Montag, 9. Januar 2017

Modell und Wirklichkeit: vom 1. zum 3. Band.


my-baltic

Im ersten Buch wurden die Erscheinungen untersucht, die der kapitalistische Produktionsproceß, für sich genommen, darbietet, als unmittelbarer Produktionsproceß, bei dem noch von allen sekundären Einwirkungen ihm fremder Umstände abgesehn wurde. Aber dieser unmittelbare Produktionsproceß erschöpft nicht den Lebenslauf des Kapitals. Er wird in der wirklichen Welt ergänzt durch den Cirkulationsproceß, und dieser bildete den Gegenstand der Untersuchungen des zweiten Buchs. 

Hier zeigte sich, namentlich im dritten Abschnitt, bei Betrachtung des Cirkulationsprocesses als der Vermitt- lung des gesellschaftlichen Reproduktionsprocesses, daß der kapitalistische Produktionsproceß, im Ganzen betrachtet, Einheit von Produktions- und Cirkulationsproceß ist. Worum es sich in diesem dritten Buch han- delt, kann nicht sein, allge-/meine Reflexionen über diese Einheit anzustellen. Es gilt vielmehr, die konkreten Formen aufzufinden und darzustellen, welche aus dem Bewegungsproceß des Kapitals, als Ganzes betrachtet, hervorwachsen. 

In ihrer wirklichen Bewegung treten sich die Kapitale in solchen konkreten Formen gegenüber, für die die Gestalt des Kapitals im unmittelbaren Productionsproceß, wie seine Gestalt im Cirkulationsproceß, nur als besondere Momente erscheinen. Die Gestaltungen des Kapitals, wie wir sie in diesem Buch entwickeln, nähern sich also schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfläche der Gesellschaft, in der Aktion der verschiedenen Kapitale auf einander, der Konkurrenz, und im gewöhnlichen Bewußtsein der Produktionsagenten selbst auftreten.
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Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 29f. [MEW 25, S. 33]
   



Nota. - Große Verwirrung hat nicht nur zu Zeiten der Zweiten Internationale, sondern auch wieder (von der Tragödie zur Farce) in den studentischen PollÖck-Schulungen der siebziger Jahre die Auffassung angerichtet, im 1. Band des Kapital stünde alles Wesentliche, in den beiden andern Bänden würden nur mehr oder weniger zufäl- lige Oberflächenerscheinungen beschrieben, die für das theoretische Verständnis nebensächlich sind. Man meinte, der individuelle Kapitalist beute die von ihm beschäftigten Arbeiter individuell aus, einem jeden presse er ein Stück Mehrwert ab, das er als Profit in die eigene Tasche stecke. Man glaubte, die kapitalistische Ausbeu- tung sei erfahrbar, man müsse nur "in die Betriebe gehen" und sie den Arbeitern dort recht anschaulich vor Augen führen. 

Im großen weltmarktlichen Ganzen ist der Profit 'nichts anderes' als der Mehrwert, aber was der Kapitalist wirklich einsteckt, ist der Profit, den Mehrwert kriegt weder er noch irgendwer sonst je zu Gesicht. Es 'gibt ihn' gar nicht so, wie es etwa den Vogel auf dem Zweig gibt. Im theoretischen Modell, nämlich so, wie es im 1. Band entworfen wird, erscheint er als das, was dem Profit, der die einzige Realität ist, "in Wahrheit zu Grunde liegt". Der Mehrwert ist eine Abstraktion so, wie das ganze Modell eine Abstraktion ist - und "der Wert" schon mal erst recht. Eine Abstraktion nämlich von der Konkurrenz der vielen Kapitale untereinander, und die ist keine Oberflächenerscheinung, sondern der Motor der bürgerlichen Gesellschaft; aber eben Konkurrenz der Kapitale, und deren Begriff musste erst einmal bestimmt werden.

Wer sich vom Konkreten zum Abstrakten, von der Anschauung zum Begriff durcharbeiten wollte, müsste sein Studium eigentlich beim 3. Band beginnen, nur würde er leider nichts verstehen, denn eingeführt werden die Begriffe am theoretischen Modell und nicht in der Anschauung - die bliebe blind, wenn die Begriffe ihr nicht die Augen öffneten. 
JE



Sonntag, 8. Januar 2017

Gebrauchswert und gesellschaftliches Bedürfnis.


