Donnerstag, 7. Januar 2016

Gebrauchswert und gesellschaftliches Bedürfnis.


Es ist in der That das Gesetz des Werths, wie es sich geltend macht, nicht in Bezug auf die einzelnen Waaren oder Artikel, sondern auf die jedesmaligen Gesammtprodukte der besondren, durch die Theilung der Arbeit verselbständigten gesellschaftlichen Produktionssphären; sodaß nicht nur auf jede einzelne Waare nur die nothwendige Arbeitszeit verwandt ist, sondern daß von der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit nur das nöthige proportionelle Quantum in den verschiednen Gruppen verwandt ist.

  • Gesellschaftliches Bedürfnis und Verteilung der Gesamtarbeitszeit.

Denn Bedingung bleibt der Gebrauchswerth. Wenn aber der Gebrauchswerth bei der einzelnen Waare davon abhängt, daß sie an und für sich ein Bedürfniß befriedigt, so bei der gesellschaftlichen Produktenmasse davon, daß sie dem quantitativ bestimmten gesellschaftlichen Bedürfniß für jede besondre Art von Produkt adäquat, und die Arbeit daher im Verhältniß dieser gesellschaftlichen Bedürfnisse, die quantitativ umschrieben sind, in die verschiednen Produktionssphären proportionell vertheilt ist. (Dieser Punkt heranzuziehn bei der Verthei-lung des Kapitals in die verschiednen Produktionssphären.) 

Das gesellschaftliche Bedürfniß, d. h. der Gebrauchswerth auf gesellschaftlicher Potenz, erscheint hier bestim-mend für die Quota der gesellschaftlichen Gesammtarbeitszeit, die den verschiednen besondren Produktions-sphären anheimfallen. Es ist aber nur dasselbe Gesetz, das sich schon bei der einzelnen Waare zeigt, nämlich: daß ihr Gebrauchswerth Voraussetzung ihres Tauschwerths und damit ihres Werths ist. Dieser Punkt hat mit dem Verhältniß zwischen nothwendiger und Mehrarbeit nur soviel zu thun, daß mit Verletzung dieser Propor-tion der Werth der Waare, also auch der in ihm steckende Mehrwerth, nicht realisirt werden kann. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 623f. [MEW 25, S. 648f.]




Mittwoch, 6. Januar 2016

Robinson schafft keinen Wert.


N. C. Wyeth

Kein Producent, der Industrielle sowenig wie der Ackerbauer, isolirt betrachtet, producirt Werth oder Waare. Sein Produkt wird nur Werth und Waare in bestimmtem gesellschaftlichen Zusammenhang. Erstens, soweit es als Darstellung gesellschaftlicher Arbeit erscheint, also seine eigne Arbeitszeit als Theil der gesellschaftlichen Arbeitszeit überhaupt; zweitens: dieser gesellschaftliche Charakter seiner Arbeit erscheint als ein seinem Produkt aufgeprägter gesellschaftlicher Charakter, in seinem Geldcharakter und in seiner durch den Preis bestimmten allgemeinen Austauschbarkeit. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 625. [MEW 25, S. 651]



Dienstag, 5. Januar 2016

Grundeigentum ist kein ökonomisches Verhältnis, sondern ein Monopol.


Les très riches heure du duc de Berry

Das Grundeigenthum setzt das Monopol gewisser Personen voraus, über bestimmte Portionen des Erdkörpers als ausschließliche Sphären ihres Privatwillens, mit Ausschluß aller andern zu verfügen. Dies vorausgesetzt, handelt es sich darum, den ökonomischen Werth, d. h. / die Verwerthung dieses Monopols auf Basis der kapi-talistischen Produktion zu entwickeln. Mit der juristischen Macht dieser Personen, Portionen des Erdballs zu brauchen und zu mißbrauchen, ist nichts abgemacht. Der Gebrauch derselben hängt ganz und gar von ökono-mischen Bedingungen ab, die von ihrem Willen unabhängig sind. S. 604f. [628f.] 

In sofern ist das Monopol des Grundeigenthums eine historische Voraussetzung, und bleibt fortwährende Grundlage, der kapitalistischen Produktionsweise, wie aller frühern Produktionsweisen, die auf Ausbeutung der Massen in einer oder der andern Form beruhn. Die Form aber, worin die beginnende kapitalistische Produkti-onsweise das Grundeigenthum vorfindet, entspricht ihr nicht. Die ihr entsprechende Form wird erst von ihr selbst geschaffen durch die Unterordnung der Agrikultur unter das Kapital; womit denn auch feudales Grund-eigenthum, Claneigenthum, oder kleines Bauerneigenthum mit Markgemeinschaft, in die dieser Produktions-weise entsprechende ökonomische Form verwandelt wird, wie verschieden auch deren juristischen Formen seien. 

