wirklich in dem Sinn darstellen ließe, als ob dort 'alles seine richtige Ordnung hat', Eines alles andre und alles Andre ein jedes Einzelne begründet... -, dann rechtfertigt es sich ipso facto: "Rechtfertigen" ist ableiten aus idealen Gründen (hier deutlich: die Abkunft der 'Kategorien' aus dem Zwecken, d. h. der 'Theorie' aus 'dem Prak- tischen'); also wenn die klassische Nationalökonomie es wirklich vollbracht hätte, die Realität des bürgerlichen Produktionsprozesses als ein geschlossenes System logischer Wechselbestimmungen, als ein kohärentes Gebäu- de einander gegenseitig tragender Kategorien darzustellen, dann... wäre dem reellen System der bürgerlichen Produktionsweise nicht mehr aus Gründen beizukommen. Es wäre also nicht zu kritisieren. Es wäre lediglich zu "verwerfen" - aus 'Motiven', 'Interessen', 'Begierden'; nur "abzulehnen" aus Privatbeweggründen, seien diese auch "kollektiv" und "massenhaft" privat; nicht aber aufzulösen aus gültigen, nämlich allgemeinen Gründen.

Langer Rede kurzer Sin: Der Zweck der wissenschaftlich Kritik der politischen Ökonomie ist die Zersetzung des ideologischen Scheins, in dem die bürgerliche Produktionsweise als gerechtfertigt gilt; nämlich - das ist der Kern - die Darstellung des bürgerliche Appropriationsgesetzes als Äaquivalententausch - nachdem freilich faktisch die Expropriation der Produzenten reell schon vorausgesetzt ist; aber eben nicht in der idealen Repräsentation, allgemeinen Vorstellung.

Und Träger dieses Scheins - des Äquivalententauschs - ist das Axiom der bürgerlichen Welt- und Lebensan- schauung von "dem Menschen" als Arbeiter!

27. 9. 87 







Freitag, 23. März 2018

Der universelle Vermittler.


Die Exakte Entwicklung des Capitalbegriffs nöthig, da er der Grundbegriff der modernen Oekonomie, wie das Capital selbst, dessen abstraktes Gegenbild sein Begriff, die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft. Aus der scharfen Auffassung der Grundvoraussetzung des Verhältnisses müssen sich alle Widersprüche der bürgerlichen Production ergeben, wie die Grenze, an der es über sich selbst hinaus treibt.

Es ist wichtig zu bemerken, daß der Reichthum als solcher, i. e. der bürgerliche Reichthum immer in der höchsten Potenz ausgedrückt ist in dem Tauschwerth, wo er als Vermittler gesezt, als die Vermittlung der Extreme von Tauschwerth und Gebrauchswerth selbst. Diese Mitte erscheint immer als das vollendete ökonomische Verhältniß, weil es die Gegensätze zusammenfaßt, und erscheint schließlich immer als eine Einseitig Höhere Potenz gegenüber den Extremen selbst; weil die Bewegung oder das Verhältniß, das / als vermittelnd zwischen den Extremen ursprünglich erscheint, dialektisch dazu nothwendig fortführt, daß es als Vermittlung mit sich selbst erscheint, als das Subject, dessen Momente nur die Extreme sind, deren selbstständige Voraussetzung es aufhebt, um sich durch ihre Aufhebung selbst als das allein Selbstständige zu setzen. 

So in der religiösen Sphäre Christus der Mittler zwischen Gott und dem Menschen – bloses Circulationsinstrument zwischen beiden – wird ihre Einheit, Gottmensch, und wird als solcher wichtiger denn Gott; die Heiligen wichtiger als Christus; die Pfaffen wichtiger als die Heiligen. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 246f. [MEW 42, S. 250f.]


Nota. – Wert ist – nach seiner Erscheinung, sagt Marx, was immer das heißen mag – nichts als Tauschwert. Genauer gesagt, er ist gar nicht, sondern vermittelt bloß. Ist im Moment der Vermittlung, könnte man allenfalls sagen. Zwischen wem? Zwischen sich und dem Gebrauchswert? Zwischen den Reichtümern und den Bedürf-nissen, denn nichts anderes stellen die Gebrauchswerte dar  nämlich sofern sie Gebrauchswerte werden im Moment ihres Verzehrs. 