Schnorr von Carolsfeld Speisung der 5000

Es ist in der That das Gesetz des Werths, wie es sich geltend macht, nicht in Bezug auf die einzelnen Waaren oder Artikel, sondern auf die jedesmaligen Gesammtprodukte der besondren, durch die Theilung der Arbeit verselbständigten gesellschaftlichen Produktionssphären; sodaß nicht nur auf jede einzelne Waare nur die nothwendige Arbeitszeit verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit nur das nöthige proportionelle Quantum in den verschiednen Gruppen verwandt ist. 

Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswerth. Wenn aber der Gebrauchswerth bei der einzelnen Waare davon abhängt, daß sie an und für sich ein Bedürfniß befriedigt, so bei der gesellschaftlichen Produktenmasse davon, daß sie dem quantitativ bestimmten gesellschaftlichen Bedürfniß für jede besondre Art von Produkt adäquat, und die Arbeit daher im Verhältniß dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse, die quantitativ umschrieben sind, in die verschiednen Produktionssphären proportionell vertheilt ist. (Dieser Punkt heranzuziehn bei der Verthei- lung des Kapitals in die verschiednen Produktionssphären.) 

Das gesellschaftliche Bedürfniß, d. h. der Gebrauchswerth auf gesellschaftlicher Potenz, erscheint hier bestimmend für die Quota der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit, die den verschiednen besondren Produktionssphären anheimfallen. Es ist aber nur dasselbe Gesetz, das sich schon bei der einzelnen Waare zeigt, nämlich: daß ihr Gebrauchswerth Voraussetzung ihres Tauschwerths und damit ihres Werths ist. 
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Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 623f. [MEW 25, S. 648f.]
  



Samstag, 7. Januar 2017

An sich gibt es keinen Wert.



Kein Producent, der Industrielle sowenig wie der Ackerbauer, isolirt betrachtet, producirt Werth oder Waare. Sein Produkt wird nur Werth und Waare in bestimmtem gesellschaftlichen Zusammenhang. Erstens, soweit es als Darstellung gesellschaftlicher Arbeit erscheint, also seine eigne Arbeitszeit als Theil der gesellschaftlichen Arbeitszeit überhaupt; zweitens: dieser gesellschaftliche Charakter seiner Arbeit erscheint als ein seinem Produkt aufgeprägter gesellschaftlicher Charakter, in seinem Geldcharakter und in seiner durch den Preis bestimmten allgemeinen Austauschbarkeit.
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Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 626 [MEW 25, S. 651f.]
 



Nota. - Oder sollte ich besser sagen: Wert gibt es nicht an sich? Aber das ist ja dasselbe.
JE 








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Donnerstag, 5. Januar 2017

Geldkrisen sind unvermeidlich.



Es ist Grundlage der kapitalistischen Produktion, daß das Geld, als selbständige Form des Werths, der Waare gegenübertritt, oder daß der Tauschwerth selbständige Form im Geld erhalten muß, und dies ist nur möglich, indem eine bestimmte Waare das Material wird, in deren Werth sich alle andern Waaren messen, daß sie eben dadurch die allgemeine Waare, die Waare par excellence im Gegensatz zu allen andern Waaren wird. 

Dies muß sich in doppelter Hinsicht zeigen, und namentlich bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das Geld in großem Maß erset-zen, einerseits durch Kreditoperationen, andrerseits durch Kreditgeld. In Zeiten der Klemme, wo der Kredit einschrumpft oder ganz aufhört, tritt plötzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres Dasein des Werths absolut den Waaren gegenüber. Daher die allgemeine Entwerthung der Waaren, die Schwierigkeit, ja die Unmöglichkeit, sie in Geld zu verwandeln, d. h. in ihre eigne rein phantastische Form. Zweitens aber: das Kreditgeld selbst ist nur Geld, soweit es im Betrage seines Nominalwerths absolut das wirkliche Geld vertritt. Mit dem Goldabfluß wird seine Konvertibilität in Geld problematisch, d. h. seine Identität mit wirklichem Gold. Daher Zwangsmaßregeln, Heraufsetzung des Zinsfußes etc., um die Bedingungen dieser Konvertibilität zu sichern. 