Es ist eines der großen Resultate der kapitalistischen Produktionsweise, ... daß sie das Grundeigenthum einer-seits von Herrschafts-/ und Knechtschaftsverhältnissen völlig loslöst, andrerseits den Grund und Boden als Arbeitsbedingung gänzlich vom Grundeigenthum und Grundeigenthümer trennt, für den er weiter nichts vor-stellt, als eine bestimmte Geldsteuer, die er vermittelst seines Monopols vom industriellen Kapitalisten, dem Pächter erhebt; ... 

Das Grundeigenthum erhält so seine rein ökonomische Form, durch Abstreifung aller seiner frühern politischen und socialen Verbrämungen und Verquickungen, kurz aller jener traditionellen Zuthaten, die von den industriellen Kapitalisten selbst, wie von ihren theoretischen Wortführern, wie wir später sehn werden, im Eifer ihres Kampfs mit dem Grundeigenthum als eine nutzlose und abgeschmackte Superfötation denuncirt werden. 605f. [630f.]
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 604ff. [MEW 25, S. 628-31]


Nota. - Festzuhalten: Das Grundeigentum ist ein Monopol und beruht als solches nicht auf ökonomischen, sondern auf Gewaltvoraussetzungen, und so entstammt die Grundrente nicht einem ökonomischen, sondern einem ursprünglich politischen Verhältnis; wie eine Steuer.
JE









Montag, 4. Januar 2016

Die Naturbasis der Mehrarbeit.




Die naturwüchsige Basis der Mehrarbeit überhaupt, d. h. eine Naturbedingung, ohne welche sie nicht möglich ist, ist die, daß die Natur, – sei es in Produkten des Landes, pflanzlichen oder thierischen, sei es in Fischereien etc. – die nöthigen Unterhaltsmittel gewährt bei Anwendung einer Arbeitszeit, die nicht den ganzen Arbeitstag verschlingt. Diese naturwüchsige Produktivität der agrikolen Arbeit (worin hier einfach sammelnde, jagende, fischende, Vieh züchtende eingeschlossen) ist die Basis aller Mehrarbeit; wie alle Arbeit zunächst und ursprüng-lich auf Aneignung und Produktion der Nahrung gerichtet ist. (Das Thier gibt ja zugleich Fell zum Wärmen in kälterm Klima; außerdem Höhlenwohnungen etc.) ...

Diese Bedingungen sind: Die unmittelbaren Producenten müssen über die Zeit hinaus arbeiten, die zur Repro-duktion ihrer eignen Arbeitskraft, ihrer selbst erheischt ist. Sie müssen Mehrarbeit überhaupt verrichten. Dies ist die subjektive Bedingung. Aber die objektive ist, daß sie auch Mehrarbeit verrichten können; daß die Natur-bedingungen derart sind, daß ein Theil ihrer disponiblen Arbeitszeit zu ihrer Reproduktion und Selbsterhaltung als Producenten hinreicht, daß die Produktion ihrer nothwendigen Lebensmittel nicht ihre ganze Arbeitskraft konsumirt. Die Fruchtbarkeit der Natur bildet hier eine Grenze, einen Ausgangspunkt, eine Basis. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 620, 622 [MEW 25, S. 645, 647f.]


Nota. – Dies klingt wie eine Binsenweisheit, aber gerade darum muss man sie gelegentlich aussprechen: Nur wenn die Arbeit mehr erbringt als was unmittelbar zum Leben notwendig ist, kann eine Akkumulation und eine Entwicklung stattfinden. Ob dies aber der Fall ist, hängt zunächst von der Natur und nicht von der Arbeit ab. Es liegt vor jeglicher Formbestimmung.
JE





Sonntag, 3. Januar 2016

Entstehung des Kapitalismus II: Der Produzent wird Kaufmann.


manager-magazin

Andrerseits wird der Producent Kaufmann. Statt daß z. B. der Tuchwebermeister seine Wolle nach und nach in kleinen Portionen vom Kaufmann erhält und mit seinen Gesellen für diesen arbeitet, kauft er selbst Wolle oder Garn und verkauft sein Tuch an den Kaufmann. Die Produktionselemente gehn als von ihm selbst gekaufte Waaren in den Produktionsproceß ein. 