Doch die Bedürfnisse sind keine abstrakten, womöglich gleichen Größen, sondern sie sind die Bedürfnisse von Diesem oder Jenem. Wären Dieser und Jener gleich, so gälten auch ihre Bedürfnisse gleich. Aber sie sind ver-schieden, das ist schon von Natur so.* Irgendeinen Maßstab (oder persönlichen Schiedsrichter) müsste man immer suchen, wenn man die Verteilung angemessen, "gerecht" vornehmen will.  Die bürgerliche Gesellschaft nun misst den Anteil eines jeden am gesellschaftlichen Reichtum an der Menge fremder Arbeitskraft, über die er, qua Kaufkraft, verfügt. Aber das liegt nicht am Tauschwert selbst, sondern an der Klassenspaltung, auf der er beruht.
JE, 11. 10. 15

*) Marx hat die Gleicheitspropheten in der Kritik des Gothaer Programms darauf hingewiesen.

Donnerstag, 22. März 2018

Vermittlung, Für-sich-sein und gegenseitige Anerkennung.



Aber dieß ist nicht alles: Das Individuum A dient dem Bedürfnisse des Individuums B vermittelst der Waare a, nur insofern und weil das Individuum B dem Bedürfniß des Individuums A vermittelst der Waare b dient und vice versa. Jedes dient dem andren um sich selbst zu dienen; jedes bedient sich des andren wechselseitig als seines Mittels. 

Es ist nun beides in dem Bewußtsein der beiden Individuen vorhanden: 1) daß jedes nur seinen Zweck erreicht, soweit es dem andren als Mittel dient; 2) daß jedes nur Mittel für das andre (Sein für andres) wird als Selbst-zweck (Sein für sich); 3) daß die Wechselseitigkeit, wonach jedes zugleich Mittel und Zweck, und zwar nur seinen Zweck erreicht, insofern es Mittel wird, und nur Mittel wird, insofern es sich als Selbstzweck sezt, daß jeder sich also als Sein für andres sezt, insofern er Sein für sich, und der andre als Sein für ihn, insofern er Sein für sich – daß diese Wechselseitigkeit ein nothwendiges fact ist, vorausgesezt als natürliche Bedingung des Aus-tauschs, daß sie aber als solche jedem der beiden Subjekte des Austauschs gleichgültig ist, und ihm diese Wech-selseitigkeit nur Interesse hat, so weit sie sein Interesse als das des andren ausschliessend, ohne Beziehung darauf befriedigt. 

D. h. das gemeinschaftliche Interesse, was als Motiv des Ge-/sammtakts erscheint, ist zwar als fact von beiden Seiten anerkannt, aber als solches ist es nicht Motiv, sondern geht so zu sagen nur hinter dem Rücken der in sich selbst reflectirten Sonderinteressen, dem Einzelinteresse im Gegensatze zu dem des andren vor. Nach dieser lezten Seite kann das Individuum höchstens noch das tröstliche Bewußtsein haben, daß die Befriedigung seines gegensätzlichen Einzelinteresses grade die Verwirklichung des aufgehobnen Gegensatzes, des gesell-schaftlichen allgemeinen Interesses ist. 

Aus dem Akt des Austauschs selbst ist das Individuum, jedes derselben in sich reflectirt als ausschließliches und herrschendes (bestimmendes) Subject desselben. Damit ist also die vollständige Freiheit des Individuums gesezt: Freiwillige Transaction; Gewalt von keiner Seite; Setzen seiner als Mittel, oder als dienend, nur als Mittel um sich als Selbstzweck, als das Herrschende und Uebergreifende zu setzen; endlich das selbstsüchtige Interes-se, kein darüber stehendes verwirklichend; der andre ist auch als ebenso sein selbstsüchtiges Interesse verwirkli-chend anerkannt und gewußt, so daß beide wissen, daß das gemeinschaftliche Interesse eben nur in der Dop-pelseitigkeit, Vielseitigkeit, und Verselbstständigung nach den verschiednen Seiten der Austausch des selbst-süchtigen Interesses ist. Das allgemeine Interesse ist eben die Allgemeinheit der selbstsüchtigen Interessen. 
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Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 167f. [MEW 42, S. 169f.