Dies kann mehr oder minder auf die Spitze getrieben werden durch falsche Gesetzgebung, beruhend auf falschen Theorien vom Geld, und der Nation aufgedrängt durch das Interesse der Geldhändler, der Overstone und Konsorten. Die Grundlage aber ist gegeben mit der Grundlage der Produktionsweise selbst. Eine Entwer- thung des Kreditgeldes (gar nicht zu sprechen von einer übrigens nur imaginären Entgeldung desselben) würde alle bestehenden Verhältnisse erschüttern. 

Der Werth der Waaren wird daher geopfert, um das phantastische und selbständige Dasein dieses Werths im Geld zu sichern. Als Geldwerth ist er überhaupt nur gesichert, so lange das Geld gesichert ist. Für ein paar Millionen Geld müssen daher viele Millionen Waaren zum Opfer gebracht werden. Dies ist unvermeidlich in der kapitalistischen Produktion und bildet eine ihrer Schönheiten. In frühern Produktionsweisen kommt dies nicht vor, weil bei der engen Basis, auf der sie sich bewegen, weder der Kredit noch das Kreditgeld zur Entwicklung kommt. 

Solange der gesellschaftliche Charakter der Arbeit als das Gelddasein der Waare, und daher als ein Ding außer der wirklichen Produktion erscheint, sind Geldkrisen, unabhängig oder als Verschärfung wirklicher Krisen, unvermeidlich. 
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Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 511f. [MEW 25, S. 532f.]



Nota. - In der kapitalistischen Welt gibt es den Reichtum doppelt. Einmal real, in Gestalt der zum Gebrauch tauglichen Waren, das andre Mal phantasmagorisch als Geld, das lediglich zum Tauschen zu gebrauchen ist - aber das Tauschen ist unverzichtbar. Diesen Gebrauchswert, Tauschwert zu haben, hat es unter allen Umständen, aber nicht immer im gleichen Maß. Die Ware verliert ihren Gebrauchswert jedoch, sofern ihr Tauschwert nicht realisiert wird. Daher ist seine phantasmagorische Form für den Reichtum der sicherere Hafen.

Nun kann es seinen Wert ebenfalls verlieren, zum Teil mindestens, nämlich gegenüber seinem festen Standard, dem Gold, das selber eine Ware ist. Also nicht das Geld verlöre seinen Wert, sondern die eine Währung gegen das Gold, und mithin gegen allen andern Währungen. So jedenfalls zu der Zeit, als Marx schrieb. Nach dem 2. Weltkrieg trat der Dollar an seine Stelle, weil alle Welt darauf vertraute, dass die amerikanische Zentralbank jederzeit jede Menge jeder Währung in Gold einlösen werde. Was gottlob nie wirklich auf die Probe gestellt wurde, aber es reichte aus, dass alle dieses Vertrauen teilten: Das war so gut, als ob.

Das ist nun seit Präsident Nixon auch nicht mehr so. Solange aber der Dollar wirklich die Leitwährung war, auf die sich alle andern bezogen, änderte sich nichts. Doch nach und nach drangen andere Leitwährungen rivalisierend nach vorn. Inzwischen ist es das Kräfteverhältnis zwischen ihnen, das leisten muss, was einst das Gold leistete; was es nur kann, wenn alle auf seine Stabilität vertrauen, aber das tun nicht alle, mal mit, mal ohne Grund. Doch das schwindende Vertrauen ist der Verlust der Stabilität. 

Darum sind Geldkrisen, beginnend als Währungskrisen, nicht nur, wie Marx sagte, unvermeidlich, sondern geradezu die Regel (weshalb nun das Gold auch wieder im Hintergrund eine Rolle spielt). Sie sind sogar wichtiger für das Wirtschaftsgeschehen, als es früher die Handels- bzw. Überproduktionskrisen waren. Tatsächlich werden mit Währungsspekulationen heute größere Gewinne und Verluste gemacht, als mit Warengeschäften. Der phantasmagorische Reichtum ist wirklicher als der wirkliche.
JE




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Mittwoch, 4. Januar 2017

Grundrente.