Und statt für den einzelnen Kaufmann zu produciren, oder für bestimmte Kunden, producirt der Tuchweber jetzt für die Handelswelt. Der Producent ist selbst Kaufmann. Das Handelskapital verrichtet nur noch den Cirkulationsproceß. 

Ursprünglich war der Handel Voraussetzung für die Verwandlung des zünftigen und ländlich-häuslichen Ge-werbes und des feudalen Ackerbaus in kapitalistische Betriebe. Er entwickelt das Produkt zur Waare, theils in-dem er ihm einen Markt schafft, theils indem er neue Waarenäquivalente, und der Produktion neue Roh- und Hülfsstoffe zuführt und damit Produktionszweige eröffnet, die von vornherein auf den Handel gegründet sind, sowohl auf Produktion für den Markt und Weltmarkt, wie auf Produktionsbedingungen, die aus dem Welt-markt herstammen.

Sobald die Manufaktur einigermaßen erstarkt, und noch mehr die große Industrie schafft sie sich ihrerseits den Markt, erobert ihn durch ihre Waaren. Jetzt wird der Handel Diener der industriellen Produktion, für die be-ständige Erweiterung des Markts Lebensbedingung ist.
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 328f. [MEW 25, S. 348f.]


Nota. - Dies wäre 'dem Begriff nach' der wahre Grund für die Ausbreitung der kapitalistischen Wirtschafts-weise. Historisch war es jedoch am Anfang eine Ausnahme. Das Geldvermögen, das in der Produktion als Kapital fungieren sollte, musste zunächst von außerhalb der der Produktion kommen. Es hätte den industri-ellen Unternehmern geliehen werden müssen; doch das wurde erst mit der Entwicklung des Kreditwesens zur Regel. Entsprechend schleppend konnte sich die neue Wirtschaftsweise nur ausbreiten.
JE




Samstag, 2. Januar 2016

Entstehung des Kapitalismus I: Der Kaufmann wird Produzent.


Joseph-Marie Jacquards Seidenwebstuhl

Der Uebergang aus der feudalen Produktionsweise macht sich doppelt. Der Producent wird Kaufmann und Kapitalist, im Gegensatz zur agrikolen Naturalwirthschaft und zum zünftig gebundnen Handwerk der mittel-alterlichen städtischen Industrie. Dies ist der wirklich revolutionirende Weg. 

Oder aber, der Kaufmann bemächtigt sich der Produktion unmittelbar. So sehr der letztre Weg historisch als Uebergang wirkt – wie z. B. der englische Clothier des 17. Jahrhunderts, der die Weber, die aber selbständig sind, unter seine Kontrolle bringt, ihnen ihre Wolle verkauft und ihr Tuch abkauft – so wenig bringt er es an und für sich zur Umwälzung der alten Produktionsweise, die er vielmehr konservirt und als seine Vorausset-zung beibehält. 

So z. B. war großentheils noch bis in die Mitte dieses Jahrhunderts der Fabrikant in der französischen Seiden-industrie, der englischen Strumpfwaaren- und Spitzenindustrie bloß nominell Fabrikant, in Wirklichkeit bloßer Kaufmann, der die Weber in ihrer alten zersplitterten Weise fortarbeiten läßt, und nur die Herrschaft des Kaufmanns ausübt, für den sie in der That arbeiten.  Diese Manier steht überall der wirklichen kapitalistischen Produktionsweise im Wege, und geht unter mit deren Entwicklung. Ohne die Produktionsweise umzuwälzen, verschlechtert sie nur die Lage der unmittelbaren Producenten, verwandelt sie in bloße Lohnarbeiter und Prole-tarier unter schlechtern Bedingungen, als die direkt unter das Kapital subsumirten, und eignet sich ihre Mehrar-beit auf Basis der alten Produktionsweise an. 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 327 [MEW 25, S. 347]


Nota. - Dies sind zwei verschiedene Fragen: 1: Wo wird das 'Kapital' (=eine genügend große Geldsumme, die als Kapital fungieren kann) ursprünglich akkumuliert? und 2. Wer beginnt damit, Geld gegen Arbeit auszutauschen und zu Kapital zu machen?
JE




Freitag, 1. Januar 2016

Der Zinsfuß und die durchschnittliche Profitrate.