 
Nota. - Das bürgerliche Individuum ist a priori als vergesellschaftet gesetzt: So 'findet es sich vor'. Vergesellschaftet aber nicht naturwüchsig durch leibhaftige Angehörigkeit zu einer Lebensgemeinschaft, sondern vorab vermittelt durch eine überpersönliche Instanz, den Markt; außerdem können die Andern ihm fremd bleiben. Als Markt-teilnehmer ist er eine öffentliche Person, ansonsten wird er privat, was er in den naturwüchsigen Gemeinschaf-ten niemals konnte.

Nota II. - Wenn Sie übrigens meinen, Vermittlung, Fürsichsein und Anerkennung seien Hegel'sche Schlüssel-wörter, liegen sie nur halb richtig. Zuvor waren sie nämlich Fichte'sche Schlüsselwörter, bei dem hat sie der andere geklaut.
JE


Mittwoch, 21. März 2018

Geld, Symbol und allgemeine Anerkennung.



Die Verwandlung der Waare in Tauschwerth sezt sie aber nicht einer bestimmten andren Waare gleich, sondern drückt sie als Equivalent, ihr Austauschbarkeitsverhältniß zu allen andren Waaren aus. Diese Vergleichung, die im Kopf mit einem Schlag vorgenommen ist, wird in der Wirklichkeit nur in einem bestimmten, durch das Bedürfniß bestimmten Umkreis realisirt, und nur successive. (Z. B. ich tausche der Reihe nach ein Ein-/kommen von 100 Thalern, wie es meine Bedürfnisse mit sich bringen, gegen einen ganzen Umkreis von Waaren aus, deren Summe = dem Tauschwerth von 100 Th.) 

Um also die Waare auf einen Schlag als Tauschwerth zu realisiren und ihr die allgemeine Wirkung des Tauschwerths zu geben, reicht der Austausch mit einer besondren Waare nicht aus. Sie muß mit einem dritten Ding ausgetauscht werden, das nicht selbst wieder eine besondre Waare ist, sondern das Symbol der Waare als Waare, des Tauschwerths der Waare selbst; das also sage die Arbeitszeit als solche repräsentirt, sage ein Stück Papier oder Leder, welches einen aliquoten Theil Arbeitszeit repräsentirt. (Ein solches Symbol unterstellt die allgemeine Anerkennung; es kann nur ein gesellschaftliches Symbol sein; es drückt in der That nur ein gesellschaftliches Verhältniß aus.) 

Dieß Symbol repräsentirt die aliquoten Theile der Arbeitszeit; den Tauschwerth in solchen aliquoten Theilen, als fähig sind durch einfache arithmetische Combination alle Verhältnisse der Tauschwerthe unter einander auszudrücken. Dieß Symbol, dieß materielle Zeichen des Tauschwerths ist ein Product des Tausches selbst, nicht die Ausführung einer a priori gefaßten Idee. (In fact wird die Waare, die als Mittler des Austauschs gebraucht wird, erst nach und nach in Geld verwandelt, in ein Symbol; sobald das geschehn ist, kann ein Symbol derselben sie selbst wieder ersetzen. Sie wird jezt bewußtes Zeichen des Tauschwerths.)
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Grundrisse, MEGA II/1.1, S. 78f. [MEW 42, S. 79]


Nota.  Begriff ist Symbol. Als solches unterstellt es allgemeine Anerkennung: Das ist der springende Punkt, denn die kann historisch gegeben oder nicht gegeben sein, und das ist eine rein faktische Frage. 

Eine logische Schwierigkeit  nämlich beim Gebrauch der Begriffe  liegt darin, dass das Symbol sowohl eine Klasse wirklicher konkreter Dinge bezeichnen kann, als auch eine bloße gedankliche Abstraktion oder gar Projektion. Ob das eine oder das andere, sieht man dem Symbol selber nicht an; man kann sie verwechseln.
JE, 7. 10. 15