Sie entspringt aus der größren naturwüchsigen Produktivkraft der Arbeit, gebunden an die Benutzung einer Naturkraft, aber nicht einer Naturkraft, die allem Kapital in derselben Produktionssphäre zur Verfügung steht, wie z. B. die Elasticität des Dampfs; deren Anwendung sich also nicht von selbst versteht, sobald überhaupt Kapital in dieser Sphäre angelegt wird. Sondern einer monopolisirbaren Naturkraft, die wie der Wasserfall nur denen zur Verfügung steht, die über besondre Stücke des Erdbodens und seine Appartenentien zu verfügen haben. 

Es hängt durchaus nicht vom Kapital ab, diese Naturbedingung größrer Produktivkraft der Arbeit ins Leben zu rufen, in der Art wie jedes Kapital Wasser in Dampf verwandeln kann. Sie findet sich nur lokal in der Natur vor, und ist da, wo sie sich nicht vorfindet, nicht herstellbar durch bestimmte Auslage von Kapital. Sie ist nicht gebunden an, durch Arbeit herstellbare Produkte wie Maschinen, Kohlen etc., sondern an bestimmte Naturver- hältnisse bestimmter Theile des Bodens. 

Der Theil der Fabrikanten, der die Wasserfälle besitzt, schließt den Theil, der sie nicht besitzt, von der Anwen- dung dieser Naturkraft aus, weil der Boden und noch mehr der mit Wasserkraft begabte Boden beschränkt ist. Es schließt dies nicht aus, daß, obgleich die Masse der natürlichen Wasserfälle in einem Lande beschränkt ist, die Masse der zur Industrie vernutzbaren Wasserkraft vermehrt werden kann. Der Wasserfall kann künstlich abgeleitet werden, um seine Triebkraft vollständig auszunutzen; den Fall gegeben, kann das Wasserrad verbes- sert werden, um möglichst viel von der Wasserkraft zu verwenden; wo das gewöhnliche Rad für die Wasserzu- fuhr nicht paßt, können Turbinen angewandt werden etc. 

Der Besitz dieser Naturkraft bildet ein Monopol in der Hand ihres Besitzers, eine Bedingung hoher Produktiv- kraft des angelegten Kapitals, die nicht durch den Produktionsproceß des Kapitals selbst hergestellt werden kann; diese Naturkraft, die so monopolisirbar ist, haftet immer an der Erde. Eine solche Naturkraft gehört nicht zu den allgemeinen Bedingungen der fraglichen Produktionssphäre, und nicht zu den Bedingungen derselben, die allgemein herstellbar sind. 
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Das Kapital III, MEGA II/15,  S. 632 [MEW 25, S. 658 ]



Nota. - Die Grundrente ist der Sache nach älter als das Kapital. Aber nicht ihrer Form nach. Sachlich enstammt sie der feudalen Grundherrschaft - einer wesentlich auf Agrarproduktion beruhenden Gesellschaft. Die Aufga- be ist zu verstehen, wie sie in kapitalistische Grundrente verwandelt und den Gesetzen der Kokurrenz unter- worfen wird. Dafür ist die am obigen Beispiel eines Wasserfalls dargestellte Ausnahme, die Diffenrenzial rente, sinnfälliger als der durchschnittliche Regelfall, wo lediglich die Liegenschaft gepachtet wird. Marx hechelt sämtliche Formen der Grundrente durch, aber hier mag diese Stelle reichen.

Dies sei aber noch hervorgehoben: Um allgemein zu gelten, muss etwas allgemein herstellbar sein: erstens knapp und zweitens durch Arbeit vermehrbar.
JE


Dienstag, 3. Januar 2017

Durchschnitt, Quételet.



Man wird hier dieselbe Herrschaft der regulirenden Durchschnitte finden, wie Quételet sie bei den socialen Phänomenen nachgewiesen hat.
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Das Kapital III,
MEGA II/15,  S. 833. [MEW 25, S. 828f.] 



Nota. - Man kann überall, wo Marx sich den rhetorischen Kniff nicht verkneifen konnte, von Gesetzen zu reden, getrost Durchschnitt einsetzen; wenn es gelegentlich stilistisch holpert, bewahrt es uns doch vor der Mystifikation der sich-selbst-bewegenden-Begriffe.
JE 



 

Montag, 2. Januar 2017

Wie der Gebrauchswert in die Formbestimmung eingreift.