Der Zinsfuß verhält sich zur Profitrate ähnlich wie der Marktpreis der Waare zu ihrem Werth. Soweit der Zinsfuß durch die Profitrate be-/stimmt ist, ist es stets durch die allgemeine Profitrate, nicht durch die spe-cifischen Profitraten, die in besondern Industriezweigen herrschen mögen, und noch weniger durch den Ex-traprofit, den der einzelne Kapitalist in einer besondren Geschäftssphäre machen mag. Die allgemeine Profit-rate erscheint daher in der That als empirisches, gegebnes Faktum wieder in der Durchschnittszinsrate, ob-gleich die letztre kein reiner oder zuverlässiger Ausdruck der erstern. 
355f. [377f.]


Durch die so herbeigeführte Ausgleichung der durchschnittlichen Marktpreise der Waaren zu Produktionsprei-sen ist es, daß die Abweichungen der besondren Profitraten von der allgemeinen oder Durchschnittsprofitrate korrigirt werden. Dieser Proceß erscheint nie so und kann nie so erscheinen, daß das / industrielle oder mer-kantile Kapital als solches Waare gegenüber einem Käufer ist, wie das zinstragende Kapital. Soweit er erscheint, erscheint er nur in den Schwankungen und Ausgleichungen der Marktpreise der Waaren zu Produktionsprei-sen; nicht als direkte Festsetzung des Durchschnittsprofits. 

Die allgemeine Profitrate ist in der That bestimmt 1) durch den Mehrwerth, den das Gesammtkapital producirt, 2) durch das Verhältniß dieses Mehrwerths zum Werth des Gesammtkapitals, und 3) durch die Konkurrenz, aber nur soweit, als diese die Bewegung ist, wodurch die in besondren Produktionssphären angelegten Kapitale gleiche Dividenden aus diesem Mehrwerth, im Verhältniß zu ihren relativen Größen zu ziehn suchen. Die all-gemeine Profitrate schöpft also in der That ihre Bestimmung aus ganz andren und viel komplicirteren Grün-den, als die durch das Verhältniß von Nachfrage und Angebot direkt und unmittelbar bestimmte Marktrate des Zinses, und ist daher kein handgreifliches und gegebnes Faktum in der Art, wie es der Zinsfuß ist. ...

Der Durchschnittsprofit erscheint nicht als unmittelbar gegebne Thatsache, sondern als erst durch die Unter-suchung festzustellendes Endresultat der Ausgleichung entgegengesetzter Schwankungen. Anders mit dem Zinsfuß. Er ist in seiner, wenigstens lokalen, Allgemeingültigkeit ein täglich fixirtes Faktum... 357f. [379f.]


Da man gesehn, daß die Höhe der Profitrate im umgekehrten Verhältniß steht zur Entwicklung der kapitalisti-schen Produktion, so folgt daher, daß der höhere oder niedre Zinsfuß in einem Lande in demselben umgekehr-ten Verhältniß zur Höhe der industriellen Entwicklung steht, soweit nämlich die Verschiedenheit des Zinsfußes wirklich Verschiedenheit der Profitraten ausdrückt. Man wird später sehn, daß dies keineswegs stets der Fall zu sein braucht. In diesem Sinn kann man sagen, daß der Zins regulirt wird durch den Profit, näher durch die all-gemeine Profitrate. Und diese Art seiner Regulirung gilt selbst für seinen Durchschnitt. / Jedenfalls ist die Durchschnittsrate des Profits als die endgültig bestimmende Maximalgrenze des Zinses zu betrachten. 350f. [371f.] 
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Das Kapital III, MEGA II.15; S. 350f.; 355f.; 357f. [MEW 25, S. 371f.; 377f.; 379f. ]


Nota. – Sollte die kapitalistische Wirtschaftsform eines Tages spontan zugrunde gehen, weil die Produktivkräfte gegen die zu engen Fesseln der Produktionsweise rebellieren, so wäre es, indem die Durchschnittsprofitrate so weit fällt, dass neues Kapital nicht mehr profitabel angelegt werden kann. Es gibt zahlreiche Momente im Ver-wertungsprozeß selbst, die einem solchen Fall faktisch entgegenwirken. Es ist daher schlechthin nicht möglich, einen solchen Moment vorherzusehen.

Es ist nicht einmal möglich, einen Fall der Profitrate empirisch festzustellen. Die Profitrate erscheint nirgends als solche. Als Anhaltspunkt kann lediglich die allgemeine Zinsrate dienen, die sich – über mancherlei Vermitt-lungsschritte – aus der Durchschnittsprofitrate ergibt.

Wenigstens zu Marxens Zeit. Heute greifen die Notenbanken in die Höhe des Zinses ein, mit weltweiten Fol-gen.
JE