Der Punkt, wo das Eingreifen des Gebrauchswerts in die Wertbestimmung, in die Formseite, am augenfällig- sten, recte: am sinn fälligsten ist, ist schließlich ganz am Anfang des Prozesses der Wertschöpfung: denn es ist ja dere Gebrauchswert, der je spezifische historisch gegebne Gebrauchswert der Arbeitskrft, nämlich die je be- stimmte Produktivität der Arbeit, welche den Wert - den Tauschwert einer Ware - im Vergleich zu den anderen Waren 

Nein, falsch; der je besondre Gebrauchswert der Arbeitskraft, die dieses je besondre Kapital verbraucht, d. h. zu effektiver Arbeit (energeia) aktualisiert, bestimmt nicht über den Wert der Ware - denn dieser drückt nur das Prorata des einzelnen Produkts an dem gesellschaftlichen Gesamtarbeitstag aus -, sondern bestimmt die Höhe des Profits, den das Kapital an der einzelnen Ware macht; bestimmt die individuelle Profitrate dieses besondern Kapitals - nämlich indem sie den spezifischen Unterschied der individuellen zur allgemeinen, "druchschnittli- chen" Profirate ausmacht, und darauf, allein darauf kommt es dem Kapital an: allein auf seinen (Extra-) Profit, nicht auf die Wertproduktion an sich.

Also im Allgemeinen, d. h. für die reflektierende Abstraktion, ist es so, dass "der Wert" - nämlich der je geschaffene Neuwert, und um den allein geht es hier - "geschöpft" wird aus dem Unterschied zwischen Gebrauchs- und Tauschwert der Arbeitskraft, weil ihr Gebrauchswert eben die Arbeit selbst ist.

Der Wert drückt aus den Anteil, den das individuelle Produkt an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit "hat"; oder richtiger: den Anteil, auf den er "zu Recht" Anspruch erheben kann: nicht der Anteil an der Gesamtar- beitszeit, der in ihm tatsächlich verausgabt, sondern derjenige Anteil, der in ihm "vergegenständlicht" ist: nämlich als in ihm vergegenständlich gilt; und ob er "gilt", ist immer eine Frage der 'Anerkennung': allgemeiner Anerken- nung...

Zuerst einmal: ob er überhaupt "gilt": nämlich ob die in ihm 'dargestellte', her gestellte Nützlichkeit in der Gesellschaft ein ihm geltendes Bedürfnis vorfindet, und das wird unter kapitalistischen Bedingungen immer erst ex post entschieden: Um sich als Gebrauchs wert bewähren zu können, muss das Produkt zuerst seinen Tausch wert "realisieren".

Und dann: welcher Anteil ihm "zugerechnet" wird: als welcher Anteil er "gilt"; und es gilt nicht diejenige Zeit, die tatsächlich auf seine Herstellung verwendet wurde, sondern es "gilt" jene Zeit, die irgend ein  anderer im Durchschnitt aufwenden müsste, um denselben Gegenstand hic et nunc zu re produzieren. Vorausgesetzt ist also immer die durchschnittliche Produktivität der Arbeit zur gegebnen Zeit, am gegebnen Ort des (beabsichtigten) Austauschakts. Also das, was hier aktual gilt als "allgemeiner" Parameter, ist de facto lediglich ein empirisch festgestellter, "geschätzer" Durchschnitt: Der durchschnittliche Gebrauchs wert der Arbeitskraft ist der Maßstab, nach dem der Anteil des Produkts an der gesellschaftlichen Gesamtarbeitszeit bewertet wird; ist also das Maß ihrer "Wertigkeit", aber nicht diese selbst: Diese Wertigkeit selbst, also die Substanz des Werts, ist das Verhältnis der Gebrauchswerte - besondre Nützlichkeiten alias das Bedürfnis danach - zur gesellschaftliche verfügbaren Gesamt(arbeits)zeit: das Verhältnis - pro rata -, in dem die Gesamtzeit auf die Bedürfnisse verteilt wird...

Es soll also "Zeit" auf "Nützlichkeit" verteilt weden: Das is so, als sollten Kartoffeln nach ihrer Seelengröße unterschieden werden. "Zeit" und "Nützlichkeit" sind an sich selber inkommensurabel. Es ist schlechterdings unmöglich, das eine durch - theoretische - Analyse aus dem andern herauszulesen: das ein immanent im andern darzustellen. Aber wenn es keine Analyse sein kann, dann muss es ein Akt des Setzens, eine Thesis, und muss insofern das Eine zu dem Andern ins Verhältnis gesetzt werden, muss es eine Synthesis sein, eine "ursprüngli- che", die 'nur aus Freiheit möglich' ist; ein Ur-teil, praktisches Urteil: Wieviel Zeit will - 'soll' - ich auf dieses Bedürfnis, wieviel auf jenes verwenden? (Es ist augenfällig, dass die Frage sinnlos wäre, wenn die verfügbare Zeit nicht knapp ist.) Also ich soll abwägen, welches Bedürfnis mir wichtiger ist als das andre, ich soll eine Rangfolge, Hierarchie der Bedürfnisse etablieren. 'Ich': das ist die gegebne gesellschaftliche (All)gemeine.

Unter Bedingungen unmittelbarer Herrschaft von Menschen über andre Menschen - über ihren Willen, über das, was sie in ihrer (Lebens-) Zeit tun - ist das Problem einfach, oder es ist keins: Die Bestimmung der Priori- täten (das Urteil über die Geltung der Besdürfnisse geht der Prouktion der Gebrauchsgegenstände voraus, "ex ante")  ist immer "konkret", d h. individuell, und darum an keine (immanente) Regel gebunden, die eine Analy- se der Formen erst ans Licht bringen müsste: Hier findet keine "Strukturanalyse" statt, sondern empirische Be- schreibung. 

[NB. Es ist nicht die Frage der Rituale, der konventionellen oder sakralen Formen, in denen die Befehle aus- gesprochen werden; sondern die Maximen, nach denen ihre Inhalte bestimmt sind: Was da an "Regeln", "öko- nomischn Gesetzen" herauszulesen ist, ist nichts anderes als eine empirisch, nämlich beschreibend nachgewie- sene Häufigkeit, die Urteilsakte sind einander heteronom, der (beschreibende) Historiker kann die ihnen zu- grundeliegenden Motive "verstehend deuten", sodann typologisch klasifizieren und die (ihm bekannten) Phäno- mene, "Fakten", danach mengenmäßig ordnen; aber immer bleibt er hier Idiograph.]

Bei der Hervorbringung der den - um ihre verhältnismäßige Geltung konkurrierenden - Bedürfnissen entspre- chenden nützlichn Gegenstände geht, mit der Zunahme individuellen Geschicks bei den Produzenten - "Qua- lität", Produktivität der Arbeit - immer mehr Geschick in das Produkt selbst ein: als dessen "höhere", größere Nützlichkeit, und das wird wesentlich, indem der produzierte Gegenstand selber Arbeitsmittel wird, Produktions- instrument. Indem die spezifische Nützlichkeit - Gebrauchswert - der Produkte zunehmend von der "Qualität" - der in ihnen als deren eignes Geschick vergegenständlichten Geschicklichkeit der Produzenten - der Arbeits- mittel abhängt, erlangt die Herrschaft über das Arbeitsmittel wachsende Bedeutung gegenüber der unmittelba- ren Herrschaft über Menschen: Privateigentum am Arbeitsmittel statt persönlicher Herrschaft über den Arbeiter. Insofern ist das feudale Grundeigentum in (West!-) Europa der Beginn der Entwicklung zum Kapitalismus.

 4. 5. 88


Formbestimmend ist der Gebrauchswert der Arbeit von Anbeginn, indem ihre zunehmende Qualität in die höhere Qualität der Produkte eingeht und, sofern das Produkt selbst zum Arbeitsmittel wird, die Arbeitsmittel gegenüber der Arbeit ein wachsendes Gewicht erhalten. Am Ende steht das fixe Kapital, das als digitaler Auto- mat alle Arbeit selber übernimmt: Der Gebrauchswert hat die Form "zu Tode bestimmt".



Sie fragen nach dem Zusammenhand meines Bildes mit dem Text?  Es hat keinen. Ich fürchte, ich hätte ein paar Stunden suchen müssen, um so ein Bild zu finden. Das obige stelt die Reste eine Auster dar.



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